Immer wieder findet man hier auf Lesestunden Bücher über das Meer, einem Thema, das ich einfach sehr gerne mag und von dem ich nicht genug bekommen kann. Genauso liebe ich Dumas, der einfach wußte, wie man spannende Abenteuer schreibt und wenn ich an Der Graf von Monte Christo denke, und an die Rolle, die dabei das Meer gespielt hat, dann war mir sofort klar, dass Schiffbrüche unbedingt auf meine Wunschliste muss. Und tatsächlich handelt es sich hier um einen echten Geheimtipp, fernab jeder aktuellen Bestsellerliste.

Das Buch enthält vier Kurzgeschichten von Schiffbrüchen, die auf einer wahren Begebenheit beruhen und die Havarie bis hin zum Untergang des Schiffes und dem Überlebenskampf der Mannschaft beschreiben. Dabei hat Dumas einen Schreibstil, der stark an ein Logbuch erinnert und wie ein Bericht vom Hergang erzählt. Das alleine gibt den Geschichten schon etwas dramatisches aber auch darüber hinaus versteht es Dumas einfach den Kampf ums Überleben, mit all seiner Dramatik, zu beschreiben. Dumas war ja ein echter Lebemann, Abenteurer und Vielschreiber und nachdem er zahlreiche Bücher und Geschichten veröffentlicht hat, war es ihm nur recht, hier auf bereits vorhandenes Material zurückgreifen zu können und den Geschichten noch mehr Authentizität zu verleihen.

Schiffbrüche ist sehr angenehm zu lesen und eine sehr kurzweilige Lektüre. Die kurzen Sätze, die sehr konkrete Sprache und der in seinen Einzelheiten beschriebene Kampf ums Überleben ist einfach spannend und packt einen recht schnell. Ob wilde Eingeborene, der Kampf gegen den Hunger, der Evakuierung eines brennenden Schiffes oder die Suche nach einem rettenden Eiland in einer kleinen Rettungsschaluppe: Hier wird eine Menge geboten. Mich hat das Buch stark an Die Inseln, auf denen ich strande von Lucien Deprijck erinnert. Natürlich liegt bei Schiffbrüche, wie der Titel des Buches bereits sagt, der Schwerpunkt auf den Schiffbruch selbst und nicht auf das Stranden auf einer Insel, aber der Überlebenskampf und die eskalierende Situation, die alles auf den Kopf stellt hat eine ganz ähnliche Sogwirkung. Natürlich sind auch wieder Dumas ganz typischen Beschreibungen menschlicher Abgründe mit dabei.

Auf der einen Seite befanden sich die Beherzten, die, deren Seele durch die Macht der Verhältnisse noch weiter auflebte; auf der anderen, die unvergleichlich kleinere Gruppe derer, bei denen die Gefahr jegliches Vermögen zu handeln und zu denken gelähmt oder sie in Wahn oder Resignation gestürzt hatte. (S. 207)

Was die Schauplätze betrifft, habe ich mich oft an Die Schatzinsel erinnert gefühlt. Die romantische Südsee und ganz einsame Gestade einer scheinbar noch unentdeckten Welt, exotische Orte, bis hin zu den neuseeländischen Inseln bieten eine wunderbare Kulisse.

Ans Ende gestellt ist ein recht interessantes Nachwort des Übersetzers Nicola Denis dabei, der ein paar Hintergründe gibt. Gar nicht hat mir das Essay von Volker Harry Altwasser gefallen, das ebenfalls nach dem Nachwort beigefügt ist. Dort zeigt er die vielen Fehler und Ungereimtheiten auf, die Dumas in seinen „wahren Geschichten“ unterlaufen sind. Aber mal ehrlich: Wer ein Buch von Dumas zur Hand nimmt, erwartet keinen realistischen Blick auf die Welt, sondern eine rasante Geschichte in der er ordentlich auf die Pauke haut und sich nicht in Detailreichtum und der absoluten Wahrheit verliert.

Fazit: Mit Schiffbrüche bekommt der Leser vier spannende, wenn auch kurzweilige Abenteuergeschichten, die ganz  in gewohnt hoher Qualität von Dumas präsentiert werden. Die exotischen und schönen Schauplätze, die Dramatik des Überlebenskampfes der Figuren und das maritime Thema sind ein Genuss zu lesen. Ein leider viel zu kurzes Lesevergnügen mit Geschichten, die zwar keine große Pointe, keine überraschenden Wendungen, aber einen spannenden Verlauf haben.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Schiffbrüche von Alexandre Dumas

Titel: Schiffbrüche: Wahre Geschichten
Autor: Alexandre Dumas
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Übersetzung: Nicola Denis
Erschienen: 19. April 2012
Erstveröffentlichung: 1852
Seiten: 263 Seiten

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verfasst von Tobi

    3 Kommentare

  1. BuecherFaehe 21. Juli 2015 at 9:28 Antworten

    Hallo! 🙂
    „Schiffbrüche“ kenne ich ja noch gar nicht – allerdings kenne ich von Dumas eh noch vieeeeeel zu wenig, dafür, dass ich ihn eigentlich so gerne lese. Danke auf jeden Fall für diesen Geheimtipp! Ich lese ja auch gerne Abenteuer-Romane mit Südsee-Flair, auch wenn ich bei den ganzen Beschreibungen die Schiffe betreffend ein wenig verloren bin.^^ Kennst du Jack Londons „Ein Sohn der Sonne“? Vielleicht wäre das ja auch was für dich?
    Dieses Jahr kam ja auch „Ein Liebesabenteuer“ von Dumas heraus. Irgendwann muss ich mich definitiv mal auf die Suche nach den beiden Büchern machen.
    Viele Grüße 🙂

    • Tobi 21. Juli 2015 at 12:02 Antworten

      Liebe Jenny,

      mir geht es da wie dir. Das was ich bisher von Dumas gelesen habe, war einfach super. Ich hab noch einige Bücher von ihm auf der Liste und von Zeit zu Zeit werde ich mir eines seiner Bücher gönnen.

      Von Jack London hab ich bisher noch nichts gelesen. „Der Seewolf“ oder „Lockruf des Goldes“ sind ja auch ganz berühmte Werke. Mal sehen wann ich mir was von ihm hole. Meine Liste ist jetzt schon wieder so lange.

      „Ein Liebesabenteuer“ hab ich auch schon gelesen und rezensiert. Das ist wie „Schiffbrüche“ ganz gut für zwischendurch geeignet, weil beide nicht all zu umfangreich sind.

      Liebe Grüße
      Tobi

  2. Pingback: [Die Sonntagsleserin] Juli 2015 | Phantásienreisen 2. August 2015 at 8:03

    […] Autoren des 19. Jahrhunderts stammt, ist es so gut wie gekauft. So geschehen wieder dank Tobis Besprechung von Alexandre Dumas‘ „Schiffbrüche“ […]

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