amazon

Auf dem Blog von edel & electric, den ich ziemlich gerne lese, weil dort immer wieder interessante Themen angesprochen werden, ist ein Beitrag erschienen, der sich mit Amazon und dem Buchhandel beschäftigt. Ich habe mich dazu hinreißen lassen, einen etwas polemisierenden Kommentar zu schreiben, worauf hin ich das Feedback bekommen habe, das Thema vielleicht nochmal aufzugreifen. Aus meiner Sicht eine gute Idee, denn es ergeben sich aus dieser Diskussion eine ganze Menge Fragestellungen, die sehr interessant sind. Ich will versuchen das Thema grob zu umreißen, um dann wieder ordentlich zu polemisieren.

Zentrale Frage, die immer wieder auftaucht ist die, ob es von moralischen Standpunkt aus vertretbar ist bei Amazon zu kaufen. Für Buchblogger und Autoren kommt noch die Frage hinzu, ob es vertretbar, klug oder sinnvoll ist, auf Amazon zu verlinken (diese Frage wird in dem oben verlinken Beitrag behandelt). Letztendlich steht hier natürlich auch die Bedeutung bzw. der Bedeutungsverlust des lokalen und stationären Buchhandels im Raum. Lohnt es sich, die kleine Bücherbutze ums Eck zu unterstützen, kann man sie unterstützen und wieso sollte man das tun?

Es gibt mehrere Interessensgruppen, die einen ganz unterschiedlichen Blick auf diese Fragen haben. Den Konsumenten, die Verlage, Autoren, den Handel und die Buchhändler, die damit ihr täglich Brot verdienen. Buchblogger und mich selbst zähle ich zu den Konsumenten. In meinem Kommentar habe ich meinen Standpunkt recht ausführlich beschrieben, daher will ich ihn hier noch einmal anführen und meine persönlichen Eindrücke schildern. Gerne lasse ich mich eines Besseren belehren und freue mich auf eure Argumente, Kommentare und Anmerkungen. Ich selbst bin übrigens kein besonders treuer Kunde und nutze eine Vielzahl an Online-Shops (auch Amazon) und bin auch immer experimentierfreudig. Eine kleine Übersicht gebe ich hier.

Ich sehe das völlig aus Konsumentensicht und da kann man sicher keine Lanze für den lokalen Buchhandel brechen. Wenn ich an die Buchläden in meinem Umkreis (dazu zähle ich alle Buchläden innerhalb einer Stunde Autofahrt) mal betrachte, dann gibt es für mich keinen Grund einen von diesen Läden zu besuchen. Denn alles, was da in der Auslage liegt, kann ich in den Top 100 Listen von Amazon bequem durchscrollen. Geheimtipps? Fehlanzeige. Klassiker? No. Schicke Ausgaben? Nope. Anspruchsvolle Literatur? Nicht bei uns. Vielleicht steht mal eine billige Anna Karenina Ausgabe oder ein Jane Eyre Manessebändchen irgendwo verloren in den Regalen, aber das wars. Ich war schon öfter auf Büchersuche, bin durch drei kleine Buchläden gezogen und habe dreimal das gleiche Sortiment vor der Nase gehabt. Dreimal die Amazon Top 100 Liste. Bin ich dann mit einem speziellen Wunsch in einen der Buchläden gegangen, dann habe ich mich einem unfreundlichen und völlig inkompetenten Mitarbeiter gegenüber gefunden, der in einem völlig veralteten IT System 10 Minuten gebraucht hat, das zu finden, was bei Amazon als erster Treffer nach 10 Sekunden Buchtitel in Suchschlitz eingeben zu finden war. Und dann die Ansage, dass die Lieferzeit eine Woche dauert. Das ist nicht übertrieben und mir mehrfach passiert.

Ich habe mich auch immer gefragt, wer bei Bücher wirklich eine Beratung braucht? Ich meine eine Beratung, die über das Bestellen eines Buches hinaus geht, also wirklich Kompetenz braucht. Glaubt man Umfragen, dann greift eine nicht unerhebliche Zahl Deutscher regelmäßig zu einem Buch. Ich bin überzeugt, dass 95% mit der Amazon-Bestsellerliste zufrieden sind. So deprimierend das als Liebhaber von besonderen Bücher auch sein mag. Da wandert ein Buch in den Warenkorb, das einen interessanten Klappentext und ein ansprechendes Cover hat. Und das wird dann nebenbei weg konsumiert. Bücher konkurrieren mit aufwendigen PC Games, mit Film und Fernsehen, mit Netflix Flatrates, mit Amazon Prime Videos, mit Sitcoms und Serien, dem Bachelor und dem Dschungelcamp und da haben Bücher immernoch ihren Platz, aber keine so hohe Bedeutung, wie in der Welt der Büchermenschen angenommen. Eine flockige Schmonzette als Strand- oder Buslektüre vielleicht. Aber um so ein Buch zu finden, braucht man sicher keine Beratung. Und die Vielleser informieren sich selbst, haben die Verlagsprogramme auf dem Schirm und brauchen sicher keinen Buchhändler, der dann irgendeine Schwarte aus irgendeiner Kommerz-Short-Long-List heraus zieht. Und was Anderes dürfte wenig Sinn machen, denn der Buchhändler wird ja primär das empfehlen, was er schon im Laden liegen hat.

Früher gab es Tante-Emma-Läden. Die Leute sind dort einkaufen gegangen, wurden bedient und dann kam die Frage “darfs auch etwas mehr sein?”, wenn von der Wurst einige Gramm zu viel runter geschnitten wurden. Ergebnis war, dass die Leute sich immer irgendwie betrogen gefühlt haben. Nur ganz wenig, aber unterm Strich hatten sie das Gefühl mehr gekauft und ausgegeben zu haben, wie sie wollten. Dann haben die ersten Supermärkte eröffnet. Und der Kunde ist durch die Regale gegangen und hat ebenfalls zu viel mitgenommen. Weil das ein oder andere vom Regalbrett gelacht hat und dann eben doch in den Einkaufswagen gewandert ist. Und auch da hat er mehr gekauft und ausgegeben, sich aber gut gefühlt, weil es nicht von außen aufgedrängt wurde. Supermärkte haben sich durchgesetzt. Praktischer, schneller und ein besseres Gefühl. Verkaufskonzepte überholen sich, werden durch neue abgelöst und hier greifen nicht nur die Marktgesetze, sondern auch die menschliche Bequemlichkeit und Psychologie.

Was die Arbeitsbedingungen und den massiven Einfluss Amazons auf die Verlagswelt betrifft, so ist das keine Frage, wie irgendjemand auf irgendeiner Plattform verlinkt (wo dann drei Hanswursten auf den Link klicken). Das ist ein politisches Problem und wird an der Wahlurne gelöst. Wenn das die Mehrheit nicht schafft, dann ist die Entwicklung nur wünschenswert und Bestandteil des Willen des Volkes. Auch wenn es sich darüber nicht bewusst ist.

Ich für meinen Teil verlinke in meinem Blog gar nicht. Ich nenne auch keine ISBN Nummer. Wer von meinen Lesern es nicht schafft das Buch bei seinem Händler des Vertrauens zu finden und aufzutreiben ist verdammt das Buch nie zu bekommen. Aber das finde ich völlig ok.

Ich würde am liebsten die Bücher bei den Verlagen bestellen. Direkt da, von wo sie kommen. Aber da sieht es auch oft mau aus und meine letzte Bestellung, direkt auf der Webseite bei einem Verlag, ist dann über eine Buchhandlung abgewickelt worden, die dann über eine Woche für den Versand gebraucht hat. Wenn ich den Blick auf das ranzige, veraltete, nicht mobilefähige und wenig ansehnliche Onlineportal von meinem Buchhändler um die Ecke anschaue, dann will ich den Versuch nicht starten, von Affiliate Programmen ganz zu schweigen (wer bestellt schon in so einem unbekannten, wenig vertrauenswürdigen Portal? Da kann ich auf die Verlinkung auch verzichten). Klar kann ich das Buch am nächsten Tag abholen, aber bei jedem Onlinehändler wird es mir Nachhause gebracht. Ein fades Argument, aber das lässt sich leider nicht weg diskutieren.

Ich habe kein Problem damit, wenn der stationäre Buchhandel komplett ausstirbt. Ausgehend von der Auswahl an Büchern ist das für mich ohnehin schon passiert. Würden wir von Buchhandlungen, wie die Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Leipzig reden, dann wäre das was anderes. Aber solche Buchhandlungen sind so selten wie ein Sechser in Lotto.

Wie seht ihr das Thema? Boykottiert ihr Amazon? Kauft ihr nur online oder nur in Buchhandlungen? Was bedeutet das Thema für euch?

