Die letzten Wochen war ich immer wieder in der Welt der Graphic Novels, Comics und Mangas unterwegs. Zwar nicht ausschließlich, mein Hauptlesestoff sind immer noch Klassiker und es wird auch bald weitere Rezensionen zu diesen geben. Die Abende verbringe ich momentan doch immer mal wieder ganz gerne mit einem gepflegten Comic. Das Angebot ist recht groß, aber ich bin ziemlich zimperlich und brauche immer einige Zeit, bis ich etwas finde, das mir wirklich zusagt. Der Splitter Verlag hat sich dabei als eine sehr hochwertige Quelle hervorgetan und wartet mit richtig schönen Ausgaben auf. Es gibt viele Reihen, die aus zahlreichen Einzelbänden bestehen, aber eine schmucke vollständige Sonderausgabe ist sowohl aus bibliophiler Sicht, als auch hinsichtlich eines längeren Lesevergnügens etwas, das mir wesentlich besser gefällt. Der Splitter Verlag erweitert, seit seinem zehnten Verlagsjubiläum, jedes Jahr das Verlagsprogramm um eine Geburtstagsedition eines zeitlosen Comicklassikers. Mittlerweile ist die Reihe auf zwölf Bücher angewachsen und die Gesamtausgabe von Die Chroniken von Legion konnte meine Neugierde recht schnell wecken.

Der Klappentext zu dem Comic ist recht dünn, dafür gibt die Leseprobe einen ganz guten Eindruck davon, was einen hier erwartet. Die ersten Seiten konnten mich schon überzeugen, mit ihren schönen Landschaftsmotiven und dem teils typischen comichaften Stil, aber auch den ausdrucksstarken Szenen, wie beispielsweise einem Schiff im wogendem Meer, oder einer wilden Liebeszene zwischen einer schönen Konkubine und einem stolzen Krieger. Mit einer Vampirgeschichte wird geworben, was aber nur bedingt stimmt, denn es erwartet einen keine klassische Story, wie man sie vielleicht von Dracula und ähnlichen Formaten kennt. Im Zentrum stehen zwei unsterbliche Brüder, die sich gegenseitig bekämpfen und dabei die Menschheit in ihren Strudel ziehen und versuchen über viele Jahrhunderte hinweg, vor dem Hintergrund zahlreicher historischer Ereignissen, den Gegner auszulöschen. Nach und nach erfährt man erst, was es mit diesen Brüdern auf sich hat, was für Wesen sie eigentlich sind und wie sich ihr Treiben durch die Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte zieht.

Den Zeichner Matthieu Lauffray kannte ich bereits von der wunderbaren Gesamtausgabe von Long John Silver, das ein echtes Meisterwerk ist. Er ist aber nur einer von insgesamt fünf Künstlern, die dieses Comic gezeichnet haben. Ein Gemeinschaftsprojekt, das mich aufgrund diesem Hintergrund schon gelockt hat. Kann das funktionieren, dass fünf verschiedene Personen eine Geschichte in Bilder umsetzen, die dann auch in sich konsistent ist? Ich bin vom Ergebnis hin und hergerissen. Das Buch hat starke Zeitsprünge und verschiedene Handlungsstränge in jeweils anderen Jahrhunderten. So hat Zhang Xiaoyu einen Handlungsstrang Anfang des 19. Jahrhunderts gezeichnet, der zur Zeit von Napoleons Russlandfeldzügen handelt. Mario Alberti hingegen zeigt Szenen, die zur Zeit der spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert spielt. Auch das viktorianische London ist als Setting mit dabei. Diese ganze Vielfalt hat mir sehr gut gefallen, die Zeichnungen sind an vielen Stellen wirklich prächtig und wunderbar anzusehen.

Gleichzeitig sind die starken Zeitsprünge und Szenenwechsel, die zudem auch noch einen Wechsel im Zeichenstil mit sich bringen, verwirrend und ich fand es besonders zu Beginn anstrengend der Handlung zu folgen. Und ich glaube ich habe immernoch nicht ganz die ganze Geschichte überrissen. Das Buch muss man auf jeden Fall mehrmals lesen, damit man einen gesamten Überblick gewinnt und versteht, was hier eigentlich alles passiert. Eine mehrfache Lektüre ist aber sicher eher ein Vorteil, denn die schönen Zeichnungen sind einfach sehr prachtvoll und ein Genuss anzusehen.

Vom Zeichenstil her ist das Buch, wie oben beschrieben, sehr abwechslungsreich und vielfältig. Mathieu Lauffray und Tirso sind die zwei Zeichner, die mir am besten gefallen haben. Zang Xiaoyus Art zu zeichnen fand ich sehr kunstvoll und hochwertig, bei ihm haben mir die Charaktere aber nicht so gut gefallen. Bei allen werden die Actionszenen und auch die Atmosphäre der einzelnen Szenen sehr gut vermittelt. Das sind schon alles Profis, das sieht man sofort und vom Erzählerischen wurde ich schon an zahlreichen Stellen in die Story gesaugt. Um so störender habe ich die Szenenwechsel dann empfunden.

