Nach langer Zeit habe ich wieder einmal zu einem aktuellen Buch gegriffen und mal wieder etwas aus diesem Jahrtausend gelesen, was insgesamt nicht sonderlich oft vorkommt. Paul Austers letzter Roman 4 3 2 1 wurde ja 2017, kurz nach seinem Erscheinen, ordentlich durch das Buchbloggerdorf getrieben. Ein Umstand, der eigentlich nicht ausreicht, um mich hinter den Ofen vor zu locken. Aber in diesem Fall fand ich das Konzept des Buches sehr einfallsreich und interessant. Ob sich die Lektüre gelohnt hat, oder ob mich Auster wieder in die Arme der prächtigen Autoren der letzten Jahrhunderte getrieben hat, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

4 3 2 1 handelt von Archie Ferguson und der Roman beginnt bei Archies Großeltern, seinen Eltern und beschreibt dann sein Leben, bzw. seine Jugend. Allerdings, und das ist das Besondere und Einfallsreiche: Nicht in einer einzigen Version, sondern gleich in vier verschiedenen Fassungen. Vier verschiedene Wege, wie Archies Leben hätte verlaufen können, vier verschiedene Möglichkeiten, wie sich sein Lebensweg entwickeln könnte oder entwickelt hat. Archie wächst in Newark in New Jersey, ganz in der Nähe von New York auf und der Roman umfasst die fünfziger und sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Archies Hintergrund, seine Eltern und seine Herkunft als Spross (Enkel) eines jüdischen Einwanderers aus Russland ist natürlich für alle vier Versionen identisch. Aber dann verzweigen sich die vier Lebenswege und sowohl sein Umfeld als auch er selbst erleben ganz unterschiedliche Dinge, ihr Leben steht unter ganz anderen Einflüssen, Schicksalsschlägen und Veränderungen. Als Leser begleitet man immer aus der Sicht eines Erzählers Archie, erfährt wie er denkt und fühlt, lernt aus seiner Sicht seine Mitmenschen, Eltern, seine Familie, Freunde und Liebschaften kennen. Diese vier Versionen von Archies Leben werden dabei nicht isoliert eine nach der anderen gelesen, sondern sind verschränkt, zeitlich parallel angeordnet und so liest man immer einen Satz von vier Kapitel und alterniert so zwischen den vier einzelnen Erzählsträngen, die sozusagen zeitlich parallel ablaufen. Aber eben in unterschiedlichen Varianten und mit jedem Kapitel wird der Unterschied zwischen den verschiedenen Fergusons größer. Eine interessante Anordnung, die konzeptionell ein bisschen an Bachs Fugen erinnert. Entweder man lauscht der gesamten Melodie dieses Buches und bekommt dabei ein verschwommenes Bild aller einzelnen Archies, oder man versucht mental die einzelnen vier Leben isoliert zu betrachten und verliert dabei diesen abstrakten und übergreifenden Blick auf den Protagonisten. Eigentlich kann man das nicht und so ist der Vergleich mit einer Fuge vielleicht etwas falsch und man bekommt immer eine vermatschte Version aller vier Archies eingeflößt. Ein Umstand, der mit den Reiz dieses Buchs ausmacht. Mir hat dieses Arrangement sehr gut gefallen.

Mir hat auch das Setting, das Newark, New Jersey und New York der fünfziger und sechziger sehr gut gefallen. Über diese Zeit habe ich bisher sehr wenig gelesen und so fand ich es sehr spannend, wie Auster zwar die ganz individuellen Entwicklungen der vier Variationen erzählt, aber wie auch der politische, gesellschaftliche und soziale Hintergrund eine gewisse Konstanz hat und wie das die verschiedenen Wesenszüge Archies unterschiedlich beeinflusst. Das Zeitgeschehen, wie die Bürgerrechtsbewegung, der Vietnamkrieg, die 68er Bewegung, die Studentenproteste, die Rassenunruhen, die Ermordung Kennedys, alle bedeutenden politischen Entwicklungen sind natürlich konstant, in jeder Variante die Gleiche und so erfährt der Leser aus verschiedenen Perspektiven, wie in der damaligen Gesellschaft diese Veränderungen gewirkt haben. In einer Variation ist Archie beispielsweise ganz intensiv an den Aufständen in Newark dabei, in einer anderen bei den Protesten an der Columbia University.

Sehr schön fand ich auch, wie Auster die Persönlichkeit von Archie entwickelt. Seine Erfahrungen, das was er erlebt, sein soziales Umfeld beeinflussen sein Wesen und Charakter und so ist er in allen vier Versionen ein anderer Mensch. Gleichzeitig aber auch wieder nicht, denn seine Stärken und Schwächen sind dann doch wieder sehr ähnlich, wobei Auster hier wohl versucht hat, das was die Gene einem Menschen mitgeben mit dem auszubalancieren, was die Lebenserfahrungen und Einflüsse anderer Menschen mit sich bringen. Das ist ihm durchaus gelungen. Archie ist doch immer der Kunst, Literatur und dem Film zugewandt und in jeder Variante schreibt er in irgendeiner Form. Man erkennt einen Kern seiner Persönlichkeit in jeder der Geschichten wieder, so unterschiedlich er sonst auch immer wieder erscheint. Auch Sport ist immer eine von Archies Leidenschaften und Auster hat das sehr schön in seinen Roman eingewebt. Als eine Nebensache, aber etwas, das Archie antreibt, bereichert und interessiert.