verfasst von Tobi

    36 Kommentare

  1. teerdurchzogen 3. März 2016 at 20:30 Antworten

    Ich benötige ebenfalls keine Beratung, habe mit Buchhandlungen aber unterschiedliche, sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht. Als ich noch in Bonn lebte, bin ich immer gerne zu Böttger gegangen, eine kleine Buchhandlung mit einem wirklich kompetenten, schon älteren Buchhändler, der eine Auswahl hatte, die nicht nur ausschließlich Literatur (so wie du und ich sie verstehen, keine Kitsch-Fantasy) beinhaltete, sondern noch dazu immer auch an den Rändern, den Peripherien fündig wurde – und ich noch dazu. Oft habe ich dann doch nichts gekauft, einfach, weil das Geld zu knapp ist, die allermeisten meiner Bücher kaufe ich gebraucht, für mich muss es eben nur selten so aktuell sein, dass ich das Vierfache dessen ausgebe, was ich ein Jahr später (oft) bezahle.
    In einer Buchhandlung wie Böttger konnte ich immer ein, zwei Stunden stöbern, ohne mich nur eine Sekunde zu langweilen oder noch allzu kompetent zu fühlen. Das sokratische Credo bekam dann stets eine Aktualisierung oder besser gesagt, eine tatsächliche Bedeutung: Ich weiß, dass ich nichts weiß; der Buchhändler hat einen anderen, ebenso kompetenten, vielleicht gar kompetenteren Blick auf Literatur, und, ja, das reizt mich. Ich würde mir von niemandem aus meinem Freundeskreis tatsächlich ein Buch aufschwatzen oder empfehlen lassen, auch vom Buchhändler lasse ich mir nicht gerne ein Buch empfehlen; aber das ist Typ-Sache. Ich bin da schlicht zu unsicher, ich will das ganze Feld im Blick haben und das geht in der Tat am besten im Internet. Wenn ich aber durch ein interessantes Sortiment schlendere, wird mir nicht länger etwas aufgenötigt. Ich fühle mich dann sehr wohl und dieses Wohlbefinden greift auf Bücher aus, die ich sonst nicht sofort in die Hand genommen hätte, die mein Interesse im Internet nicht hätten erhalten können. Der Buchladen ist eine Oase.
    Der Buchladen ist ein Ort der Kontemplation, das muss in dem Pathos einmal gesagt werden. Nach wenigen Minuten ist man komplett versunken. Der Buchladen ist auch ein sozialer Ort, wenngleich nicht der einzige für literarisch Interessierte. Deine Kritik speist sich ja nicht einmal unbedingt am Buchladen per se, es ist eine Kritik an inkompetenten Buchhändlern, die eine Zusammenarbeit mit inkompetenten Sortimentern eingegangen sind. Wenn ich vor einer bestimmten Uhrzeit (vielleicht 17 Uhr?) im Buchladen bestelle, ist das Buch am nächsten Tag da. Das ist fantastisch und das ist ein Fakt, ich bekam meine Bücher, so lieferbar, immer am folgenden Tag.
    Interessanter, als auf Buchhandlungen etc. einzuprügeln, wäre meiner Meinung nach, sich eine ideale Buchhandlung auszumalen. Wenn es um den schlichten Vorgang des Kaufes geht, brauchte es Buchhandlungen nämlich tatsächlich nicht, dann wären sie beinahe ein Atavismus. Aber sie können deutlich mehr Funktionen erfüllen, und darum halte ich sie für unbedingt bewahrenswert (und sicher in nicht wenigen Fällen für reformbedürftig, aber auch reformierenswert, so es das Wort geben sollte) .

    In meiner nächsten Umgebung kenne ich übrigens auch nur eine vollkommen inkompetente und überflüssige Buchhandlung, fast ein halber Geschenkladen. Um so etwas wäre es mir nicht schade. Aber mit solch einer Buchhandlung würde ein engagierter, intelligenter Buchhändler mit Geschmack sich wohl genauso ungern vergleichen lassen wie ein Blogger gehobener Literatur mit einem Blogger seichter Kitsch-Fantasy (inklusive allem Rosa-Schick, mit dem deren Seite überfrachtet ist).

  2. Francis 3. März 2016 at 21:37 Antworten

    Ich kaufe meine Bücher auch zumeist gebraucht, weil ich als Studentin mit einem geringen Budget, aber einem hohen Konsum an Büchern arbeiten darf. Da bin ich aber nicht wählerisch. Mayersche, Thalia, Buchhandlungen am Bahnhof, in denen ich den Großteil meiner Zeit verbringe. Amazon nutze ich häufig, um eine Liste von Neuerscheinungen und interessanten Büchern zu führen und Bücher, auf die ich absolut nicht warten kann, zu kaufen. Gewisse Bücher kaufe ich auch in Buchhandlungen, wenn sie zufällig bereits verfügbar sind (besonders wenn ich ein Buch mehrere Tage vor Veröffentlichung finde).

  3. Lobo 3. März 2016 at 21:57 Antworten

    Meistens vermisst man Dinge erst, wenn sie nicht mehr da sind. Natürlich ist meine Meinung nicht objektiv, da ich Buchhändler bin, allerdings nehme ich mir Mal den Luxus heraus im Namen meiner meist gut beratenen Stammkunden zu sprechen: Buchhandel lohnt sich ! Besonders der kleine Händler vor Ort stellt sich auf seine Kunden ein. Ich habe zB etliche, die einfach nur reinkommen und fragen, ob ich was Neues habe. Die Empfehlungen die ich daraufhin gebe sind meist individuell zugeschnitten, treffen zwar nicht immer, sind meiner Meinung aber besser als jeder Algorithmus. Ich denke es ist wie mit jedem Fachgeschäft, frequentiere
    ich es oft genug, hat es immer das was ich möchte, plus sozialer Interaktion, ohne die wir Menschen doch verkümmern. Gebt dem Händler eine Chance, verlangt, bestellt und kommuniziert. Alles ist besser als eine Welt ohne (Buch) Handel.

  4. Katja Fischer 3. März 2016 at 22:15 Antworten

    Ich habe zunehmens den Eindruck, dass bei Printmedien, wie Zeitung und Buch die Menschen an Dingen festhalten wollen, die eigentlich so in unserer Welt nicht mehr funkttionieren.
    Buchhandlungen wie zu Omas Zeiten,haben wegen des Internets heute kaum noch Sinn. Klar geht man mal hin um sich insprieren zu lassen und zu sehen, was es so auf dem Markt gibt. Man kann es ja theoretisch sofort mitnehmen. Doch dann kommt das große ABER!
    Aber, wenn ich nicht gerade längere Zeit unterwegs bin, lese ich lieber digital. Aber ich bin so oder so wählerisch und lese nicht allen Mist, nur weil er in einer Bestsellerliste steht. Aber mir ist das Geld zu schade, nur für ein neues Printbuch, wenn ich davon 3 oder 4 Ebooks kaufen könnte, die mich wirklich reizen.
    Manchmal gibt es Zufallsentdeckungen, in irgendwelchen Grabbelkisten wo die Bücher nur 1€ kosten und ich mir sage: „Hey was solls. Zur Not verkaufe ich das Buch weiter.. Manchmal sogar richtig gute Bücher.
    ABER und da ist das böse Wort wieder. Oft lasse ich mich auch von Empfehlungen und meinen Lieblingsgenres und den Empfehlungen von Blogs oder befreundeten Autoren leiten. So ist das nun mal. Ab und an ist es auch Amazon, ja ich bin da recht treuer Kunde, aber wieso auch nicht?
    In große Buchhandelsketten gehe ich meist nur um die Mitarbeiter zu veralbern. (klingt fies, ist es auch, aber die haben ja so wenig Plan von aktueller Literatur, wie die Kritiker beim literarischen Quartet, welche nur abgehobenes Zeug lesen, was der Normalbürger nicht mal mit der Kneifzange anfasst. Nur eben in genau der entgegengesetzten Richtung trifft das bei Thaliaverkäufern zu. Als Beispiel kann ich nur das hier erzählen, was wirklich in einer Buchhandlung passiert ist.
    Da geht eine Seniorin in die Kinderbuchabteilung und fragt was gerade für einen 12jährigen Jungen zu empfehlen wäre. Die Verkäuferin sieht sie neben dem Einräumen verständnislos an und meint dann: „Na ja Vampirbücher sind ja gerade ganz in. Versuchen Sie es doch mit den Biss Büchern.“
    Ich stand nur Kopfschüttelnd daneben und dachte so. HALLO? Wenn die gute Frau nicht kompetent ist, dann kann sie das sagen und auf einen Kollegen verweisen. Aber das war die dümmste Aussage die ich je gehört habe. Seit dem veralbere ich die Leute erne mal, indem ich sie nach Indiebüchern verzweifelt suchen lasse oder versuche ein Buch zu finden, was definitiv nicht in den Regalen solch einer Buchhandlung zu finden ist, da es nicht den angeblichen Massengeschmack trifft.
    Tja. Langer Rede kurzer Sinn. Ich sehe für Buchhandlungen wirklich nur noch einen Weg. Sie müssten ihre Prioritäten ändern. Weg vom Billigmüll, hin zur Beratungsplatz und vor allem Sozialen Treffpunkt. Einige Buchhandlungen, besonders die größeren scheinen genau diesen Spagat auch zu schaffen. Neben den Verkäufen finden Lesungen statt, es wird sogar regelmäßig relativ kompetentes Personal eingestellt und dazu mit Leseecken oder gar kleinen Cafés eine heimelige Athmosphäre geschaffen, die eine Buchhandlung zum Erlebnisort macht.
    Wenn man aber weiterhin nur auf Verkauf hinarbeitet, dann wird das System der Buchhandlungen so wie es ist, bald aussterben.

  5. Sera 3. März 2016 at 23:33 Antworten

    Es gibt einen Grund, warum das Sortiment der Buchhandlungen so eingeschränkt ist: Wirtschaftlichkeit.
    Das wird jemand, der sich für das schöne Buch interessiert, nicht gerne hören – aber auch eine Buchhandlung ist ein Geschäft, in dem es vor allem darum geht, diejenigen zu ernähren, die dort arbeiten.
    Ich habe meine Ausbildung 2008 abgeschlossen und hatte das Glück eine kleine Filiale in einem Dorf zu führen. Da ich sozusagen im Alleingang dort tätig war, war ich auch das Gesicht der Buchhandlung und ich hatte viele gute Kontakte zu vielen sehr treuen Kunden, die eine Buchhandlung im Ort aktiv wollten und unterstützten.
    Ich habe als Liebhaberin der schönen Bücher in diesen Beruf gestartet. Das war ein großes Unglück. Natürlich lassen sich Kunden an Neuentdeckungen heranführen. Viele sind aber hauptsächlich an dieser einen „Top 100 Liste“ interessiert (deswegen ist es ja die Top 100 Liste). Es gab Bücher, wahre Schätze, denen ich einfach eine Chance geben wollte – aber außer mir niemand. Klassiker wurden nur gewünscht, wenn Schüler sie in der Schule brauchten. Und wenn ein Buch im heutigen Buchhandel maximal 6 Monate im Regal stehen darf – ein Klassiker aber mit Glück vier Jahre benötigt, um sich einmal zu „drehen“, dann ist die Orientierung nicht dem Buchhändler vorzuwerfen.

    Ich bin auch jemand, der sich nur selten ein Buch empfehlen lässt – es sei denn, ich bin gerade neugierig darauf, was andere gut finden. Aber ich habe in meinem Berufsleben erlebt, dass wir nicht vollkommen nutzlos sind. Oft gibt es Kunden, die mit Angaben zu mir kamen, denen die Amazon-Suchleiste nicht weitergeholfen hätte („Ich brauche ein Buch. So ein gelbes. Über Satan. Satan der Weise, oder so.“) und das Schulbuchgeschäft braucht tatsächlich Fachkräfte (äh, haben nicht alle das gleiche Mathebuch? Es ist blau. Ich gehe an die xy-Schule). Und Amazon hilft dir auch nicht weiter, wenn dir 15 Minuten vor Ladenschluss an Heiligabend einfällt, dass dir noch ein Geschenk fehlt (es sei denn, du willst einen Gutschein ausdrucken).
    Ein guter Buchhändler ist ein sozialer Kontakt, ein Meister im Recherchieren, ein Herr des Allgemeinwissens und wenn du Glück hast ist er auch fähig, sich in dich und deine Bedürfnisse hinein zu denken. Mein Hauptjob war zwar auch das Beraten. Aber nicht nur.

