Die Reise mit der Snark von Jack London

Ich liebe die Klassiker Reihe vom mare Verlag und habe mittlerweile alle Bücher davon im Schrank stehen. Ganz klar, dass ich auch unbedingt das neueste Buch, Die Reise mit der Snark von Jack London haben musste. In dieser Reihe werden eher unbekannte Texte von großen Autoren der Weltliteratur neu übersetzt und als wunderschön gestaltete Bücher, in Leinen gebunden, mit hochwertiger Fadebindung und wertigem Papier neu aufgelegt. Ganz unterschiedlich sind die Reiseberichte, persönlichen Tagebücher, Erzählungen und Romane, aber immer spielt darin das Meer eine Rolle und wirft einmal mehr, einmal weniger seinen weiten Schatten auf die sehr lesenswerten Texte. Meine Favoriten aus der Reihe sind die beiden Bücher von Maupassant, aber auch »Heute dreimal ins Polarmeer gefallen«: Tagebuch einer arktischen Reise von Arthur Conan Doyle ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben.

Die Reise mit der Snark von Jack London

Die Reise mit der Snark handelt von einer knapp zweijährigen Kreuzfahrt in der Südsee, die Jack London zusammen mit seiner zweiten Frau Charmian unternommen hat. Das Buch beginnt damit, wie Jack und seine Frau den Plan fassen, mit einem kleinen Segelboot quer um die Welt zu reisen. Ein gewagtes Vorhaben, das zeigt, wie abenteuerlustig Jack London und auch seine Frau Charmian waren. Schließlich lässt er dafür ein Boot, ganz individuell nach seinen Vorstellungen bauen: Die Snark. Er beschreibt seine Wünsche und dann sehr ehrlich, wie die ganze Sache so richtig in die Hose gegangen ist. Das alles liest sich ungefähr so, wie der Lagebericht vom Pannenflughafen BER, oder von meinem ersten Smartphone. Natürlich übertreibe ich, denn nach etlichen Verzögerungen stach die Snark zwar nicht vollständig fertiggestellt und mit zahlreichen Mängeln dann doch im April 1907 in Richtung Hawaii in See.

Die Reise mit der Snark von Jack London

Ursprünglich hatte er mit Kosten von siebentausend Dollar gerechnet, musste dann aber dreißigtausend Dollar für ein völlig mangelhaftes Schiff hinlegen. Als er die Reise startete war er bereits bekannt und hatte mit Romanen, wie Der Ruf der Wildnis, schon viel Ruhm erlangt. Und so hat er, um die Reise zu finanzieren, auch an Bord der Snark geschrieben und war, in dieser Zeit, auch neben seinen Reiseberichten, überaus produktiv.

Die Snark

Jack Londons Snark

London berichtet dann in einem sehr lockeren und angenehm lesbaren Stil von seiner Reise. Es fällt nicht schwer in diese Berichte einzutauchen und manchmal hat man das Gefühl, dass ein Bekannter einem bei einem gemeinsamen Abendessen  ganz entspannt von seinem letzten Urlaub erzählt. Nur das London natürlich durchaus ein Abenteurer war und doch auch immer wieder seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt hat. Voller Selbstironie, mit vielen persönlich gefärbten Eindrücken und auf eine ganz entspannte Art berichtet er von seinem Schiff, ihrer Zeit auf hoher See und den Orten, die sie besucht haben. Ganz unterschiedlich sind die Kapitel und es ergibt sich ein nur mäßiger roter Faden. Zu Beginn lässt sich die Route ganz gut verfolgen, zum Ende hin wirkt das Buch eher episodenhaft. Das ist wohl auch dem geschuldet, dass die einzelnen Artikel nacheinander in verschiedenen Zeitungen erschienen und erst 1911 unter den Titel The Cruise of the Snark in Buchform in New York erschienen.

