Instagram: Topliste der deutschen Bookstagram Buchszene

Instagram: Topliste der deutschen Bookstagram Buchszene

Vor einigen Wochen habe ich meinen Instagram Account @lesestunden wiederbelebt und mich wieder verstärkt in der Bookstagram Szene umgeschaut. Nachdem die Buchblogosphäre ganz schön klein geworden ist und mittlerweile sehr viele auf Instagram anzutreffen sind, war ich neugierig, was dort so geboten ist. Als Nerd liebe ich natürlich Listen und habe mir als Übersicht wieder eine Topliste deutschsprachiger Bookstagrammer erstellt. Lest hier, wie es mir bei meiner Rückkehr zu Instagram ergangen ist und was für einen Eindruck ich von der Buchbloggerszene auf Instagram gewonnen habe.

Weniger als 650 Buchblogs sind noch auf meiner Topliste. Wenn man bedenkt, dass Dezember 2017 es über 1300 Blogs gab, dann ist klar, dass Buchblogs schon lange ihren Zenit überschritten haben. Stattdessen tummeln sich umso mehr auf Instagram. Einige ehemalige Buchblogger sind dort anzutreffen und auch die Mehrheit der Buchverlage ist dort vertreten. Deutlich mehr als auf TikTok, womit ich annehmen würde, dass im Social Media Umfeld die meisten Buchmenschen auf Instagram zu finden sind.

Ich habe schon sehr lange einen Instagram Account für lesestunden, ihn aber eher stiefmütterlich behandelt und nur ab und zu mit neuen Beiträgen befüllt. Das habe ich vor einigen Wochen geändert und bin dort nun deutlich aktiver. Zudem habe ich mich regelmäßig dort umgesehen und versucht einen Überblick über die Bücher-Community dort zu bekommen.

Insgesamt bin ich ein bisschen erschrocken, wie eingeschränkt die Vielfalt ist. Gefühlt lesen alle Bookstagrammer die gleichen Bücher. Ja, in Summe werden schon sehr viele unterschiedliche Bücher gelesen, aber es gibt Bücher, die gefühlt wirklich jeder vorstellt. Besonders Gegenwartsliteratur ist primär auf einige wenige populäre Bücher beschränkt, die alle lesen, weil sie wohl gerade sehr angesagt sind. Ich habe mir dann zu einigen der viel gelesenen Büchern die Leseproben durchgelesen und da schaut man in einen Abgrund. Ein Buch, das wirklich in jedem zweiten Post aufgetaucht ist, hatte eine so primitive einfache Sprache, dass es beim Lesen einfach geschmerzt hat. Ja, es mag sein, dass das stilistisch gewollt und nun die große Kunst ist, ich fand es einfach nur furchtbar. Oder ein Buch über eine Tresenkraft in einem Fitnessstudio, wo ich beim Klappentext schon raus bin, geschweige denn, nach den ersten Seiten der Leseprobe mich frage, wer das freiwillig liest. Aber gut, so ist es, das ist auch okay, jeder soll lesen, worauf er Lust hat. Ich verurteile da niemanden. Ich denke überhaupt zu lesen ist einfach schon ein riesiger Gewinn.

Bei dem Kauf neuer Bücher bin ich sehr wählerisch. Ich kann problemlos in Bücherläden gehen und ohne ein Buch herauskommen. Tatsächlich ist das der Normalfall. Meine Zeit ist so beschränkt und wenn ich ein Buch auswähle, dann möchte ich einfach genau den Treffer haben. Das Buch muss inhaltlich ansprechend sein, eine schöne Gestaltung haben, bibliophil sein, mein Gehirn muss darauf auch jetzt Lust haben, es soll in der Regel einen gewissen sprachlichen Anspruch haben und wenn ich mehrere Bücher bereits in der Queue habe, dann sinkt meine Kaufbereitschaft ebenfalls stark. Entsprechend gering fällt mein Wunschlistenzuwachs nach einem Instagram Besuch aus. Da ist so wenig für mich dabei, dass ein Besuch extrem ineffizient ist. Das hängt natürlich stark am Leseverhalten, ich denke wer nicht so wählerisch ist, zieht hier super viele Lesetipps heraus. Bei mir war das nicht der Fall.

