Als ich beim Stöbern im Bücherladen auf „Die Plantage“ gestoßen bin, mir den Inhalt durchgelesen habe, da habe ich mit einer Liebesgeschichte mit einem weitgefächerten Hintergrund erwartet. Ähnlich wie „Vom Winde verweht“ mit einem gewissen sprachlichen Anspruch, einer romantischen Liebesgeschichte und ein ordentliches Südstaaten-Setting. Dazu ist das Buch im dtv Verlag erschienen und das ist eigentlich schon immer ein Gütesiegel. Einziger Wermutstropfen: Der Spiegel Bestseller Aufkleber. Erfahrungsgemäß handelt es sich bei solchen Büchern um kommerziellen Mist mit niedriger Qualität.

Leider trifft das auch bei diesem Buch in vollem Umfang zu. Die Geschichte beginnt vielversprechend, aber die Qualität nimmt ab der etwa 300. Seite dermaßen rapide ab, dass ich erst einmal völlig irritiert war. So etwas habe ich bei einem Buch noch nie erlebt. Die Geschichte beginnt vielversprechend und spannend, hat alle Elemente eines aufregenden Abenteuers. Die Figuren werden aber schlagartig zu ganz einseitigen Stereotypen. Aus meiner Sicht der Hauptkritikpunkt an dem Buch: Die Antagonisten sind einfach nur Böse, was die Autorin ganz im Sinne von Freud mit einer schlimmen Kindheit begründet. Dabei sind die Bösewichte aber auch so richtig böse, ohne die Person genauer zu beleuchten werden drei Sätze zu einer Kindheit mit Gewalt und ohne Liebe geschrieben und ab dann haben wir es mit einem Erwachsenen zu tun, der vor nichts zurückschreckt, grausam ist, extreme sexuelle Neigungen hat und immer zum Extremsten geht.

Auch die Protagonisten verkommen zu sehr langweiligen Charakteren, mit wenig Eigeninitiative, wenig Persönlichkeit, mit Gedankengänge, die völlig unplausibel sind. Da werden beispielsweise binnen wenigen Zeilen zwei Personen, die sich überhaupt nicht verstehen, zu dicke Kumpels (William und York), Mörder werden ohne nachvollziehbaren Grund gedeckt, Entscheidungen aus dem Blauen heraus getroffen. Die Autorin versucht sich in Begründungen, die lassen sich dem Leser aber kaum vermitteln.

Von einer Liebesgeschichte ist hier nicht viel zu finden. Zwar kommt eine vor, sie erreicht den Leser aber nicht, hat mich nicht im Ansatz mitgenommen und nimmt im Buch auch nur eine untergeordnete Stellung ein. Vielmehr handelt es sich um eine Mischung aus Krimi und Thriller. So richtig könnte ich das Buch nicht in ein Genre einordnen.

Aufgrund dieser Stereotypen und diesem kompromisslosen Antagonisten wird die Geschichte schon an einigen Stellen spannend, was ich wieder positiv bewerte, auch wenn das Mittel sehr einfacher Natur ist.

Sprachlich ist das Buch kein großer Wurf. Die Personen reden sehr umgangssprachlich miteinander, was nicht gerade die Stimmung dieser Zeit heraufbeschwört. Auch die Sätze sind meist recht einfach gestrickt, ganz anders wie sonst von den Büchern des dtv Verlags gewohnt.

Fazit: Dieses Buch war definitiv ein Fehlkauf. Wegen einiger spannenden Passagen, dem gelungen Anfang der ersten dreihundert Seiten und einer ganz schönen Beschreibung der Natur bekommt das Buch dennoch zwei von fünf Sternen. Trotzdem rate ich jeden von einem Kauf ab.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Die Plantage

Titel: Die Plantage
Autor: Catherine Tarley
Verlag: dtv
Erschienen: 1. Januar 2014
Seiten: 880 Seiten

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verfasst von Tobi

    1 Kommentar

  1. Pingback: Zum Jahresende 2014 | lesestunden 31. Dezember 2014 at 22:34

    […] das Buch “Die Plantage” von Catherine Tarley. Ich hatte mir eine ordentliche Südstaatenschmonzette erwartet und […]

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