10 Verlage, die besser sind als jede Bestsellerliste und warum einer davon gar keiner ist und trotzdem in der Premium-Liga mitspielt.

Buchschrank

Über die Jahre habe ich mich bei der Suche nach guten Büchern immer wieder stark an Verlagen orientiert. Hat man mehrere gute Bücher aus ein und demselben Verlag gefunden, dann ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass dort noch viel mehr hervorragende Bücher zu finden sind. Der Grund ist ganz einfach: Ein Verlagsportfolio ist handverlesen und wird von Buchmenschen zusammengestellt, die selbst einen ganz bestimmten Blick auf Literatur und Bücher haben. Wenn das dem eigenen Geschmack entspricht, dann ist es einfach völlig plausibel, dass es dort noch mehr hervorragende Lektüre gibt. Daher möchte ich euch heute 10 Verlage vorstellen, die hervorragende und wunderbare Bücher in ihrem Programm haben und auf jeden Fall einen Blick wert sind.

Vor vielen Jahren hatte ich schon einmal eine Beitragsreihe über Verlage. Die habe ich aber irgendwann bereinigt, weil sie dann einfach zu verteilt und versteckt war. Einen Beitrag um die guten Verlage hier einmal zu sammeln und vorzustellen ist einfach eine gute Idee. Wer hier schon länger mitliest, der wird natürlich viele schon kennen. Dennoch ist es eine gute Idee die Verlage hier noch einmal vorzustellen, denn dort sind einfach hervorragende Bücher zu finden und für jeden Buchliebhaber eine sehr gute Anlaufstelle. Jetzt aber los mit meiner Auswahl.

mare

mare

Natürlich kommt der mare Verlag an erster Stelle von dieser Auflistung. Ich habe hier auf lesestunden schon echt viele Bücher vom mare Verlag vorgestellt. Die Klassiker haben eine sehr hochwertige Qualität, wie man sie in der Form extrem selten findet. Die Auswahl ist hervorragend, vielseitig und kommt immer mit einer Meeresbrise. Aber auch neben den Klassikern hat der Verlag richtig viel zu bieten. Sachbücher, Bildbände und auch sehr aktuelle Romane. Für ein doch eher kleines Verlagshaus ist das Portfolio angenehm breit und zugleich fokussiert. Neben den Büchern gibt es auch eine Zeitschrift. Wer das Meer liebt, von Urlaub träumt, wer Neues erleben möchte, oder sich einfach treiben lassen möchte, für den bietet dieser Verlag richtig viel. Ich verpasse keine Verlagsvorschau und eigentlich ist jedes Mal etwas für mich dabei.

Jürgen Barck

Jürgen Barck

Ich liebe die Bücher von Gaito Gasdanow. Lange Zeit gab es nur wenige Bücher von ihm in deutscher Übersetzung. Bis vor einigen Jahren sich der Übersetzer Jürgen Barck daran gemacht hat, die fehlenden Romane und Erzählungen von Gasdanow ins Deutsche zu überführen. Seitdem verpasse ich keines seiner Bücher. Das Besondere dabei ist, dass hinter Jürgen Barck kein Verlag steht. Er macht alles komplett selbst. Von der Übersetzung, über den Satz, Lektorat, der Veröffentlichung usw. und ist damit auf Verlagsniveau. Das ist eine wirklich bemerkenswerte Leistung und ich bin ihm so dankbar dafür, denn sonst wären diese wunderbaren Texte für das deutschsprachige Publikum nicht zugänglich. Seinen kulturellen Beitrag kann man einfach nicht hoch genug schätzen. Schaut euch also unbedingt diese wunderbaren Übersetzungen an, von denen ich bisher alle auf lesestunden auch vorgestellt habe. Es muss also nicht immer ein Verlag sein.

Mantikore-Verlag

Mantikore-Verlag

Der Mantikore-Verlag ist ebenfalls sehr speziell. Er ist der größte und einzige Verlag für Abenteuer-Spielbücher im deutschsprachigen Raum. Das sind Bücher, die nicht einfach ganz normal gelesen, sondern gespielt werden. Diese Bücher sind in Sektionen unterteilt und der Leser kann am Ende eines Abschnitts entscheiden wie die Geschichte weitergehen soll. Besonders in den 80ern waren diese Bücher kurzzeitig sehr populär, sind dann aber schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. Ich finde die Idee noch immer faszinierend und greife, wenn auch selten, doch immer wieder gerne zu so einem Buch. Es ist einfach faszinierend, wie vielseitig Bücher sein können und mit welcher Kreativität und Phantasie diese Spielbücher den Leser fesseln. Besonders für Jugendliche sind diese Bücher sehr gut geeignet, denn sie haben eine gewisse Leichtigkeit und sind durch die Interaktion sie sehr gut zugänglich.

