In Büchern gefunden und behalten

Es gibt Gewohnheiten, die bemerkt man selbst nicht und sind so selbstverständlich, dass man erst darauf aufmerksam wird, wenn man bei anderen Menschen darauf stößt. Eine davon betrifft das Lesen und ich glaube viele Leser von meinem Blog haben sie und deshalb schreibe ich heute mal darüber. Immer wenn ich ein Buch lese, habe ich auch meine Postits zur Hand und wenn ich auf eine schöne Textstelle, ein Bonmot, einen schönen Satz oder Gedanken stoße, dann markiere ich mir die Stelle damit. Wenn ich mit dem Buch dann fertig bin, lese ich mir all diese Zitate nochmal durch und schreibe sie in mein Notizbuch. Wobei mein Notizbuch ein privates Wiki ist und die Seite mit den Zitaten mittlerweile schon sehr sehr lange ist.

Manchmal, in einer ruhigen Minute, lese ich mir dann einige der Textpassagen durch und oft kommt es auch dazu, dass irgendein Erlebnis, eine Aussage oder ein Gedanke an genau so ein Zitat erinnert. Meistens kann man sich dann nur noch vage erinnern und dann bin ich doch oft überrascht, mit was für einer allgemein gültigen Aussagekraft sich zahlreiche Gedankengänge, aus eigentlich relativ klar eingegrenzte Geschichten, auf das Leben und völlig andere Situationen übertragen lassen.

Interessant finde ich auch, dass die Anzahl an Zitate, die ich mir heraus schreibe nur wenig mit dem Lesegenuss korreliert. Es gibt hervorragende Bücher, die spannend sind, die der Weltliteratur zugeschrieben werden und ich ohne zu zögern weiterempfehlen würde, bei denen ich aber keine Textpassage entdecken könnte, die es würdig wäre, so für sich stehend notiert zu werden. Ich glaube das hängt sowohl an dem Buch selbst, an der Geschichte und den Gedanken, die sie in mir als Leser evoziert und die Analogien, die damit implizit zu meinem Leben hergestellt werden, aber auch daran, dass die Aussage von vielen Büchern nur in der Gesamtheit des Textes zu finden ist. Es reicht eben nie nur ein paar entscheidende Textabschnitte zu lesen, um die Bedeutung oder die Seele eines Buches zu erfassen. Aber sie können helfen sich derer zu erinnern.

Einige wenige dieser Zitate veröffentliche ich auch hier unter der Kategorie Zitate (manchmal mit einem zynischen Seitenblick auf unsere Gesellschaft oder aktuelle Themen). Andere wiederum sind nur zusammen mit meinen Gedanken dazu wertvoll oder wirken nur in Zusammenspiel mit der Erinnerung an die Lektüre.

Was mich nun sehr interessiert ist die Frage, wie ihr das so handhabt. Notiert ihr euch auch wertvolle Textpassagen aus Bücher? Oder macht ihr das gar nicht? Wie geht ihr dabei vor?

19 Kommentare

  1. Lieber Tobias,
    das ist wieder ein sehr schöner Text, in dem Du Deine Leseerfahrung und ihr Nachwirken mit uns teilst.
    Die längste Zeit meines Leserlebens habe ich natürlich nicht gebloggt. Das sage ich deshalb, weil ich heute Passagen markiere, um sie im Blog zu zitieren oder sie als Aufhänger für meine Ausführungen zum Buch verwende.
    Ansonsten mache ich das nämlich nicht. Da nähere ich mich den Texten – und ihren guten Stellen – schlicht durch Wiederholung. Entweder lese ich das Buch komplett wieder oder einzelne Kapitel. Dabei suche ich manchmal einen einzigen Satz, eine längere Passage oder eine bestimmte Situation, um sie neu zu sehen, an meine aktuelle Situation angepaßt aufzunehmen und auf mich wirken zu lassen. Solche Bücher sind vor allem die Romane von Fontane und Thomas Mann, die nehme ich immer wieder zur Hand (was man ihnen auch ansieht).
    Viele Grüße und einen schönen dritten Advent!
    Norman

