Ein Thema, das auf der Leipziger Buchmesse aufgetaucht ist, und auch durch die Sozialen Medien gepeitscht wurde, ist die Frage nach der Professionalität und der Monetarisierung der Buchbloggerei. Dazu gab es eine interessante Podiumsdiskussion mit Karla Paul, Ute Nöth, Leander Wattig und Susanne Kasper. Die gibt es auch als Podcast für die Daheimgebliebenen und die wirklich interessante Diskussion habe ich mir auf dem heimatlichen Sofa angehört. Und natürlich muss ich dazu meine fünf Cent abgeben. Ob das hier jemanden interessiert, lass ich natürlich offen, aber dieser Beitrag soll ein Denkanstoß sein und auch einen Einblick in meinen Blog und meine Erwartungen geben.

Die Frage nach dem Geld verdienen wurde ja schon öfter durchs Dorf getrieben. Ein wenig weckt da offensichtlich der Blick zu Bloggern aus anderen Sparten, allen voran den Fashionbloggern, die Begehrlichkeiten. Für viele ist vielleicht auch die Vorstellung vom Bloggen leben zu können ein wünschenswertes Ziel. Ein oft genanntes Argument ist aber auch eine Entschädigung für die investierte Zeit und auch das Geld für den Betrieb des Blogs. Oder ein kleines Zubrot, um die Bücherberge zu finanzieren, die da regelmäßig verschlungen werden.

Die Erwartung vom Buchbloggen leben zu können halte ich für völlig überzogen. Bei einem Produkt wie einem Buch, wo ja die wenigsten Autoren vom Schreiben leben können, ist es absurd zu erwarten, dass da vom Kuchen genug abfällt, um hier ein ordentliches Einkommen zu erzielen. Leander Wattig schätzt das ganz richtig ein und erwähnt hier die Notwendigkeit auch aus anderen Bereichen Einkünfte zu erzielen. Ein Beispiel ist das Referieren als Speaker auf Konferenzen, aber auch das Aufgabenfeld des Beraters ist eine Möglichkeit, um das monatliche Bloggereinkommen zu pushen. Ich kann mich da an eine Fashionbloggerin erinnern, die andere Blogger dabei unterstützt selbst einen Blog zu erstellen, Basics in Fotografie vermittelt und in allen Fragen zur Seite steht. Da geht eine Menge, aber lediglich vom Schreiben von Rezensionen, Werbung und dem ein oder anderen Gewinnspiel ist einfach der Gegenwert für die Verlage und Autoren zu gering. Und da muss man das Kind beim Namen nennen, es ist einfach nicht so, dass ein Buchblog ausgehend von einer Rezension hunderte Käufe generiert. Selbst wenn durch einen Blog zahlreiche Verkäufe ausgelöst werden, ist hier von einem durchschnittlichen Verkaufswert von vielleicht 15 Euro auszugehen, was auch noch einmal eine andere Hausnummer ist, als eine teure Handtasche auf einem Fashionblog, oder einem dicken Smartphone auf einem Techblog.

Trotzdem bin ich der Ansicht, dass sich Verlage hier ordentlich etwas entgehen lassen und sehe in der Diskussion eine Menge Potential, sowohl für Verlage als auch für Blogger. Ich glaube, dass schon geringe Zahlungen im Micropayment-Bereich (beispielsweise auf ein Guthaben-Konto, dass als Büchergutschein ausgezahlt wird) ein Buch schon ganz erheblich in die Buchblogs bringen würde.

Die Situation aus Sicht eines Buchbloggers

In diesem Punkt kann ich nur für mich sprechen, aber ich kann mir vorstellen, dass es vielen anderen Bloggern nicht anders geht. Ich habe mehr Bücher als ich lesen kann. Vielleicht nun nicht auf meinem Stapel ungelesener Bücher, der ist bei mir immer möglichst klein, aber zusammen mit der Wunschliste ergibt sich schon ein ordentliches Regal. Man munkelt, dass viele Buchblogger nicht nur einen Stapel, sondern ein tatsächliches Regal ungelesener Bücher haben. Die Lebenszeit ist begrenzt und die Lesezeit noch mehr und damit muss man als Blogger haushalten. Jetzt kommen die Verlage mit Vorschauen, Newsletter und auch mit direkter Ansprache daher und werben für ein oder mehrere Bücher. Auch Selfpublishing-Autoren kommen immer wieder mit ihren Büchern ums Eck. Diese Bücher konkurrieren nun mit dem handverlesenen Stapel ungelesener Bücher und der bestehenden Wunschliste. Gleichzeitig kann ein Buchblogger nur begrenzt Rezensionen schreiben, selbst wenn er viele Bücher liest. Und genau darin liegt das Problem: Als Blogger muss man selektieren und liest nicht jedes kostenlos zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar.