    Das, was uns obsolet gemacht hat war nicht Amazon, sondern Google (das wir übrigens gerne auch selbst nutzen, um diese kleinen Verlage aus der Versenkung zu fischen, die nicht einmal auf Amazon verkaufen).

    Ich sehe es als traurige Entwicklung, dass wir zu einer aussterbenden Art gehören. Klar ändert sich die Zeit. Ich hasse es aber, Dinge zu bestellen. Ich will sie gleich in die Hand nehmen und mitnehmen. (Die Onlineshops der Buchhändler, die von KNV oder LIBRI gespeist werden, liefern übrigens schnell zu dir nachhause. Die meisten Buchhändler auch.)

    Eine Kollegin von mir sagte einmal, dass es nicht mehr lange dauert, bis alle Läden ausgestorben sind, die nicht billigst den täglichen Bedarf decken. Dann wird es das Stöbern vielleicht noch in historischen Freizeitparks geben (Guck mal Mama, so wie damals). Damit wird auch ein Teil der Vielfalt sterben, denn viele Produkte erschließen sich erst durch direktes Erleben. Ich würde keinen Bildband kaufen, in den ich nicht schon einmal hineinschauen konnte. Nur als Beispiel.

    Apropos: Deine Käuferinteressen passen in meinen Augen viel eher in ein Antiquariat. Schöne, seltene, besondere Ausgaben, Klassiker und Schnäppchen in einer ungewöhnlichen Auswahl finden sich in so etwas eigentlich immer bestaunenswert zusammen. Dank Amazon sind sie aber auch vom Aussterben bedroht (es ist ja alles jederzeit verfügbar).

    Ganz ehrlich: Ich kann den Wunsch nach Bequemlichkeit verstehen. Und ich kann die Käufer verstehen, die nicht bereit sind, ein Elektronikgerät für das doppelte kaufen zu müssen, wenn sie es online für die Hälfte kriegen. Und ich finde es himmlisch, wenn ich eine seltene Ausgabe zu einem Preis erjagen kann, den ich bezahlen will. Ich finde es nur schade, dass oft so harsch über Buchhändler geurteilt wird. Es gibt nämlich neben den schlechten auch ziemlich viele sehr gute.

    • Ralf 4. März 2016 at 0:19 Antworten

      Danke liebe Sera für deinen schönen und klugen Kommentar. Wenn ich die Kommentare der anderen ebook-affinen Amazonkunden lese, kann ich mir nur an den Kopf fassen. Habt ihr Lust, in ein paar Jahren eure Frühstücksbrötchen im Internet zu bestellen, weil der Einzelhandel in den Innenstädten komplett ausgestorben ist? Wer baut eigentlich die Schulen für eure Kinder, wenn ihr euer ganzes Geld einem Konzern in den Arsch schiebt, der in Deutschland keinen Cent Steuern zahlt? Ihr schreibt so einen Unsinn über den stationären Buchhandel, der die wichtigsten 400.00 lieferbaren Titel über Nacht für Euch bestellen kann. Abends um 17.00 bestellt, am nächsten Morgen um 9.00 Uhr abholen. Schneller als Amazon! Aber dafür müsstet ihr ja das Haus verlassen, ihr Armen. Tja, wer es als Vorteil empfindet, das Haus nicht mehr verlassen zu müssen und lieber stundenlang vor dem Bildschirm hockt, als eine Buchhandlung zu besuchen, der hat Amazon vielleicht sogar verdient, denn die werden eine schöne und kluge Frau wie Sera nie in einer Buchhandlung kennenlernen…

      • Tobi 4. März 2016 at 12:43 Antworten

        Lieber Ralf,

        die Argumentation finde ich nicht besonders schlüssig. Die Tatsache, dass Amazon in Deutschland keine Steuern zahlt, ist der Politik der letzten 20 Jahren geschuldet. Einer Politik, die eine klare Mehrheit hatte und damit den Wählerwillen erfüllt. Klar kann man die Verantwortung dem Konsumenten zuschreiben. In dem Fall ist es aber der gleiche wie der Wähler und damit finde ich es demokratisch völlig legitimiert, wenn Amazon hier so begünstigt wird. Für eine funktionierende Infrastruktur wie Schulen hat der Staat zu sorgen. Wenn die gewählten Volksvertreter Steuergelder für das Absichern der Risiken von Banken nutzen und nicht für die Erweiterung und den Bau dieser Infrastruktur, dann ist auch das ein Ausdruck des Wählerwillens und in einer Demokratie nur richtig.

        Wenn der stationäre Handel in den Innenstädten stark reduziert wird, dann ist das ein Ausdruck eines geänderten Konsumverhaltens. Das ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Es stellt ja auch niemand aus Nostalgie lauter Telefonzellen auf, wenn das kein Schwein mehr braucht, nur weil Telefonzellen so schön ins Stadtbild gepasst haben.

        Wenn man wie ich ungefähr 3 Stunden am Tag alleine Fahrtzeit mit den Öffentlichen hat, dem bleibt auch Abends nicht viel Zeit. Das hat nichts mit Faulheit und nicht das Haus verlassen wollen zu tun. Eine Bestellung in einem Online-Shop nimmt ungefähr drei Minuten in Anspruch. Von stundenlang vor dem Bildschirm hocken kann da nicht die Rede sein. Und nachdem man gezielt seine Anlaufstellen hat, ist auch das Stöbern nach schönen Büchern keine zeitaufwendige Angelegenheit.

        Herzliche Grüße
        Tobi

    • Tobi 4. März 2016 at 12:23 Antworten

      Liebe Sera,

      ich glaube dir sofort, dass die Kunden primär die bekannten Bücher anfragen und dass ein Händler sich am Kundenwillen orientieren muss. Auch dass die Beratung, insbesondere bei Schulbücher oder bei der Suche nach Bücher wertvoll ist, stelle ich nicht in Frage. Das Angebot werden auch immer einige nutzen. Ich bin aber überzeugt, dass es vielen so geht wie mir und ein Onlinerecherche und eine Onlinebestellung wesentlich besser auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Hinsichtlich der Auswahl, dem Komfort und des Zeitinvests. Besonders dann, wenn man nur selten zum Buch greift.

      Natürlich ist es schön, in einem Buchladen zu bummeln, dort Bücher wirklich in die Hand zu nehmen. Bei mir ist das alleine zeitlich maximal am Samstag möglich und eben nicht bei der dürftigen Auswahl der Buchhandlungen hier in der Umgebung. Da muss ich dann schon nochmal eine längere Autofahrt in Kauf nehmen. Und wenn ich dann sehe, wie in den Riem-Arcarden dann der Weltbild dicht gemacht wird und ein wirklich schöner Hugendubel auf Kioskgröße geschrumpft wird, dann scheint ja schon etwas an meinen Vermutungen dran zu sein. Auch wenn es großartige Buchhändler geben mag, sind das wohl versteckte Oasen, die ich noch nicht gefunden habe.

      Liebe Grüße und vielen Dank für dein Kommentar!
      Tobi

      • Sera 4. März 2016 at 17:40 Antworten

        Hallo Tobi,

        dann wünsche ich dir die Gelegenheit, öfter einen Buchladen zu finden, der deine Interessen abdeckt. Für mich war das immer ein schönes Erlebnis – auch wenn ich mich nicht beraten lassen wollte. Wenn du durch Köln kommen solltest, lohnt sich die Buchhandlung im Bahnhof (die, die über mehrere Stockwerke geht, und die du findest, wenn du vom Hauteingang herein kommst und links gehst. Da bin ich mal mit ganz viel Verdruss hineingegangen, weil ich nur Mainstream führen konnte, und habe den Grund wiedergefunden, warum Buchhandlungen toll sein können.
        Es gibt natürlich noch viele andere. Die Mayersche lohnt sich in Köln auch – und in Bonn gibt es sehr viele sehr gute Buchläden.

        Und ich befürchte doch, dass du ein Exot bist, was dein Konsumverhalten angeht. Ich hatte in meinem Buchhändlerleben vielleicht eine Handvoll Kunden, die ähnliche Interessen hatten, wie du. Aber Scharen von Nora Roberts Leserinnen…

  6. Ralf 4. März 2016 at 0:23 Antworten

    P.S. Tippfehler. Es sollte heißen: 400.000 Bücher!

