Seit dem Buch Island genießen die Bildbände vom Mare Verlag grundsätzlich meine Aufmerksamkeit und ich werfe immer einen extra Blick in die Programmvorschau. Die Bildbände transportieren auch immer eine Stimmung, die auf eine ganz spezielle Art das Thema aufgreift und auch immer einen dokumentierenden Charakter hat. Salz der Erde ist mir schon alleine wegen des Themas sofort aufgefallen und das geschickt gewählte Foto auf dem Cover verspricht Landschaften, die abseits dessen liegen, was man kennt. Und das ist auch tatsächlich der Fall.

Als das Buch ankam, war ich überrascht, ein so großes und schweres Päckchen vorzufinden. Anders als die anderen Bildbände ist Salz der Erde größer, umfangreicher und von seiner Wirkung dadurch eindrucksvoller. Das Format entspricht dem größten Fotobuch von blurb und was dort schon überzeugen kann, ist bei einem von einem Verlag aufbereitetes Buch natürlich nochmal schicker. Mit solchen Abmessungen können Fotografien so richtig wirken und von der Aufnahme- und Druckqualität sind die Bilder durchweg gelungen.

Salz der Erde von Mikel Landa und Luke Duggleby

Wie der Titel schon verspricht, handelt das Buch von Salz und davon, wie es vom Menschen gewonnen wird. Dazu haben die beiden Autoren 29 verschiedenste Stätten überall auf der Welt besucht und abgelichtet. Jede dieser 29 Salinen, so nennt man eine Anlage zur Gewinnung von Salz, wird auf einer Seite vorgestellt, das Verfahren zusammengefasst und kurz erläutert. Darauf folgend gibt es dann einige Bilder, die Menschen, Salzpfannen, die Landschaft in die diese Saline eingebettet ist, Werkzeug oder die Architektur zeigen. Ein kurzer Text erklärt, was auf dem Foto genau zu sehen ist. Die 348 Seiten sind also gut gefüllt, so dass man hier wirklich eine Menge zu entdecken hat und wenn man sich alle Texte durchliest, dann braucht man schon ein wenig bis man das Buch durch hat.

Sawu / Indonesien: © Luke Duggleby / Landa-Ochandiano arquitectos

Sawu / Indonesien: © Luke Duggleby / Landa-Ochandiano arquitectos

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich mir nie groß Gedanken um Salz gemacht. Beim Discounter um die Ecke wandert die Schachtel Salz in den Einkaufswagen und ist dann einfach da. Nachdem eine Schachtel auch noch ewig hält, dringt das nun nicht so sehr ins Bewusstsein, wie beispielsweise die ausgedehnte Runde durch die Süßigkeitenschokoladekeksegummibärchenabteilung, deren Topografie der durchschnittliche Kunde bis ins Detail auswendig kennt (Ein Tipp für eine Fortsetzung wäre also Zucker der Erde). Wie man in diesem Buch erfährt ist Salz aber unerlässlich für den menschlichen Körper und notwendig, um die Lebensfunktionen der Zellen und insbesondere auch um Nervenimpulse zu ermöglichen. Nimmt man allerdings kein Salz zu sich, bekommt man keinen Appetit auf Salz (was mir so nie bewusst war). Allerdings erfährt man auch, dass der durchschnittliche Deutsche zuviel Salz zu sich nimmt und die WHO hier etwa die Hälfte des täglichen Konsums empfiehlt (also Entwarnung, wir werden nicht an Salzmangel sterben, auch wenn man wie ich zu der Nichtnachsalzfraktion gehört). Aber auch politisch und ökonomisch hat Salz immer schon eine große Rolle gespielt und erst im Zeitalter der Industrialisierung seine Bedeutung eingebüßt. Grund dafür ist das Öl, das, wie Geologen herausgefunden haben, sehr oft zusammen mit Salz aufgefunden wurde. Und die intensive Suche nach Öl hat dann auch sehr viele Lagerstätten von Salz offenbart und gewaltige Salzvorkommen wurden gefunden. Auf diese Weise hat Salz seine Bedeutung verloren und damit auch die traditionelle Gewinnung in zum Teil zweitausend Jahre alten Salinen.

