Vor einigen Wochen habe ich die traurige Nachricht gelesen, dass Joe Dever am 29. November gestorben ist. Nachdem seine Bücher meine Kindheit begleitet haben und mich auch jetzt noch sehr begeistern, will ich diese traurige Gelegenheit nutzen um seine hervorragenden und ganz besonderen Bücher vorzustellen. Ich bin mir sicher, dass nicht alle meiner Leser Abenteuerspielbücher kennen und will in diesem Beitrag vorstellen, was alles in Büchern stecken kann. Zudem habe ich ein ganz besonderes Unikat im Schrank stehen, dass ich euch nun auch vorstellen möchte.

Ich glaub ich war um die elf oder zwölf Jahre alt, als mir das erste Mal ein Buch von Joe Dever in die Hände gefallen ist. Mein Vater hat sie irgendwo auf einem Krabbeltisch gefunden und fand das Konzept ganz interessant und hat sie mitgenommen. Eigentlich ist das ziemlich naheliegend, dass so ein Abenteuerspielbuch für Kinder wie gemacht ist.

Was sind Abenteuerspielbücher?

Anders als wie bei einem normalen Buch, liest man es nicht von vorne nach hinten durch. Stattdessen sind diese Bücher in nummerierte Sektionen unterteilt. Der Leser schlüpft in die Rolle eines Protagonisten, wird auch im Text mit „du“ angesprochen und beginnt mit dem ersten Abschnitt. An dessen Ende hat der Spieler mehrere Möglichkeiten und kann verschiedene Wege einschlagen. Je nachdem liest er bei einer anderen Sektion weiter. Auch dort hat er dann zumeist eine Auswahlmöglichkeit und es geht wieder woanders weiter. So verzweigt sich die Geschichte und jeder Leser nimmt einen anderen Weg durch das Buch und erlebt ein anderes Abenteuer, beeinflusst von seinen eigenen Entscheidungen.

Darüber hinaus gibt es aber auch Regeln. Die sind verglichen mit Pen & Paper Rollenspielen recht einfach gehalten, aber erhöhen den Spielspaß und die gefühlte Freiheit noch einmal um ein gutes Stück. So hat man einen Rucksack, in dem man Gegenstände sammeln muss, kann Waffen und Rüstung führen, hab spezielle Fertigkeiten und kann auch kämpfen. Dazu ist am Ende des Buches eine Zufallstabelle, die als Würfel fungiert. Auf die Weise entsteht ein Abenteuer, dass an ein Computerspiel erinnert, aber eben mit einem Buch in der Hand gespielt wird (und der besten Grafikkarte der Welt: Der Phantasie ;))

Natürlich ist Joe Dever nicht der erste oder einzige Autor von Abenteuerspielbücher. Sehr bekannt war auch die Reihe Fighting Fantasy von Ian Livingstone und Steve Jackson oder eine sehr alte AD&D Reihe. Auch für „Das schwarze Auge“ Spielsystem gab es einige Soloabenteuer, die auf diese Weise gespielt wurden. Ich hab eine ganze Reihe an Büchern bei mir im Schrank stehen, die zumeist aus den 80er Jahren stammen. Mein absoluter Favorit war und ist aber Joe Devers Reihe Einsamer Wolf. Warum die Bücher bei mir als Kind schon am meisten gezogen haben, liegt in der schönen und stimmigen Welt. Anders als die Fighting Fantasy Abenteuer, die nur ein einzelnes, abgeschlossenes Abenteuer enthalten (mit Ausnahme der Analand Saga), hat Joe Dever ein eigenes Reich, Magnamund mit seinen eigenen Völkern und Rassen, Ländern und Kulturen erschaffen.

Die Bücher hatten am Anfang eine schöne, farbige Karte der Region von Magnamund, in der das Abenteuer spielt.

Als Spieler ist man der letzte Kai-Mönch, der gegen die schwarzen Lords bestehen und sein Zuhause Sommerlund retten muss. Ein ganz klassischer Plot, für mich damals aber etwas richtig Neues, was mich als Nerd natürlich sofort begeistert hat. Als Held sich durch Kerker, dunkle Gewölbe, aber auch in die Wüste, in den hohen Norden und alles, was man sich so an Fantasy-Settings so vorstellen kann, zu kämpfen ist schon ein großes Lesevergnügen. Auch das Regelsystem fand ich sehr angenehm, ausgewogen und durchdacht. Zwölf Bücher wurden ins Deutsche übersetzt und sind damals in den 80ern erschienen. Zuerst hatte ich nur die ersten sieben Bände und hab mich dann wie verrückt gefreut, als ich die Verbleibenden entdeckt habe. Ich weiß nicht, wie oft ich die Bücher durchgespielt habe. Sehr oft kann ich nur sagen.