  7. Laura Rupp 4. März 2016 at 0:55 Antworten

    Mal so nebenbei: Es war in der Tat ein interessanter Zufall, dass 2009 ausgerechnet die von George Orwell verfassten Bücher 1984 und Animal Farm aus dem Speicher der Kindle-Lesegeräte verschwanden, ungeachtet der Tatsache, dass die Käufer für die Nutzungsrechte bezahlt hatten. Doch Amazon hat nicht nur die Macht Texte von eReadern zu löschen. Alle Markierungen und Notizen sowie die Lesedauer werden an den Firmenserver gesendet. Die Lektüre wird somit fortwährend überwacht und ausgewertet.
    Jeder Amazon-Kunde büßt beim Einkauf einen Teil seiner Privatsphäre ein und nimmt (ob bewusst oder unbewusst) damit eine systematische Ausspähung hin. So ist die entscheidende Unternehmung von Amazon das Sammeln von Daten über Interessen und Gewohnheiten der Kunden. Diese werden zum Bewerben von Produkten und Dienstleistungen verwendet und aus diesen Persönlichkeitsprofilen neue Geschäftsmodelle entwickelt.
    Eine Monopolstellung Amazons hat aber generell Auswirkungen auf Meinungsbildung und -vielfalt. Das Ziel von Amazon ist es auf lange Sicht Buchhändler und Verlage überflüssig zu machen und diese Bestrebungen stellen somit eine Gefahr für die Demokratie dar. Artikel fünf des Grundgesetzes räumt jedem Bürger das Recht ein „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“. Dieses Grundrecht soll eigentlich den Bürger vor unbefugtem Zugriff und willkürlichen Zensurmaßnahmen des Staates schützen. Daniel Leisegang formuliert hier treffend:
    Wenn „ein Konzern wie Amazon die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Verlagen und den Buchhändlern aushebelt und sich anschickt, den gesamten Buchmarkt zu erobern, geht von ihm eine ebenso große Gefahr für die freie und unzensierte Meinungsbildung aus wie potentiell von Seiten des Staates.“
    Mit wachsender Marktdominanz hätte Amazon am Ende die Macht auch zu entscheiden, welches Buch in den Handel kommt und welches nicht. Dies würde langfristig die Meinungsvielfalt in Deutschland aushebeln. Bei dem Kampf gegen Amazon geht es somit um weit mehr als die Zukunft des Buchmarkts. Die Infiltrierung und Beherrschung von Amazon nicht nur des Buchmarkts, sondern vieler anderer Lebensbereiche, die mit Kultur und Konsum zu tun haben, schreitet – scheinbar widerstandslos – voran.
    Der Onlinegigant missachtet durch seine utopischen (ergo hier dystopischen) Ziele die Bedingungen von partizipatorisch fundierten Gesellschaften und verwandelt den Traum vom glückversprechenden Online-Konsum in einen puren Datenschutzalptraum. Hier geht es nicht nur um den Buchhandel, sondern um Monopolismus, die massive Nichtbeachtung von Arbeitsrechten und die Entmachtung von verankerten demokratischen Kontrollmechanismen. Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit Amazon und bin immer wieder schockiert, dass wie auch dieser Blogger viel zu wenig anscheinendd von diesem Unternehmen wissen. Amazon zahlt keine Steuern. Amazon vernichtet Arbeitsplätze (ein neugeschaffener Arbeitsplatz kostet rein rechnerisch 18 Arbeitsplätze im stationären Handel. ) Wenn Sie sich einmal mit den Arbeitsbedingungen in den USA auseinander gesetzt hätten, würde es Ihnen grauen. Nein, ich würde mir polemisch gesagt eher die Hand abhacken, als dort einzukaufen. Es gibt übrigens auch viele deutsche Anbieter, da können Sie auch online bestellen!

    • Tobi 4. März 2016 at 13:29 Antworten

      Liebe Laura,

      da vermischt du nun eine Reihe von Dinge, die man nicht so pauschal in eine Suppe werfen sollte.

      Das eine, was du ansprichst, ist das Thema Ebooks. 1984 wurde damals aufgrund von Problemen mit der Lizenzierung wieder von den Ebookreader entfernt. Das ist aber ein Problem, dass Ebookreader allgemein haben. Als Nutzer erwirbt man nur ein Nutzungsrecht und nicht das Buch als solches. Damit räumt man dem Plattformbetreiber eine Menge Einfluss ein und das muss man sich als Konsument genau überlegen. Das ist aber nun kein Argument für oder wider dem Onlinehandel. Ich nutze mit unter aus diesem Grund keine Ebookreader, weil ich eben das Buch wirklich besitzen möchte.

      Das zweite Thema ist der Datenschutz. Auch hier muss man unterscheiden. Nutzt man einen Ebookreader, dann räumt man dem Plattformbetreiber eine Menge Daten und Einblicke über sich ein. Unter Anderem auch, wie schnell man liest, wie viel man von einem Buch liest, was man liest, wann man liest. Ein weiterer Grund für mich definitiv nicht zu einem Ebookreader zu greifen. Mit Big-Data lässt das wahnsinnig viel Rückschlüsse auf meine Person, meine Gesinnung, meine politische oder religiöse Einstellung zu, die zu meinem absoluten Kernbereich gehören und ich mit niemanden teilen möchte. Auch das Bloggen über Bücher ist in dieser Hinsicht schon eine Preisgabe höchst personenbezogener Daten. Ich habe darüber auch schon einmal gebloggt: Buchblogger und der Datenschutz. Aber auch das spricht nicht für oder gegen einen Onlineshop als Quelle für eigene Bücher. Wer immer bei Amazon bestellt gibt natürlich seine Buchauswahl preis. Daher bestelle ich bei unterschiedlichsten Onlineshops. Aber klar: Ein Teil der eigenen Daten gibt man hier aus der Hand. Wieder ein Trade-off zwischen Bequemlichkeit und Komfort.

      Das dritte Problem ist die Monopolstellung von Amazon. Das Problem zu lösen, liegt bei der Politik, insbesondere der Wirtschaftspolitik, die einen Ausgleich schaffen muss für solche Entwicklungen. Genauso wie das Thema, dass Amazon in Deutschland keine Steuern zahlt, oder die gerechte Vergütung der Angestellten. Die Probleme sind schon lange bekannt, dem Wähler aber offensichtlich egal. Amazon hat keinen Bildungsauftrag, ist keine Einrichtung, die dem Wohle der Bürger verpflichtet ist. Amazon ist seinen Aktionären verpflichtet und hat, wie jede andere Unternehmung in diesem Wirtschaftssystem ausschließlich das Ziel Gewinn zu machen und diesen zu festigen. Es ist auch nicht Aufgabe von Amazon, das demokratische System zu stärken. Das kann nur der Bürger.

      Ich bin hinsichtlich Amazon sehr gut informiert. Auch ich sehe die Entwicklung skeptisch, aber ausschließlich auf politischer Ebene lösbar. Hinsichtlich des Datenschutzes liegt die Verantwortung bei dem Einzelnen. Ich wäge sehr genau ab, welche Daten ich wo preis gebe und überlege mir genau, wann ich das wo möchte. Das gilt aber nicht nur für Amazon, sondern auch für Google oder diesen Blog. Für die Frage, ob Onlinehandel oder stationärer Buchhandel ist die Frage allerdings unerheblich. Wie schon gesagt, ich bestelle bei einer Vielzahl unterschiedlicher Onlineshops, aber darunter ist auch immer mal wieder Amazon.

      In dieser Frage immer wieder moralisch den Zeigefinger zu erheben finde ich einfach unangebracht und wenig zielführend. Dann boykottieren die paar tausend Buchblogger und intellektuellen Literaturfans Amazon und die restlichen 80 Mio. Deutschen kaufen immernoch beim Giganten.

      Liebe Grüße
      Tobi

  8. Romina Agus 4. März 2016 at 1:30 Antworten

    Hallo liebe Tobi 🙂
    es ist schon spät aber ich musste diesen Beitrag noch lesen, denn das Thema „Amazon“ finde ich unheimlich spannend. Es gibt sicherlich viele Meinungen, Möglichkeiten oder Umstände warum das so oder so ist.
    In meinem Fall würde ich viel lieber in Buchhandlungen gehen um dort zu kaufen, weil ich gerne Dinge in die Hand nehme. Aber wie du schon beschrieben hast, die meisten Buchhandlungen haben eine kleine Auswahl. Ich muss länger warten bist etwas da ist und dann muss ich noch mal hin.
    Bei letzterem Punkt liebt bei mir das Problem, ich nutze mein Auto, ist kein Parkplatz da oder muss ich Parkgebühren zahlen kommt so ein Besuch gar nicht in Frage. Leider leben wir ja in einer Zeit in der man mehr arbeitet als Freizeit hat, zumindest ist das bei mir so. Da möchte ich einfach nicht in eine Buchhandlung was bestellen und 1-2 Tage später wieder kommen um das abzuholen.
    Es gibt hier eine Buchhandlung zu der ich tatsächlich ab und an fahre und was kaufe oder bestelle. Meist sind es Geschenke oder etwas spezielles (das leider nicht immer da ist). Die Buchhänderlin die meist dort ist, ist auch unheimlich nett wusste aber zb. vor mir noch nichts von Bloggern 🙂 Auch seltsam wie ich finde.
    Ich habe vor guten 15 Jahren meine Praktika in Buchhandlungen gemacht, weil ich immer die Hoffnung hatte in einer Buchhandlung arbeiten zu dürfen. Dort kamen Kunden die Geschenke für Familie oder Freunde suchten. Aber im Grunde nicht für sich selbst. Es war für mich absolut toll bei allen Großhändlern stöbern zu dürfen, oder morgens die Pakete der Kunden zu öffnen 🙂 Aber ja, ich brauche auch keine Beratung und weiß was ich lesen will, hinzu kommt, das Amazon ja nun mal auch gebrauchte Bücher hat. Das macht sicher noch mal einen Großteil aus, ich arbeite zwischen 40 bis 60 Stunden in der Woche, muss dennoch 5 mal überlegen ob ich mir nun ein neues Buch kaufen kann oder nicht.
    Interessant finde ich, das viele andere Städte Buchhandlungen mit Café haben, das finde ich spannend und eine tolle Idee die hier auch öfter umgesetzt werden sollte :>
    Ganz liebe Grüße
    Romi

    • Tobi 4. März 2016 at 13:35 Antworten

      Liebe Romi,

      mir geht es da ganz ähnlich wie dir. Ich fahre jeden Tag öffentlich drei Stunden durch die Gegend, da bleibt dann einfach kaum Zeit Abends nochmal einen Umweg zu machen, um dann in eine schöne Buchhandlung zu gehen. Die Bestellung im Onlineshop nimmt hingegen vielleicht fünf Minuten in Anspruch. Und die Suche nach Bücher läuft bei mir ohnehin immer parallel mit. Und einen Parkplatz bekomm ich bei meinem Buchhändler ums Eck, in dem autoreichsten Landkreis Deutschlands auch nur in den seltensten Fällen.