Bei mir geht das noch ein Stück weiter. Ich blogge nicht über jedes Buch das ich lese (mehr dazu hier). Das würde mir zu weit gehen und so rezensiere ich ein paar Bücher und dann lese ich wieder eine Reihe Bücher nur für mich. Bekomme ich also ein Buch als Rezensionsexemplar, dann ist das natürlich immer bei den Büchern dabei, die ich auch rezensiere, während dafür eines von den selbst gekauften Schwarten auf den Stapel der privaten Literatur landet. Man könnte sagen, ein Verlag, der ein Buch bereitstellt, der knockt damit einen anderen Verlag aus, der das nicht tut. Natürlich blogge ich nicht nur über Rezensionsexemplare, denn die Richtung für meinen Blog bestimme ich schon selbst und der größte Teil meines SuBs ist selbst gekauft. Aber ich merke immer wieder, wie es ein Rezensionsexemplar es schafft, sich ganz schnell an die Spitze zu schummeln.

Die Schwierigkeit besteht also darin ein Buch überhaupt auf meinen SuB zu pushen und die Zweite ist es, dass ich das Buch dann rezensiere. Was ich so von anderen Buchblogger so mitbekomme, geht es ihnen nicht viel anders. Manche bloggen über jedes Buch, dass sie lesen, aber ich glaube ein Großteil muss schon auswählen und mit der eigenen Zeit haushalten.

Was ich mir als Buchblogger wünsche

Bei der Diskussion um professionelles Buchbloggen geht es natürlich immer darum Zaster abzustauben. Ein Blog, bei dem der Rubel rollt, auch wenn es nur wenig ist, der ist professionell, ganz im Sinne des viel kritisierten, kapitalistischen Systems. Geld, am besten kombiniert mit etwas Bauchgepinsel (auch „auf Augenhöhe“ genannt) ist Anerkennung. Ich will von den Verlagen weder das eine, noch das andere. Worauf ich scharf bin, sind eure Bücher. Ich will eure schönen, schmucken Bücher, am besten die Prunkausgaben, denn das ist die beste Bezahlung, dass ist das, was ich mir von dem Geld, das ich von euch bekommen würde, kaufen würde. Und um ehrlich zu sein, sind da sehr viele Verlage schon auf dem richtigen Dampfer unterwegs.

Nun ist es als Buchblogger so, dass man sich so seinen Stapel ansieht und denkt: „Also die lese ich jetzt alle und erst wenn der Stapel zumindest ordentlich geschrumpft ist, dann erst kauf ich mir neue Bücher“. Ich schreibe dann auch keine Verlage an und bitte nicht um Rezensionsexemplare, denn ich bin ja versorgt. Plötzlich landet aber eine Email in meinem Postfach und siehe da, der Aufbau Verlag hat von Henry James ein neues Buch. Genau mein Beuteschema, eine schmucke Ausgabe in Leinen, ein klasse Autor und unten in der Email steht der Hinweis, dass jeder Blogger der sich interessiert, einfach kurz Bescheid geben soll und ein Exemplar bekommt. Da hat der Verlag alles richtig gemacht. Ein Buch, dass genau zu meinem Blog passt und eine sehr einfache Möglichkeit das Buch zu bekommen. Ein paar Wochen konnte ich widerstehen, aber die Email ist so lange im Posteingang geblieben. Dann konnte ich nicht anders, denn es ist ja nur eine kurze Antwort nötig und das Buch ist wirklich schön, wie es da mit dem gelben Leineneinband aus der Email lacht. Gelegenheit macht Leser.

Was ich mit dem Beispiel sagen will ist folgendes: Ich liebe kurze Newsletter, speziell für Buchblogger, wo interessante, zu meinem Blog passende Neuerscheinungen vorgestellt werden, aber auch eine unkomplizierte Möglichkeit, das Buch zu bekommen. Der Atlantik Verlag macht das ebenfalls regelmäßig und das ist einfach gut. Das Bloggerportal von Random House ist natürlich die Premium-Variante, aber so komfortabel müsste es gar nicht sein. Und ich liebe Newsletter mit dem neuen Verlagsprogramm (ich glaub ich bin schon auf den meisten Verteiler, wer mich noch nicht drauf hat: info@lesestunden.de). Durch schicke (verlinkte nicht angehängte!) PDFs zu stöbern weckt immer mein Interesse.

Ebenfalls eine sehr schöne Sache sind Aktionen. Ich denke da an die Blogtour zum 125. Agatha-Christie-Geburtstag vom Atlantik Verlag. Das war eine schöne Idee und ein Buchpaket ist natürlich etwas, das jeder Buchblogger liebt. Zudem bringt so eine Tour auch Traffic auf den eigenen Blog, also auch etwas, das eine begehrte Währung ist.