„Die Römer zahlten ihren Soldaten auch Salz, was sich noch an dem etymologischen Ursprung des Wortes „Salär“ ablesen lässt.“ (S. 321)

Assale-See / Äthiopien: © Luke Duggleby / Landa-Ochandiano arquitectos

Assale-See / Äthiopien: © Luke Duggleby / Landa-Ochandiano arquitectos

Alle diese Informationen, aber auch sehr schön ausgewählte Einblicke in die einzelnen Methoden zur Gewinnung von Salz werden in diesem Bildband vermittelt. Da gehören sowohl Salzminen dazu, als auch natürliche Verdunstungsanlagen, oder künstlich vom Menschen angelegte Salzpfannen, die zum Teil zu ganz abstrakt wirkenden Landschaftsaufnahmen führen. Manche Anlagen sind wenig effizient, manche wurden vom Vergessen bewahrt und mittels staatlicher Unterstützung neu belebt und wieder andere zeigen eine sehr archaisch anmutende Lebenswirklichkeit der dort arbeitenden Menschen. Ob eine Anlage in Dänemark, einen riesigen Salzsee in Bolivien (Salar de Uyuni, der aus einem Urmeer entstanden ist), bis hin zu aufwendig durch Sonnenverdunstung geerntetes Salz aus Indonesien, wird hier sehr deutlich, wie wertvoll Salz ist und wie einfallsreich die Menschen bei der Gewinnung waren. Sogar eine ganz kleine Salzgewinnungsanlage auf einem Dach eines Wolkenkratzers in New York (Manhattan) ist mit dabei.

„Das Zusammenwirken von Natur und Mensch hat großartige Beispiele lebendiger Kulturlandschaften hervorgebracht, in denen sich Tradition und Neuerung verbinden.“ (S. 329)

Guérande / Frankreich: © Mikel Landa / Landa-Ochandiano arquitectos

Guérande / Frankreich: © Mikel Landa / Landa-Ochandiano arquitectos

Scheinbar ist es ein kulinarischer Trend nicht zum raffinierten Salz von der Stange zu greifen, sondern sich dem Wohlgeschmack natürlich gewonnenes, von Mineralien durchsetztem Salz hinzugeben. Und nachdem in dem Buch der geschmackliche Unterschied mehrfach betont wird, war das für mich Grund genug mir einmal einen kleinen Bottich des edlen, weißen Goldes zu besorgen und den Vergleich zu starten. Natürlich nicht irgendein Salz, sondern das der Salzblume, welches nur an windstillen Tagen sich als hauchdünne Schicht bildet und mit Handarbeit vorsichtig abgeschöpft wird. Und zwar aus der Saline Valle Salado de Añana, dessen Restaurierung der Autor dieses Buches, Mikel Landa seit vielen Jahren leitet und das in diesem Buch auch als erste Salzgewinnungsanlage vorgestellt wird. Als Vergleich muss das schmucklose, raffinierte Salz aus Bad Reichenhall herhalten.

Salz

Sal de Anana, das ich mir zum Testen bestellt habe

Ein Geschmackstest offenbart, dass das edle Salz etwas weniger intensiv schmeckt, sich für mich aber nun nicht durch ein besonderes Aroma oder einen besonderen Geschmack auszeichnet. Aber ich glaube da bin ich zu wenig Feinschmecker, um den Unterschied wirklich zu erkennen und zu würdigen. Meine Sinne sind durch Glutamat und Geschmacksverstärker schon zu sehr verdorben.

Salz

Hier eine Nahaufnahme von dem Salz, das ich probiert habe. Es ist wesentlich grobkörniger als Salz aus dem Supermarkt und weniger intensiv im Geschmack.