      Liebe Grüße
      Tobi

  9. Norman 4. März 2016 at 6:44 Antworten

    Lieber Tobi,
    irgendwie ist mein Kommentar von gestern nicht angekommen, ebensowenig wie der gestrige Gefällt-mir-Klick. Versuche ich es also noch einmal.
    Ich persönlich kann mir Bücherkauf ohne Buchhandlung gar nicht vorstellen. Der Buchhändler ist mein wichtigster Gatekeeper, denn er bestellt und – ganz wichtig! – präsentiert die Ware, konkret auf einem Tisch, etc. und dann in dem Gesamtambiente seines Ladens.
    Und dann wähle ich das Produkt, das Buch: In welcher Abteilung steht es? Worum geht es, wer hat es geschrieben? Wie sieht es aus, wie ist der Umschlag gestaltet? Welche Farbe und Qualität hat der Einband, das Papier?
    Welchen Leseeindruck machen Anfang und eine Stelle in der Mitte?
    An eine – manchmal kluge, manchmal aufgeplusterte – Besprechung in der Zeit von vor vier Wochen erinnere ich mich ja meist nicht mehr.
    Ich stöbere gerne sowohl im modernen Antiquariat als auch im richtigen Antiquariat, wo ich aber meist alte Biographien oder Sachbücher kaufe. Bei der WBG bestelle ich nach Katalog, aber auch meist Sachbücher oder Ausstellungskataloge.
    Gut finde ich auch die Möglichkeit, über die Internetseite einer Buchhandlung etwas zu bestellen, wenn man vielleicht nicht mobil ist. Z.B. http://www.schleichersbuch.de/ mit dem Onlineshop http://shop.schleichersbuch.de.
    Aber am Ende gehe ich in die Autorenbuchhandlung, zu Kohlhaas, Schleicher, in den Zauberberg oder gar zu Dussmann. Berlin ist – ich weiß – eine nicht repräsentative Ausnahme.
    Viele Grüße
    Norman

    • Tobi 4. März 2016 at 13:39 Antworten

      Lieber Norman,

      vielen Dank für dein Kommentar, das irgendwie unter Spam gelandet ist.

      Da beineide ich dich, wenn du eine richtig schöne Buchhandlung für dich entdeckt hast. Das Glück hab ich nicht. Ich finde aber, dass man auch online durchaus einen guten Eindruck von einem Buch gewinnen kann. Natürlich kann man es nicht in die Hand nehmen, drehen und wenden und hineinschnuppern. Dennoch entdecke ich online immer wieder kleine Schätze, wunderschöne Bücher und Ausgaben, die mich einfach komplett begeistern und die ich in einer Buchhandlung noch nie gesehen habe. Deshalb will ich auch mit diesem Blog versuchen, das ein bisschen zu transportieren.

      Herzliche Grüße
      Tobi

  10. Stephanie 4. März 2016 at 8:58 Antworten

    Ich kann mich Sera und Ralf nur anschließen. Noch haben WIR in der Hand, wie der Buchhandel von Morgen aussieht. Wenn wir das Feld Amazon überlassen, wird es bald keine Vielfalt mehr geben, wie das eben so ist bei einem Monopol. Man wird nicht mehrere Tage, sondern vergeblich auf bestimmte Bücher warten, weil sie einfach nicht mehr verfügbar sein werden. Es wird irgendwann nur noch Mainstream-Titel geben. Und, ein ganz wichtiger Punkt, über kurz oder lang wird auch die Buchpreisbindung fallen, d.h. niemand kann dann verhindern, dass Bücher verramscht werden. Amazon wird die Verlage zu Discountpreisen zwingen. In der Folge werden die ohnehin nicht üppigen Gehälter in den Verlagen niedriger und dann? Genau, auch die Honorare der Autoren. Wovon sollen die leben? Wer soll sich in Zukunft noch leisten können zu schreiben? Wir werfen hier ein hohes Kulturgut einem Giganten zum Frass vor, der sich einen Scheiss um Kultur kümmert (und ja, ganz richtig, keine Steuern bei uns zahlt).

    Ich finde, es ist überhaupt kein Akt, über den stationären Buchhandel zu kaufen. Meistens weiß ich vorher, was ich will, bestelle telefonisch und hole das Buch dann EINEN Tag später ab. Schneller ist Amazon auch nicht. Ich habe noch nie länger als einen Tag gewartet und kann mir nicht vorstellen, warum das länger dauern sollte (Ausnahme: Schulbücher). In meinem Buchladen, der aus Platzgründen auch kein riesiges Lager vorrätig halten kann, ist immer etwas los, zu jeder Tageszeit. Ich habe mich oft genug darüber gewundert, und gefreut – das liegt natürlich daran, dass die dort einen spitzen Job machen, aber es zeigt auch, dass es immer noch viele Menschen gibt, die einem Gang in die Buchhandlung etwas abgewinnen können. Weil sie sich dort nicht nur eine gute Empfehlung erhoffen, sondern sie auch bekommen. Und weil sie offenbar wissen: es lohnt sich, für sie selbst, für die Nachkommenden, für alle.

    • Tobi 4. März 2016 at 13:41 Antworten

      Liebe Stephanie,

      was deine Einwände angehen, möchte ich auf das Kommentar verweisen, das ich weiter oben bei Sera und Ralf gerade geschrieben habe.

      Liebe Grüße und vielen Dank für dein Kommentar
      Tobi

  11. Marc 4. März 2016 at 10:06 Antworten

    Hi Tobi,
    ich verstehe deine Standpunkte, die aber nicht ganz meine eigenen sind. Ich muss vorweg schieben, dass ich auch unglaublich gern bei Amazon stöbere (nicht nur Bücher), dies aber meist nach meinen persönlichen Suchkriterien. Bücher kaufe ich da aber selten, da ich mit dem Bestellen und dem Kauf im lokalen Geschäft genau diesen Leuten den Rücken stärken möchte. Es geht mir dabei zuvorderst nicht darum, welches Sortiment ein Laden anbietet, sondern um den persönlichen Kontakt. Wenn die Chemie stimmt kann man mit dem Buchhändler seines Vertrauens stundenlang über Bücher reden ohne das es langweilig wird. Deshalb wäre ich entschieden dagegen den Punkt zu unterstützen, dass der lokale Buchhandel aussterben kann und es würde niemanden stören. Spätestens dann würden alle aufwachen und das unpersönlich in Amazon sehen, dann ist es aber zu spät.
    Auf der anderen Seite ist Anazon auch wichtig. Es bringt ein wenig Pepp ins Geschäft und wird auf kurz und lang auch das Überleben des lokalen Buchhandels sichern (sofern diese ihre Hausaufgaben machen).

  12. Suza 4. März 2016 at 10:51 Antworten

    Generell kaufe ich nicht viele Bücher, da es Büchereien, offenen Bücherregale und Kollegen gibt 😉

    Aber wenn:
    suche ich bei Amazon, rufe dann meine Buchhändlerin an und gebe ihr die Daten durch und hole meine Bestellung 1-2 Tage später ab (mit Hund, der dort auch willkommen ist). Unsere Buchhandlung ist nur klein, aber hat tolle Ideen und ich unterstütze sie gerne. Habe sogar meinen Geburtstag dort mit Freunden gefeiert – jeder konnte mal ungestört stöbern, wir haben mit Sekt und Fingerfood gemütlich zusammen gesessen und die Buchhändlerin kam erst zur abgesprochenen Zeit wieder – natürlich hat sich das auch für sie gelohnt, da meine Freunde doch das ein oder andere Buch gekauft haben. Alle paar Wochen gibt es den Lieblingsabend, bei dem alte und neue Bücher vorgestellt werden – auch von Kunden!

    Nichts desto trotz bestelle ich auch bei amazon, denn unsere Familie liest sehr viele englische Bücher und da ist der online-Händler unschlagbar.

    Zusätzlich stöbere ich gern im Oxfam Buchladen – da tut man auch gleich noch was Gutes und findet auch den ein oder anderen älteren Schatz.

  13. Sandra Knopf 4. März 2016 at 11:04 Antworten

    Als ehemalige Buchhändlerin, die dem stationären Buchhandel den Rücken gekehrt hat, kann ich nur sagen: es gibt genug Leute, die sich eine gefühlte Ewigkeit beraten lassen, zB bei Krimis oder Frauenromanen, die vom Cover her so identisch sind wie Abziehbilder und am Ende ist es für diese Leute fast ein Triumph, wenn nach minutenlanger Grübelei ein 9.99 Euro Taschenbuch gekauft wird.

    Ich hatte die Kunden, die mit Zeitungsartikeln wedelnd ins Geschäft stürmten, in denen auch nur Mainstream-Ware besprochen war und die Kunden, die auf Amazon ganz sicher schon die Taschenbuchausgabe vom gestern erschienenen Hardcover gesehen hatten (denn mit Amazon umgehen, können auch nicht alle…)
    Natürlich waren und sind nicht alle Kunden so, aber wer lang dabei ist, kann eben einige Stories erzählen.

    Ich habe für mich persönlich 2014 die Reißleine gezogen, vor allem auch, weil ich der Meinung bin, dass sich die Vertriebswege des Buchhandels radikal verändern werden: Man braucht heute keinen Laden mehr, um Bücher verkaufen zu können.
    Ein Blick auf die Filialisten zeigt: vor 15-20 Jahren konnten die Flächen gar nicht groß genug sein und jetzt werden diese Flächen abgestoßen, umgebaut, verkleinert. Aktuelles Beispiel ist die Hugendubel-Filiale am Marienplatz.

    Mittlerweile beziehe ich meine Buchwünsche ebenfalls vorwiegend online, ab und an bestelle ich noch per Email und hole es im nächstgelegenen Laden ab, wo mich, wie du richtig schreibst, die üblichen Verdächtigen auf den großen Tischen begrüßen und langweilen.
    Daran sind aber auch die Verlage schuld, die ein Konzept nach dem anderen von ihren Konkurrenten kopieren.

    Für Innovationen hat heute keiner mehr den nötigen Mut, gerade den kleineren Läden steht oft das Wasser bis zum Hals, da ist keine Zeit für Experimente.
    Ketten haben eine klare Linie, die im gesamten Bundesgebiet funktionieren muß, da gibt es einige wenige regionale Abweichungen, aber im Grunde funktionieren sie nach dem Prinzip „Kennste einen, kennste alle!“

    Den Punkt der Lieferbarkeit kann ich allerdings so nicht unterschreiben – selbst die kleinsten Verlage versuchen inzwischen, bei Libri, KNV oder Umbreit unterzukommen (meistens allerdings nur bei einem Zwischenhändler, denn die sind genauso knallhart bei ihren Konditionen wie Amazon) – und einen Großteil der Bücher bekommt man heute binnen 24 Stunden. Man muß dann zwar nochmal in den Laden gehen, aber man soll sich am Tag ja auch mindestens 20 Minuten bewegen 🙂

    Veraltete Software kenne ich selbst auch nicht und sofern die Angaben halbwegs richtig sind, kann man den Suchvorgang auch auf wenige Augenblicke reduzieren -> der Computer ist immer nur so schlau, wie derjenige, der davor steht. Und es gibt eben leider immer noch Buchhändler, die diesem Medium abwehrend gegenüber stehen, obwohl heutzutage ohne Internet nichts mehr geht.