Was ich Verlagen biete

Das, was ich oben schreibe, hört sich nun vielleicht etwas großspurig an. Betrachte ich meinen Blog, die Besucherströme, das Feedback der Leser, so ist meiner Einschätzung nach das Verhältnis zwischen Rezensionsexemplar und dem Wert einer Rezension ausgewogen. Karla schlägt in der Podiumsdiskussion vor mit exakten Zahlen zu werben, zu zeigen, wie erfolgreich beispielsweise eine vorangegangene Aktion war. Das halte ich für technisch nur sehr begrenzt möglich, denn es lässt sich im Nachhinein unmöglich sagen, wie viele Käufe eine Rezension generiert hat. Immer wieder bekomme ich als Kommentar die Aussage, dass meine Rezensionen zum Kauf bewogen haben, aber ein großer Teil der Leserschaft kommentiert nicht, verlässt die Seite und kauft vielleicht beim Buchhändler ums Eck, oder gebraucht z.B. bei Booklooker oder erst Monate später. Es bleiben am Ende nur Hinweise, die darauf Rückschlüsse zulassen, dass ein Beitrag oder eine Rezension für den Umsatz förderlich war. Solche Zahlen machen natürlich Sinn und sind die einzige Möglichkeit, wenn man an einen Verlag herantritt und mehr als ein Rezensionsexemplar fordern möchte.

Betrachte ich also meine Web Analytics Auswertungen, so bin ich überzeugt, dass sich der Invest eines Rezensionsexemplars für einen Verlag lohnt. Dieser Blog ist hinsichtlich SEO optimiert, einige der bei mir rezensierten Bücher landen bei Google auf der ersten Seite, wenn man nach dem Titel googelt und ich habe einen steten Zustrom über Google, aber auch Sozialen Medien. Besonders bei Bildbänden, aber auch schmucken Ausgaben, wo Interessierte sich fragen, wie das Buch wirklich aussieht, Beispiele sehen wollen und das Bedürfnis da ist, einen Blick auf das Buch zu werfen. Ich glaube es machen viele wie ich, dass sie online nach Büchern suchen und eben einen tieferen Eindruck bekommen, den sie sonst eher in einer Buchhandlung gewinnen würden. Ein Verlag bekommt also für ein Buch eine dedizierte Landingpage, die dauerhaft online bestehen bleibt, auf sozialen Medien verlinkt ist und das Buch mit einem individuellen Blick aus Lesersicht bewirbt. Ebenso ist die Anzahl wiederkehrender Besucher sehr hoch und die Verweildauer spricht deutlich dafür, dass sich die Besucher meines Blog den großen Teil der Rezension durchlesen. On top gibt es noch Werbung für die Bücher in Twitter, Facebook, Instagram und Lovelybooks.

Wie ist das nun mit der angemessenen Bezahlung?

Ich weiß nicht, was einem ein Verlag ein Rezensionsexemplar effektiv kostet, aber die Gegenleistung kann sich schon sehen lassen. Es ist schon möglich, dass ein Verlag mehr profitiert als er investiert bzw. davon ist auszugehen, sonst wäre das nicht sonderlich sinnvoll. Aber oft kommt eben auch ein Exemplar ums Eck, das im Laden einfach mal 30 bis 40 Euro kosten würde und dann ist für mich praktisch die Rezension mit 30 bis 40 Euro bezahlt. Das ist kein schlechter Lohn. Klar, mehr geht immer, aber meckern kann man da sicher nicht. Ein gebundenes Buch kostet mal um die 20 Euro. Wenn jemand also drei Rezensionsexemplare im Monat bekommt, dann sind das jährlich rund 700 Euro. Die Kosten für Hosting usw. sind damit auf jeden Fall wieder drinnen.

Ich kann den Wunsch mit Bloggen über Bücher Geld zu verdienen durchaus verstehen, aber sehe das in einer anderen Liga als das, was ich oder der durchschnittliche Buchblogger macht. Wer das möchte, muss sich aus meiner Sicht mit der Frage beschäftigen, wie er um seinen Blog ein Netzwerk aufbaut, dass es ihm erlaubt wirklich spürbare Umsätze und Mehrwerte für seine Kunden zu erzeugen. Wer eine Rezension zu einem 15 Euro teuren Buch schreibt, die von 1000 Besuchern gelesen wird und dann von 20 Lesern gekauft wird (eine Conversion Rate von 2% ist im Online Bereich schon ziemlich gut), dann wird damit ein Umsatz von 300 Euro generiert. Das entspricht dem, was die Fashionbloggerin ungefähr mit zwei verkauften Handtaschen an Umsatz erzeugt. Vielleicht fehlt mir an der Stelle der Einblick in die Verlagswelt, aber mein Gefühl sagt mir, dass ein Rezensionsexemplar für eine Rezension für beide Seiten schon eine faire Sache ist. Allerdings erfordert das einen Perspektivenwechsel. Die Frage nach der angemessenen Bezahlung ist weniger davon abhängig, wie viel Zeit, Kreativität und Kraft man in seinen Blog investiert, als vielmehr davon, wie stark sich die vom Blogger erbrachten Leistungen positiv auf die Verkaufszahlen des Verlags auswirken.