Ganz interessante Einblicke gibt er darin, wie er das Navigieren eines Schiffs erlernt hat, welche verrückten Briefe er von Bewerber bekommen hat, die ebenfalls auf dem gerade einmal 14 Meter langen Schiff mitfahren wollten. Dann beschreibt er die Orte, wie den Besuch der Lebrakolonie von Molokai auf Haweii, ihren Ausflug zu den Vulkan Haleakala auf der Insel Maui, oder ihrer Landgänge auf Thaiti und den Kontakt mit den dortigen Eingeborenen. Manchmal erscheinen die Szenen tatsächlich wie aus einem Urlaubskatalog, genau so wie man es sich von der Südsee erwarten würde.

„Eine halbe Meile weit draußen, wo das Riff liegt, stoßen die weiß gekrönten Sturzwellen aus dem ruhigen Türkisblau plötzlich himmelwärts und rollen auf die Küste zu. Eine nach der anderen braust heran, eine Meile lang, mit schäumenden Kämmen, die weißen Bataillone der unendlichen Armee des Ozeans. Und man sitzt und lauscht dem unablässigen Grollen und beobachtet den nie endenden Triumphzug und fühlt sich winzig und zerbrechlich angesichts dieser gewaltigen Kraft, die sich in Wildheit, Gischt und Tosen ausdrückt.“ (S. 78)

Aber es gibt auch Kapitel darüber, wie London Surfen lernt, über Bêche-de-Mer, einer vereinfachten Sprache, die sich aus dem Handel mit den unterschiedlichen Eingeborenenstämmen entwickelt hat, oder den zahlreichen Krankheiten, die sich London und seine Crew zugezogen haben. Einiges liest sich sehr abenteuerlich, manchen ist interessant aber richtig spannend habe ich das Buch, so wie man es von einem Reisebericht auch erwarten würde, an keiner Stelle wahrgenommen.

Die Reise mit der Snark von Jack London

Ursprünglich war eine Weltumsegelung geplant, aber daraus wurde aufgrund zahlreicher Krankheiten dann doch nichts und 1908, also knapp nach zwei Jahren, musste London seine Pläne für eine Weltumsegelung aufgeben. Zudem ging London dann auch das Geld aus und nach einiger Zeit in Sydney, wo sie sich erst einmal ordentlich auskurierten, kehrten er und seine Frau mit dem Dampfer nach San Francisco zurück. Das Abenteuer haben aber London und seine Frau in den darauf folgenden teils schicksalhaften Jahren immer in Ehren gehalten und nie bereut.

Das Nachwort ist hier sehr hilfreich und gelungen, denn der Übersetzer und Herausgeber Alexander Pechmann gibt einen Überblick über die Reise, die einzelnen Stationen und über Details, die London in seinem Bericht nicht erwähnt. Beispielsweise, dass er auf der ersten Fahrt mit der halb kaputten Snark regelmäßig an die Decke gegangen ist und sich scheinbar immer wieder ordentlich dem Alkohol hingegeben hat. Ein kurzes Essay mit dem Titel „Freude am Sportsegeln“ beschreibt Londons Leidenschaft für das Segeln, wobei er einige kurze Erlebnisse aus seiner Zeit als Segler schildert. Bereits mit 15 Jahren hat er sich ein Schiff gekauft und ist durch die San Francisco Bay geschippert und hat auch später als Matrose vor dem Mast angeheuert. Eine zweite, autobiographische Kurzgeschichte mit dem Titel „Die Toten kehren nie zurück“ schildert ein Erlebnis aus dieser Zeit. Beide Geschichten, die lediglich etwa 15 Seiten umfassen, runden das Buch gut ab und passen sehr gut.

Die Reise mit der Snark von Jack London

Was die Aufmachung angeht, möchte ich gar nicht viel schreiben, da sprechen die Fotos für sich. In gewohnt hoher Qualität bekommt man hier ein edles Buch, in wertigem Schuber, mit geschmeidigem Papier, ordentlichen Leineneinband und feiner Fadenbindung. Als Vorsatzpapier findet man eine sehr schön gestaltete Karte von der Region, die London bereist hat. Hier macht dem mare Verlag keiner was vor und ich warte verzweifelt auf eine zweite Reihe mit den großen Knaller der Weltliteratur. Krieg und Frieden oder Der Graf von Monte Christo in so einer Aufmachung zu bekommen wäre ein Fest.