Hanser

Hanser

Der Hanser Verlag ist kein Geheimtipp und einer der größeren Verlage. Für mich hat er aber eine Sonderstellung, denn er hat sehr viele Klassiker in sehr hochwertiger Aufmachung im Programm. Das ist für mich die Backlist für die richtig großen und lesenswerten Werke. Krieg und Frieden, Anna Karenina, Madame Bovary, Moby Dick, Große Erwartungen, Kim, da sind die zeitlosen Werke vertreten und das in neuen hochwertigen Übersetzungen. Da macht man einfach nichts falsch und ich habe sehr viele dieser Klassiker gelesen und sie werden für immer in meinem Schrank stehen. Neben den Klassikern hat der Hanser Verlag natürlich auch ein großes Portfolio, auch hinsichtlich Gegenwartsliteratur, wo ich aber kaum fündig werde. Für mich ist er der Triple-A Verlag für Klassiker und schaue mir jede Vorschau an und suche direkt nach den neu übersetzten Klassiker.

Manesse Verlag

Manesse Verlag

Mit der Manesse Bibliothek der Weltliteratur ist der Manesse Verlag für mich so etwas wie ein Fundament für Literatur in Deutschland. Die Reihe gibt es schon echt lange und ich habe sehr viele der schönen kleinen Büchlein gelesen und genossen. Sie sind schön handlich, aber zugleich auch sehr hochwertig. Besonders die älteren Bücher bestechen mit ihrem Leineneinband, der Fadenheftung, Lesebändchen und der Kompaktheit. Die neueren Ausgaben der Reihe sind optisch schöner gestaltet, verzichten aber leider auf den Leineneinband. Die Auswahl ist aber wunderbar und so findet man hier die großen Werke, oft aber auch unbekanntere Romane, dabei aber umso lesenswertere Klassiker. Ich stelle immer wieder sehr schöne Bücher aus dem Hause Manesse hier auf lesestunden.de vor und war bisher noch nie enttäuscht.

Büchergilde Gutenberg

Büchergilde Gutenberg

Die Büchergilde ist ein echter Traditionsverlag und schon sehr alt. Über all die Jahre hat man sich aber bibliophilen Ausgaben verschrieben und sehr prächtige Bücher im Programm. Man merkt besonders an den Details die Liebe zu Büchern. Ich liebe den Autoren B. Traven und habe mir von ihm die alten Büchergilde-Ausgaben geholt, die auch nach all den Jahren einfach schön sind. Sehr viele der Ausgaben gefallen mir von der Gestaltung gar nicht, was Geschmackssache ist, denn hochwertig sind wirklich alle der Bücher. Es gibt aber auch viele Bücher, die einfach richtig prächtig und schön sind und die ich nicht mehr in meinem Regal missen möchte. Das Geschäftsmodell ist nicht mehr zeitgemäß: Man muss Mitglied werden, um Bücher bestellen zu können und verpflichtet sich dann dazu, jedes Quartal ein Buch zu kaufen. Gleichzeitig ist die Büchergilde ein Stück Buchkultur und das zu unterstützen ist auch sicher nicht verkehrt.

Nikol Verlag

Nikol Verlag

Der Nikol Verlag ist ein Low-Budget-Verlag und besticht durch echt gute Preise. Bei mir kam der Verlag in den Fokus, als ich das erste Mal über die schönen, in Leinen mit Goldprägung gestalteten Klassiker gestolpert bin. Die Bücher sind preislich sehr fair, sehen wirklich hübsch aus und sind, wenn auch nicht in einer neuen Übersetzung, inhaltlich sehr solide. Man findet sehr viele der großen Klassiker. Natürlich kann bei der Preisgestaltung die Qualität nicht mit den hochwertigen Klassikern von mare oder Hanser mithalten. Aber die Auswahl ist grundsolide, macht sich im Schrank sehr gut und war bisher nie eine Enttäuschung. Mittlerweile ist die Auswahl sehr angewachsen und neben den Klassikern gibt es auch zahlreiche Sachbücher. Wer knapp bei Kasse ist, aber trotzdem nicht auf die schönen Klassiker der Weltliteratur verzichten möchte, der ist hier genau richtig.