Wie sehr ihr das? Ist ein Rezensionsexemplar eine faire Bezahlung? Würdet ihr sagen, dass ihr wesentlich mehr leistet und Verlage stärker von eurem Blog profitieren als mit einem Buch abgegolten werden kann? Was sagen die Web Analytics Statistiken eurer Blogs zu diesem Thema?

verfasst von Tobi

    18 Kommentare

  1. WortGestalt 26. März 2016 at 17:02 Antworten

    Ich wollte zu diesem Thema eigentlich gar nichts sagen, heute heißt es, entspannt euch, habt Spaß am Lesen, macht keine Listen, keinen Stress, und morgen heißt es, professionalisiert euch, hört auf zu kuscheln, macht euch Stress. Denn das bedeutet es letztlich. Wenn ich eine Leistung anbiete, für die ich bezahlt werden möchte, muss ich ein gewisses Maß an Professionalität bieten, dazu gehören Terminverbindlichkeiten, ordentlich korrigierte Texte, Layout und Streuung. Ach ja, Rechnungen schreiben übrigens auch. Wer das alles möchte, kann das ja gerne tun, alle anderen Blogger dürfen aber doch bitte gerne weiter kuscheln. 😉 Die Befehlsform stört. (Damit meine ich nicht dich, versteh mich nicht falsch!)

    Eigentlich möchte ich der Diskussion nur gerne einen neuen Denkanstoß geben, und zwar, warum sollen denn die Verlage mich als Buchbloggerin bezahlen? Schreibe ich für die Verlage? Nein, eigentlich schreibe ich für Leser. Und wer bezahlt denn den Spiegel oder die Neon am Kiosk, weil er die Inhalte lesen will? Jip, der Leser. Also wenn man über die Bezahlung von Buchbloggern spricht, sollte man sich fragen, warum nicht die für die Inhalte bezahlen sollen, für die sie gemacht sind. Aber das steht im großen Internet der kostenlosen Inhalte natürlich nicht zur Debatte. 😉 Ich gehe mit deinem Standpunkt nämlich mit, dass teilweise nicht mal die Autoren von ihren Bücher leben können und einen zusätzlichen Brotjob ausüben, um überhaupt schreiben zu können. Wovon dann noch Blogger bezahlen?

    Und überhaupt, ich möchte das ja gar nicht. Einmal ausprobiert, so einen gesponserten Beitrag, danke, reicht. Ich bin mein eigener Chef, kann wann und wie und was posten, diese Freiheit will ich nicht aufgeben. Würde ich aber, da für mein Empfinden Monetarisierung mit Professionalität Hand in Hand geht (zählt ja schließlich Klasse und nicht Masse), und den Stress, den das automatisch bringt, möchte ich mir mit meinem Blog aktuell nicht ans Bein binden. Wer das mag, kann das tun, wer nicht, lässt es. Diese allgemeine Aufforderung an alle ist mir bei den Podcasts aber sauer aufgestoßen.

    • Tausend Leben 8. April 2016 at 12:48 Antworten

      Sehe ich genauso Tobi. Mein Blog ist mein Hobby. Ich lese und schreibe für mein Leben gern und hier kann ich mich bei beidem austoben. Wenn ich es schaffe, meine Leser dazu zu bewegen sich ein gutes Buch zu kaufen – am besten noch im Buchladen um die Ecke – hat sich der Blog schon gelohnt. Über Rezensionsexemplare freue ich mich, wenn sie zu mir und meinem Blog passen. Aber mein Blog steht ohnehin noch ganz am Anfang. Ich habe ein wenig die Befürchtung, dass bei zunehmender Popularität eines Blogs und zunehmender Zusendung von Rezensionsexemplaren ein Teil der Individualität und Objektivität verloren gehen kann. Derzeit lasse ich mich beim Buchkauf natürlich von anderen Blogs, aber vor allem auch vom Buchhändler meines Vertrauens oder der Empfehlung von Freunden inspirieren. Dadurch stoße ich immer wieder auf tolle Buchschätze außerhalb der Bestseller- und Blog-Hitlisten. Außerdem greife ich auch immer gerne mal auf ältere Bücher und Klassiker zurück, nicht nur auf die Neuerscheinungen. Wenn ich aber nun sehr viele Rezensionsexemplare erhalte, würde vielleicht die Zeit für die individuelle literarische Schatzsuche nicht mehr reichen. Wie sind hier eure Erfahrungen?