  2. Lieber Tobias,
    um für meine Blog-Texte im Buch wieder fündig zu werden, streiche ich mit dem Marker Textstellen an. Ich bin da also längst nicht so ordentlich und vorsichtig und umsichtig mit dem Buch, wie es auf Deinem Bild mit den vielen bunten Postits aussieht.
    Ich habe immer mal wieder damit angefangen, mir schöne Zitate in einer Kladde zu notieren. Den guten Gedanken, sozusagen ein Archiv „schönster Sätze“ anzulegen, habe ich aber nie konsequent weiter geführt. Das ist ja eigentlich schade, denn das Finden und Notieren von Zitaten zeigt ja eine ganz intensive Auseinandersetzung mit den Texten. Vielleicht bin ich dazu einfach zu ungeduldig. Immerhin nötigt mir der Blog ja nun ab, mich nach dem ersten Lesen noch einmal genauer mit dem Roman oder Sachtext auseinanderzusetzen – und dann schaue ich auch noch einmal über meine vielen markierten Stellen. Und meistens ist mein zweites, reflektierteres Urteil auch positiver als das erste, weil ich mir dann nämlich auch mehr Gedanken über die Sprache mache und die Konzeption des Romans.
    Aber ich finde es trotzdem schade, nicht doch mindestens einen schönen Satz aus jedem Roman „mitzunehmen“. Ich glaube, ich denke einmal darüber nach, wie ich das doch noch schaffe, zu so einem Sätze-Archvb zu kommen. Vielen Dank also für diese Anregung!
    Viele Grüße, Claudia

  3. Moin,

    auch wenn sich vielleicht bei dem einen oder anderen jetzt die Zehennägel hochrollen: ich nehm dazu ganz profan einen Stift und kritzel ins Buch. Ja ins Buch, nicht ins eBook. Der Reader hat zwar eine elektronische Möglichkeit dazu, genutzt habe ich die aber noch nie. Ich mach das aber auch extrem selten, genaugenommen bisher dreimal. Das erste Mal in Lems Der Unbesiegbare, als Rohan über den Krieg gegen die Roboterinsekten nachdenkt. Das zweite mal in Lindgrens Ferien auf Saltkrokan als Pelle für jeden vergangenen Tag seiner Ferien einen Zinken aus seinem Kamm bricht und sein Vater daraufhin den Kamm fortwirft, da das Denken an das bevorstehende Ende den Spss an der Gegenwart nimmt. Die dritte Stelle ist aus Kerkelings Ich bin dann mal weg, als er einen Vergleich mit einem alten, heruntergekommen Dorfkino zieht in dem ein hervorragender Film läuft und sein Bekenntnis zu Gott. Auch wenn die Sitze verschlissen sind, die Leinwand abblättert und die Lautsprecher knistern ändert das nichts am Werk, das gezeigt wird. Ich bin nun nicht religiös, hab eher den Standpunkt, dass ich ich davon nicht leiten lasse und mir meinen eigenen Weg suche. Aber der Vergleich von HaPe hat mir dann doch imponiert.
    Für diese drei Textstellen brauche ich kein Memo – ich kann sie auch so und weiss wo sie im Buch stehen – selbst die Markierung bräuchte ich also nicht. Aber vielleicht fallen die Bücher ja doch mal jemand anderem in die Hände? Vielleicht juckt mich das Schiff des Theseus deswegen?

    Liebe Gruesse
    Hübi

  4. Hach, Tobias, ich mag deine Beiträge! Sie heben sich echt immer ein wenig von dem ab, was man auf vielen anderen Blogs (auch auf meinem) entdeckt.
    Ich markiere mir nichts mit Post-Its, aber schreibe mir die Seitenzahlen von tollen Zitaten auf, die ich dann entweder in meinen Rezensionen oder aber in der Kategorie Lieblingszitate verwende. Da blättere ich (online) aber auch immer wieder geren durch.
    Ich stimme dir aber total zu: Manchmal habe ich ein totales Herzensbuch gelesen, aber mir kein tolles Zitat markiert, weil das Wunderbare des Buches eben in der Geschichte oder den Charakterenan sich steckt und nicht in wenigen Zeilen greifbar ist.

