Meine schönsten Bücher • Feline von Koenigsliebchen
Mein letzter Beitrag in der Reihe Meine schönsten Bücher liegt nun schon lange zurück. Immer wieder stöbere ich nach schönen Büchern und dabei bin ich über Feline gestolpert. Auf ihrem Instagram Account und Blog stellt sie immer wieder außergewöhnliche Bücher vor. Allerdings nicht aktuelle Bücher, sondern antiquarische Bücher. Dabei hat sie sich auf die Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts fokussiert und einige wirklich schöne Bücher aufgespürt. Besonders spannend finde ich auch ihren Schwerpunkt auf alte Bücher über Okkultismus. Sogleich habe ich mich gefragt, was ein Streifzug durch ihre kleine, feine Bibliothek zutage bringen würde und mich an diese Artikelreihe erinnert. Feline war so freundlich, sofort zuzusagen und ich freue mich sehr, dass ich sie für diesen Beitrag gewinnen konnte. Aber jetzt übergebe ich das Wort Feline.
Zunächst möchte ich mich bei Tobi dafür bedanken, dass er mich eingeladen hat, euch einen kleinen Einblick in meine Sammlung zu gewähren.
Mein Name ist Feline Flemming, ich bin 29 Jahre alt und Sammlerin antiquarischer Bücher. Einen besonderen Platz in meiner Sammlung nimmt die phantastische Literatur ein. Als Tobi mich fragte, ob ich für seinen Blog einen Teil meiner Sammlung zeigen möchte, wusste ich zunächst gar nicht recht, welche Bücher ich dafür auswählen sollte. Denn dies soll keine Vorstellung meiner seltensten oder schönsten Bücher werden. Ich möchte euch vielmehr einige Werke zeigen, die für mich einen besonderen Wert besitzen. Nicht unbedingt einen materiellen Wert, sondern einen ganz persönlichen. Manche haben mich durch ihren Inhalt nicht mehr losgelassen, andere sind auf ungewöhnlichen Wegen zu mir gekommen oder haben im Laufe der Zeit ihre ganz eigene Geschichte erhalten. Für diesen Beitrag habe ich mich daher auf einen kleinen Teil meiner Sammlung beschränkt und möchte euch einen Einblick in meine phantastische Literatur geben.
Dabei möchte ich mit den Büchern beginnen, ohne die dieser Teil meiner Sammlung vermutlich gar nicht in seiner heutigen Form bestehen würde: meinen Lexika und Nachschlagewerken zur Phantastik. In ihnen finde ich Schriftsteller und Werke, denen ich anschließend nachgehe und die auf diese Weise ihren Weg in meinen Bücherschrank finden.

Das Lexikon der phantastischen Literatur versammelt vor allem internationale Autoren dieses literarischen Gebietes. Eine Bildergalerie vergessener Phantasten widmet sich hingegen ausschließlich deutschen Schriftstellern. Die Bibliothek der verlorenen Seelen wurde mir von meiner Mutter geschenkt und enthält ebenfalls zahlreiche wunderbare Titel, darunter Spukgeschichten und allerlei andere Werke, die es noch zu entdecken gilt.

Da ich auf meinen Social-Media-Kanälen sehr häufig über die Phantastik spreche, begegnet mir immer wieder die Vorstellung, hierbei müsse es sich um Fantasy handeln. Daher möchte ich euch den Begriff ein wenig näherbringen. Phantastische Literatur ist weit mehr als das, was wir heute gewöhnlich unter Fantasy verstehen. Hinter diesem Begriff begegnen uns das Spukhafte und Geisterhafte sowie das Okkulte und Spiritistische, das Unheimliche und Unerklärliche. Nicht selten bleibt das Geschehen dabei doppeldeutig oder trägt philosophische und metaphorische Züge.
Obwohl ich immer wieder behaupte, dass gerade dieser Literatur mein größtes Interesse gilt, ertappe ich mich erstaunlich häufig dabei, über historische Werke nachzudenken. Offenbar gefallen sie mir weitaus mehr, als ich mir selbst eingestehen möchte. Da wäre etwa Die Krönungsoper von Hans Watzlik, einem Schriftsteller, der übrigens auch in der phantastischen Literatur seinen Platz findet, oder Der Spieler von Walter Friedemann. Doch nun schweife ich bereits ab.

