Ich hab „Der grüne Blitz“ aus der Reihe vom Mare Verlag und muss sagen, dass auch dieses Buch echt wertig ist, gut in der Hand liegt und einen super edlen Einband hat. Da macht dem Mare Verlag so schnell niemand was vor. Bei „Der grüne Blitz“ hat die Aufmachung echt gut zum Inhalt gepasst und auch hier ist das der Fall.

Nachdem ich das Buch nun durch hab, lege ich es mit gemischten Gefühlen weg. Auf der einen Seite war es, wie vom Mare Verlag gewohnt, mit brillanten Details zu dem Garten, dem Meer und der ganzen Umgebung ausgestaltet. Der Stil des Verlages war ganz deutlich zu spüren, auch wenn die Autorin sehr geschickt und zum Teil mit sehr wenigen Worten ein pastellfarbenes, verschwommenes Bild, dem Träumen gleich zeichnet. Man konnte den Garten schon irgendwie spüren, die lauen Sommernächte, die Ausgelassenheit der Parties.

Gleichzeitig war ich etwas enttäuscht von den einfachen Stil und der eingeschränkten Perspektive des Gärtners, die keine wirkliche Empathie mit den Darsteller zugelassen hat. Eine Liebesgeschichte, welche die Liebe irgendwie ausblendet, unter den Teppich kehrt und stattdessen eine rücksichtslose Gier nach Geld an ihre Stelle rückt. Gleichzeitig ist genau das, was dieses Buch zu einem Kunstwerk macht. Am Ende geht es allen ums Geld: Miranda, die sich den gut betuchten Nachbar angelt (nachdem sie keinen Hehl daraus gemacht hat, das sie einen reichen Mann sucht), Mariona, die sich zwar für den armen Maurer entscheidet, aber auch zögert und gern einen reichen Mann hätte, Eugeni mit der reichen Maribel und natürlich Rosamaria. Gleichzeitig werden die, die aus Liebe geheiratet haben (der Gärtner selbst, Mariona, Bellom) für ihre Entscheidung bestraft. Entweder durch ein frühes Ableben der Angebeteten oder durch eine ungünstige Lebenssituation (Maurer der weit weg arbeitet und nie Zuhause ist). Das Buch ist keine Ode an die wahre Liebe und gleichzeitig verurteilt sie, die Liebe als Vehikel für ökonomische Interessen zu missbrauchen.

Irgendwie hab ich die durch die zahlreichen, zum Teil subtilen Hinweise erzeugte Stimmung, den „impressionistischen“ Stil und das „pastellfarbene“ Bild schon gefühlt und wahrgenommen. Auch die Message (zumindest die eine, die ich im Absatz zuvor beschreibe, vielleicht gibts ja mehrere) ist bei mir angekommen. Auch die geniale Mare-Verlags-Meer-Natur-Stimmung ist bei mir wieder voll eingeschlagen, weil ich das einfach liebe. Trotzdem würde das Buch von mir nur drei von fünf Sterne bekommen. Es fehlt die Nähe zu den Charakteren, es fehlt das Gefühl, das auch auf einen selbst überspringt und der damit verbundene große Kampf gegen Ungemacht und dem streben nach Liebe.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Der Garten über dem Meer

Titel: Der Garten über dem Meer
Autor: Mercè Rodoreda
Verlag: mare Verlag
Übersetzung: Kirsten Brandt
Erschienen: 7. Oktober 2014
Erstveröffentlichung: 1967
Seiten: 240 Seiten

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verfasst von Tobi

    4 Kommentare

  1. Pingback: mare verlag | lesestunden 31. Dezember 2014 at 12:38

    […] ist und aus meiner Sicht weitaus besser als das Original ist. Eine Rezension für “Der Garten über dem Meer” findet ihr hier im Blog. Und Jules Vernes einzige Liebesgeschichte, “Der grüne […]

  2. […] ist mir sofort ins Auge gestochen und mir war klar, dass ich das Buch lesen muss. Genauso wie “Der Garten über dem Meer” von Mercè Rodoreda oder “Der grüne Blitz” von Jules Verne ist dieses Buch in einer […]

  3. […] (Heute dreimal ins Polarmeer gefallen), besondere Geschichten mit ihrer ganz eigenen Stimmung (Der Garten über dem Meer) oder einer eigenwilligen Mischung aus Liebe und Natur (Der Grüne Blitz von Jules Verne) machen […]

  4. Pingback: Der große Gatsby 1. September 2015 at 17:32

    […] Buch hat mich stark an Der Garten über dem Meer erinnert, das ebenfalls einen ganz impressionistischen Stil aufweist, ein pastellartiges Bild […]

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