Fazit: Erneut hat es der mare Verlag geschafft einen vergessenen Reisebericht in sehr schmucker Form neu zu veröffentlichen. Das Buch passt perfekt in die Klassiker Reihe, ist ein lesenswerter und abenteuerlicher Reisebericht, der mich zwar nicht begeistert, aber sehr gut unterhalten hat. Sehr vielseitig beschreibt London die verschiedene Stationen, einzelne Erlebnisse und Beobachtungen und gibt ein sehr gutes, oft ironisches Bild davon, wie er mit seiner Frau und der kleinen Crew auf einem halb fertigen und anfangs sehr mangelhaft gebauten Schiff durch die Südsee gesegelt ist. Londons Stil ist locker, angenehm zu lesen und manchmal auch sehr bildhaft, wobei er bei mir an einigen Stellen allerdings einen nicht sonderlich sympathischen Eindruck hinterlassen hat. Die zwei Kurzgeschichten im Anhang, der Glossar nautischer Begriffe und Alexander Pechmanns Nachwort runden den Bericht ab und geben einen sehr guten Überblick über Londons Reise mit der Snark. Wer das Meer liebt, Abenteuer auf hoher See und in fernen Ländern faszinierend findet, oder wem die anderen Bücher dieser Reihe, wie beispielsweise »Heute dreimal ins Polarmeer gefallen«: Tagebuch einer arktischen Reise von Arthur Conan Doyle gefallen hat, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Der mare Verlag setzt hier meine Lieblingsreihe in gewohnt hoher Qualität fort.

Tipp: Wer sich gerne Fotos von der Snark und seiner Besatzung ansehen möchte, findet hier ein paar gute Seiten im Internet. jacklondonsnark.com ist so eine.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Die Reise mit der Snark von Jack London Titel: Die Reise mit der Snark
Autor: Jack London
Verlag: mare Verlag
Übersetzung: Alexander Pechmann
Erschienen: 8. März 2016
Erstveröffentlichung: 1911
Seiten: 352 Seiten

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verfasst von Tobi

    7 Kommentare

  1. Merowinger 18. März 2016 at 12:25 Antworten

    Wie immer eine sehr schöne Rezension mit tollen Bildern. Und wie immer von einem Buch dass ich mir kaum leisten kann. 😉
    Auch wenn es schön wäre: ich kann mir nicht vorstellen dass Mare die von dir genannte Bücher neu auflegen würde. Der Verlag hat sich ja dem Thema Meer verschrieben und die von dir erwähnten Klassiker haben ja damit nichts zu tun, dafür wäre dann eher Manesse „zuständig“. Wobei im direkten Vergleich Mare bei mir die Nase vorn hat, schon allein wegen der großformatigeren Bücher. Sobald mein Einkommen wieder besser ist werde ich mir die Mare Ausgaben auch gönnen, soviel ist sicher.

    Hast du dir diese Reihe schon einmal angeschaut? http://www.kroener-verlag.de/erlesenes-lesen/

    • Tobi 18. März 2016 at 21:43 Antworten

      Ihren Preis haben die Bücher, das ist wahr und der mare Verlag richtet sich da eher an die Besserverdiener. Wobei ich diese Ausrichtung durchaus verstehen kann. Manche der Klassiker gibt es gebraucht recht günstig, andere wiederum gar nicht. Ein paar Schnäppchen hab ich da schon gemacht.

      Auf der einen Seite finde ich die Fokussierung auf das Thema Meer eine echt gute Idee. Allerdings macht der Verlag einfach richtig schöne Bücher und da wärs gar nicht schlecht, wenn die einen Ableger oder so machen würden. Manesse ist auch echt nicht schlecht, aber an die Qualität der Mare Bücher kommen die nicht ganz ran. Wobei man bei Manesse auch echt nicht meckern kann. Von denen habe ich auch noch eine ganze Menge auf meiner Wunschliste und schon einiges im Regal stehen.

      Die Reihe vom Kroener Verlag hab ich mir mal angesehen, aber da lockt kein Titel so richtig und es lässt sich nicht erahnen, wie die Bücher aussehen. Hast du da genauere Einblicke?