Der feurige Engel scheint mir ein angemessener Anfang. Eines meiner schönsten Werke werde ich euch dennoch bis zum Ende vorenthalten, um der wohl meistgestellten Frage Genüge zu tun.
Diesen Band finde ich höchst interessant. Dabei gefällt mir gerade, dass sein Einband wenig delikat erscheint, während sein wahres Inneres wohl so manchen Liebhaber in Entzücken versetzen dürfte. Es geht um Alchemie, Kabbalistik und Astrologie, um Agrippa von Nettesheim, Dr. Faust und die Magie des deutschen Mittelalters zu Trier.
Allein diese Worte erfüllen bereits alles, was eine solche antiquarische Schrift benötigt, um geheimnisvoll in einem Bücherregal stehen zu dürfen. Und da sein Inhalt an dieser Stelle ein wenig rätselhaft bleiben soll, widmen wir uns dem nächsten Werke.

Bei meinen Recherchen auf der Suche nach einem weiteren antiquarischen Werke bin ich über Gustav Goes’ Das verschlossene Buch gestolpert. Die Geschichte soll Michael Ende zu Die unendliche Geschichte inspiriert haben.

Sie handelt von dem dreizehnjährigen Johannes, der seinen Großvater in dessen Apotheke besucht. Während seiner Abwesenheit stößt der Junge im Laboratorium auf ein verschlossenes, wunderliches Buch. Als es ihm schließlich gelingt, dieses zu öffnen, wird er hineingesogen und ist fortan selbst Teil der Geschichte.
Da Die unendliche Geschichte und vor allem auch der Film aus meiner Kindheit nicht wegzudenken sind, möchte ich an dieses ältere Werk erinnern, das vielleicht schon im nächsten verstaubten Antiquariat sehnsüchtig auf seinen neuen Besitzer wartet. Und wer weiß, vielleicht werdet auch ihr eines Tages Teil dieser Geschichte.

Paganini habe ich in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden. Auf diesem Bild seht ihr das Buch bereits restauriert. Das sollte ich vielleicht ebenfalls erwähnen. Benötigt eines meiner antiquarischen Bücher eine Reparatur, sei es an den Seiten, an der Bindung oder am Rücken, kümmere ich mich darum und versuche stets, meine Schätze wieder in einen guten Zustand zu versetzen.
Um die Person Paganinis rankt sich eine ungeheure Fülle an Legenden. Schon zu seinen Lebzeiten kursierten Gerüchte, seine geradezu unmöglich wirkende Virtuosität könne nicht natürlichen Ursprungs sein. Man erzählte, er habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen und seine Seele für sein Geigenspiel verkauft. Andere hielten ihn für besessen oder glaubten gar, der Teufel selbst unterstütze ihn beim Spielen.
Nach genau dieser Ausgabe hatte ich bereits Wochen zuvor gesucht. Tag für Tag gab ich den Titel bei Booklooker und eBay ein, doch stets ohne Erfolg. Bis ich ausgerechnet dieses Exemplar, das zu finden ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt hätte, vollkommen unverhofft in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckte.
Dabei beschleicht mich oftmals das Gefühl, dass antiquarische Bücher ihren Weg zu mir finden und nicht etwa umgekehrt. Ein beinahe übernatürlich anmutendes Phänomen begegnet mir dabei immer wieder. Ich beschäftige mich eingehend mit einem bestimmten Gegenstand und lese am folgenden Tage plötzlich davon in meiner Lektüre. Oder ich schlage irgendein Buch zufällig auf Seite 287 auf und entdecke dort ausgerechnet einen Namen oder ein Wort, das mich zu neuen Informationen und auf neue Wege führt. Ich möchte es beinahe okkult nennen. Übernatürlich vielleicht, zuweilen sogar ein wenig magisch. Kennt ihr solche Erlebnisse? Ist euch etwas Ähnliches schon einmal widerfahren?

Neben meiner, wie ich finde, erstaunlichen Sammlung von Rudolf Stratz und Rudolf Greinz steht ebenfalls meine kleine Ansammlung von Werken des Karl Hans Strobl. Das Grab des weißen Königs ist, wie man unschwer erkennen mag, nicht das schönste Werk darunter. Dennoch ist es ein faszinierender Roman, der meine Sicht auf das historische Mexiko derart zu verändern vermochte, dass ich mich ihm mit größter Hingabe zugewandt habe. Doch möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter über das Werk sprechen, sondern lieber aus meiner einstigen literarischen Betrachtung selbst zitieren.