    Ich bedaure jeden Laden, der schließen muß, aber würde mich heute beispielsweise ein junger Mensch fragen, ob er eine Buchhändlerausbildung machen sollte, würde ich klar NEIN sagen.
    Von unattraktiven Arbeitszeiten und Gehältern will ich gar nicht anfangen, das ist ja im Einzelhandel leider überall so, aber man braucht schon viel Idealismus und einen langen Atem.
    Ich war insgesamt 20 Jahre dabei, habe in kleinen Läden und in Ketten gearbeitet, sowohl im Osten als auch im Westen, habe Buchhandlungen miteröffnet, aber auch einige Schließungen mitgemacht, nicht nur solche, die sich auf lange Sicht abzeichneten, sondern leider auch solche, wo man früh den Anruf bekam, dass am Nachmittag die Kündigungen für das gesamte Team überbracht werden, weil der Laden von jetzt auf gleich zugemacht wird, weil zahlungsunfähig.

    Vielleicht sind wir in 10 Jahren froh, wenn es noch Buchläden gibt, weil Amazon & Co inzwischen mehr über uns wissen, als wir selbst.
    Oder aber, es sind alle Buchläden bis dahin geschlossen und irgendwer kommt auf die Idee und eröffnet eine Buchhandlung: wird die dann eventuell als Innovation gefeiert? 😉

    -> Ach und übrigens: ISBN Nummer ist so nicht korrekt, denn das N in ISBN steht schon für Nummer. 😉 Ist aber ein beliebter und oft gemachter Fehler.

    • Tobi 4. März 2016 at 14:02 Antworten

      Liebe Sandra,

      vielen Dank für deinen differenzierten Kommentar, der doch einen deutlichen desillusionierten Unterton hat. Ich glaube, man kann sich darüber den Kopf zermartern, am Ende schafft der Markt Tatsachen. Natürlich ist das was Schönes, in einen Laden zu gehen und gut beraten zu werden und ich bin mir sicher, dass es das auch immer geben wird. Aber wie ich das oben schon schildere: Wenn ich mich so umsehe, dann scheint die Lebenswirklichkeit der Konsumenten eine andere zu sein.

      Auch in den Riem-Arcaden hat der Weltbild geschlossen und der wirklich schöne Hugendubel wurde auf Minigröße geschrumpft und ist absolut keinen Besuch mehr wert. Mit erhobenen Zeigefinger alle zu tadeln, die nun online kaufen, halte ich für falsch und das wollte ich mit dem Beitrag und meiner Kritik am Buchhandel zum Ausdruck bringen. Ich bin mit dem Onlinekauf von Bücher sehr zufrieden und ich spreche sicherlich niemanden das Vergnügen ab, in eine Buchhandlung zu gehen. Nur bin ich überzeugt, dass das zunehmend ein Nischengeschäft und an der großen Maße vorbeigehen wird.

      Herzliche Grüße
      Tobi

  14. Leseseiten 4. März 2016 at 11:30 Antworten

    Im Zeitalter des Internets ist etwas geschehen, dass vorher nicht möglich war: Der Konsument kann sich selbst umfassend informieren. Für das Thema Buch eine wunderbare Sache, denn die unüberschaubare Vielzahl an lieferbaren Büchern kann sortiert und gesichtet werden. Jeder für sich, nach seinen Interessen. Der Buchhändler im Laden hat sein Wissensmonopol verloren, der Konsument kann eine Entscheidung treffen, ohne eine Buchhandlung zu besuchen. Das führt dann durchaus dazu, dass man mehr Kenntnis über ein Thema oder ein bestimmtes Buch hat, als der Buchhändler im Laden. Der kennt sich mit dem gut aus, was er häufig gefragt wird.

    Stell Dir vor, Du arbeitest in einer Buchhandlung und hast 8 Stunden am Tag mit Menschen unterschiedlichster Couleur zu tun. Die haben Fragen an Dich, die gut und verständlich sind, die äußern präzise Wünsche und wissen, was sie wollen. Oder: Die ungenaue und wage Angaben haben, nicht sagen können, was gesucht wird, weil sie sich nicht so gut ausdrücken können, die keine Ahnung haben, ob es überhaupt ein passendes Buch gibt. Glaubst Du, Du kannst jede Frage beantworten und jedem gerecht werden?

    Ich finde die Debatte, wo man seine Bücher kauft, ziemlich überspitzt. Die Buchhandlungen in Deutschland bilden insgesamt die Verlagsszene ab; nur findet man eine vielfältige Auswahl nicht überall, sondern vorallem in den größeren Städten. Warum also nicht über das Internet bestellen?! Wer will, setzt sich mit dem Problem Marktmacht Amazon auseinander und zieht seine persönlichen Schlüsse. Der Buchhandel punktet weiterhin, wo er durch persönliche Ansprache und kompetente Beratung überzeugen kann. Dass man nicht jedem gerecht werden kann und das nicht jeder Buchhändler ein Aushängeschild der Branche ist, bleibt eine Tatsache. Wer in die Buchhandlung geht und kauft, bestimmt übrigens auch über das Angebot ab. Denn Buchhandlungen bieten an, was sie verkaufen, anders können sie nicht existieren. Ob kleine oder große Fläche, die meistgekauften Bücher sind dann doch „Mainstream“ und nicht die Bücher, die vielleicht für einen selbst interessant sind. In der „zweiten“ Reihe lässt sich davon sicherlich einiges entdecken, denn Buchhändler halten immer Bücher vorrätig, denen sie ihr Herz schenken. Nicht jeder hat eine „Connewitzer“ um die Ecke – da kann man sich einen enttäuschenden Gang in die Buchhandlung nebenan sparen – völlig nachvollziehbar. Aber die meisten brauchen eben nicht so eine Auswahl und deshalb findet man solche Buchhandlungen nicht häufig. Der Buchhandel hat kaum eine Wahl: Er kann dem Kaufverhalten seiner Kunden nur folgen, denn er muss wirtschaftlich arbeiten.

    Ladengeschäft oder Internet? Nicht jeder hat die gleichen Möglichkeiten an seinem Wohnort und die gleichen Bedürfnisse an das Angebot. Also kann es nicht den einen Weg geben!

    • Tobi 4. März 2016 at 14:13 Antworten

      Meine Erwartung an eine Buchhandlung sind nun auch nicht völlig überzogen. Ich erwarte nun sicher nicht, dass ich in eine kleine Buchhandlung gehe, nach irgendwelchen Spezialthemen frage und da eine umfassende Beratung wünsche. Aber ich will mal ein Beispiel geben. Letztes Jahr war ich in der Buchhandlung an der Thomaskirche in Leipzig. Das ist ein kleiner Laden, wirklich nichts großes, eigentlich ziemlich das, was die normale Handlung in jedem kleinen Kaff an Fläche bietet. Und die hatten eine Ecke eingerichtet und da waren alle möglichen, wunderschönen Ausgaben vom Mare Verlag. Klar, das ist jetzt Zufall, weil ich den Mare Verlag so liebe. Aber ich hätte mich da reinlegen können. Da war noch genug Raum für alle möglichen Bücher. Wieso habe ich so eine hübsche Ecke in noch keinem der Buchläden bei mir in der Gegend gesehen? Klar, ich gebe offen zu, ich weiß nicht, was da dahinter steht. Wieviel eine Buchhandlung investieren muss um etwas neben der Mainstreamspur in den Laden zu stellen, wie wirtschaftlich das ist. Aber als Konsument gehe ich in einen Laden und wenn ich mich auf den Weg mache, meine Zeit opfer, dann muss dabei was rum kommen. Sicher gibt es Buchläden, die all die Bücher führen, die ich hier so rezensiere und für die ich mich begeister, das glaub ich sofort. In meiner Umgebung ist das aber nicht der Fall und so exotisch ist mein Geschmack nun auch nicht.

      Liebe Grüße und herzlichen Dank für deinen Kommentar und deine Sicht, in vielen Punkten kann ich dir nur zustimmen.
      Tobi

  15. Anette 4. März 2016 at 14:36 Antworten

    Ich bin vielleicht zu blauäugig, aber doch, es gibt sie noch, die Buchhandlungsperlen, und zwar gar nicht so selten! Wir haben eine in der Nachbarstadt, wo ich wirklich noch stöbern und entdecken kann, auch schöne Ausgaben sind dort zu finden. Und selbst in den Läden der großen Ketten herrscht abseits mancher Abteilungen noch eine gewisse Atmosphäre, die ich nicht missen möchte. Ich bestelle durchaus auch mal online, wenn ich nicht in die Stadt komme, versuche aber die Buchhandlung in der Nachbarstadt zu bevorzugen. Online fehlt der direkte Kontakt zu Gleichgesinnten. Meiner Erfahrung nach findet man auch in Buchläden nicht die Amazon-Bestsellerliste, sondern eher die vom Spiegel, und das ist ein gewaltiger Unterschied! Ich habe letztes Jahr einmal ein Buch gelesen, dass wochen-, wenn nicht monatelang bei Amazon auf Platz 1 war, und es war grottenschlecht. Kann beim Spiegel sicher auch passieren, aber es findet sich auch immer Gutes in den Top 10 😉

  16. Hartmut Ober 4. März 2016 at 22:08 Antworten

    Online einzukaufen und als Begründung dafür Bequemlichkeit und Zeitnot anzuführen ist meines Erachtens ein Fehler.

    Wenn jemand in ihrer oder seiner Umgebung keine Buchhandlung findet, liegt das zumeist an den zerstörerischen Kräften des Kapitalismus.
    Dies wurde deutlich, seit dem Siegeszug der Buchhandelsketten mit ihrem kannibalistischen Bestreben um marktbeherrschende Stellung in allen großen und mittelgroßen Städten. Sie kauften sämtliche Traditionsunternehmen: „Entweder Du, selbständiger Buchhändler, lässt Dir von uns Geld geben für Dein Geschäft und verschwindest, oder wir machen direkt gegenüber auf; dann dauert es eben ein bisschen länger bis Du von selber gehst!“
    Die Buchhändler, die blieben und heute noch da sind, glaubten oftmals nur überleben zu können, indem sie ihr Sortiment an einen vorgestellten Massengeschmack anpassten (was meiner Meinung nach ein Fehler war und noch ist), so wie die Filialisten es ihnen vorgemacht hatten.