Ein Problem mit Instagram ist es, dass die Besucher so lange wie möglich dort gehalten werden sollen. Das heißt der Algorithmus ermittelt laufend, was gefällt und länger konsumiert wird und dann werden diese Inhalte entsprechend verstärkt ausgerollt. Wer Instagram öffnet, kommt in den Stream „Für dich“. Und der wird aufgefüllt mit irgendwelchen durchoptimierten Inhalten, die aber völlig irrelevant sind. Bei mir sind das schöne Bilder von Bücherregalen, irgendwelche hübschen Orte im Herbst, lustige Reels und ähnliches Wohlfühlgedöns. Das ist nett anzusehen aber reine Zeitverschwendung. Man muss immer wieder oben auf „Gefolgt“ klicken, sonst bekommt man diese Bullshit-Inhalte. Um so länger man auf Instagram ist, um so mehr Werbung wird präsentiert. Wenn man bedenkt, dass die eigentlichen Inhalte ja auch schon Werbung sind, dann ist Instagram einfach eine einzige große fette Werbeplattform. Wo man früher im Privatfernsehen genervt weggezappt hat, baut nun eine komplette Plattform auf und es wird breitwillig konsumiert, weil es schön in Häppchen verpackt und auf die eigenen Interessen zugeschnitten ist. Der Schritt von wirklicher Nützlichkeit zur Zeitverschwendung ist sehr sehr klein. Um Instagram sinnvoll auszuschöpfen muss man einen Berg ersteigen, dessen schmaler Gipfelplateau unmittelbar neben einem steilen, glitschigen Abhang gelegen ist.

Die Nutzer auf Instagram sind erstaunlich unpolitisch. Das ist nicht selbstverständlich, wenn ich an Twitter denke, wo sehr viel über politische und ideologische Einstellungen diskutiert wurde. Das findet man schon auch auf Instagram, aber in einer deutlich weniger ausgeprägter Form. Egal in welche Richtung: Für mich ist das Teilen von Bücher, die man mag, genossen hat und empfehlen möchte kein Politikum. Ja natürlich, das spielt bei der Buchauswahl vielleicht manchmal eine Rolle, für mich steht aber das Lesevergnügen im Mittelpunkt und kein politisch-ideologisch geführter Diskurs.

Was mir auch aufgefallen ist, dass Instagram für viele auch ein Werkzeug ist, um die eigene Distinktion auszuleben. Immer wieder stößt man auf Beiträge, in denen der eigene hohe Bücherkonsum erhöht und die eigene Liebe zu Büchern zur Schau gestellt wird. Instagram ist also auch ein Mittel, um die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Unternehmen haben das natürlich breitwillig aufgegriffen und so findet man auf vielen kommerziellen Accounts immer wieder Sprüche oder lustige Reels, welche eine versteckte Lobhudelei auf die Vielleserei sind. Aus meiner Sicht eine ziemlich nutzlose Geschichte, wenn sie auch aus Marketingsicht sinnvoll ist, denn sie bindet das Zielpublikum an den eigenen Verlag oder Bücherladen, da hier eine künstliche Gemeinsamkeit erzeugt wird. Was ebenfalls auffällt, ist wie viel auf Instagram vorgetanzt und gehampelt wird. Auch das erinnert an die kommerzielle Werbung aus den 90ern. Werbung ist für das schwache Gemüt wohl leichter verdaulich, wenn sich ein paar Protagonisten zum Affen machen. Der Account von Hugendubel ist für mich beispielsweise nicht zu ertragen. Eine erschreckende Infantilisierung.