„Eine Gruppe junger Wissenschaftler begibt sich nach Mexiko, um das Grab eines weißen Königs namens Quetzalcoatl zu öffnen und den kühnen Beweis zu führen, dass die aztekische Kultur von ur-europäischer, ja arischer Herkunft sei. Doch schon in diesem Vorhaben liegt ein leiser Frevel, als rühre man an Dinge, die besser im Dunkel vergangener Zeitalter geruht hätten. Bereits die Reise wird zu einem wilden Unternehmen, das sich unmerklich in einen schleichenden Alptraum verwandelt. Unheimliche Begebenheiten, trügerische Erscheinungen und ein wachsendes Gefühl unsichtbarer Beobachtung begleiten die Expedition. Es ist, als lasteten alte Flüche auf dem Weg, als wirke eine fremde Macht, die die Eindringlinge prüft und verspottet. Auch nach der Auffindung des Grabes weicht diese bedrückende Atmosphäre nicht, vielmehr verdichtet sie sich zu einer allgegenwärtigen Bedrohung. Die politische Lage in Mitla macht das Unternehmen unerquicklich und gefährlich. Mehrfach geraten die Archäologen in tödliche Bedrängnis, aus der sie einzig Richard Brögs wohlgefüllte Brieftasche zu lösen vermag.
Doch Gold vermag nicht alles zu kaufen. Es heilt keine seelischen Wunden, bannt keine uralten Mächte und vermag das heraufziehende Unheil nicht aufzuhalten. Des Nachts schleicht der Menschenfresser um die Grabstätte, ein Wesen zwischen Mensch und Mythos, während die Einheimischen zitternd ihre Gebete sprechen und alte Beschwörungsformeln murmeln, in der Hoffnung, der Fluch möge an ihnen vorübergehen.“

Die Elixiere des Teufels dürften wohl ebenfalls vielen von euch bekannt sein. Meine damalige illustrierte Ausgabe habe ich gegen diese Ganzlederausgabe eingetauscht. Obwohl es sich bei den Seiten nicht um einen Dünndruck handelt, kommen sie diesem feinen Papier doch erstaunlich nahe.
Ich wünschte, ich könnte euch beschreiben, wie wohltuend sich dieser schlichte und dennoch aufwendig gearbeitete kleine Einband in den Händen anfühlt und wie wunderbar das Buch während des Lesens in der Hand liegt.

So langsam nähern wir uns bereits dem Ende, doch ein paar Bücher möchte ich euch noch zeigen. In dieser kleinen Sammlung geht es hauptsächlich um Hexen aus dem deutschsprachigen Raume. Ihr wundert euch vermutlich, was genau dies mit der phantastischen Literatur zu tun haben könnte. Nun, das möchte ich euch gerne verraten. Auch wenn diese Schriften bis auf eine historischer Natur sind, begegnet dem Leser in jeder einzelnen Geschichte der deutsche Aberglaube und die tiefe Verwurzelung desselben. Je nach Werk führt dies zu manch übernatürlicher Begebenheit, über die ich nur zu gerne lese. Zudem liegt es mir nahe, ein Thema durch die Werke unterschiedlicher Autoren zusammenzuführen und auf diese Weise eine kleine Sammlung innerhalb meiner Sammlung entstehen zu lassen.

Mein neuestes Werk, das ich auf Vinted gefunden habe, nennt sich Die Hexe von Carmen Sylva aus dem Jahre 1882 und ist in Reimform verfasst. Ein ansehnliches kleines Werk, das mir, wie so viele Bücher dieser Art, immer wieder zu Gemüte führt, welch prächtige Dinge die antiquarische Welt zu beherbergen versteht.

Zum krönenden Schluss möchte ich euch das schönste Buch dieses Regales zeigen. Die Farben, die Struktur und das Bildnis dieses Einbandes erfüllen mich immer wieder aufs Neue mit Freude, sobald mein Blick auf dieses Buch fällt. Doch seht selbst.

Aphrodite von Ernst Eckstein, um 1886. Ein historischer Roman, der seit jenem Tage, an dem ich zu sammeln begann, in meiner Schrankvitrine steht.
Ich hoffe, euch und vor allem Tobi hat dieser kleine Einblick in meine antiquarische Welt gefallen. Wenn ihr mich und meine antiquarische Welt ein wenig weiter begleiten möchtet, findet ihr mich auf Instagram, YouTube und WordPress unter dem Namen „Koenigsliebchen“.
Auf Instagram öffne ich nach und nach die Türen zu meiner Bibliothek und möchte euch von nun an täglich eines meiner Bücher zeigen. Auf YouTube könnt ihr ausgewählten Werken und Geschichten der antiquarischen Literatur lauschen, während mein Blog all den Gedanken vorbehalten ist, die zwischen den Seiten entstehen. Dort schreibe ich meine literarischen Betrachtungen und Kurzgeschichten und halte fest, was mich beim Lesen noch lange über das Zuschlagen eines Buches hinaus beschäftigt.
Vielleicht darf ich euch dort wiederbegegnen und wir verlieren uns gemeinsam ein wenig zwischen vergilbten Seiten, alten Geschichten und all den sonderbaren Schätzen, die noch darauf warten, entdeckt zu werden.