Was die Aufmachung betrifft, kann man hier wieder nicht meckern. Fadenbindung sind wohl bei Comics keine Seltenheit, was auch hier wieder der Fall ist und mich sehr begeistern konnte. Das bedruckte Hardcover ist an einigen Stellen, die das Coverbild und die Ornamente einrahmen, geprägt, was sich auch sehr wertig anfühlt. Das bedruckte Hardcover sieht aber eher gewöhnlich aus. Hier hätte ich mir nochmal einen schönen Schutzumschlag gewünscht, wie das bei Der Seewolf der Fall ist. Die Illustration des Frontcovers und auch das Vorsatzpapier hätte aus meiner Sicht durchaus verspielter und etwas pompöser sein können. Insgesamt ist das Buch aber solide verarbeitet, schön dick und liegt wieder gut in der Hand. Diese Gesamtausgabe umfasst alle vier Bände und soweit ich gesehen habe, wurden sie das erste Mal ins Deutsche übersetzt.

Fazit: Die Chroniken von Legion ist ein Sammelband, der im Rahmen der Geburtstagseditionen des Splitter Verlags erschienen ist und in einer wertigen und schmucken Verarbeitung den geneigten Comic Leser lockt. Die eher ungewöhnliche Vampirgeschichte zieht sich durch die verschiedensten Epochen und Hintergründe und erzählt in verschiedenen Erzählsträngen eine spannende Geschichte vor zahlreichen historischen Kulissen. Vom viktorianischen Zeitalter, bis zu den Türkenkriegen oder Napoleons Russlandfeldzug ist hier einiges vertreten was für eine abwechslungsreiche Atmosphäre, aber dadurch auch für einen etwas holprigen Lesefluss sorgt. Die Zeichnungen sind sehr gelungen und schön anzusehen. Man merkt sofort, dass hier erfahrene Illustratoren am Werke waren. Ein Buch, das zwar seinen Preis hat, aber durchaus überzeugen kann und in seiner Gesamtheit eine gelungene Geschichte bietet.

Hinweis: Das Copyright der gezeigten Zeichnungen liegen beim Splitter Verlag. Wer weitere Bilder vom Buch sehen möchte, dem kann ich die Verlagsseite zu Die Chroniken von Legion empfehlen. Dort kann man die ersten Seiten anlesen und bekommt sehr schön einen ersten Eindruck, was einen hier erwartet.

Über das Buch

Titel: Die Chroniken von Legion
Autor: Fabien Nury
Verlag: Splitter Verlag
Zeichner: Matthieu Lauffray, Éric Henninot, Mario Alberti, Zhang Xiaoyu, Tirso
Erschienen: 22.10.2017
Seiten: 240 Seiten

Klappentext anzeigen
Ein Who is Who der Zeichnergilde um Star-Autor Fabien Nury (»Es war einmal in Frankreich«, »W.E.S.T«, »XIII Mystery«) erschafft eine einzigartige Vampirstory, die nun erstmals auf Deutsch erscheint. Matthieu Lauffray (»Long John Silver«), Éric Henninot (»Carthago«), Mario Alberti (»Morgana«), Zhang Xiaoyu (»Kreuzfahrer«) und Tirso (»Das Schloss der stummen Schreie«) geben sich in diesem einzigartigen Comic-Projekt die Ehre.
verfasst von Tobi

    3 Kommentare

  1. Buchperlenblog 26. Mai 2018 at 18:01 Antworten

    Hallo 🙂
    Den Splitter Verlag hab ich dieses Jahr auch vermehrt für mich entdeckt. Die Comics und Graphic Novels sind alle wunderbar verpackt und wenn ich in die Verlagsvorschau schaue, dann krieg ich ganz glänzende Augen 😄 Auch der Babd hier scheint richtig toll zu sein, den merk ich mir auf jeden Fall vor – auch weil er eben nicht nur 50 Seiten beinhaltet 😅

    Liebe Grüße!
    Gabriela

  2. Mikka Gottstein 10. Juni 2018 at 16:05 Antworten

    Hallo,

    ich lese schon seit Jahren kaum noch Comics oder Graphic Novels, aber als angehende Buchhändlerin habe ich viel von meinem Ausbildungsgehalt im Comicladen gelassen. Der Splitter-Verlag hatte damals schon großartige Ausgaben!

    Ich persönlich mag es einfach nicht, wenn innerhalb eines Comics die Zeichner wechseln. Das war früher besonders bei den amerikanischen Comics, die ich gesammelt habe, ein echtes Kreuz, weil die Zeichenstile oft so fundamental unterschiedlich waren.

    Vielleicht wäre es mal wieder ander Zeit für ein Graphic Novel!

    LG,
    Mikka

    • Tobi 10. Juni 2018 at 23:02 Antworten

      Liebe Mikka,

      Comics sind echt nicht schlecht, aber auch nicht gerade was für den kleinen Geldbeutel. Sie sind einfach so schnell ausgelesen, das ist echt ein Nachteil.

      Mit wechselnden Zeichner habe ich nicht so viele Erfahrung. Kommt das tatsächlich öfter vor? Aber ich würde nun auch eher dazu tendieren, Comics zu lesen, die von einer Reihe sind. Aber auch wenn Comics zum Teil sehr hübsch gezeichnet sind, tendiere ich tatsächlich eher zu Mangas. Ich finde dort den Lesefluss einfach sehr gelungen. Das saugt einen schon sehr in die Geschichte.

      Liebe Grüße
      Tobi

Kommentar verfassen