Aposimz – Land der Puppen • Tsutomu Nihei

Eigentlich ist Science Fiction so gar nicht mein Genre. Ich weiß nicht woran das liegt, aber irgendwie finde ich die Zukunftsvisionen immer irgendwie düster und wenig einladend. Der erste Band von Aposimz ist mir zufällig in die Hände gefallen und sollte eigentlich in die Kategorie fallen, die ich eigentlich gar nicht anschauen würde. Bei diesem Manga ist das aber anders, da habe ich mich einmal seit Langem auf ein fiktives Setting in einer wenig pittoresken Zukunft eingelassen und bin wirklich sehr begeistert. Für mich war klar, dass ich den zweiten Band auch brauche und nun ist auch der vor einiger Zeit erschienen und das ist eine gute Gelegenheit, einmal über einen Manga zu schreiben, der sich eindeutig an Erwachsene richtet und einfach eine Empfehlung ist.

Aposimz ist ein künstlicher Planet, der einen geschützten Kern hat, der durch eine Megastruktur von der Außenwelt abgeschirmt ist. Die Menschen haben vor vielen Jahrhunderten einen Krieg gegen den Kern verloren und nun kein Recht mehr auf diesen Himmelskörper zu leben. Ein paar Menschen haben es aber geschafft auf der unwirtlichen äußeren Schicht zu überleben und kämpfen seitdem gegen Automata, aus der Ruinenebene auftauchende Maschinen und einer seltsamen Puppenkrankheit. Letztere ist ein größeres Thema in dem Buch. Der Protagonist ist Esro, der auf dieser äußeren Schicht lebt und Teil einer kleinen Kolonie ist.

Was sofort auffällt, wenn man den Manga in die Hand nimmt, ist der ganz eigene Zeichenstil von Tsutomu Nihei. Er wirkt erstmal sehr leer, reduziert und hat klare Linien auf viel leerem Raum. Dadurch wirken die Landschaften, die eine atmosphärisch sehr dichte Endzeitstimmung transportieren, richtig stark auf den Betrachter. Der Planet wirkt leer, abweisend, die Ruinen und Reste von metallenen Bauten zeigen öde Landstriche und eine menschenfeindliche Umgebung. Auch die Figuren wirken alle wenig glücklich und anziehend und haben alle einen Ausdruck, der ein entbehrungsreiches Leben vermuten lässt. Obwohl das den Leser nicht gerade in eine romantische Welt entführt, ist das schon schön anzusehen und wirkt richtig stark. Diese Stimmung macht einen Teil des Reizes aus und erzeugt eine dichte Atmosphäre.

Die Akteure in dem Buch, sowohl die Figuren, die der Leser begleitet, als auch die Kontrahenten wirken oft eher gruselig. Man spürt beim Lesen die Gefahr, in der Enzo sich permanent befindet und welche grausamen Bedingungen auf dem Planeten vorherrschen. Natürlich gibt es auch viel Action und die ist wirklich hervorragend gezeichnet, denn sie ist visuell so arrangiert, dass eine Kette von Aktionen so sichtbar und nachvollziehbar wird, dass es sich sehr mit einem Film vergleichen lässt. Daran merkt man sofort, dass Nihei ein sehr erfahrener Zeichner sein muss.

Oft hatte ich auch das Gefühl, ein Spiel zu zocken, denn die Regeln, nach denen sich Enzo entwickelt, erinnern oft an die Mechanik von Computerspielen. Er muss Normpuppen töten und jede, die er zerschmettert gibt ihm mehr Kraft und er benötigt Heigus-Partikel für Spezialfertigkeiten. Dieser Bezug zu Games ist bei echt vielen Mangas zu finden und funktioniert meistens auch immer richtig gut. Das ist schon sehr unterhaltsam zu lesen. Die Welt von Aposimz ist sehr durchdacht und stimmig. Es wird schnell klar, dass Nihei hier eine konsistente Welt vorlegt und auch die weiteren Bände den Leser immer weiter in diese Welt vordringen lassen. Ein Spannungselement ist natürlich die Frage, was in dem Kern ist, was sich vor so langer Zeit auf dem Planeten zugetragen hat und was diese Puppenkrankheit ist. Diese befällt die Menschen und verwandelt sie in gruselig aussehende skelettartige Geschöpfe ohne Bewusstsein.

Die beiden Bücher sind sehr spannend zu lesen, die Story entwickelt sich in einem angenehmen Tempo und es gibt immer wieder Spannungsbögen, die einen so fesseln, dass man den Manga einfach am Stück lesen muss. Von den narrativen Elementen würde ich es als gut abgehangen bezeichnen. Es gibt wieder geschmeidig mächtige Kontrahenten, Esro uns seine Truppe ist ziemlich klein und erstmal in der Unterzahl, aber der Protagonist dreht ordentlich auf und reißt es so wieder heraus. Das ist alles solide, da kann man nicht meckern, aber auch nicht völlig was Neues.

