Es gibt Bücher, die sind ein echter Geheimtipp. Ferdinand der Stier ist definitiv eines davon und das will ich euch heute etwas genauer vorstellen. Es ist eigentlich ein Kinderbuch, aber irgendwie ist es von der Story, den schönen Zeichnungen und vom Nostalgiefaktor her auch etwas für die jung gebliebenen Erwachsenen. Einen kleinen Einblick gebe ich euch nun in dieser Rezension.

Ich bin durch Zufall auf das Buch aufmerksam geworden. Die Story kannte ich, denn es gibt eine sehr gelungene, wenn auch alte Verfilmung von Disney. Wer auf YouTube nach „Ferdinand der Stier“ sucht, der findet den nicht einmal 10 Minuten dauernden Zeichentrickfilm. Als Kind habe ich diesen Clip ein paar mal gesehen und er ist mir nach all den Jahren immernoch gut in Erinnerung. Dass dieser kurze Disneyfilm auf ein Buch basiert, wusste ich bis vor ein paar Wochen nicht. Und dass das Buch schon 1936 erschienen ist und als eine schöne, an das Original angelehnte Neuauflage gibt auch nicht. Es war klar, dass das Buch dringend in mein heimatliches Bücherregal muss.

Der Diogenes Verlag hat dieses wunderschöne Buch im Programm. Versehen mit den Illustrationen der Originalausgabe von Robert Lawson, der zahlreiche Kinderbücher illustriert und auch selbst geschrieben hat. 1935 hat Munro Leaf das Buch in kürzester Zeit geschrieben. Es erschien 1936, als der Spanische Bürgerkrieg ausbrach und wurde als pazifistische Propaganda angesehen. Scheinbar wurde es dann aber doch ein ziemlich großer Erfolg und die Disney Verfilmung aus dem Jahr 1938 bekam sogar einen Oscar. Scheinbar fand das Buch im vom Krieg zerstörten Berlin weite Verbreitung, als Jella Lepman aus dem Exil in ihre Heimat zurück kehrte. Zumindest verrät dies alles Wikipedia.

Die Geschichte selbst ist recht kurz, in vielleicht zehn Minuten gelesen und erzählt vom friedlichen Stier Ferdinand, der den Duft von Blumen über alles liebt und durch einen blöden Zufall in der Arena landet. Natürlich verläuft der Stierkampf nicht so, wie es sich der Matador und die Zuschauer erwartet hatten. Eine sehr schöne Story, liebevoll erzählt und perfekt zum Vorlesen.

Die Illustrationen sind schwarz/weiß und sehr stimmungsvoll und gut gelungen. Wer wie ich den Zeichentrickfilm kennt, der merkt, wie nah Disney am Original war und wie die Stimmung sich auch tatsächlich im Buch wieder findet. Einige Seiten wirken auffallend leer, aber passen sehr gut zu dem, was darauf zu sehen ist. Wenn Ferdinand im Schatten seiner Korkeiche sitzt und eben die Ruhe und den Duft der Blumen geniest. Selbst das Vorsatzpapier ist illustriert und einige Illustrationen sind wirklich sehr gelungen und erinnern mich vom Stil her ein bisschen an die Bilder von Gary Chalk, der damals die Einsamer Wolf Bücher mit sehr gelungenen Zeichnungen versehen hat.

Das Buch selbst ist richtig schmuck. Der Buchrücken ist in Leinen gebunden und die Farbe des Umschlags mit dem Stier und den Blumen ist für mich ein Beispiel für perfekte Buchkunst. Es strahlt genau dieses Altmodische aus, mit seinen verwaschen wirkenden Farben, der einfachen aber liebevollen Illustration und hat mich sofort in das Flair der 30er Jahre versetzt. Ferdinand der Stier ist ein Buch, dass ich mir nie als Ebook vorstellen könnte.

Ein Vorlestest bei den Kleinen war sehr erfolgreich. Vielleicht lag es auch daran, dass sie den Zeichentrickfilm schon kannten, aber trotzdem kann das Buch mit dem Disneystreifen konkurrieren. Betrachtet man aktuelle Kinderbücher, die zum Teil schon wirklich aufwendig und schön gezeichnet sind, dann erscheint dieses Buch als ziemlich schlicht. Aber die Bilder strahlen doch ganz deutlich die Stimmung der Orte und Szenen aus, die diese Geschichte ausmachen. Die Gesamtwirkung passt hier einfach und es wundert mich nicht, dass dieses Buch nach so vielen Jahrzehnten noch anzutreffen ist.