      Auf Affiliate-Links verzichte ich in meinem Blog, weil ich dazu anregen möchte, beim Buchladen um die Ecke zu kaufen – und nicht bei Amazon & Co. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass hier viel zu verdienen ist. Eine Alternative wäre natürlich, hier zum Buchhändler um die Ecke zu verlinken, sofern dieser einen Online-Shop hat. Meiner ist leider noch nicht ganz im Online-Zeitalter angekommen. Aber auch das würde ich nicht machen, um Geld zu verdienen. Das gute Gewissen, den stationären Buchhandel zu unterstützen würde mir persönlich als Entlohnung reichen :-).

      • Tobi 11. April 2016 at 10:47 Antworten

        Liebe Nadine,

        bei mir kommt schon immer wieder mal ein Rezensionsexemplar ins Haus. Allerdings immer nur sehr wenige, meist nur ein Einziges um da nicht zu viel Druck zu haben. Und mit ganz wenigen Ausnahmen fordere ich die Exemplare immer selber an und zwar genau für die Bücher, auf die ich auch wirklich Lust habe. Das ist schon wichtig, weil das ja keine Arbeit sein soll und ich nur das lese, was ich auch wirklich lesen möchte. Und das ist einfach sehr stimmungsabhängig und in den aktuellen Bestseller-Listen finde ich einfach nur sehr wenig.

        Affiliate Links sehe ich auch mit viel Skepsis. Ich glaube einfach nicht, dass viele darüber ein Buch kaufen würden und wenn dann lohnt sich nur das Verlinken auf Amazon, wo einfach sehr viele Benutzer angemeldet sind und auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit da ist, dass das genutzt wird. Bei dem Buchhändler um die Ecke kauft halt niemand ein, weil den niemand kennt. Aber irgendwie möchte ich meinen Blog werbefrei halten und nachdem mit solchen Aktionen sich nicht viel verdienen lässt, ist es der Aufwand auch nicht wert. Ich will hier ja keine Bücher verkaufen, sondern Lust auf Lesen machen, meine Leidenschaft für schöne Literatur teilen. Wo die Leute ihre Bücher kaufen, soll jeder selbst für sich entscheiden. Aber ich glaube, darauf hab ich mit meinem Blog ohnehin keinen Einfluss.

        Liebe Grüße
        Tobi

  2. Anja B. 26. März 2016 at 18:09 Antworten

    Besser hätte ich es gar nicht sagen können. Ich gestehe, das mir ein Rezensionsexemplar und evtl die Eintrittskarte zur Buchmesse genug Verdienst sind. Ich betreibe meinen Blog als Hobby und Zeitvertreib, weil ich gerne meine Leidenschaft mit anderne teile. Es gibt halt nichts schöneres, als mit Gleichgesinnten zu unterhalten und dann sogar noch evt live auf der Buchmesse zu treffen und gemeinsam was erleben. Das ist das, was mich als Buchbloggerin ausmacht. Die Freude an Büchern und das Lesen. Außerdem wäre es mir echt gesagt, zu viel, dieses Bloggen hauptberuflich zu machen und dann damit Geld zu verdienen. Ich habe ja auch noch andere Hobbies, die zu „bewältigen“ sind, z. B. meine Schafe und Ziegen. Und außerdme kann man nicht gleichzeitig häkeln und bloggen…
    Also ich bin so zufrieden, wie es jetzt ist. Ich möchte es gar nicht anders.
    In diesem Sinne

    liebe Ostergrüße
    Anja vom kleinen Bücherzimmer

  3. Aleshanee 26. März 2016 at 18:34 Antworten

    Wieder mal ein sehr guter Artikel 🙂
    Ich, für mich persönlich, bin absolut zufrieden mit den Rezensionsexemplaren als „Bezahlung“ – wenn man es denn so sagen oder so zählen will.
    Der Blog ist hauptsächlich für mich und zum Austausch mit anderen Lesern und wie du schon sagst, Bücher sind teuer, da ist mir das an Zuwendungen genug.
    Auch bin und bleibe ich so unabhängig, denn sobald es ums Geld geht, wird alles wieder komplizierter.
    Und dass die Verlage durch die Blogger genug Werbung bekommen, davon geh ich einfach mal aus, sonst würden die das ja gar nicht machen. Ich denke nicht, dass sie einfach so Bücher verschenken, ohne sich vorher darüber Gedanken zu machen und zu kalkulieren, ob sich das überhaupt lohnt 😉

    Liebste Grüße, Aleshanee

  4. Silvia 26. März 2016 at 18:50 Antworten

    Ich habe einen Job von dessen Gehalt ich leben kann. Und mehrere Hobbies, eines davon ist der Blog. Und mehr als ein Hobby soll es für mich nicht sein. Mal ab und an ein Rezensionsexemplar, vielleicht noch ein ein paar interessante Informationen und Einladungen zu Events sind Dinge die mir schmeicheln und Spaß machen. Und das reicht mir. Ich kann verstehen, dass einige auf Geld aus dem Blog angewiesen sind, dort sollte es vielleicht auch Möglichkeiten geben, doch das ist eine Art von Professionalität, die ich nicht anstrebe.
    Der Hinweis, das auch namhafte Autoren nicht von den Erlösen Ihrer Bücher leben können ist sehr passend.