Tsutomu Nihei ist scheinbar kein unbekannter Zeichner und besonders seine Manga-Serie BLAME! ist sehr beliebt und bekannt. Ausgehend von Aposimz habe ich mir auch den ersten Band von BLAME! geholt, konnte damit aber nicht viel anfangen. Das war mir zu reduziert, zu wenig Informationen und ich fand die Lektüre irgendwie anstrengend. Da ist Aposimz vom Verlauf der Story um einiges klarer und auch wesentlich geschwätziger, was sehr angenehm ist. Wobei natürlich vom Zeichenstil, aber auch von der Welt die Parallelen zwischen Aposimz und BLAME! natürlich deutlich sichtbar sind. Wer also BLAME! gut fand, wird Aposimz wahrscheinlich auch mögen, andersherum gibt es da keine Garantie.

Fazit: Aposimz ist ein faszinierender und fesselnder Manga, der mit einer starken Endzeitstimmung aufwartet und den Leser in eine futuristische Welt entführt. Die Zeichnungen sind sehr gelungen, haben einen sehr individuellen Stil und vermitteln die dichte Atmosphäre vom Planeten Aposimz meisterhaft. Die Geschichte ist ebenfalls spannend und bietet eine Welt, die ganz eigenen Mechaniken folgt, die nach und nach vom Protagonisten und damit dem Leser entdeckt werden. Das ist sehr unterhaltsam, wenn auch bei der Wahl der Spannungselemente eher auf ausgetretenen Pfaden gewandelt wird. Ich werde mir auch die weiteren Bände auf jeden Fall holen, denn Aposimz ist einer der wenigen Mangas, der mich durchgängig begeistern konnte. Das ist hochwertige Kost, die sich eindeutig an Erwachsene richtet.

Buchinformation:
Aposimz – Land der Puppen 1 • Tsutomu Nihei • Cross Cult • 192 Seiten • ISBN 9783959817066
Aposimz – Land der Puppen 2 • Tsutomu Nihei • Cross Cult • 192 Seiten • ISBN 9783964330680

3 Kommentare

  1. Hallo Tobi,

    schön, heute endlich deine ausführlichen Eindrücke zu Aposimz zu lesen!

    Wie ich vor einiger Zeit schon mal geschrieben hatte, weckte der erste Band bei mir eher gemischte Gefühl. Ich liebe das Setting und den Zeichenstil, habe aber inhaltlich einfach anderes erwartet – den Beginn fand ich grandios und in so einer Richtung hätte sich die Story gerne weiterentwickeln können. Ich fand es beispielsweise schade, dass wir schnell nur einen „Helden“(?) haben und sämtliche Weggefährten, an die man sich nach den ersten Seiten gewöhnte, so früh ausgelöscht wurden. Auch war der Manga für meinen Geschmack zu blutig und kampflastig, was aber natürlich keine Kritik am Manga selbst ist, sondern einfach mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun hat. Dennoch war ich irgendwie fasziniert von allem, was Tsutomu Nihei in „Aposimz“ konstruiert hat und ich werde auch den zweiten Band noch lesen.

    „Blame“ habe ich nicht gelesen, sondern lediglich einen kurzen Blick in die Verfilmung geworfen. Die ersten Folge fand ich gut, allerdings waren die inhaltlichen Parallelen zu „Aposimz“ zu groß, wodurch ich anfing, die Figuren und Ereignisse beider Reihen miteinander zu vermischen. Da „Blame“ in den letzten Jahren sehr gehyped wurde, fand ich es gerade sehr interessant, dass der Manga bei dir nicht den besten Eindruck hinterließ – zumindest nicht im Vergleich mit „Aposimz“.

    Viele Grüße
    Kathrin

  2. Haha, da dachte ich noch während des Lesens dich auf BLAME! hinweisen zu müssen, aber das hat sich offensichtlich schon erledigt 😉 Aposimz habe ich bisher zwar nur durchgeblättert, wollte es aber tatsächlich bald auch mal lesen. Es wirkt schon ein wenig wie der Gegenentwurf zu Niheis BLAME!, womit er bekannt geworden ist und dass irre viele Bände und Ableger hat. Ich meine es gibt auch einen Netflix-Film. Allein, wenn man bedenkt, dass BLAME! eher dunkel gehalten ist, Aposimz weiß. BLAME! quasi keine Handlung hat und Aposimz eine deutliche. Schon interessant.
    „Fire Punch“ habe vor etlichen Wochen angefangen und ähnlich empfunden wie Aposimz vom Ersteindruck. Aber die Welt ist ebenso wenig einladend und spielt mit krassen Kontroversen.

    1. Liebe Booleana,

      ich fand Blame und Aposimz auch ganz schön unterschiedlich, obwohl dieser reduzierte Zeichenstil in dieser unwirtlichen Science-Fiction-Welt sich natürlich ähnelt. Aber ich bin eben auch eher der Story-Typ, auch bei Games, das merk ich immer wieder. Vor ein paar Tagen ist ja der dritte Teil erschienen. Den werde ich mir auch noch holen, hab ihn aber aus Zeitgründen erstmal noch nicht bestellt. „Fire Punch“ sieht ja auch echt interessant aus mit seinem Endzeitsetting.

      Liebe Grüße
      Tobi

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