Es gibt Kinderbücher, die sind kleine Kunstwerke. Nur wenige schaffen es in meine Hall of Fame und heute will ich euch ein Kinderbuch vorstellen, das vorzulesen ein wahrer Genuss ist. Ähnlich wie bei Die Reise und Die Suche schafft es Opas Insel eine zauberhafte Welt zu erschaffen und entführt in eine bunte, farbenfrohe und wunderbar illustrierte Bilderwelt. Da kann ich dann einfach nicht widerstehen und in dieser Rezension will ich einige Eindrücke mit euch teilen und den ein oder anderen Vielvorleser von diesem Buch begeistern.

Opas Insel von Benji Davies

Wer das Buch das erste Mal in die Hand nimmt, wird von einem farbenfrohen Cover begrüßt. Ein bunter Dschungel, bunte Papageien, das Meer und natürlich Opa und Sam. Die beiden sind unzertrennlich und eines Tages, da kraxeln die beiden auf den Dachboden in Opas Haus und öffnen eine geheimnisvolle Tür. Die führt sie an Deck eines Schiffs und von dort starten sie ihr Abenteuer in eine bunte, geheimnisvolle und gemütliche Welt.

Die Geschichte und die Art, wie sie erzählt wird, weckt sofort die Phantasie und lädt zum träumen ein. Wenn ein kleiner Teil der Realität außer Kraft gesetzt und die kindliche Vorstellungskraft frei schweifen kann, dann könnte so eine Geschichte heraus kommen. Es ist das Unmögliche, das Verschwimmen von Echtem und Geträumten, der Zauber der magischen Phase. Alles wird gleichsam angesprochen und irgendwie fühlt man sich auch als Erwachsener zurück versetzt, in eine Zeit, in der man auf dem Bett gesessen ist und sich vorgestellt hat, auf einem kleinen, gemütlichen Segelschiff die Weltmeere zu umsegeln.

Opas Insel von Benji Davies

Benji Davies ist ein Illustrator, Autor und Animationsfilmregisseur und das merkt man seinen Bildern auch deutlich an. Ähnlich wie bei Aaron Beckers Die Reise sind die einzelnen Abbildungen sehr ausdrucksstark und immer mit Leben und Bewegung erfüllt. Sein erstes Buch Nick und der Wal wurde bereits ausgezeichnet und auch Opas Insel hat den AOI World Illustration Award gewonnen. Was auch immer das für ein Preis ist, das Buch hat ihn verdient. Nick und der Wal kannte ich bisher nicht (ist aber schon bestellt). Nick und der Wal gefällt mir auch sehr gut und ist diesem Buch sehr ähnlich, auch wenn mir die schöne Insel besser gefällt würde ich sagen, dass die beiden Bücher von der Qualität auf dem gleichen hohen Niveau sind. Beste Freunde fand ich nicht schlecht, es konnte mich aber nicht so begeistern und ist auch nicht so gut angekommen, wie Opas Insel und Nick und der Wal. Das Thema Freundschaft ist zwar für Kinder durchaus interessant, aber es fehlt eben dieses gewisse Etwas, diese geheimnisvolle und unmögliche Komponente, die aus meiner Sicht Opas Insel noch einmal den perfekten Schliff gibt.

Benji Davies kommt aus London, ist verheiratet und auch auf Twitter zu finden. Sein Stil konnte mich, genauso wie Aaron Beckers Art mit Illustrationen Geschichten zu erzählen, sehr begeistern. Die Illustrationen haben etwas skizzenhaftes, wirken aber dennoch vollständig und detailreich. Besonders schön finde ich es immer, wenn es auch randlose Bilder gibt, die keinen Rahmen haben und sich im Weiß verlieren. Das hat immer etwas Grenzenloses, das die eigene Vorstellung noch einmal befeuert. Die einzelnen Abbildungen sind stimmungsvoll, haben Atmosphäre und sind Orte, die irgendwie heimelig und einladend sind. Auch die beiden Figuren sind liebevoll ausgestaltet und transportieren die jeweilige Gefühlslage sehr gut.

Opas Insel von Benji Davies

Beim Vorlesen hat mich Opas Insel dann sehr stark an Die Reise erinnert. Zwar hat dieses Buch Text und erzählt eine Geschichte, aber nur in einem begrenzten Umfang. Sehr viel kann man in den Bildern selbst entdecken. Gemeinsam natürlich, wenn man nach Details sucht, aber die Bilder folgen immer einem gewissen Fluss, der den Leser durch die Geschichte zieht. So kann man immer den kurzen Text vorlesen und dann nochmal beschreiben was zu sehen ist. Wo das Schiff vor Anker liegt, wo das Ruderboot angelegt hat, wie der Opa sich die Stirn mit seinem Taschentuch abtupft und wie schon der Tukan zwischen den Bäumen hervor lugt. Und dann fragen, wo denn das kleine Vögelchen an der Blume schnuppert, oder ihre Kiste mit den Vorräten liegt usw. Das geht natürlich auch mit vielen anderen Büchern, aber hier passt das einfach wunderbar in den Erzählfluss.