  5. Marc 26. März 2016 at 19:43 Antworten

    Hi Tobi,

    viel möchte ich nicht sagen, sondern dir einfach nur zustimmen. Du hast die treffenden Worte gewählt, um dieses Thema zu umreißen. Als Visitenkarte ist ein Blog in Ordnung, um sich für höheres zu bewerben, aber mehr geht in dieser Branche als Blogger nicht. Meine mich auch zu erinnern, dass Sophie von Literaturen einiges ausprobiert hatte und jeder Versuch, mit dem Blog Geld zu verdienen, scheiterte.
    Ich erfreue mich ebenfalls an den kostenlosen Rezensionsexemplaren, die ich mir dann nicht mehr kaufen muss.

    Viele grüße
    Marc

  6. Anette 27. März 2016 at 11:57 Antworten

    Sehr guter Artikel! Ich mache mir nach Karlas Keynote auch Gedanken darüber, denke aber auch, dass eine wirkliche Professionalisierung schwierig sein dürfte. Meine größte Angst dabei ist, zu stark fremdbestimmt und nicht mehr nach eigenen Interessen zu lesen. Ich bin gespannt, wie sich die Debatte weiterentwickelt.

  7. Lena 27. März 2016 at 15:22 Antworten

    Hallo Tobi!

    ein sehr guter Beitrag. Ich finde das Thema wirklich schwierig. Einerseits: Direkt für Rezensionen vom Verlag bezahlt werden geht gar nicht. Andererseits gibt es viele Blogs, die es durchaus verdient hätten etwas mit ihrem Blog zu verdienen. Davon leben wird glaube ich nie möglich sein, aber am meisten hat mich gestört, dass es von Seiten der Verlagsvertreter (und auch von einigen Bloggern) so kategorisch ausgeschlossen wurde, dass man mit Buchblogs Geld verdienen kann.

    Im Moment wünsche ich mir von der Verlagen so ein bisschen mehr Respekt (in Ermangelung eines besseren Wortes dafür). So Kleinigkeiten, wie dass manchmal auf Emails gar nicht reagiert wird, selbst wenn man auf eine Email des Verlags geantwortet hat oder eine direkte Frage gestellt hat. Mir reicht ja ein Zweizeiler ^^

    Auf jeden Fall habe ich deinen Beitrag zu meiner Linkliste (http://buechernest.blogspot.nl/p/links-zur.html) zum Thema hinzugefügt, wenn du noch Beiträge kennst, die ich noch nicht gefunden habe, sag‘ ruhig Bescheid.

    Liebe Grüße,
    Lena

  8. Viola 28. März 2016 at 16:58 Antworten

    Darüber bin ich gleich gestolpert: „Die Erwartung vom Buchbloggen leben zu können halte ich für völlig überzogen. Bei einem Produkt wie einem Buch, wo ja die wenigsten Autoren vom Schreiben leben können, ist es absurd zu erwarten, dass da vom Kuchen genug abfällt, um hier ein ordentliches Einkommen zu erzielen.“
    Ich hatte bei Mara zu dem Thema kommentiert und mich gefragt, ob „Brotlosigkeit der Buchbranche“ allgemein vielleicht ein Grund ist, warum die Buch-Blogger kein Geld verdienen (wollen).
    Ganz ehrlich: Schaut weg von der Modebranche und Sponsering – schaut hin zu Reisen, Business, Finanz, Online-Marketing, Psychologie und Beziehungen. Autoren dieser Blogs bieten wahnsinnig tolle Inhalte – und verdienen Geld mit eBooks, Online-Kursen, Webinaren, Coachings usw.
    Wenn die Buchbranche (inklusive der Blogger) mal aufhört Geld verdienen als schmutzig anzusehen, gibt es viele kreative Möglichkeiten. Das beweisen im Übrigen auch die guten Buchläden, die Begegnungsstätten sind uns weit mehr bieten als ein Buch zu verkaufen.
    Vielleicht muss ein Buch-Blog mehr bieten als ein Buch zu besprechen. Aber Monetarisierungs-Möglichkeiten gibt es genug.
    Ich empfehle Google zu Lifestyle-Design und wer es klassicher mag sollte mal „Kopf schlägt Kapital“ von Prof. Faltin lesen!
    Ansonsten der Klassiker, der viele kreative Blogger inspirierte: 4-Hours Work Week.
    Der Punkt wurde auch in den Kommentaren genannt – warum sollen die Einnahmen nur von den Verlagen kommen, warum nicht vom Leser?
    Ich bin fest davon überzeugt, dass Leser für gute Inhalte zahlen.
    Und: Klar, hier gehört kein Oberlehrerhafter-Ton dazu. Jeder soll selbst entscheiden, ob sie ein Blog ein Hobby oder ein Business ist. Die Kommentatoren hier gehen ja mehr in Richtung Hobby. Mich würde aber mal interessieren, ob es Buch-Blogger in Deutschland gibt, die ihr Bloggen als Business verstehen? Gibt es da mehr Menschen als Karla und Ronja Rönne? (Die Beiden beweisen übrigens, dass es möglich ist.)
    Es ist eine Frage des Selbstverständnisses. Und ich kann mir schon vorstellen, dass ein paar Blogger Lust darauf hätten dies zu ihrem Beruf zu machen.
    Übrigens: Professionelle Fashionblogger, Reiseblogger usw. haben das alle als Vollzeit-Beruf.