Coppenrath Verlag

Coppenrath Verlag

Den Coppenrath Verlag kannte ich lange Zeit nur von diesen elenden kleinen Ecken in den Bücherläden, wo dann die Kinder immer hängen geblieben sind und irgendeinen überteuerten Lillifee-Captain-Sharki-China-Plastikschrott haben wollten. Und man immer Nein sagen musste und sie dann mühselig in die Buchabteilung zurücklocken musste. Tatsächlich hat der Verlag aber schon seit Jahren wunderschöne Bücher im Programm, die mich für diese Spiegelburg-Papa-Hölle mehr als entschädigen. So hat der Coppenrath Verlag zahlreiche von MinaLima gestaltete Bücher, sehr schicke Neuauflagen von Sherlock Holmes oder auch eine sehr prächtige Ausgabe von Rebecca. Auch die Schmuckausgaben von Poe sind einfach wunderschön. Was die Bücher auszeichnet, sind kleine Beilagen, die zwischen den Seiten zu finden sind. Das wertet die Bücher nochmal richtig auf und es fühlt sich beim Lesen einfach gut an, wenn man zwischen den Seiten plötzlich einen Briefumschlag mit einem Gedicht aus dem Roman findet, einen kleinen Werbezettel für das Hotel oder Hintergründe zu dem Roman. Prächtige Bücher also aus einer eher unerwarteten Ecke und eine Sparte, die über die Jahre immer weiter gewachsen ist. Ich hoffe der Coppenrath Verlag bleibt dabei, ich liebe diese Bücher und der Verlag wird dabei für mich zum richtigen Geheimtipp.

Klett-Cotta Verlag

Klett-Cotta Verlag

Der Klett-Cotta Verlag ist für mich die erste Anlaufstelle für Fantasy. Während ich früher, besonders in meiner Teenager-Zeit, sehr viele Fantasy-Romane gelesen habe, ist es in den letzten Jahren deutlich weniger geworden. Wenn, dann greife ich aber immer zu den großen Titeln, die primär der Klett-Cotta Verlag im Programm hat. Tad Williams ist seit vielen Jahren mein absoluter Favorit. Aber natürlich sind auch die Romane von Tolkien in wirklich schönen Ausgaben dort zu finden. Mir gefallen auch diese klassischen gebundenen Büchern des Verlages, die irgendwie eine schöne Form haben. Mit den neueren broschierten Ausgaben geht man aktuell einen Trend mit, der mir nicht so gut gefällt. Diese haben oft einen Farbschnitt, was bei dem jüngeren Publikum gut ankommt, aber eigentlich sind es minderwertige Veredelungen, wenn man dann nicht einmal mehr ein Hardcover-Buch bekommt. Zum Glück betrifft das immer Neuauflagen und die Erstausgaben kommen in klassisch schöner Hardcover-Variante, manchmal dann auch sogar mit Farbschnitt. Kurzum: Mit dem Klett-Cotta Verlag macht man nichts falsch, hier findet man wunderbare Fantasy.

Barnes & Noble

Barnes & Noble

Ich fokussiere mich im Blog auf Bücher in deutscher Sprache, möchte aber Barnes & Noble trotzdem nicht unerwähnt lassen, auch wenn er nur englischsprachige Literatur veröffentlicht. Die größte Buchhandelskette der USA hat selbst eine Collectible Edition aufgelegt. Prächtige Ausgaben zahlreicher alter Klassiker der Weltliteratur. Davon auch einige wirklich wunderschöne Kinderbücher wie The Secret Garden oder A Little Princess die so schön aufgemacht sind, dass ich diese Bücher einfach liebe und es sehr genossen habe, sie zu lesen. Ich finde es sehr schade, dass es in Deutschland nicht auch so eine wunderschöne Reihe gibt, mit in Leder gebundenen Büchern, mit Goldschnitt, mit aufwändiger Gestaltung. Wer also gerne zur englischsprachigen Literatur greift, dem kann ich diese Bücher nur empfehlen. Viele von den Ausgaben bekommt man auch in Deutschland sehr gut im Onlinehandel.


