Es kommt eher selten vor, dass ich mich ganz spontan für ein Buch entscheide. Dieses hier habe ich auf Saskias Blog entdeckt und nachdem es sich ganz gut angehört hat, habe ich es mir geholt. Mit 288 Seiten ist es ganz gut für zwischendrin geeignet und vom Rahmen her hat es sich nach leichter Kost angehört.

Die Widerspenstigkeit des Glücks hat als sehr schönes Setting eine kleine Buchhandlung, abseits der großen Metropolen auf der kleinen abgelegenen Alice Island. Als Rahmen für eine Geschichte hat mir das schon sehr gut gefallen und ich konnte mir die Insel und den kleinen Buchladen gut vorstellen. Nachdem ich ja das Meer und einsame Inseln ohnehin liebe fällt mir das auch sehr leicht.

Der abgelegene Handlungsort hat noch einen zweiten Effekt: Man fühlt recht schnell den provinziellen Charme, die eine solche beschaulich anmutende persönliche Ländlichkeit bietet und findet sich in einer kleinen Gemeinschaft wieder. Dabei fand ich die Figuren mit ihren Problemen, ihrem Auftreten und ihrer Art zu handeln durchaus realistisch und greifbar. Insbesondere A. J. Fikry, der ausschließlich bei seinen Initialen genannt wird, ergibt schon eine plausible Persönlichkeit und er erfüllt natürlich auch das Klischee von einem etwas eigenen Buchhändler in der Provinz.

Allerdings habe ich bei der Lektüre gemerkt, dass dieses Buch so gar nicht mein Fall ist. Das liegt an mehreren Dingen und vorneweg möchte ich sagen, dass das nicht nur an dem Buch selbst liegt sondern definitiv auch eine Geschmackssache ist. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch vielen gut gefällt. Ich fand die Geschichte allerdings ziemlich fad. Gut, jede der Figuren hat so ihre Vorgeschichte, ihre Eigenheiten und Probleme und mit dem Auftauchen von Maya oder der Lesung gibt es schon ein paar Stellen, die unterhaltsam und auch manchmal humorvoll sind, aber insgesamt plätschert die Story so vor sich hin. Vom Spannungsverlauf würde ich die Geschichte so in Richtung ZDF Sonntagsfilm einordnen, die zwar auch immer ganz nett anzusehen sind, aber primär durch die Landschaft und der Tatsache, dass sie entspannend sind bestechen. Gegen Ende nimmt die Story dann wieder etwas Fahrt auf, aber da in einer Art und Weise, die ich eher deprimierend fand. Mit einem Thema, über das ich freiwillig nicht unbedingt was lesen möchte (ich will nicht spoilern, deshalb keine weiteren Details). Auf jeden Fall hat mich das Buch ein wenig depressiv mit einem schlechten Gefühl zurückgelassen.

Der Schreibstil von Zevin ist angenehm zu lesen aber sehr gewöhnlich. Was auch mein Resumé des gesamten Buchs ist. Wirklich besonders ist die Story nicht, auch die Figuren sind eher Durchschnitt und wirklich nahe kam ich A. J. oder Maya auch nicht, da hier immer wieder große Zeitsprünge vorhanden sind, in denen sich die Personen nur wenig verändern bzw. kaum eine Veränderung spürbar ist. Zevin bleibt auch nahezu immer an der Oberfläche. Einiges nehme ich der Autorin auch nicht ab, z.B. dass das mit Maya so reibungslos flutscht und sich ein zweijähriges Kind scheinbar nicht nach seiner Mutter sehnt. Auch A. J. Gefühlswelt wird eher schnell abgehandelt, was einfach zu oberflächlich ist. Da passiert in einem einfach mehr, wenn man sich entschließt ein kleines Kind bei sich aufzunehmen und sein bisheriges Leben damit auf den Kopf stellt.

Sehr schön finde ich die Buchtipps, die vor jedem Kapitel von A. J. Fikry für Maya notiert sind. Eine schönere Idee etwas für sein Kind zu hinterlassen kann ich mir nicht vorstellen. Ganz persönlich Buchtipps von einem Papa für sein Kind. Jetzt und wenn es einmal erwachsen ist. Eigentlich für jeden Bibliophilen mit Kindern unerlässlich, denn was würde man denn nicht lieber teilen als die schönen Stunden, die man mit seinen besonderen Büchern verbracht hat.

Fazit: Die Widerspenstigkeit des Glücks ist ein angenehm zu lesendes, aber gewöhnliches und wenig ereignisreiches Buch, das mich von seiner Handlung nicht ganz überzeugen konnte. Obwohl es mit der abgelegenen Insel und der hübschen Buchhandlung ein wunderschönes Setting bietet, hat mich die Geschichte und die Figuren wenig berührt. Zudem haben mich die problembeladenen Charaktere und ihr Schicksal eher deprimiert, als dass es sich hier für mich um ein Lesevergnügen gehandelt hätte.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

die_widerspenstigkeit_des_gluecks

Titel: Die Widerspenstigkeit des Glücks
Autor: Gabrielle Zevin
Verlag: Diana Verlag
Erschienen: 11. Mai 2015
Seiten: 288 Seiten

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verfasst von Tobi

    4 Kommentare

  1. Astrid 17. Juni 2015 at 20:15 Antworten

    Hallo Tobi, danke für diese ausführliche Rezension. Jetzt verstehe ich viel besser, warum ich das Buch gestern in der Mitte abgebrochen habe. Hätte es selbst nicht genau beschreiben können. LG Astrid

    • tobi 18. Juni 2015 at 18:24 Antworten

      Huhu Astrid,

      was ich bisher zu dem Buch gelesen habe, war meistens durchweg positiv. Da sind wir wohl eher die Ausnahme, aber für mich hat das auch viel mit der Kategorie an Geschichte zu tun, wenn man das so verallgemeinern kann.

      Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Besuch
      Tobi

  2. Juliana 21. Juni 2015 at 15:57 Antworten

    Interessant, mal eine ganz andere Meinung zu diesem Buch zu lesen. Bisher habe ich nur begeisterte Stimmen gehört. Finde durch deine Rezension erhält man einen ganz neuen Blick auf das Buch. Die Grundidee gefällt mir, trotzdem habe ich das Buch bisher immer wieder zurückgestellt in der Buchhandlung. Neugierig bin ich aber schon. Mal sehen, wann ich es lese und wie mein Fazit dann ausfällt 🙂

    Liebe Grüße
    Juliana

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