    • Tobi 30. März 2016 at 15:59 Antworten

      Liebe Viola,

      aus meiner Sicht muss man da schon unterscheiden. Wenn man sich Blogs aus anderen Bereichen ansieht, dann geht das schon mit dem ganz gewöhnlichen Bloggen wesentlich mehr. Ich mein wenn eine gut besuchte Bloggerin, die regelmäßig über ihre Familie und Kinder schreibt einen Kinderwagen vorstellt, dann ist das für die Firma eine sehr wertvolle Werbung, die auch der Bloggerin wesentlich mehr Einkommen bringt, als ein beworbenes Buch. Kombiniert mit Aktionen, Werbebanner usw. kann ein bekannter Blog schon einen guten Umsatz bringen.

      Der Blick über den Tellerrand ist für einen Buchblogger definitiv ein Muss, aber dann verlässt man eben das Bloggen, sondern bewegt sich eher in den Bereich Dienstleistung oder wird zum Freelancer. Um einen Leser dazu zu bewegen Euros auf den Tisch zu legen, muss man als Inhalteanbieter schon mit was wirklich Interessanten ums Eck kommen. Die Kostenloskultur im Netz ist einfach sehr ausgeprägt und wieso soll jemand für ein Webinar bei mir zahlen, wenn es zwei Klicks weiter ein kostenloses Tutorial bei YouTube gibt? Ich bin überzeugt, dass selbst der Buchblogger, der kein moralisches oder psychologisches Problem damit hat für seine Leistung Geld zu nehmen, es sehr sehr schwer hat in dem Bereich Geld zu verdienen. Ein motivierter Blick ist hier hilfreich, aber nicht die Lösung. So einfach ist das sicher nicht und ich wüsste keine Strategie, wie ein Buchblogger mit seinem Blog Geld verdienen kann. Und zwar so viel Geld, dass es sich lohnt Zeit und Kraft zu investieren bzw. diese investierte Arbeitskraft sich auch bezahlt macht. Ich habe in der Diskussion das Gefühl, dass viele Blogger sich denken, dass sie doch für das, was sie ohnehin schon machen (Rezensionen schreiben usw.) gerne nun auch eine kleine Entlohnung haben wollen.

      Karla ist für mich kein Beweis, denn letzten Endes hat sie mit ihrem Blog nie ihren Lebensunterhalt bestritten und war selbst immer in einer Festanstellung (z.B. bei Lovelybooks oder jetzt bei edel & electric). Aber vielleicht bin ich da auch nicht ausreichend informiert.

      Ich danke Dir auf jeden Fall für deinen Blick auf das Thema, weil er mal in die andere Richtung geht, als ich bisher hier gelesen habe. Ich glaube genau die Motivation, die sich bei Deinem Kommentar findet, ist notwendig, für einen Buchblogger, der auch zu einem Unternehmer werden möchte.

      Liebe Grüße
      Tobi

  9. BuecherFaehe 30. März 2016 at 20:48 Antworten

    Hallo Tobi!

    In letzter Zeit habe ich mir auch ein paar Gedanken dazu gemacht, allerdings hat es bei mir noch nicht für einen Blogbeitrag gereicht.
    An sich finde ich es völlig legitim, wenn jemand gerne Geld mit seinem Blog verdienen will (warum auch nicht?). Für mich gehört aber eine Professionalisierung dazu und Hobby-Blogs zählen nun einmal nicht dazu. Es ist doch klar, dass Verlage eher bereit wären, Geld in Blogs zu pumpen, bei denen eine gewisse Professionalität und Dauer abschätzbar ist. Man muss ja auch mal überlegen, wie man als Verlag selbst handeln würde.