  5. Hallo Tobi,
    früher habe ich Textstellen haarfein mit Bleistift markiert, aber nicht nur viel zu selten, sondern auch so fein, daß ich die Stellen teilweise nicht mehr wiederfinde. Aber in den meisten Büchern habe ich leider nichts markiert, weil sie mir heilig waren, was ich heute sehr bedaure, denn viele Passagen würde ich gern noch einmal lesen, finde sie aber nicht wieder. Dann fing ich mit Klebezettelchen an, um die Bücher zu schonen, das ist ideal, hätte ich das doch schon eher getan, und ich liebe es, wenn aus meinen Büchern die bunten Blättchen herausschauen. Aber im Grunde beneide ich die Menschen, die mit ihren Büchern arbeiten, anstreichen und die Ränder vollschreiben. Ein weiterer Grund, warum ich das nicht tat, war, weil die Bücher irgendwann einmal in andere Hände fallen werden und mir diese Vorgehensweise zu persönlich war. – Ich kenne eine Frau, die sich jedes Buch doppelt kauft: mit dem einen arbeitet sie hemmungslos wie beschrieben, das andere stellt sie ins Regal.
    Liebe Grüße!
    Madame Filigran

  6. Ich habe mir angewöhnt je nach Situation, und wenn es geht entweder einen Zettel als Markierung ins Buch zu legen, ein Post-It zu verwenden oder mir einfach die Seitenzahl zu Notieren, eventuell mit einer kurzen Notiz zu der Stelle die ich mir Merken will – denn, so habe ich für mich festgestellt, dass mit dem Merken haut bei mir meist nicht so ganz hin und wenn ich denke die Seitenzahl oder den Satz (oder einfach das Wort welches ich eventuell nachschlagen will) kannst du dir im Sinn behalten, dann haut das in neun von zehn Fällen eben nicht hin und ich Vergesse das Wort, den Satz, oder finde ohne Zahl die Seite nicht mehr …

  7. Lieber Tobias,

    ich verwende seit Kurzem auch Post-its, auch um Stellen zu markieren, an denen es um ein Thema geht, das sich durch das Buch zieht.
    Ich hatte es davor mit einem Notizbuch versucht, aber bald festgestellt, dass ich schlicht zu faul zum handschriftlichen Rausschreiben bin 😉
    Ist schon interessant, eines meiner zuletzt gelesenen Bücher ist gespickt mit Post-its, obwohl es mir nicht gefallen hat, während das Buch, das ich momentan lese und das mir gefällt, noch kein einziges enthält.

  8. Hallo Tobi,

    Auch mit Postits….
    Nun allerdings nicht mehr, da mir ein bisschen die Zeit fehlt.
    Aber ich habe es so gehandhabt, als ich anfing Niederländisch zu lernen. Wörter die ich nicht kannte und vor allem Redewendungen habe ich mir so makiert und in ein richtiges Notitzbuch geschrieben, eigenlich will ich es noch immer so machen, denn perfekt wird man ja nie und kann immer noch dazu lernen, aber wie gesagt, im Moment fehlt ein bisschen die Zeit dazu… Und die Energie.

    Einen schönen ‚Rest‘-Sonntag,

    simone

  9. Huhu,

    habe mir deine Zitate durchgelesen, hast dir wirklich sehr interessante, schöne und aussagekräftige Passagen rausgesucht. Ich glaube sie sagen auch etwas über dich als Menschen aus 😉 In meinem Blog habe ich auch eine Seite mir meinen Lieblingszitaten aus Büchern, die mir sehr gefallen haben. Manchmal gibt es Bücher, die sind so im Großen und Ganzen gar nicht so spannend oder herausragend aber dafür gibt es Textstellen in ihnen, die sie lesenswert machen. Toller Beitrag ! lg

  10. Moin, lieber Tobi,

    ich liebe Zitate aus Büchern. Besonders aus meinen Lieblingen (Bücher über Bücher). Glücklicherweise sind in solchen Büchern ja jede Menge schöne Sätze, Absätze, Kapitel, ja ganze Seiten drin, sodass ich sie nicht alle abschreiben muss.
    Die schönsten aber kommen mit in meine Buchbesprechung.