      Liebe Grüße
      Tobi

      • Merowinger 19. März 2016 at 10:54 Antworten

        Ja, ich habe die zwei Heine Bände. Man merkt dass hier Leute mit Herzblut am Werk sind. Schöner Leineneinband, Lesebändchen, Abbildungen und Hintergrundinformationen zu Autor und Werk. An die Mare Ausgaben kommen sie nicht heran aber dafür kosten sie ja auch nur halb so viel. Der Verlag ist ja auch relativ klein. Und ja, die Auswahl ist auch eher konservativ geraten und beschränkt sich auf deutschsprachige Autoren.

  2. Tinka 19. März 2016 at 12:07 Antworten

    Hallo Tobi,

    sehr schön rezensiert. Ich könnte jeden Tag Stunden damit verbringen über Jack London und seine Abenteuer zu lesen, liebe seine Bücher total! Und deine Fotos sind auch sehr schön, sag mal welche Kamera hast du? Meine ist schon etwas älter und eher für Landschaften gedacht als für Portaits, also sind die Fotos manchmal unscharf 🙁 Aber für Landschaftsphotographie ist sie dafür ausgezeichnet und war auf meinen Reisen stets ein treuer und zuverlässiger Begleiter.

    Schade, dass dir Jack London s Buch nicht so gefallen hat, hast du denn auch andere Bücher von ihm gelesen? LG

    • Tobi 19. März 2016 at 16:23 Antworten

      Liebe Tinka,

      vielen Dank für dein Lob! Ich habe die Canon EOS 60D mit dem Canon EF-S 18-200mm. Ich hab zwar auch ein Macro Objektiv, aber meistens ist mir das Getausche zu umständlich und dann benutze ich doch nur mein Universal Objektiv. Das ist aber echt gut und leistet auch für Landschaftsaufnahmen gute Dienste. Allerdings ist sie nicht gerade handlich. Aber eine kleinere Kamera geht einfach nicht, ich brauch da einfach eine gescheite DSLR, sonst kommt da kein Vergnügen auf 😉 Was für eine Kamera benutzt du denn?

      Schlecht fand ich sein Buch gewiss nicht. Drei Sterne sind bei mir Bücher, die ich gerne gelesen habe, die mich aber nicht völlig von den Socken gerissen haben. Also das Buch ist durchaus eine Empfehlung.

      Liebe Grüße
      Tobi

  3. Tinka 20. März 2016 at 10:35 Antworten

    Ja, das kenn ich. Ich hab auch alle möglichen Objektive, aber meistens bin ich auch einfach zu faul oder es ist zu stressig das Objektiv zu wechseln und so fotografiere auch ich das Meiste mit Universal-Objektiv. Ich habe eine Canon Eos 500 d. Großteils bin ich auch sehr zufrieden mit dieser Kamera, aber wie gesagt Portraits sind nicht so ihre Stärke 🙂 Okey. Ich hatte irgendwie heraus gelesen, dass es dir nicht besonders gefallen hat, aber gut. Oft ist es auch gar nicht so einfach, über ein Buch zu unterteilen, weil es vieles hat, das einem gefällt und vieles vermissen lässt. Und ja klar, dann gibt es diese Bücher, die einen von den Socken hauen, wie du so schön sagst 🙂

    Einen schönen Sonntag!

    • Tobi 20. März 2016 at 12:49 Antworten

      Liebe Tinka,

      die 500d hatte ich vorher, bei der ist aber der Spiegel dann immer hängen geblieben, wenn es ein bisschen höhere Luftfeuchtigkeit hatte (z.B. am Wasserfall). Also hab ich dann die nächst höhere Kategorie gewählt, weil die Kameras etwas wetterfester sind (d.h. mehr Isolierband im Gehäuse kleben haben ;)). Wobei das mit den Portraits eher an dem Objektiv liegt. Ich hab ein 50mm Macro von Sigma, das mit Cropfaktor 80mm sind und für Portraits ziemlich gute Arbeit leistet.

      Liebe Grüße und auch Dir ein schönes Restwochenende
      Tobi

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