    Ich betreibe meinen Blog als Hobby (so wie die meisten) und habe keinen Bedarf, mit meinem Blog Geld zu verdienen. Meine beruflichen Ambitionen gehen dann doch in eine andere Richtung.
    Im Übrigen stimme ich mit deiner Einschätzung überein, dass die Buchbranche nicht viel an Geld hergibt. Aber wie Viola sagt: es gibt ja noch Möglichkeiten, die wir vielleicht noch gar nicht kennen bzw. ausreichend genutzt haben.

    Die Idee, dass die Leser doch bezahlen könnten, ist ein ganz neuer Ansatz, auf den ich so noch nicht gekommen bin. Ich bezweifle aber auch, dass das klappen würde. Von mir selbst weiß ich, dass ich nicht bezahlen würde, weil mir einfach der Mehrwert fehlt: ich kaufe sowieso die Bücher, die ich will. Andere Blogs dienen mir als Unterhaltung und Quelle zum Austausch, aber sie sind nicht entscheidend für meine Buchauswahl.

    Vielleicht schätze ich das ganze aber auch zu negativ ein. Obwohl ich selbst einen Blog betreibe, schätze ich den unternehmerischen Wert von Blogs nicht ganz so hoch ein, wie manch andere. Eventuell liegt es aber auch nur daran, dass ich in meinem Umfeld niemanden kenne, der Buchblogs liest und sich dort Empfehlungen holt. Für mich ist die Blogwelt und die reale Welt einfach streng voneinander getrennt, damit will ich sagen: was ich auf den Blogs lese, erlebe ich so nicht unbedingt in meinem Umfeld.

    Liebe Grüße,
    Jenny

  10. Monika 1. April 2016 at 13:08 Antworten

    Lieber Tobi,
    sehr lehrreicher Post, sehr informativ – auch für mich als Autor (oder bald), ein schöner Einblick, um mir hier auch Gedanken machen zu können. Danke dafür!
    liebe Grüße
    monika

    • Tobi 2. April 2016 at 14:05 Antworten

      Liebe Monika,

      ich glaub ausgehend von einem Autor, der sich selbst vermarktet, ist das nochmal eine andere Sache. Da ist ja ein Rezensionsexemplar ein größerer Kostenfaktor, als für einen Verlag. Ich glaub das ist echt nicht so einfach.

      Liebe Grüße
      Tobi

  11. […] den darauffolgenden Tagen auch viele kritische Stimmen laut. So sprachen beispielsweise Tobi von Lesestunden und Nelly von Nellys Leseecke viele Aspekte an, die auch mir im Kontext der Debatte durch den Kopf […]

  12. […] möchte ich meinen persönlichen Blickwinkel einbringen. Die Frage also: Wozu der ganze Stress? Tobi von Lesestunden hat mir mit seinem Beitrag zu diesem ganzen Thema aus der Seele gesprochen, wobei ich für mich […]

  13. Thomas 17. April 2016 at 14:20 Antworten

    Hallo Tobi,
    deine Worte sprechen mir aus der Seele. Bin zwar noch nicht lange in der Bloggerszene unterwegs, käme aber auch nicht auf die Idee mich in Konkurrenz zu Journalisten oder professionellen Kritikern zu sehen. Auch Rezensionsexemplare fordere ich so gut wie nie an, da ich noch genügend Bücher auf dem SUB habe. Die Diskussionen um die Professionalisierung von Bloggern auf den Bloggersessions bei der Leipzger Buchmesse fand‘ ich dann für Blog-Neueinsteiger wie mich auch eher abschreckend. Allerdings glaube ich auch, dass viele Blogger sich unterschätzen, denn die meisten interessierten Leser verfolgen ja nicht nur einen Blog, sondern i.d.R. sehr viele und wenn dann bestimmte Titel auf mehreren Blogs erwähnt werden, hat das bestimmt einen Verkaufseffekt, auch wenn den nicht jeder einzelne Blogger auf seinen Statistiken nachverfolgen kann.
    Ich mache es liebe wie Mara Giese von buzzaldrins.de und blogge, weil es mir Spaß macht. Wenn sich dann irgendwann neue Möglichkeiten dadurch auftun – umso besser, ich bin aber glücklicherweise nicht darauf angewiesen.
    Bisher hoffe ich ja immer noch, dass man durch das Bloggen Kontakt zu Gleichgesinnten und vielleicht auch zu Verlagen, Autoren, Verlegern erhält. Denn hinter die Kulissen des Buchbetriebes zu schauen und dort einen Einblick zu erhalten wäre, im Gegensatz zu Rezensionsexemplaren, unbezahlbar.
    Liebe Grüße
    Thomas

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