Opas Insel von Benji Davies

Fazit: Opas Insel ist dieses Jahr bisher definitiv das absolute Highlight im Kinderbilderbuchbereich. Die Illustrationen von Benji Davies erzählen mit viel Ausdrucksstärke eine vom Text begleitete Geschichte, laden zum Träumen ein und geben viel Raum, um verschiedenste Details zu entdecken. Ein liebevolles Abenteuer mit einem Hauch Unmöglichem, mit Herz und viel Phantasie. Wer hat als Kind nicht davon geträumt den Ozean zu überqueren, eine fremde Insel zu entdecken und sich einen gemütlichen Unterschlupf zu suchen? Dieses Buch ist in jeder Hinsicht ein Genuss und auch nach gefühlt hundert Mal vorlesen nehme ich es immernoch sehr gerne in die Hand.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Opas Insel von Benji DaviesTitel: Opas Insel
Autor: Benji Davies
Verlag: Aladin Verlag
Übersetzung: Johanna Hohnhold
Erschienen: 29. Januar 2016
Seiten: 32 Seiten

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verfasst von Tobi

    7 Kommentare

  1. Nana 7. August 2016 at 22:32 Antworten

    Oh, das kenne ich gut. Auch ich hab ein eigenes Kinderbuch-Regal, das ganz besondere Schätze beherbergt. Ich freu mich, dass du in „Opas Insel“ einen solchen Kinderbuchschatz gefunden hast.

    LG, Nana

    • Tobi 8. August 2016 at 9:03 Antworten

      Liebe Nana,

      hast du ein paar besonders gute Tipps? Ich finde das bei Kinderbücher echt nicht leicht. Klar, zum Vorlesen gibt es eine Menge Bücher, die auch nicht schlecht sind. Aber so richtig tolle Bücher, die irgendwie was Kunstvolles haben, aber auch nicht übertrieben wirken, sind echt nicht so leicht zu finden.

      Liebe Grüße
      Tobi

  2. Nana 8. August 2016 at 9:56 Antworten

    Hallo Tobi!

    Ein Bilderbuch, das meiner Meinung sowohl eine ganz wunderbare Message enthält als auch einzigartig illustriert ist, ist „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave und Chris Riddell. Auch „Ich brauche mein Monster“ von Amanda Noll und Howard William aus dem Lappan Verlag konnte mich überzeugen. Ganz speziell finde ich auch die Bilderbücher von Kitty Crowther und erst am Samstag hatte ich ein Buch mit dem Titel „Die Hugis – Der neue Pullover“ in der Hand, dessen Illustrationen absolut puristisch, aber wirklich genial sind. Nachdem mir das Kinderbuch „Als Opa das Denken vergaß“ (nicht illustriert) aus dem Magellan Verlag sehr gut gefallen hat, habe ich mir vorgenommen, auch mal die Bilderbücher aus dem Verlag genauer unter die Lupe zu nehmen. „Der Löwe in dir“ von Rachel Bright und Jim Field klingt da sehr vielversprechend…

    Ich wünsche dir einen schönen Start in die neue Woche!
    Sonnige Grüße,
    Nana

  3. Petra Wiemann 8. August 2016 at 11:51 Antworten

    Hallo Tobi,
    ich wühle mich gerade durch die Kinder-Sachbücher, die für das Wissensbuch des Jahres nominiert sind. Eins ist dabei, das dir wegen seiner künstlerischen Gestaltung gefallen könnte: Shackletons Reise von William Grill. Es erzählt sehr anschaulich und mit vielen schönen Details von Shackletons gescheiterter Polarexpedition 1914 bis 1916. Ich fand es wunderschön, wenn auch etwas düster. In meinem Blogbeitrag habe ich auch die Leseprobe verlinkt.
    http://www.elementareslesen.de/kinderbuch-trio-mit-fernweh/
    Viele Grüße,
    Petra

  4. Juliane Tenner 8. August 2016 at 13:57 Antworten

    Hallo Tobi,
    mein Tipp für ein wirklich tolles und kunstvolles Kinderbuch ist das aktuelle Buch meiner Büro-Partnerin Eymard Toledo, „Onkel Flores“, erschienen im Baobab Verlag (und das sage ich wirklich aus Überzeugung und nicht , weil ich Eymard kenne).
    Sommerliche Grüße
    Juliane

  5. Beate feichtenberger 5. Oktober 2016 at 22:36 Antworten

    Sehr ansprechend Deine Beschreibung. Danke!!!! Das Buch werde ich mir für meine Kinder zu Weihnachten wünschen.Hättest Du auch einen Tipp zu einer schönen Ausgabe von Grimms märchen. jene, die ich im Sommer durchgeblättert habe waren sprachlich furchtbar. Meist viel zu modern.

    • Tobi 8. Oktober 2016 at 13:03 Antworten

      Liebe Beate,

      das ist ganz sicher eine gute Wahl. Ich finde es immer echt schwer, so hervorragende Kinderbücher zu finden.

      Ein Märchenbuch, dass ich auch noch auf dem Schirm habe ist „Das große Märchenbuch: Die hundert schönsten Märchen aus ganz Europa“ mit Aquarellen von Tatjana Hauptmann. Im Gegensatz zu dem Märchenbuch von Helmut Brackert, dass ich schon auf Lesestunden rezensiert habe und keine Abbildungen hat, hat das wirklich schöne und zahlreiche Illustrationen.

      Liebe Grüße
      Tobi

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