Die Neuauflage

Im Jahr 2010 hat dann ein begeisterter Sammler von Abenteuerspielbüchern einen neuen Verlag gegründet, sich die Rechte an Joe Devers Einsamer Wolf geholt und die ganze Reihe neu aufgelegt. Nicolai Bonczyk ist selbst begeisterter Rollenspieler und hatte irgendwann so viele Bücher, dass er sich von einigen trennen musste. Daraus entstand ein kleiner Online Shop und scheinbar war die Nachfrage so groß, dass er sich dazu entschlossen hat einen eigenen Verlag zu starten. Der Markt hat ihm auf jeden Fall recht gegeben und aus den vielen Kindern und Jugendlichen, die das damals gelesen haben, ist nun eine große Fangemeinde entstanden, die wie ich diese Bücher liebt.

Die Bücher in der Neuauflage vom Mantikore Verlag

Seitdem im Oktober 2010 der erste Band neu übersetzt und gestaltet erschienen ist, sind nicht nur die bereits übersetzen ersten 12 Bände, sondern 20 Bände und einige Spezialausgaben erschienen. 32 Bände hat die gesamte Reihe und die noch fehlenden Bücher sollen in den nächsten Jahren übersetzt und neu herausgegeben werden. Ich hab mir bisher alle Bücher geholt und Nic schickt mir einfach jedes Buch direkt zu, sobald es erschienen ist. Ich finde die Idee genial, liebe diese Welt und natürlich die Nostalgie, die bei mir da immer mitschwingt.

Mein Unikat

In meinem Bücherschrank gibt es einige Bücher, die es nur ein einziges Mal gibt. Ein paar habe ich selbst geschrieben, ein paar selbst zusammengestellt und drucken lassen oder selbst bearbeitet. Ein solches Buch ist das Unikat, in dem ich alle 12 Bände der ersten Ausgabe aus den 80ern digitalisiert und in einem dicken Buch drucken und binden hab lassen.

Ich habe mir immer eine richtig schöne, wertige und edle Ausgabe gewünscht, in der die gesamte Geschichte zusammengetragen ist und in einem großen, schönen Format wirken kann. Ich gebe zu, dass ist sehr sehr nerdig und um so schöner ist diese Ausgabe.

Das Buch ist in einen dezenten, schwarzen Leineneinband gebunden. Ich wollte schon Jahre einmal einen schönen Umschlag gestalten, hab das aber doch nie gemacht. Vielleicht hole ich das einmal nach. In einem großen Format, zweispaltig je Seite folgen dann die Bücher. Eigentlich nicht so richtig praktisch zum spielen und lesen, aber darum ging es mir nicht. Dazu ist mir das Buch zu edel.

Ein ganz wichtiges Element der Bücher sind die stimmungsvollen Abbildungen, die in der ersten Ausgabe vom Illustrator Gary Chalk stammen. Die werten die Bücher nochmal sehr auf und habe ich natürlich auch in den dicken Sammelband mit übernommen. Mittlerweile ist man es gewohnt, sehr schöne Fantasy Illustrationen geboten zu bekommen. Ob in Computerspielen, im Netz, als Teaser für Spiele in Online Shops, überall findet man sehr stimmungsvolle Zeichnungen, die einfach Lust auf mehr machen. Damals (oh man ich hör mich echt alt an, was ich natürlich überhaupt nicht bin) gab es das noch nicht so ausgeprägt und da förderten diese Zeichnungen in ihrer Einfachheit aber mit ihrer starken Ausstrahlung die Stimmung und Atmosphäre der Geschichten. Und tun es auch noch unverändert heute.

RPC

Im Jahr 2010 fand in Köln die jährliche RPC (Role-Play-Convention) statt, wo auch der Mantikore Verlag einen Stand hatte. Dort sollte auch Joe Dever dabei sein und für die neue deutsche Auflage seiner Bücher werben. Für mich die ideale Gelegenheit zum Stöbern und um Joe zu treffen und meine schmucke Ausgabe signieren zu lassen. Das Wochenende in Köln werde ich nicht so schnell vergessen (alleine schon wegen dem Cosplay nicht), denn ich war zuvor noch nie zwischen so vielen Fantasybegeisterten.

Das war schon ein Vergnügen durch die Hallen zu schlendern und da bekommt man schon echt Lust auf die ganzen Games. Am Ende war das Highlight natürlich der Stand vom Mantikore Verlag und der begeisterte Joe Dever, der seine Bücher in dem Format bisher noch nicht bewundert hat.

Die Welt von Lone Wolf

Das ich nicht alleine von der Reihe begeistert bin, sagen die Verkaufszahlen, die sich mit über 10 Millionen Exemplaren weltweit durchaus sehen lassen können. Es gibt auch eine ganze Reihe von Projekten und Seiten, die Joe Devers Welt aufgegriffen und weitergeführt haben.

Eine davon ist eine Karte von Magnamund, die der italienische Künstler Francesco Mattioli gezeichnet hat und im DIN A 1 Format sehr schick aussieht. Davon habe ich mir natürlich die limitierte signierte Ausgabe geholt, die eine sehr schöne Ergänzung zu meinem schmucken Buch ist.

Alle Bücher der Reihe wurden in englischer Sprache auf Project Aon als Ebook frei veröffentlicht und können heruntergeladen oder online gelesen werden. Wer sich die Bücher also auf seinem Ebook Reader lesen möchte, kann das zumindest für die englische Ausgaben kostenlos machen. Dabei stehen die Bücher in verschiedensten Formaten, auch als epub zur Verfügung. Aus meiner Sicht kann das aber nicht im Ansatz mit den gedruckten Büchern mithalten.