Fazit: Dieses Kinderbuch ist ein wunderschöner Klassiker, mit gelungenen und liebevollen Illustrationen. Die Aufmachung, die mit viel Nostalgie besticht, die Originalillustrationen aus dem Jahre 1936, aber auch die schöne Umschlaggestaltung und Bindung machen dieses Buch zu einen echten Schatz für das Bücherregal. Nachdem es in sehr kurzer Zeit gelesen ist, lädt es dazu ein, immer wieder in die Hand genommen zu werden. Ein echter Geheimtipp. Und für jeden, der den Disney Zeichentrickfilm kennt und mag ein absoluter Pflichtkauf.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Titel: Ferdinand der Stier
Autor: Munro Leaf
Illustrator: Robert Lawson
Verlag: Diogenes Verlag
Erschienen: 26. März 2013
Erstveröffentlichung: 1936
Seiten: 72 Seiten

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verfasst von Tobi

    8 Kommentare

  1. Buchbahnhof 11. Januar 2017 at 20:16 Antworten

    Hey!
    Ach guck… da sah ich deinen Beitrag bei Facebook und musste gleich das Video verlinken und dann berichtest du hier auch gleich zu Beginn davon. Ich kannte auch bislang nur das Video, das ich schon seit Kindheit an liebe. Nun muss ich mir das Buch wohl auch mal näher anschauen. Das muss aus Nostalgiegründen ins Regal.
    LG
    Yvonne

    • Tobi 12. Januar 2017 at 21:00 Antworten

      Liebe Yvonne,

      bei dem Video bin ich mir nicht so sicher, ob das legal bei YouTube ist, daher wollte ich das nicht verlinken. Ich glaub es geht vielen so, dass sie die Disney-Verfilmung kennen, aber gar nichts von dem Buch wissen. Aber ich kann dir sagen, das ist den Kauf definitiv wert.

      Liebe Grüße
      Tobi

  2. Hermia 11. Januar 2017 at 22:43 Antworten

    Oha, ich wusste wie du auch nicht, das der Film auf ein Buch beruht. Aber das sieht sehr hübsch aus und auch wenn ich Kinderbücher in der Regel den Kindern überlasse, hier werde ich wohl eine Ausnahme machen. 😉

    • Tobi 12. Januar 2017 at 21:01 Antworten

      Liebe Hermia,

      für mich habe ich auch nur ganz wenige Kinderbücher. Die von Robert Ingpen illustrierten Bücher gehören beispielsweise dazu. Die sind einfach sehr bibliophil. Aber Ferdinand der Stier ist definitiv auch für Erwachsene eine Empfehlung, besonders wenn der Film gefällt.

      Liebe Grüße
      Tobi

  3. Nana 12. Januar 2017 at 9:23 Antworten

    Ich liebe die Geschichte von Ferdinand dem Stier. Wobei diese Liebe zugegebenermaßen mit dem Disney-Film begonnen hat. ♥ Mich erstaunt gerade auch richtig, wie sehr sich Disney an die Original-Illustrationen gehalten hat (toll!). Danke für diese schöne Vorstellung, ich werde mir die wunderschöne Diogenes-Ausgabe auf jeden Fall gönnen.

    LG Nana

    • Tobi 12. Januar 2017 at 21:03 Antworten

      Liebe Nana,

      ich finde die Geschichte auch sehr gelungen. Die Disney-Zeichner hatten und haben es einfach drauf, das muss man echt sagen. Die Stimmung vom Original haben sie perfekt eingefangen. Ich finde ja die Erzählerstimme sehr cool. Das kommt im Buch ein wenig softer rüber. Aber richtig vorgelesen, bekommt man es ein bisschen wie bei der Disney Verfilmung hin 😉

      Sehr cool, dass ich dich von dem Büchlein überzeugen konnte. Wenn dir die Story gefällt, dann bin ich überzeugt, dass dir dieses Kleinod sehr gut gefallen wird.

      Liebe Grüße
      Tobi

  4. Philipp 13. Januar 2017 at 21:19 Antworten

    Hi Tobi,

    So ganz nachvollziehen konnte ich das Sammeln von „schönen“ Büchern mit Illustrationen lange gar nicht.
    Ich stehe mehr auf das Wort selbst und brauche eigentlich keine Bilder.

    Dennoch habe ich mich in den letzten Monaten in Buchhandlungen auch selber öfter dabei erwischt, wie ich den ein oder anderen Spezialband mit aufwendigen Illustrationen lange in den Händen hielt und das Gesamtkunstwerk Buch genoss.

    Meine eigene Bibliothek umfasst allerdings nur sehr wenige solche Bücher.
    Vielleicht auch deswegen, weil ich gerne unterstreiche und notiere in meinen Büchern, was ich in solchen dann wohl besser unterlassen sollte/würde.

    Auch Kinderbücher habe ich eigentlich keine dort.
    Außer den „Kleinen Prinzen“ der für mich aber zu den größten Büchern aller Zeiten gehört und für mich eigentlich kein Kinderbuch ist.
    Doch darüber lässt sich streiten.

    So, sehe mir jetzt das Youtube Video über den Stier an!

    Bis bald,
    Philipp

    • Tobi 14. Januar 2017 at 22:22 Antworten

      Lieber Philipp,

      ich hatte das schon immer, dass mir das Aussehen von Büchern wichtig war. Irgendwie gehört das ganze Paket zum Lesegenuss dazu. Wobei ich auch einige Bücher im Schrank stehen habe, die nach Nichts aussehen. Der Inhalt ist natürlich das Entscheidende, da gibt es nichts dran zu rütteln, das ist klar. Wenige Bücher gewinnen dadurch sogar Ausstrahlung und da gefällt mir das wiederum sehr gut.

      Bildbände und Bücher die rein Illustrationen enthalten sind auch bei mir im Schrank eher eine Minderheit. Aber es sind doch einige dazwischen und gerade bei Kinderbücher ist das natürlich sehr wichtig.

      Und, wie hat dir der Disney Film gefallen? 😉

      Herzliche Grüße
      Tobi

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