    Einen guten Rutsch habe ich Dir schon beim „Zauberer von Oz“ gewünscht. Also:

    Lesende Grüße, Anne

  11. Hallöchen Herr Tobi,
    ich hatte eine Zeit lang mal eine ähnliche Angewohnheit. Ich habe meine Lieblingsstellen immer mit Bleistift markiert und in die letzte Buchseite die Seitenzahlen zu den Stellen geschrieben. Das ist ähnlich wie mit den Post-its, weil man die Markierung wieder entfernen kann. Allerdings finde ich meine Variante einfach romantischer, da ein Bleistift für meinen Geschmack schöne Spuren hinterlässt. Naja, das ist einfach so eine Macke von mir. Dahinter steht sicher auch der Umstand, dass ich meist einen Bleistift bei mir habe, aber keine Zettelchen. Ich hätte Lust wieder damit anzufangen…
    LG, die Lady

    1. Liebe Lady Libri,

      also mit Bleistift das ans Ende des Buches zu schreiben ist auch nicht blöd. Allerdings hab ich echt mein Problem ein Buch auch nur mit einem Bleistift zu beschreiben. Aber praktisch ist das, meine Postits hab ich manchmal nicht gleich zur Hand, das nervt dann schon.

      Liebe Grüße
      Tobi

  12. Lieber Tobi,

    das ist ein sehr schöner Text. 🙂 Mir geht es genauso, ich habe auch immer Post its in der Nähe, und wenn nicht, schreibe ich mir zumindest die Seitenzahl auf und klebe später was hinein. Manchmal poste ich schöne Zitate auch auf meinem Blog, außerdem wird bei mir jede Rezi mit drei besonders treffenden Zitaten aufgelockert. 😉 Oft merke ich aber auch, dass die Zitate nur für mich persönlich eine Bedeutung haben oder nur im Kontext wirken, so wie du es beschrieben hast. Dann behalte ich sie einfach für mich und freue mich darüber, sie entdeckt zu haben. 🙂

    Liebe Grüße,
    Viktoria

  13. Hi Tobias,
    beim Stöbern und hin und her klicken von Blogeintrag zu Blogeintrag, bin ich schließlich bei dir und diesem Post gelandet. Ich kann dir in allem nur zustimmen. Auch ich habe früher Zitate in ein Notizbuch geschrieben, wobei die Anzahl der Zitate keinen Schluss auf das Lesevergnügen zuließen.
    Allerdings habe ich letztes Jahr damit aufgehört, da es einfach überhand genommen hat. Ich habe schneller gelesen, als ich Zeit (und vor allem Lust) hatte, die Zitate rauszuschreiben, so dass der Berg an Büchern, aus denen ich noch Zitate rausscheiben „muss“ immer weiter gewachsen ist.
    Ein bisschen schade finde ich es schon, doch mir geht es so einfach besser. Ich habe nicht mehr diese „Pflicht“ im Hinterkopf. Meine bis dahin gesammelten Zitate lese ich trotzdem immer wieder gerne durch 🙂

    Liebe Grüße,
    Caro

    1. Liebe Caro,

      schön, dass du hier gelandet bist und ich hoffe, dich als Leserin von meinem Blog gewonnen zu haben!

      Bei mir nimmt das noch nicht sonderlich überhand. Insgesamt sind es natürlich schon recht viele Zitate geworden, aber ich bin doch wählerisch und schreibe doch eher wenig ab. Manche Bücher sind natürlich voll davon, da ist das manchmal tatsächlich etwas nervig, aber eine richtige „Pflicht“ ist es nicht, dafür sind es dann doch zu wenig. Dann geht das. Aber ich finde, beim Lesen und alles was mit Literatur zu tun hat, muss das, was man tut Spaß machen. Wenn etwas in Arbeit ausartet, dann würde ich das wie du sein lassen.

      Liebe Grüße
      Tobi

  14. Als ich deinen Post gerade gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich neuerdings Zitate bzw. schöne Textstellen mit dem Handy fotografiere und dann irgendwann in einem ruhigen Moment in mein Zitatebüchlein übertrage. Manche Gewohnheiten entwickeln sich einfach, ohne dass man es selbst merkt 🙂

    1. Liebe Janin,

      mit dem Handy abfotografieren habe ich mir auch schon öfter überlegt. Das ist eigentlich nicht schlecht. Aber das kommt auf das Buch an. Bei manchen habe ich sehr viele Stellen, da ist ein Postit einfach am praktischsten.

      Liebe Grüße
      Tobi

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