    Dann trat der technologische Fortschritt die Buchhandelsketten kräftig in den Arsch: das E-Book und der Onlinehandel. Ihre Flächen waren zu groß. Da wo Thalia, Weltbild, Hugendubel, usw. verschwanden, war nun nichts mehr, nur noch amazon, irgendwo, virtuell und nicht zu fassen.

    amazon, das Ende der Fahnenstange des Monopolkapitalismus? Jedenfalls Ausdruck eines Zeitalters, in dem Menschen mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig brauchen um ihre Existenz zu sichern, Menschen täglich drei Stunden mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sein müssen, Menschen darauf angewiesen sind, dass es Kita-Plätze gibt, weil sie keine Zeit haben; für Ihre Kinder nicht und nicht um auf die Straße oder in ein Geschäft zu gehen und zu kommunizieren.

    Ich glaube nicht, dass die direkte Kommunikation überbewertet ist. Ich glaube auch nicht, dass sie zwingend kultiviert bei einem Kaffee oder nach einer Lesung stattfinden muss. Aber sie muss passieren! Und wo sollte das besser gehen als auf dem Forum? Von Angesicht zu Angesicht, wie in der Antike schon, dem Anfang der Demokratie. Meiner eingeschränkten Beobachtung nach, bewegen wir uns immer tiefer in eine kommunikationslose Zeit hinein, in der die Menschen in der persönlichen Begegnung mit Unbekannten nur noch „Drama“ erwarten und in der virtuellen Kommunikation letzlich unerfüllt bleiben.

    Und was braucht ein lebendiges Forum? Logisch: Geschäfte!

    Ich stelle mir die zunehmende Abhängigkeit von Onlinehandel vor wie das Leben als menschliche Batterie in dem Film „Matrix“ – ich liege bequem in der Suppe einer künstlichen Gebärmutter, lasse mir mein Innerstes abzapfen und fühle mich dabei total wohl, weil mir alles was ich jemals wünschen konnte direkt ins Hirn gespeist wird.

    Da gehe ich lieber zu der dicken Buchhändlerin um die Ecke oder fahre ´ne Stunde hin oder rufe an. Da stöbere ich lieber in dem Regal in dem ich mit 99 prozentiger Sicherheit nichts für mich finden werde, da rege ich mich lieber über ihre Fehler auf, als …

    Ja, Fehler! Gebt mir mehr Fehler … da hat man ´was zum Bessermachen, daraus kann man lernen.

    Ich bin nicht in erster Linie Konsument. Ich bin Leser! Und ich lese zur Unterhaltung und um von Erfahrungen und Wissen anderer zu profitieren und ich finde die Bücher am Besten, die mir ein anderes Leben zeigen oder ein Leben anders zeigen.

    Kennt jemand ein Buch, in dem das Leben schöner oder besser wurde durch onlinehandel?

    Hartmut Ober

    Der Bücher Ober (Düsseldorf)

  17. Tinka 4. März 2016 at 23:29 Antworten

    Ich finde es einfach total schade, dass es diese kleinen Buchhandlungen aussterben. Mein ganzes Leben lang war ich auf der Suche nach Mr. Korianders Buchladen und konnte ein oder zwei ähnliche finden. Leider nicht in Österreich. Um wirklich den Weg in eine Buchhandlung zu gehen, muss diese sich für mich schon lohnen, was in erster Linie bedeutet, dass mir die Buchhandlung optisch gefallen muss und dass sie Bücher enthält, die man anderswo nicht so bekommt. Ich liebe Buchläden mit eigenem Charakter, sprich einer einzigartigen, urigen Einrichtung, eventuell mit Cafe und Leseecke. Wohlfühlcharakter ist sehr wichtig, ansonsten kann ich das Buch eben auch einfach bestellen. Irgendwie geben sich die Buchhändler auch gar keine Mühe mehr und bieten echt diese 0815 Lektüre an. Darüber hinaus sind Bücher auch gar nicht so billig (für mich als Studentin nur als Taschenbuch leistbar), weshalb ich sie gerne gebraucht kaufe. Eventuell würden auch mehr Menschen in Buchhandlungen gehen, wenn sie auch gebrauchte Exemplare anbieten täten. Eine recht bekannte Buchhandlung in Paris ( Shakespeare and Company) schafft es ja auch! Nett wären auch Themenabende und Lesungen um Menschen in ihre Gemäuern zu locken, weil das kann ein Onlinehändler einfach niemals bieten 🙂

  18. Lesehimmel 5. März 2016 at 6:50 Antworten

    Interessantes Thema. Eine Buchberatung benötige auch ich nicht. Bei Amazon kaufe ich jedoch nie Bücher und das aus überwiegend 2 Gründen. Ich kaufe zu einem Großteil gebraucht und da gibt es wunderbare Seiten mit einem wirklich großen Bucharchiv. Wenn ich doch mal etwas Neues möchte, gehe ich wirklich am allerliebsten in ein echtes Buchgeschäft, denn ich mag die Atmosphäre dort sehr. Sollte der Buchhandel aussterben, wäre ich ziemlich traurig, denn damit würde auch ein sehr großes Stück Tradition wegfallen und so schön das „mal eben durchs Netz surfen“ ja auch ist, es ersetzt zumindest für mich in keinster Weise das Gefühl, im Laden ein Buch in die Hand zu nehmen, den Klappentext zu lesen, mich beim Stöbern inspirieren zu lassen und schlussendlich zu kaufen. Dann habe ich es auch sofort, muss keinen Postboten abwarten oder einem Paket hinterher rennen, weil ich nicht zu Hause war und das Gefühl, es direkt zu kaufen, finde ich immer noch am schönsten, aber, da ist ja jeder anders.

    Ich wohne in einer Großstadt, hier gibt es kleine und große Buchhandlungen. Natürlich haben die großen deutlich mehr Auswahl und für den Fall, dass man wirklich mal etwas sucht, geht das da womöglich schneller und professioneller, wenn man nachfragt, das möchte ich nicht ausschließen. Aber atmosphärisch ist so eine kleine Buchhandlung, wenn sie schön eingerichtet ist und man kompetentes Personal vor Ort hat, nicht zu toppen, es ist einfach persönlicher.

    Für mich hat das Internet sehr großen Nutzen, aber es gibt Dinge, die möchte ich hier online einfach nicht so in Anspruch nehmen; vielleicht liegt es auch daran, dass ich schon älter bin und gerne alte Traditionen pflege und das Gefühl von „lieber auf herkömmlichen Weg“ öfter mal bevorzuge. LG

  19. Ina Degenaar 5. März 2016 at 11:13 Antworten

    Lieber Tobi,
    ich gehöre zu den Leuten, die so gut wie jedes Buch beim Buchhändler vor Ort kaufen. Ich schätze die Beratung und den persönlichen Kontakt. Wenn ich ein Buch suche und noch im Nebel stochere, kommt von meinem Buchhändler der richtige Impuls. Das gilt auch, wenn es um Bücher geht, die ich verschenken möchte, aber im Genre, das der Beschenkte bevorzugt, nicht wirklich zu Hause bin. Mein Buchhändler hatte immer den richtigen Tipp parat, und das schon seit vielen Jahren. Die Kunden können sich dort aufs Sofa setzen und Bücher anlesen, bevor sie sich zu einem Kauf entschließen. Wenn ich Bücher von zu Hause bestellen will, reicht eine Mail oder ein Anruf, und am nächsten Tag kann ich sie abholen oder sie mir auch nach Ladenschluss nach Hause bringen lassen. Wer also Beratung und den persönlichen Kontakt schätzt, ist mit einem Buchladen besser bedient. Aber ich habe sowieso den starken Eindruck, dass die Entscheidung für oder gegen Amazon bzw. den stationären Buchhandel auch von der Zugehörigkeit zu einer Generation abhängt. Ich wurde in den 1960-er Jahren geboren.
    LG
    Ina

  20. BuchBria 5. März 2016 at 23:51 Antworten

    Lieber Tobi,

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag, zu einem doch eher schwierigen Thema. Ich kann diejenigen, die sagen, dass sie grundsätzlich nur in ihrer Buchhandlung um die Ecke kaufen, sehr gut verstehen. Allerdings läuft es in den seltensten Fällen so gut, dass man den Lieblingsbuchhändler direkt in der Nähe hat. Meine nächste Buchhandlung ist ca. 15 Autominuten entfernt, und da sich eine reine Buchhandlung in unserer Kleinstadt nicht rentieren würde, kombiniert als Geschenke-Laden. Die Auswahl ist demzufolge sehr begrenzt und man findet hauptsächlich die Bestseller. Eine Online-Bestellung ist nicht möglich und ehrlich gesagt, ist mir die telefonische Bestellung auf Dauer auch zu anstrengend. Naja, und was die Beratung angeht, wenn mann dann wirklich mal eine bräuchte, ist traurig. Wenn das Handynetz hier besser wäre, hätte ich mir die Frage innerhalb weniger Minuten selber beantworten können, aber stattdessen bekam ich auf meine Frage dann eine völlig falsche Antwort.

    Ich möchte mich nicht mehr rechtfertigen dafür, dass ich lieber bei Amazon bestelle. Es ist einfach nur praktisch, da ich dort alles bekomme, meinen Wunschzettel dort angelegt habe, sofort Sonderangebote sehe – sofern ich gezielt suche, und die nächste akzeptable Buchhandlung schlichtweg zu weit weg ist.

