Es gibt Bücher, über die ich beim Stöbern immer wieder stolpere. „Der Alchimist“ ist so ein Buch, das mir die letzten Jahre immer irgendwie zwischen die Finger kam. Vielleicht liegt es aber auch nur an dem Bild auf dem Cover oder daran, dass dieses Buch scheinbar sehr bekannt und erfolgreich ist. Nachdem ich viele Klassiker mit mehr als 1000 Seiten gelesen habe, hatte ich einfach Lust etwas kürzeres, etwas knackigeres und etwas von weniger schwergewichtigen Ausmaßes zu lesen.

Protagonist der Geschichte ist ein junger Hirte, der im ganzen Buch als der „Jüngling“ bezeichnet wird. Er ist selbstbewusst, aber wirkt oft naiv, gleichzeitig aber auch weltoffen. Sein einziger Wunsch ist es zu reisen und durch eine Reihe von Begegnungen kommt es dazu, dass er sich auf die Suche nach einem Schatz begibt, welcher bei den Pyramiden von Ägypten zu finden sein soll.

Die beharrliche Suche nach der eigenen Bestimmung, dem Besinnen auf das eigene Ich und das Lauschen auf die Stimme des eigenen Herzens ist eine Tugend, die in diesem Roman als eine Kernbotschaft gilt und auf verschiedene Wege verdeutlicht wird.

Die Entscheidungen waren nur der Anfang von etwas. Wenn man einen Entschluß gefaßt hatte, dann tauchte man damit in eine gewaltige Strömung, die einen mit sich riß, zu einem Ort, den man sich bei dem Entschluß niemals hätte träumen lassen.

Dabei bezieht sich Coelho immer wieder auf die „Sprache der Zeichen“, die der Jüngling nach und nach erlernt. Es sind die Dinge, die zwischen den Zeilen zu finden sind, eine Ahnung, der Ausdruck der Natur und nicht zuletzt das, was jedem Wesen zugrunde liegt.

Auf dieser Grundlage baut Coelho einen philosophischen Rahmen, der zeitweilig wie ein Mythos oder eine Sage anmutet. Alle Menschen und Dinge sind über eine Weltenseele miteinander verbunden, wobei diese Weltenseele wiederum ein Teil von Gott ist und von diesem umfasst wird. Für mich stellt sich dabei die Frage, ob dieses Konzept sowohl mit einer theistischen Definition eines persönlichen Gottes, als auch mit dem transzendenten Gottesbild von Atheisten zusammenpasst. Teilweise wirkt das Buch schon christlich geprägt.

Es macht Spaß dieses kurzweilige Buch zu lesen, denn es enthält viele kleine Gedanken, philosophische Hinweise und wirkt durch die einfache Sprache, die kurzen Sätze manchmal wie ein Märchen.

„Welches ist denn die größte Lüge der Welt?“ fragte der Jüngling überrascht. „Es ist diese: In einem bestimmten Moment unserer Existenz verlieren wir die Macht über unser Leben, und es wird dann vom Schicksal gelenkt. Das ist die größte Lüge der Welt!“

Coelho ist ein Meister darin mit wenigen Worten und einer bildhaften Sprache eine Szene vor dem geistigen Auge zu erschaffen und es ist ein Genuss zusammen mit dem Jüngling die Wüste zu durchstreifen und deren Stille zu spüren, die höchstens der Wind zu stören vermag.

Fazit: Mir hat die Lektüre sehr gut gefallen und ich werde mir definitiv noch weitere Bücher von Coelho holen. Die vielen subtilen Botschaften, aber auch der einfache Schreibstil, in dem dennoch sehr viel Tiefsinnigkeit verborgen liegt, bietet ein echtes Lesevergnügen. Manchmal wirkt die Botschaft des Buches aber auch irgendwie platt („Lebe deinen Traum bla bla“). Zudem handelt es sich um ein sehr kurzweiliges Vergnügen, denn die 172 Seiten sind keine dicht beschriebenen „Anna Karenina“ Seiten.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Der Alchimist

Titel: Der Alchimist
Autor: Paul Coelho
Verlag: Diogenes
Erschienen: März 2008
Erstveröffentlichung: 1988
Seiten: 176 Seiten

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verfasst von Tobi

    6 Kommentare

  1. Pingback: Untreue von Paulo Coelho 26. Juli 2015 at 9:39

    […] Paulo Coelho habe ich bereits Der Alchimist gelesen und fand das Buch ganz unterhaltsam und auch sehr märchenhaft. Um so gespannter war ich […]

  2. Tinka 11. Oktober 2015 at 16:09 Antworten

    Hallo Toby,

    das ist mal eine schöne Rezension! Ich mag deinen Schreibstil echt gerne und ganz tolle Bilder hast du da auf deinem Blog! Freue mich auf mehr Beiträge von dir, da du eine tolle Bücherauswahl hast – ich liebe Klassische Literatur. Bis bald und lg aus Österreich!

    PS: ich nehme dich in meinen Blogroll auf !

    • Tobi 12. Oktober 2015 at 9:25 Antworten

      Liebe Tinka,

      vielen Dank für dein Kommentar, das Lob und das Aufnehmen in deinen Blogroll. Ich sehe gerade, dass du noch gar nicht in meiner Topliste bist. Da nehme ich deinen Blog auch gleich auf, beim nächsten Update bist du da dabei. Einen interessanten Blog hast du. Also werde dich auch mal auf meine RSS Liste setzen. Skandinavien und Klassiker ist eine gute Kombination 😉

      Liebe Grüße
      Tobi

      • Tinka 12. Oktober 2015 at 15:13 Antworten

        Das freut mich aber sehr – Danke für deine netten Worte 😉 Dann habe wir da ja was gemeinsam !

  3. Rudi 15. April 2016 at 22:40 Antworten

    Hallo Toby,
    Ich bin erst vor kurzem auf deine Seite gestoßen und war vom ersten Moment an begeistert. In den nächsten Tagen werden ich mir meine Zeit mit deinen Beiträgen und Rezensionen verschönern und auch in Zukunft werde ich keinen deiner Beiträge verpassen.

    Liebe Grüße

    • Tobi 17. April 2016 at 13:27 Antworten

      Lieber Rudi,

      herzlichen Dank für dein positives Feedback. Es freut mich, dass dir mein Blog gefällt. Da hoff ich, dass du ein paar Bücher entdeckst, die dir auch gefallen.

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
      Tobi

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