Die Auswahl der Fotografien gefällt mir sehr gut, wobei man einen guten Einblick in die einzelnen Salinen bekommt, aber auch sieht, wie die Menschen arbeiten und hier ein Beispiel für kulturelle Vielfalt in Händen hält. Interessant ist, wie der Mensch Landschaften beeinflusst und was für eindrucksvolle und abstrakte Landschaftsbilder sich hier ergeben. Aus fotografischer Sicht haben die beiden Autoren hier ganze Arbeit geleistet und man merkt, dass die Auswahl der Fotos mit Bedacht und Hingabe erfolgt ist. Bei einigen Fotos wurden Tageszeiten und Witterungsstimmungen eingefangen (und wahrscheinlich auch abgewartet), die den Szenen sehr gerecht werden. Da trägt beispielsweise eine Frau bei Sonnenaufgang das Meerwaser zu den Korbgarten, während sich im morgendlichen Dunst die Sonnenstrahlen brechen.

Zur Verarbeitung des Bildbandes will ich gar nicht viel schreiben, denn da gibt es wieder nichts zu meckern. Sowohl die Bindung, als auch von der Haptik liegt der dicke Wälzer gut in der Hand und macht einen gewohnt wertigen Eindruck. Das helle Grau des Leinens spiegelt auch das Salz gut wieder, das, wenn es aus den Salinen kommt nicht immer ganz rein, sondern auch mal, abhängig von den Mineralien die sich darunter mischen, einen nicht ganz reinen Farbton hat.

Salz der Erde von Mikel Landa und Luke Duggleby

Die beiden Autoren ergänzen sich sehr gut. Mikel Landa, geboren im Baskenland, ist ein promovierter Architekt, der seit mehr als 14 Jahren die Restaurierung der Salinen von Añana leitet, welche auch als erstes in diesem Buch vorgestellt werden. Als Profi für die Erhaltung historischer Holzbauten, der auch in Forschung und Lehre unterwegs ist, begeistert sich Landa seit den 80er Jahren für Fotografie. Der aus Nordengland Luke Duggleby ist ein aus Nordengland stammender Fotograf, der mittlerweile in Bangkok lebt und bereits für Verlage wie National Geographic, New York Times oder dem ZEIT Magazin gearbeitet hat und somit ein erfahrener Fotograf ist.

Salz der Erde von Mikel Landa und Luke Duggleby

Fazit: Diesen Bildband kann ich wieder uneingeschränkt empfehlen. Das außergewöhnliche und interessante Thema, die durchweg hohe Qualität der Fotografien und die hochwertige Verarbeitung machen dieses Buch zu einem ganz besonderen Ausflug, quer über die Welt. Die ergänzenden Informationen in genau passendem Umfang liefern Hintergründe, die zu lesen sehr interessant ist und den eigenen Blick auf ein gefühlt so nebensächlichen Produkt erweitert. Gerade durch die Fotografien von fremden Landschaften und Menschen zeigt, wie vielfältig unsere Welt ist und wie wenig man davon kennt, selbst wenn man schon einige Orte besucht hat.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Salz der Erde von Mikel Landa und Luke Duggleby

Titel: Salz der Ede
Autor: Mikel Landa und Luke Duggleby
VerlagMare Verlag
Erschienen: 1. Dezember 2015
Seiten: 348 Seiten