Für alle die Pen & Paper zugetan sind, können sich den Einsamen Wolf auch als Rollenspiel holen. Dazu gab es einige Mehrspielerbücher, die ich alle unbedingt haben musste, alleine schon des Sammelns wegen. Gespielt habe ich sie aber nie. Ganz ähnlich ist das Lone Wolf Adventure Game, dass über Kickstarter finanziert und in Zusammenarbeit mit Joe Dever entstanden ist. Das habe ich mir nicht geholt, denn das ist mir sowohl von den Illustrationen, als auch vom Gameplay zu weit weg vom Original.

Ein weiteres Projekt das über Kickstarter finanziert wurde ist das Lone Wolf Board Game, einem Brettspiel in der Welt des Einsamen Wolfes. Das macht optisch einen ganz netten Eindruck, ist mir aber mit 85 Euro zu teuer. Ich glaube wirklich spielen würde ich das nicht. Optisch ist es zwar mit den schönen Originalillustrationen von Gary Chalk verziert und das Kickstarter Projekt wurde auch von dem Illustrator mit getragen, aber irgendwie zieht das wie das Adventure Game nicht so ganz bei mir.

Zuletzt wurden auch einige Computerspiele und Spiele für mobile Plattformen veröffentlicht. Vor einigen Jahren habe ich eine App getestet, welche die Bücher als iPad App spielbar gemacht hat. Auf Steam gibt es aktuell auch eine Ausgabe mit rundenbasierten Kämpfen, aber vom Flair und der schönen Aufmachung von den Büchern spüre ich hier nichts. Wirklich getestet habe ich die Spiele aber nicht.

Joe Dever

Wer nun diesen Beitrag bis hier gelesen hat, dem konnte ich hoffentlich Lust auf die schönen Bücher machen. Weder ich noch viele andere, die mit Joe Devers wunderbaren Büchern aufgewachsen sind, werden ihn und sein Werk so schnell vergessen und auch noch die nächsten Jahre in den Genuss seiner phantastischen Welt kommen. Ich hoffe auch, dass noch mehr Fantasy begeisterte neue Formate herausbringen (in den 80ern habe ich immer von diesen schönen Tabletop Figuren geträumt, die es wohl ganz kurz tatsächlich einmal gab, das wär beispielsweise was).

Die Geschichten und ihr kreative Autor Joe werden mir auf jeden Fall immer in Erinnerung bleiben. Ruhe in Frieden Joe.

verfasst von Tobi

    6 Kommentare

  1. LadyAngeli 29. Dezember 2016 at 20:48 Antworten

    Ja, ich habe bis hierhin gelesen und ja ich bin neugierig geworden. Ich werde mir bei nächster Gelegenheit mal diese Werke im Buchhandel genauer anschauen. Danke für den Tipp.

    • Tobi 30. Dezember 2016 at 9:31 Antworten

      Ob man die im Buchladen antrifft weiß ich nicht. Der Mantikore Verlag ist schon sehr klein und im Laden hab ich die Bücher leider noch nie gesehen. Aber ich bin auch nicht so oft in einem Buchladen 😉 Aber bei Booklooker gibts die für 2-3 Euro (mit Versand), da kannst du die alten Bücher mal austesten.

      Liebe Grüße
      Tobi

  2. Yvonnes Lesewelt 29. Dezember 2016 at 21:58 Antworten

    Hey!
    Danke für den spannenden Beitrag! Ich hätte es nicht mehr gewusst, aber jetzt wo die sie vorstellst: ich glaube, eines dieser Abenteuerspielbücher habe ich früher auch besessen. Ich habe aber nur noch ganz schwache Erinnerungen daran.
    Viele liebe Grüße
    Yvonne

    • Tobi 30. Dezember 2016 at 9:35 Antworten

      Liebe Yvonne,

      ich glaub damals waren die schon echt populär. Cool, wenn ich deine Erinnerung wecken konnte. Ich glaub für viele sind die Bücher wieder in Vergessenheit geraten. Aber ich finde spätestens für die eigenen Kinder sind sie wieder sehr interessant und eine schöne Möglichkeit die Lesebegeisterung zu fördern.

      Liebe Grüße und herzlichen Dank für dein Feedback
      Tobi

  3. Pingback: Ferdinand der Stier von Munro Leaf, Robert Lawson 11. Januar 2017 at 20:03

    […] gelungen und erinnern mich vom Stil her ein bisschen an die Bilder von Gary Chalk, der damals die Einsamer Wolf Bücher mit sehr gelungenen Zeichnungen versehen […]

  4. Pingback: [Blog-Stöberrunde] 1/2017 | Buchbahnhof 20. Januar 2017 at 20:17

    […] Tobi von Lesestunden stellt ihn und seine Abenteuerspielbücher den Lesern vor. Ein sehr spannender Artikel, den ich euch wirklich empfehlen […]

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