    Liebe Grüße
    Diana

  21. Chris Popp 6. März 2016 at 12:41 Antworten

    Ich stelle hier mal ein paar Fragen. Gibt es ihn, den 100% guten, biologisch abbaubaren, veganen, CO2-armen Buchkäufer?
    http://www.booknerds.de/2016/03/der-ideale-buchkaeufer/

  22. Sabrina 6. März 2016 at 16:05 Antworten

    Hm. Ich habe den Beitrag ganz und einige wenige Kommentare quer gelesen. Für mich steht fest, dass ich durch mein Verhalten klar mache, wie ich meine Welt gestaltet haben möchte. Meine Welt gestalte ich, indem ich möglichst „vor Ort“ einkaufe. Dadurch, dass ich es mache, unterstütze ich meine Familie und meine Freunde oder die Familien und Freunde meiner Freunde, denn sie sind diejenigen, denen ich dadurch die Arbeit sichere. Sie sind nicht perfekt, nicht die besten und man kann sich manchmal mit ihnen herumärgern, aber das kann ich mittragen – sie tragen mich mit meinen Schwächen auch mit und darauf bin ich angewiesen. Für mich soll dieser Leistungsdruck, der insbesondere durch Amazon entsteht, nicht zur Alltags-Atmosphäre werden. Wenn meine Buchhandlung langsam ist, dann ist sie langsam. Wenn das Sortiment klein ist, dann ist es klein (und das ist es bei meiner jetzigen tatsächlich). Und trotzdem bin ich glücklich. Mir kommt es immer weniger in den Sinn, eine überperfekte und überorganisierte Welt zu haben. Was das angeht, habe ich mich der Entschleunigung verschrieben.
    Worin sich Buchhandlungen von Amazon noch sehr stark unterscheiden können, sind ihre Sonderaktionen. Es gibt Buchhandlungen, die besondere Lesungen organisieren, die mit Büchern in Kindergärten und Schulen gehen, um das Lesen zu fördern, die sich aber auch sonst sozial engagieren, indem sie ihre Zeit oder ihre Arbeitskraft investieren, ohne dass es einen erhöhten Buchverkauf zur Folge hat und ohne, dass es um Prestige geht. Zumindest einigen wenigen Buchhandlungen ist es wie mir stark daran gelegen, sich durch gemeinsame Aktionen gegenseitig zu unterstützen. Bei diesem Nehmen und Geben bin ich sofort dabei. Für mich ist das die Welt, in der ich leben möchte.
    Nicht vertretbar ist es für mich, jemanden zu unterstützen, der, wo er nur kann, ein geschlossenes System ausbaut. Amazon diskutiert nie, Amazon diktiert. Für mich ist jedoch ein „Gemeinsam“ in der Kulturbranche unverzichtbar. Wenn das fehlt, stimmt etwas nicht. Dann kann man mich erst recht nicht mehr mit wahnsinnig vielen Vorteilen locken. Ich will Vielfalt. Diese Vielfalt kann nur durch viele gewährleistet werden. Leider gibt es nur auf Willen Amazons hin nur Amazon oder die anderen. Ich entscheide mich klar für die anderen, selbst wenn ihr Angebot unterirdisch schlecht ist und es für mich Verzicht bedeutet.

    Ich danke dir für diese lesenswerte Diskussionsanregung. Dadurch, dass ich (mal wieder) über das Thema nachdenken durfte, ist es mir gelungen, ein Stück klarer in meinen Ansichten und Wünschen zu werden, das löst nicht jeder bei mir aus. Außerdem finde ich es immer unglaublich spannend, von solchen entgegengesetzen Meinungen zu lesen. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, warum du einen so leistungsstarken Anbieter brauchst und schätzt und sicherlich werde ich deinen Beitrag und vor allem die Kommentare bald noch einmal durchgehen, um deinen Standpunkt noch besser zu verstehen.

    Ebenfalls freue mich sehr darauf, deinen Blog in absehbarer Zeit noch genauer entdecken zu dürfen 🙂

  23. Neyasha 6. März 2016 at 17:08 Antworten

    Eine interessante Diskussion. Meine Erfahrung mit kleinen Buchhandlungen ist leider ganz ähnlich wie deine. Manchmal habe ich auch wirklich unfreundliche Verkäufer erlebt, die mir das Gefühl gegeben haben unerwünscht zu sein. In so einem Fall verlässt man eine Buchhandlung auch dann nicht mit einem guten Gefühl, wenn man das gewünschte Buch gefunden hat. Aktuell habe ich überhaupt keine brauchbare Buchhandlung in der Nähe und lande, wenn ich Lust zum Stöbern habe, vor allem in der Bücherei oder aber – zugegeben – bei Thalia. Und diese großen Ketten haben dem lokalen Buchhandel vermutlich mehr geschadet als Amazon (und üben in punkto Rabatte einen ebenso großen Druck auf die Verlage aus), aber seltsamerweise werden die in all den Debatten um dieses Thema selten angesprochen, da scheint Amazon immer der alleinige „Böse“ und das Symbol des kulturellen Untergangs zu sein.

    Wenn ich eine nette, gut sortierte Buchhandlung in der Nähe hätte, würde ich dort gern einkaufen und bestellen. Da das leider nicht der Fall ist, teilt es sich bei mir auf zwischen Amazon, Kobo (für englische ebooks), Thalia und manchmal die Buchhandlung Kuppitsch, die ich zwar als vorbildlich empfinde, die aber leider nicht gerade ums Eck von mir ist und stets einen großen Umweg darstellt.

  24. Roy 11. März 2016 at 10:37 Antworten

    Amazon und Co. zu verteufeln ist in etwa so sinnvoll, wie das Verbot des Automobils und die Wiedereinführung der Pferdekutsche zu fordern. Niemand will in diese Zeit zurück, außer vielleicht aus romantischen Motiven. Für letzteren Fall hat es auch noch seine Berechtigung, ganz ähnlich wie die Connewitzer Verlagsbuchhandlung. 😉

    Das Problem sind m.M.n. nicht die „Big Five“, sondern die Verweigerungshaltung gegenüber der Digitalen Transformation. Dabei könnte es gerade für Buchhändler so einfach sein, sich als Nischen-Business neu zu erfinden. Aber irgendwie ist es auch asymptomatisch für die ganze Branche. Die Verlage beispielsweise reduzieren „Online“ auf einen Absatzkanal für Print. Mit so einer, sich selbst beschränkenden Haltung, kann das einfach nix werden.

  25. Lady Libri 13. März 2016 at 14:04 Antworten

    Hallo Tobi,

    nun muss ich auch mal meinen Senf dazu geben, nun habe ich endlich ein wenig Zeit dafür gefunden.
    Ich bin da etwas zwiegespalten. Einerseits bietet es viele Vorteile, sich seine Bücher ins Haus kommen zu lassen. Auch ich benötige selten eine Beratung und entscheide eher spontan, was ich mir kaufe. Und ich habe auch kein Auto, also muss ich meine Bücher immer im Rucksack durch die Gegend tragen. Wenn man viel kauft und/oder zusätzlich einiges aus der Bibliothek holt, kann das schon mal ganz leicht nerven.
    Allerdings bin ich auch ein Mensch, der versucht, auf die Umwelt zu achten und sich mit dem Thema der wirtschaftlichen Ausbeutung beschäftigt. Wenn ich es vermeiden kann, fragwürdige Unternehmen zu unterstützen, dann mache ich das auch. Ich habe in den letzten Jahren Abstand davon genommen, mir alles Mögliche liefern zu lassen und auch regional einzukaufen, da ich denke, dass jeder etwas zum Umweltschutz beitragen sollte. Und ich mache das u.A. auf diese Art.
    Außerdem bin ich durch Buchhandlungen geprägt. Ich habe schon als Kind meine Zeit gerne in Buchhandlungen verbracht, habe mich an den hohen Holzregalen hoch- und runtergearbeitet, die „Buchluft“ eingeatmet, die Stille genossen und einfach gern Bücher angefasst. Ich wäre sehr traurig, wenn Buchhandlungen mitsamt ihren Buchhändlern aussterben würden. Das kommt mir jetzt schon so vor, als würde ein Stück von mir mitsterben. Daher versuche ich so viel wie möglich im lokalen Buchhandel zu kaufen, um das „Sterben“ noch ein wenig hinauszuzögern.
    Und ja, auch ich habe negative Erfahrungen mit diversen Buchhandlungen gesammelt. Aber mehr mit denen großer Ketten, wo teilweise schon lange keine echten Buchhändler mehr beschäftigt werden oder eben wo solche Buchhändler arbeiten, die man am liebsten gegen die Wand werfen würde. Am meisten „hasse“ ich diese versnobten Buchhändler, die einen schief anschauen und die Nase rümpfen, wenn man einen Potter kauft oder Schnappatmung bekommen, wenn man es wagt, ans Comicregal zu treten. Solche Menschen schaden dem Image aller Buchhändler enorm.
    Vielleicht bin ich auch etwas verwöhnt, weil in in der Nähe von Innsbruck wohne. Da gibt es noch tolle Buchhandlungen mit tollen Buchhändlern. Zum Beispiel die Studia-Filiale im Bruno Sander Haus, die liber wiederin, die Haymon-Buchhandlung und auch die Wagner´sche. Die liegen alle so nahe beisammen, dass man zu Fuß einen schönen Büchershoppingtag einlegen kann. Es gab sogar mal einen Morawa-Filiale in Innsbruck, der ich bis heute nachtrauere. Die war zwar Teil einer Kette, aber da haben fast nur Menschen gearbeitet, die richtig Ahnung von Literatur hatten. Ich bin über Jahre fast nur dahin gegangen. Und ich habe innerlich Rotz und Wasser geheult, als die Filiale geschlossen wurde.

  26. Hermia 23. März 2016 at 10:37 Antworten

    Wenn ich deinen Bericht so lese, dann muss ich feststellen, wie verwöhnt ich bin. Ich wohne zentral, laufe zur nächsten Buchhandlung 5 Minuten. Und die Mitarbeiter dort sind sehr engagiert und freundlich. Natürlich gibt es auch dort wenige Klassiker, natürlich herrscht auch dort der typische Mainstream vor. Wie es hier schon einige Male angeklungen ist, wollen und müssen die Mitarbeiter verkaufen, sie müssen Geld verdienen.
    Wenn ich ein paar Meter weiterlaufe, dann komme ich zu meiner Lieblingsbuchhandlung, spezialisiert auf Belletristik. Diese Buchhandlung ist etwas kleiner, die Öffnungszeiten sind etwas eingeschränkter als bei der anderen, dafür finde ich dort aber auch Bücher, die ich noch nirgendwo anders entdeckt habe. Der Buchhändler und die Mitarbeiter sind mit unglaublich viel Herzblut dabei, es gibt immer wieder Lesungen, manchmal auch Konzerte in der Buchhandlung – wirklich ein Traum.
    Trotzdem finde ich auch in diesen beiden Buchhandlungen nicht alles. Gerade Fantasy ist ein Stiefkind und so bin ich dazu übergegangen, Bücher aus dem Genre online auszusuchen und bestelle mir die Bücher dann aber vor Ort. Wie gesagt, 5 Minuten! 😉
    Wenn du mal nach Regensburg kommst, dann guck dir sowohl Bücher Pustet und vor allem die Buchhandlung Dombrowsky mal genauer an: http://www.dombrolit.de/

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