Der Untergang des Hauses Usher • Edgar Allan Poe

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allan Poe

Vor gar nicht so langer Zeit habe ich eine Sammlung an Schauergeschichten von Edgar Allan Poe gelesen. Mir haben die Geschichten damals sehr gut gefallen und ich mochte deren atmosphärische Dichte, ihre schöne altmodische Sprache und auch die Tiefgründigkeit sehr. Als ich auf diese wunderschöne Coppenrath-Ausgabe gestoßen bin, musste ich sie einfach haben. Die schönen Illustrationen und Beilagen, die optische Gestaltung, die bibliophile Ausstattung, da komme ich natürlich nicht darum herum. Und natürlich muss ich das Buch hier vorstellen, denn es passt einfach perfekt zu lesestunden.

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allan Poe

16 Schauergeschichten von Poe hat der Coppenrath Verlag in diesem Buch gesammelt. Die Auswahl überschneidet sich ein wenig mit den Geschichten aus meiner Nikol Ausgabe, umfasst aber ein paar andere Geschichten, die ich vermisst habe. Wie Das verräterische Herz oder Das Fass Amontillado. Ich habe bisher nur die beiden Bücher von Poe gelesen, aber ich würde sagen mit dieser Ausgabe bekommt man eine schöne Auswahl geboten und kann hervorragend in diese stimmungsvolle altmodische Gruselwelt eintauchen. Die titelgebende Geschichte Der Untergang des Hauses Usher oder auch Geschichten wie Die schwarze Katze oder Die Maske des roten Todes bieten das ganz klassische Schauererlebnis. In der Tradition von Bram Stokers Dracula und Lovecraft.

Gerade wer diese gotische, viktorianisch anmutende, symbolische und sehr atmosphärische Welt erleben möchte, ist bei Poe genau richtig aufgehoben. Die Geschichten spielen mit den Urängsten von Menschen, wie dem lebendig Begrabenwerden, tödlichen Krankheiten, Wahn und Psychosen und übernatürlichen Begebenheiten. Das macht die Geschichten sehr spannend und man möchte wissen, was passiert und wohin sie führen. Wirklich gruselig ist es nicht, allerdings oft beklemmend, die psychologische Perspektive faszinierend und man merkt, dass immer mehr hinter all den Begebenheiten steckt, als es auf den ersten Blick erscheint. Das macht Poes Stil aus. Aus der Ich-Perspektive erzählt, entsteht eine große Nähe zu seinem Erzähler und man taucht als Leser in das Denken der dann doch oft befremdend anmutenden Figuren ein. Das macht die Faszination aus, weil man auch immer die Gedankengänge nachvollziehen kann und die Empfindungen der Hauptfigur wahrnimmt. Vieles bleibt dabei im Schatten und erschließt sich dem Leser nicht vollständig, warum die Protagonisten so handeln und dann sogar Morde begehen oder selbst völlig widersprüchlich handeln.

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allan Poe

Drei Geschichten haben mir am besten gefallen: Eleonora, Ligeia und Morella. Diese sind sehr gelungen und haben alle gemein, dass darin eine faszinierende und schöne Frauenfigur vorkommt, die der Erzähler geradezu bewundert, liebt und die immer auch geheimnisvoll und unnahbar ist. Gerade das macht diese Frauen wenig greifbar und Poe gibt diesen Geschichten eine Emotionalität, die für mich sehr faszinierend war. Hier taucht der Autor selbst auf, der früh seine Mutter und seine erste, sehr junge Ehefrau verloren hatte. So sind diese Frauen dem Erzähler oft sehr überlegen und er wird selbst ihr Schüler, während stellenweise ihre Schönheit eine auch körperliche Anziehung ausübt, die jedoch oft platonischer Natur bleibt. Es sind diese vielen Zwischentöne, die diese Geschichten auf eine eigene Art authentisch machen.

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allan Poe

Edgar Allan Poe, der 1809 in Boston geboren wurde, hatte ein kurzes und bewegtes Leben, das selbst wie ein Roman anmutet. Er verlor früh seine Eltern, wuchs in schwierigen Verhältnissen auf und kämpfte sein Leben lang mit Geldsorgen, Krankheit und persönlichen Verlusten. Faszinierend ist seine Heirat mit Virginia, seiner Cousine, die zum Zeitpunkt der Eheschließung gerade einmal 13 Jahre alt war und bereits mit 24 Jahren starb. Seine Trauer verarbeitete er unter anderem in dem Gedicht Annabele Lee, das in dieser Ausgabe als Beilage beigefügt ist. Ebenso wie The Raven. Gerade das Gedicht Annabele Lee fand ich sehr gelungen und das rundet diese Ausgabe sehr ab, dass auch Poes wichtigste Gedichte beigefügt sind.

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allan Poe

Neben den Geschichten und den Gedichten als Beilage enthält das Buch auch ein kurzes Nachwort zu Edgar Allan Poe. Das finde ich sehr gelungen, da es sich in aller Kürze nur auf Poes Leben fokussiert. Das ist sehr informativ für den Leser ohne irgendwie zu interpretieren. Die Anmerkungen mit Erläuterungen zu einzelnen Textfragmenten und Wörtern fand ich ebenfalls sehr hilfreich.

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allan Poe

Wie schon erwähnt, ist die Ausgabe wunderschön, hat sehr passende und feine Illustrationen und enthält auch zahlreiche Beilagen. Diese greifen Themen des Buches auf. Es handelt sich um Elemente, die weitere Informationen geben, wie Verfilmungen, eine fiktive Werbung für einen Wein, eine Erklärung zu Mesmerismus, eine Einladung zum verwerflichen Fest zur Zeit der Pest oder die besagten Gedichte. Das Buch hat eine Fadenheftung, ein Lesebändchen und einen roten Buchschnitt. Für diese bibliophile Ausstattung ist das Buch zudem preislich wirklich fair.

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allan Poe

Fazit: Poes Schauergeschichten sind faszinierend, sehr atmosphärisch und tiefsinnig. Sie spielen mit den Urängsten jedes Menschen, mit übersinnlichen Begebenheiten und psychologischen Betrachtungen. Dabei schreibt Poe in einer sehr schönen und gediegenen Sprache, treibt die Geschichten in einem genau richtigen Tempo voran und schafft es die Neugierde des Lesers durchgängig hochzuhalten. Die Ausgabe des Coppenrath Verlags ist wunderschön und mit den Beilagen, den prächtigen Illustrationen, dem roten Buchschnitt, der Fadenheftung und dem Lesebändchen ein bibliophiler Leckerbissen. Das Buch kann ich jedem nur sehr empfehlen. Um Poe kennenzulernen oder einfach klassische Schauergeschichten zu genießen.

Buchinformation: Der Untergang des Hauses Usher • Edgar Allan Poe • Coppenrath Verlag • 271 Seiten • ISBN 9783649648659

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