Das Buch ist das erste von Norfolk, das ich gelesen habe. Manchmal gibt es das, dass man beim Stöbern im Buchladen immer wieder ein Buch in die Hand nimmt. Erst wenn man dann den Inhalt liest, fällt einen auf, das man es schon einige Mal angesehen hatte. Irgendwann habe ich es dann einfach gekauft, auch wenn mich das Thema Küche und Kochen nicht besonders interessiert. Aber ganz ehrlich: Das spielt bei diesem Buch auch echt keine Rolle, denn diese Sätze, diese schönen Formulierungen, dieses Feingefühl für Nuancen in der Sprache, aber besonders auch in der Art Sinneseindrücke zu beschreiben, ist einfach fantastisch.Norfolk beschreibt zuerst die Kindheit von John, wie er die Liebe zum Kochen und für die vielen Gerüche der Welt entwickelt. Manchmal übertreiben Autoren ja maßlos und beschreiben eine übermäßig grausame und rücksichtslose Gesellschaft. Auch wenn Norfolk ein durchaus realistisches Bild des 17. Jahrhunderts zeichnet, ist es nicht schwarz oder weiß. Vielmehr kann man sich sehr gut vorstellen, dass es damals ungefähr so war.

Was ich nie vergessen werde, ist der Moment, in dem sich vor John die Türe in die Küche des Gutshauses öffnet. Und wie die Sinneseindrücke auf ihn herein prasseln. So könnte man das in einem Film nie darstellen und hier zeigt sich, dass Norfolk einfach ein guter Autor ist. Das ist aber nicht der einzige Moment, der mir in Erinnerung geblieben ist. Später hilft John der jungen Tochter Lucretia und hat dabei seine ganz eigene Methode.John als Protagonist erlebt man als einen Mensch, der sehr realistisch und greifbar ist. Jemand, der kein Superheld, aber auch kein Verlierertyp ist. Ein Mensch, der geprägt ist von den Erlebnissen, die Norfolk in der Geschichte schildert. Ähnlich verhält es sich auch mit den Nebenfiguren, die manchmal zwar ein bisschen Stereotyp wirken, was der Geschichte aber durchaus gut tut und wahrscheinlich nicht mal so an den Haaren herbei gezogen ist.

So einen richtig spannend oder einen spannenden Höhepunkt hat das Buch nicht. Das würde sich auch nicht mit dieser Gleichmäßigkeit vertragen, die das Buch ausstrahlt. Denn ein zentrales Element ist es, ein Bild von dem Leben und Alltag damals zu geben. Trotzdem war es sehr unterhaltsam und ich hatte an keiner Stelle den Wunsch das Buch zur Seite zu legen.

Eine kleine Empfehlung von mir: Ich höre ja in der S-Bahn immer Musik beim Lesen. Ein echter Geheimtipp, der einfach hervorragend zu dem Buch passt ist der Soundtrack zu „Anna Karenina“ von „Dario Marianelli“. Die Musik erinnert ein wenig an Tschaikowsky und passt einfach hervorragen zu der Stimmung in der Küche und dem Gutshaus.

Fazit: Alleine sprachlich ist das Buch ein Genus. Aber auch die Geschichte kann überzeugen. Zusammen mit der intensiven Darstellung von Johns Sinneseindrücken ist das Buch ein sinnliches Erlebnis, das ich jedem nur empfehlen kann.

Wertung in Sternen

star star star star star

Über das Buch

john-saturnallTitel: Das Festmahl des John Saturnall
Autor: Lawerence Norfolk
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
Übersetzung: Melanie Walz
Erschienen: 12. November 2012
Seiten: 448 Seiten

Klappentext anzeigen
verfasst von Tobi

    1 Kommentar

  1. Pingback: Kulinarische Entdeckungen | lesestunden 14. September 2016 at 20:09

    […] erwähnt werden oder die das Kochen eng in ihre Geschichte verflochten haben. Da fällt mir Das Festmahl des John Saturnall von Lawerence Norfolk ein, wo es einen jungen, talentierten Koch in die Küche eines Gutshauses […]

Kommentar verfassen