Die wahre Kunst bei der Nutzung von Instagram ist es, gute Accounts zu finden, die genau die Inhalte haben, die mich so richtig interessieren und das war nicht leicht. Wenn man ehrlich ist und sich auf die Accounts fokussiert, die wirklich interessante Beiträge verfassen, die für einen auch einen Mehrwert haben, dann reicht es vollkommen, einmal die Woche auf Instagram vorbei zu schauen. Einige hochwertige Accounts dieser Art, die mir wirklich gut gefallen haben, will ich an dieser Stelle kurz vorstellen. @spass_mit_buechern, @zubesuchbeimia und @buchwurmeline finde ich sehr schön, alle drei scheinen bibliophil zu sein und haben ihren Fokus auf Klassiker. Da ist sehr viel in der Liste, was auch bei mir im Schrank steht. @club.of.bibliophiles hat eine sehr schöne Auswahl und stellt sehr viele gute Bücher vor. Sie scheint sich auch zeitweise auf Themen zu fokussieren, zuletzt auf Hemingway. @die.buchdoktorin liest viel von den sehr kommerziellen Büchern, aber ich mag wie sie humoristisch an das Thema heran geht und das auch ein bisschen auf die Schippe nimmt, gleichzeitig aber unterhaltsame Buchbesprechungen präsentiert. @belletristikundklassiker und @jogginghosenantagonist haben eine kleine aber feine Auswahl, die ich auch künftig im Auge behalten werde. @lustaufbuch ist sehr ausgewogen, liest viel Aktuelles, bespricht aber auch immer wieder sehr lesenswerte Klassiker. @oceanlove.r liebt das Meer und fährt oft zu See und entsprechend fällt ihre Lektüre aus. Da sind wirklich sehr schöne Bücher dabei. @foliosociety hat einfach wunderschöne Bücher. @mareverlag und @juberwedith und zeigen aktuelle Bücher aus meinem absoluten Lieblingsverlag, dem Mare Verlag.

Der Algorithmus von Instagram überrascht nicht: Er belohnt Aktivität, limitiert aber auch die Wachstumsmöglichkeiten. Wer beispielsweise zu vielen neuen Accounts in kurzer Zeit folgt, wird nicht mehr ausgespielt. Selbst die Benachrichtigungen werden gefiltert und kontrolliert. Mein Ziel ist es, möglichst allen Accounts der Bookstagram-Szene zu folgen. Da bin ich definitiv begrenzt, denn irgendwann kann man niemanden Neuen mehr folgen. Was auch nachvollziehbar ist, denn Instagram muss vermutlich wirklich hart gegen Spam kämpfen. Gleichzeitig ist das Folgen von Bookstagrammer die beste Möglichkeit neue Buchmenschen zu finden, denn die Vorschläge orientieren sich daran, wem man bereits folgt.

Ja, aber ist es nicht dämlich jeden Buchmenschen auf Instagram zu folgen? Wer kann das alles dann noch lesen und verfolgen? Tatsächlich habe ich angefangen eine Topliste aller Bookstagrammer zu erstellen, um einen Überblick zu gewinnen und zu sehen, welche Accounts hier die großen Player sind und viel gelesen werden. Diese Topliste speise ich aus allen Accounts, denen ich folge. Mich interessiert, wie viele Buchmenschen es auf Instagram wirklich gibt und wie viel mehr es im Vergleich zu Buchblogs sind. Gleichzeitig bin ich natürlich neugierig, worüber gepostet wird und welche Accounts für mich inhaltlich so richtig interessant sind. Meine Followerliste ist also sehr breit aufgestellt. (Übrigens: Über die Favoritenfunktion von Instagram kann ich dennoch selektieren und mich auf die Accounts fokusieren, die mich besonders interessieren).

Aktuell habe ich 1650 Bookstagrammer auf meiner Liste. Das sind definitiv nicht alle. Natürlich geht die Suche immer weiter und es kommen ja immer wieder neue Instagrammer dazu. Meine bisherige Topliste der deutschen Bookstagrammer ist also nicht vollständig. Dennoch stelle ich sie schon online. Ich denke das ist ganz interessant, um zu stöbern und gute neue Instagrammer zu finden. Oder auch um zu sehen, wo man selbst steht und wie populär der eigene Account innerhalb der Bookstagram-Szene ist. Also schaut gerne dort rein. An sich ist so ein Ranking aber nebensächlich, die Frage ist immer, was man für sich heraus zieht und das ist sehr individuell.

