Nachdem ich „Das Lächeln der Frauen“ von Nicolas Barreau sehr unterhaltsam fand, habe ich mir ein weiteres Buch von dem Autoren geholt. Ich mag so kurze Schmonzetten ganz gerne zur Entspannung. Insbesondere wenn ich gerade ein schwermütiges Buch oder einen Klassiker gelesen habe, schätze ich diese Zerstreuung sehr.

Vom Inhalt her hat sich die Geschichte echt wieder gut angehört. Tatsächlich war das Buch aber ein ziemlicher Flop, was mehrere Gründe hat. Einmal ist die Story echt lasch und für mich war aufgrund der wenigen Personen, die in dem Buch vorkommen sofort klar, von wem die Briefe kamen. Die Autorin hätte das wesentlich besser verschleiern müssen, allerdings hätte die Geschichte dann auch mehr Komplexität und Umfang erfordert. Sprachlich war das Buch auch kein großer Wurf. Zwar flüssig zu lesen, aber manchmal hatte ich das Gefühl ich belausche eine Erzählung von jemanden in der S-Bahn (also sehr umgangssprachlich).

Der zweite Grund, wieso das Buch bei mir ziemlich durchfällt ist die kommerzielle Ausrichtung. Man merkt einfach, dass hier ein Buch nach dem anderen auf den Markt geschmissen wird und es um Umsätze geht. Was mich dabei besonders stört ist die Tatsache, dass offenbar der Autor nicht existiert, sondern die Lektorin Daniela Thiele die Urheberin dieser Romane ist. Die Ironie dabei ist, dass dies ja dem Plot von „Das Lächeln der Frauen“ entspricht.

Das wäre aus meiner Sicht völlig in Ordnung, aber die Verschleierungstaktik des Verlages stört mich sehr. Da wird sogar ein Fakebild von einem attraktiven, jungen Mann vor der Seine fett abgedruckt. Und es wird eine Übersetzerin angegeben, hinter der offensichtlich auch Daniela Thiele steht.  Einen Namen abzudrucken und nichts weiter dazu zu schreiben wäre echt ok. Wenn Nicolas Barreau sich besser anhört als Daniela Thiele dann ist das schon ok, wenn der Verlag zu diesem Marketing Trick greift. Aber das Bild und eine Übersetzerin anzugeben, das ist schon dreist.

Authentizität ist für mich sehr wichtig. Klar, das ist jetzt ein Buch das für mich keine große Bedeutung hat, das ich zur Entspannung und Vergnügen lese. Trotzdem finde ich es sehr interessant und für mich spannender, wenn man ein vages Bild vom Autoren hat und ein wenig über dessen Hintergrund weiß. Alles andere wirkt auf mich irgendwie falsch. Ich bin mündig genug um bei einem Buch zu entscheiden, ob es was für mich ist oder nicht, da muss niemand nachhelfen. Das Buch hätte ich mir auch geholt, wenn Daniela Thiele drauf gestanden wäre.

Eine Stelle ist mir ganz deutlich in Erinnerung geblieben, an dem man merkt, dass es nicht von einem Mann geschrieben ist. Der Protagonist hat gerade einen amourösen Brief von seiner geheimnisvollen Principessa bekommen, sich an dessen Inhalt erfreut. Es ist aber schon spät und so entschließt sich der Protagonist zu Bette zu legen. Der Abschnitt endet mit folgendem Zitat:

Es war kurz vor elf, morgen war auch noch ein Tag, und ein bißchen Schlaf würde mir gut tun. Ich schloß die Augen und sah June, die im Petit Zinc vor einer der zartgrün bemalten Jugendstilsäulen saß und mir lächelnd zuprostete.

Ganz ehrlich: Kein Mann, wirklich kein Mann würde nach der Lektüre eines solchen Briefen sich eine attraktive Frau beim Konsum von spirituosenhaltigen Erfrischungsgetränken vorstellen. Von allen Imaginationen, die man(n) sich in diesem Moment von einer Frau machen würde ist ein einem zuprostendes Date das Allerletzte.

Was ich damit sagen will: Seitdem ich von dem Gerücht gelesen habe (übrigens hier auf „Die Welt„), wer hinter diesen Romanen steht, musste ich irgendwie ständig nach Hinweisen fahnden, dass mit dem Autoren was nicht stimmt. Das hat das Lesevergnügen schon geschmälert. Was eigentlich schade ist denn Nicolas Barreau/Daniela Thiele schreibt echt gut und unterhaltsam. Es macht schon Spaß die Bücher zu lesen.

Fazit: Eigentlich wäre das ein klassisches drei Sterne Buch: gute Unterhaltung, flüssig zu lesen, nette Story. Aber durch diese Sache mit den erfundenen Autoren gibt es nochmal einen Stern Abzug. Zu sehr habe ich mich darauf konzentriert.