Klappentext anzeigen
verfasst von Tobi

    2 Kommentare

  1. huebi 27. Dezember 2015 at 11:49 Antworten

    Hallo Tobias,

    hoffe du hattest schöne und geruhsame Weihnachten. War der Bildband ein Weihnachtsgeschenk? Oder selbst gegönnt? Obwohl man kann und darf sich ja auch selbst was schenken. Bildbände sind ja nicht eBook tauglich – obwohl mit den neuen Retina-Displays? Obwohl ich denke, dass die Wirkung bei 10″ doch eher nicht so richtig ist. Und das IPad Pro ist mir dann doch zuviel des guten. Zudem die Anzahl der Bildbände doch eher gering ist im Regal, von den eigenen Fotobüchern mal abgesehen.
    Gönnen wollte ich mir zu Weihnachten auch etwas – den Herrn der Ringe in Leder 🙂 Leider hat es der Verlag seit 4 Wochen nicht auf die Reihe gebracht, mir die Frage nach der Übersetzung zu beantworten. Da stellt sich mir die Frage: ist das überhaupt ein Klassiker? Und was ist überhaupt ein Klassiker? Die Erklärung bei Wikipedia ist ja extrem weit gefasst – und beim Lesen des Literaturabschnitts ist doch glatt ein Buch auf die Wunschliste gerutscht (Der Besuch der alten Dame). Als ob ich nicht eh schon genug ungelesene Bücher habe.

    Jetzt habe ich aber einen ganz schönen Bogen gespannt – vom Salzbildband über das IPad Pro und dem Herrn der Ringe zu Dürrenmatt …

    Ich wünsch‘ dir ganz klassisch einen guten Rutsch ins neue Jahr

    //Huebi

    • Tobi 27. Dezember 2015 at 13:05 Antworten

      Lieber Huebi,

      vielen Dank für die Weihnachts- und Neujahrswünsche. Der Bildband lag nicht unterm Baum, sondern war schon seit Ankündigung vorbestellt. Mit Bücher beschenke ich mich selbst recht oft 😉

      Ebooks sind ja gar nicht mein Ding. Hab schon einige Bücher auf den Kindle und iPad gelesen und bin für Gadgets recht leicht zu begeistern, aber was Bücher angeht, muss es dann doch ganz altmodisch sein. Was Bildbände angeht, bin ich hin und her gerissen. Wenn du beispielsweise die 500px App mal ausgetestet hast und da mal die schönen Fotos auf einem Retina Bildschirm betrachtest, dann sehen die einfach super aus. Auch bei 10 Zoll ist das ein echtes Vergnügen. Oder die HD Videos von Vimeo (z.B. von Island). Bildbände hab ich gar nicht so viele. Nur die, die mir wirklich richtig gut gefallen, oder eben wie das „Salz der Erde“ außergewöhnlich sind und ein faszinierendes Thema haben. Das Problem ist einfach, dass ich mir dann doch zu selten die Zeit nehme, so ein Buch zur Hand zu nehmen. Und dann lohnt sich der, zumeist hohe Invest, nicht. Die, die ich aber im Schrank habe, blätter ich schon immer wieder durch, aber eigentlich auch zu wenig, dafür dass die Bücher so schöne Fotografien haben.

      „Herr der Ringe“ in Leder hört sich auch sehr verlockend an. Wir haben diese grüne Ausgabe von Klett-Cotta und die fand ich nie sonderlich ansprechend. Für mich zählt das Buch auch als Klassiker, aber so eng darf man das mit den Definitionen von Genres nicht sehen, denn am Ende ist für mich das nur eine Orientierung und Stütze für die Wahl meiner Literatur. Und nach der Literatur von „Die Analogie“ (die Rezension ist auch hier im Blog zu finden), ist klar, dass eine disjunkte Kategorisierung ohnehin in den seltensten Fällen möglich ist.

      „Der Besuch der alten Dame“ ist auch sehr genial und nachdem das so dünn ist ideal für zwischendurch. So dünne Bücher mogeln sich bei mir auch immer wieder in den Warenkorb.

      Nicht schlecht, iPad Pro, „Herr der Ringe“, die Frage was Klassiker sind, die Frage ob iPads für Bildbände geeignet sind, also ich glaub jedes Thema wäre ein eigener Blogeintrag wert 😉

      Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich Dir und ich hoffe du hast entspannte und besinnliche Feiertage genossen. Ich freu mich auf jeden Fall immer sehr über Deine Anmerkungen und Kommentare und hoffe, Du bist auch kommendes Jahr hier dabei.
      Tobi

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