Die Bestsellerlisten erzählen nur einen kleinen Teil der Wahrheit. Die wirklich spannenden Entdeckungen macht man oft abseits des Rampenlichts: Bei Verlagen, die viel Geschmack zeigen, mutig kuratieren und mit Liebe produzieren.
Welche Verlage gehören für euch in diese Liga? Und welcher fehlt hier unbedingt?
Ich freue mich über Kommentare und bin gespannt eure Empfehlungen zu entdecken.

5 Kommentare

  1. Schöner Ansatz für einen guten Artikel. Tatsächlich habe ich den Verlag als Auswahl- oder wenigstens Sondierungskriterium noch nie benutzt. Aber ich lasse einmal den Blick über mein Regal schweifen, vielleicht erkenne ich ein Muster.

  2. Hallo Tobi, das geht mir ganz genauso. Für mich spielt der Verlag auch eine sehr wichtige Rolle. Ich bin wie du großer Büchergilde-Fan. Des Weiteren habe ich den Berenberg-Verlag sehr geschätzt. Ein Katastrophe für die Branche, dass es diesen nicht mehr gibt. Ansonsten schau ich gern beim Wagenbach-Verlag, dem Aviva-Verlag, dem Unionsverlag, Diogenes, Suhrkamp und dem Aufbau Verlag vorbei.
    In letzter Zeit habe ich noch C.H. Beck und den Verbrecher Verlag mit guten Titeln für mich entdeckt.
    Neben dem belletristischen Program fine ich Verlagsgeschichte sehr interessant und habe dazu auch schon einige Verlagschroniken gelesen.
    Zudem besuche ich Verlage regelmäßig und verschaffe mit einen Einblick hinter die Kulissen. Der spannendste Besuch war bei Diogenes in Zürich.
    Das Schöne an der Branche ist, dass es immer wieder mutige Menschen gibt, die neue Verlage gründen; bspw. der Allee-Verlag oder der Lampe Verlag, die beide ein spannendes Programm haben.

  3. Für mich gehört der Pendragon Verlag zu den Verlagen, die mich immer wieder begeistern – sei es durch die Qualität von Druck und Papier oder durch die spannenden Themen ihrer Bücher.

    Politisch interessant finde ich momentan auch den Aufbau Verlag. Zwar ist er bereits größer, bringt aber dennoch immer wieder relevante und ansprechende Titel heraus, wie zum Beispiel damals „Hool“ oder in den letzten Monaten „Mauerpogo“.

    Deine Einschätzung zur Büchergilde kann ich gut nachvollziehen: Auch in meinem Bücherregal finden sich viele ihrer Ausgaben, und sie haben oft etwas ganz Besonderes. Vor allem meine „Herr der Ringe“-Edition sowie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ sind für mich immer wieder echte Highlights.

    Vom Coppenrath Verlag habe ich mir erst letzte Woche die Schmuckausgabe von „Das Phantom der Oper“ gekauft.

    Generell empfehle ich bei der Suche nach besonderen Verlagen gern freie Buchhandlungen – dort entdeckt man immer wieder echte Schätze. Das Einzige Problem: Es ist fast unmöglich, einen solchen Laden zu betreten, ohne etwas zu kaufen. Man findet einfach immer wieder tolle Bücher!

  4. Grüß Gott Blogling,

    ich muss sagen dass ich diese Liste ganz cool finde, da ich als Sachbuchleser völlig andere Autoren und Verlage im Blick habe.
    Dennoch möchte ich im Hinblick auf die Klassiklektüre den – Arena Verlag – nicht unerwähnt lassen, da ich Klassiker aus diesem Verlag häufig bevorzuge, da sie für Kinder geschrieben sind und ich mich dem Stoff so annähern kann ohne das zähe Ringen um Verständnis, wie bspw. in den Reclamheften.

  5. Ich schaue bei Klassikern oft, ob sie im Anaconda Verlag zu haben sind. Der Preis ist unschlagbar günstig, die Bücher ordentlich gemacht. Lese gerne und viel, kann mir aber nicht immer die teureren, schönen Ausgaben leisten.

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