Aber wie seht ihr das? Bin ich zu empfindlich? Seht ihr das lockerer, ist euch das egal, oder findet ihr das sogar gut. Immerhin passt das zu einem stimmigen Gesamtbild.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Du findest mich am Ende der Welt

Titel: Du findest mich am Ende der Welt
Autor: Nicolas Barreau
Verlag: Piper Verlag
Erschienen: 1. Juli 2010
Seiten: 272 Seiten

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verfasst von Tobi

    6 Kommentare

  1. Kai 15. März 2015 at 21:33 Antworten

    Gute Rezension, kann nur zustimmen. Ist halt der Versuch schnell wieder Geld zu verdienen und sicher oft auch der Druck, nach einem erfolgreichen Band gleich wieder was „G’scheits“ auf den Markt zu bringen … klappt halt nur nicht immer und ich finde, dann schadet es mehr als das es nützt …

    Viele Grüße
    Kati

    • tobi 16. März 2015 at 10:24 Antworten

      Hallo Kati,

      auf der einen Seite kann ich das schon verstehen, dass Verlage auch ihre Umsätze generieren wollen und müssen, wenn sie überleben wollen. An ein paar Stellen geht mir das dann aber schon zu weit, eben dann, wenn die Authentizität zu leiden beginnt. Bei Bücher aus diesem Genre, bei dem gefühlt tonnenweise neue Romane erscheinen, ist es wahrscheinlich ziemlich schwer sich abzugrenzen und deshalb schon nachvollziehbar, wieso man hier auf so eine Strategie setzt. Gut finde ich es aber trotzdem nicht.

      Liebe Grüße
      Tobi

  2. Kristina 19. März 2015 at 20:15 Antworten

    Beim Lesen deiner Worte ist mir beinahe das Abendessen wieder hochgekommen….dass Autoren unter Pseudonym schreiben wollen, leuchtet mir ja noch ein. Dass aber Schriftsteller „erfunden“ werden, so mit Vita und Bild, finde ich erschreckend und gefällt mir gar nicht. Danke für deine Aufklärung!
    Gruß Kristina

    • tobi 20. März 2015 at 9:29 Antworten

      Hallo Kristina,

      erschreckend ist das schon irgendwie, da geb ich dir recht. Das ist halt doch eine Frage der Glaubwürdigkeit.

      Liebe Grüße
      Tobi

  3. kleinbrina 20. März 2015 at 9:44 Antworten

    Ich hab zwei oder drei Bücher gelesen, danach hat es mir nicht mehr zugesagt. Ich finde die Ideen zwar gut, allerdings wiederholt sich pro Buch einfach zu viel. Dazu finde ich es immer etwas unangenehm, wenn man weiß, dass eine komplette Vita eines Autors gefälscht ist.

  4. Etti 3. April 2016 at 15:00 Antworten

    Ein Pseudonym zu verwenden finde ich grundsätzlich nicht schlimm. Aber auch mich ärgert die Vorgehensweise des Thiele-Verlags, einen Autor zu erfinden – und dann noch nicht mal gut. Eine „Spezialität“ der Romane von „Nicolas Barreau“ sind ja die französischsprachigen Zitate zwischendurch. Und von einem angeblichen Franzosen, der dazu angeblich noch Romanistik studiert hat, erwarte ich dann wenigstens ein grammatikalisch und orthografisch korrektes Französisch. Die Erwartung hat sich jedoch nicht immer erfüllt …
    Mit Zweifeln konfrontiert, geht der Thiele Verlag nicht wirklich souverän um. Diesbezügliche Kommentare wurden zunächst ignoriert, später stillschweigend gelöscht, bis man sich zu dieser Stellungnahme durchgerungen hat:
    „… Nicolas Barreau ist das Pseudonym eines französisch-deutschen Autors. Er schreibt französisch und wird von uns übersetzt und lektoriert. Die deutsche Ausgabe ist daher die Originalausgabe. In Frankreich wird der Autor ab Herbst 2013 publizieren; seine Bücher werden bei Éditions Héloise d’Ormesson erscheinen. Wir hoffen Ihnen damit weitergeholfen zu haben. Beste Grüße, Ihr Thiele Verlag“
    Bei einem meiner Frankreichaufenthalte habe ich in einem Buchladen mal einen „Nicolas Barreau“ im Regal stehen sehen und neugierig reingeschaut, ob dort dieselbe Geschichte verbreitet wird. Als erstes fiel mir der Hinweis auf die Übersetzerin auf, die den Roman aus dem Deutschen übersetzt hat, dazu wurde ebenfalls die Geschichte mit dem Pseudonym des „deutsch-französischen Autors aus der Verlagswelt“ erwähnt.

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