Fazit: Die Bookstagram-Szene auf Instagram präsentiert sich so, wie man es erwarten würde. Zwischen sehr vielen irrelevanten Inhalten, zwischen viel Werbung, eingebettet in einen sehr straff durchoptimierten Algorithmus zur starken Kundenbindung, ist es eine Kunst, wirklich interessante Inhalte mit Mehrwert ausfindig zu machen. Es werden sehr viele kommerzielle Bücher immer wieder vorgestellt. Bücher, die man auch recht schnell in Onlineshops oder im Bücherladen um die Ecke sofort finden würde. Es gibt aber auch einige wunderbare Accounts, die mir richtig gut gefallen haben. Die Buchbesprechungen und Diskussionen bewegen sich im Mittel durchaus auf dem Niveau, wie es auch auf Buchblogs der Fall ist. Aus meiner Sicht wird auf Instagram mehr kommentiert, als auf den Buchblogs, was vermutlich dem Instagram-Benachrichtigungssystem geschuldet ist. Auf meiner Topliste der deutschen Bookstagrammer findet ihr eine Übersicht über alle Bookstagram Accounts, die ich aktuell aufgespürt habe. Eine Liste, die auch in Zukunft weiter wachsen wird und einen ersten Überblick geben soll. Lohnt sich der Besuch von Instagram? Wer ein bisschen Zeit mitbringt, findet dort interessante und auch unterhaltsame Inhalte und sehr nette Kontakte. Gleichzeitig darf man sich aber nicht vom Instagram-Algorithmus einlullen lassen, denn dann ist man schnell im Zeitverschwendungsmodus.

6 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich finde deine Listen immer mega spannend, nur bin ich bei Bookstagram gar nicht dabei mit @nerd_mit_nadel.
    Bei den Blogs gab es die Möglichkeit sich bei dir zu melden, um auf die Liste zu kommen. Gibt es für diese Liste auch wieder die Möglichkeit?
    Viele Grüße
    Ariane

  2. Huhu,
    es ist echt so, dass gefühlt alle Bookies sehr oft das Gleiche lesen. Das hält mich von dem einen oder anderen Follow ab, wenn entweder nur Neuerscheinungen oder nur „die üblichen Verdächtigen“ gelesen werden.
    Ich freue mich über jeden einzelnen Blog, der noch da ist – bewege mich aber mittlerweile auch verstärkt auf YouTube, da dort auch in Ruhe über Bücher gesprochen werden kann und es einen aktiveren Austausch gibt als in der doch mittlerweile sehr passiven Blogosphäre.

    Liebe Grüße :-)
    Sandra (Literarische Abenteuer)

  3. Hallo Tobi, eine interessante Idee, nur: Instagramm ist zur Bildpräsentation. Literaturblogs beschäftigen sich mit Texten, das passt überhaupt nicht zusammen.
    Was ich mir bisher an Insta-Beiträgen ansehen konnte, zeigt: Es geht um Selbstdarstellung, nicht um Literatur.
    Bei den Insta Blogs, die Du in Deiner Liste aufführst, kann ich meist gar keine Inhalte sehen, ohne Insta zu installieren. Das fehlte mir gerade noch!
    Ich halte das Ganze für eine Mode-Erscheinung. Vielleicht kannst Du in Abständen prüfen, wieviele der Instagrammer in einigen Monaten noch dabei sind. Ich vermute: Nicht viele, jedenfalls nicht auf längere Sicht.
    PS: Unser Blog altmodisch:lesen feiert in 2026 das zehnjährige Jubiläum.

  4. Hallo Tobi, vielen Dank für die Einblicke in die Bookstagram-Szene. Ich selbst nutze privat kein Social Media und erhalte nur über meine Herzdame vereinzelt Einblicke in diese Welt. Vieles entspricht meinen Vorstellungen, es gibt aber auch einige interessante Accounts.

    Liebe Grüße,

    Eugen

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