Insgesamt konzentriert sich Auster auf Archies Kindheit und Jugend und umfasst mit dem Roman nicht das ganze Leben seines Protagonisten. Damit hatte ich eingangs nicht gerechnet. Aber die Jugend, die Gefühle, die Unsicherheiten, die Schwierigkeiten beim Erwachsen werden, beim sich selbst finden, das hat Auster schon richtig gut beschrieben. Das habe ich ihm durchaus abgenommen und der innere Konflikt, den Archie an vielen Stellen mit sich austrägt, konnte er sehr gut vermitteln. Seine Figuren kamen mir durchweg plausibel und realistisch vor, nicht nur Archie, auch seine Eltern oder Freunde.

Ein wichtiges Kernelement des Romans liegt in diesen vier Variationen. Etwas, das mich durchaus zum Nachdenken gebracht hat. Wie stark das Leben von Zufällen, von den Einflüssen der Menschen um einen herum, aber auch von der Politik abhängt. Auf wie viel unterschiedliche Arten das eigene Leben hätte ablaufen können und das dieses was-wäre-wenn zum Leben genauso dazu gehört, wie das, was wirklich geschehen ist. Das hat etwas von Fatalismus aber auch nicht so richtig, denn in jeder Variation sind es auch Archies eigene Entscheidungen, die seinem Leben eine andere Richtung geben. Die Frage, die sich stellt, die sich wohl jeder Mensch irgendwann einmal gestellt hat, ist die, wie wohl die verschiedenen Varianten des eigenen Lebens wohl ausgesehen hätten. Und vielleicht ist das, was nicht geschehen ist doch präsenter als man bewusst wahrnimmt. Dabei muss ich auch immer an die Unendlichkeit denken, die Nietzsche einmal postuliert hat. Dass in einer unendlichen Welt alles, was eine Wahrscheinlichkeit größer null hat (egal wie klein) irgendwann einmal eintritt. Genau genommen unendlich oft eintritt und das würde bedeuten, dass man eine mögliche Version lebt, aber unter der Voraussetzung dass das Universum unendlich ist, auch noch alle anderen möglichen Verzweigungen erleben wird. Aus der Sicht sind die vier möglichen Entwicklungen Austers verschwindend gering.

Das Buch hat mich stellenweise zwar immer wieder bewegt, besonders das Gefühl der Jugend, dieses Alles-ist-möglich fand ich sehr gelungen. Aber insgesamt konnte mich 4 3 2 1 nicht so begeistern, wie andere Bücher, die mir tief unter die Haut gegangen sind. Dazu war mir Archie irgendwie doch zu fern. Zum Einen durch die Erzählweise, die zwar einen guten Einblick in Archies Gedanken und Gefühle gewährt, die aber doch auch immer irgendwie nüchtern auf mich gewirkt hat. Als Leser habe ich nicht mit dem Protagonisten mit gefiebert, es hat sich zwischen mir und Archie keine intensive Verbindung aufgebaut. Zum Anderen konnte ich mich nur bedingt mit Archie identifizieren und alle vier Archies hatten nur wenig mit mir gemein, so dass meine Empathie begrenzt war.

Diese vermengten Erzählstränge, diese vier Variationen, die immer im Wechsel verschränkt sind, unterbrechen aber auch jedes Mal den Lesefluss und immer wieder habe ich mich gefragt, in welcher Version ich nun unterwegs bin und was zuvor passiert ist. Das ist wahrscheinlich durchaus gewollt, um eben diese Vermischung zu erreichen, aber förderlich für die Lektüre ist dieses Stilmittel nicht unbedingt. Beim Lesen muss man dann doch immer wieder zurück blättern, um zu schauen was zuletzt in diesem Handlungsstrang passiert ist.

Hinsichtlich seiner sprachlichen Ausgestaltung merkt man, dass an den Sätzen geschliffen wurde und es gibt ganz gelungene Konstruktionen, wie lange nicht endende Absätze, wenn beispielsweise eine lange Litanei atemloser Selbstzweifel einer Figur beschrieben werden. Oder Aufzählungen, wenn Auster verschiedene Aspekte einer Situation beschreiben möchte. An anderer Stelle stellt er einzelnen Abschnitten ein kursiv geschriebenes Stichwort voraus, um einzelne Punkte zu charakterisieren. Sehr schöne und ausgefallene Stilmittel, aber trotzdem habe ich die Formulierungen oft als nicht so sehr poetisch und klangvoll empfunden, sondern eher geradlinig. Gerade in dieser Richtung hatte ich mir mehr erwartet. Wenn ich da beispielsweise an Richard Powers Der Klang der Zeit denke, dann haben mich da zahlreiche Absätze hinsichtlich Sprachrhythmus und -melodie sehr geflasht. Solche Sätze gab es in dem Buch stellenweise schon, aber leider viel zu selten. Einen solchen prächtigen Satz möchte ich euch aber nicht vorenthalten (wobei er nicht vollständig ist, denn er geht noch viel weiter und das ist nur der Anfang davon):

„Eine weiße Südafrikanerin mit dem dunklen Teint einer Nordafrikanerin, ältere, tiefere Wurzeln in den Wüsten des Nahen Ostens überlagert von osteuropäischen Wurzeln, die exotische Jüdin der germanischen und nordischen Literatur, das Zigeunermädchen aus Opern des neunzehnten Jahrhunderts und Technicolorfilmen, Esmeralda, Bathseba und Desdemona in einem, das schwarze Feuer ihres gekräuselten, widerspenstigen Haars wie eine Krone auf dem Kopf, zartgliedrig und schmalhüftig, leicht hängende Schultern und gebeugter Nacken, wenn sie sich im Unterricht Notizen machte, träge Bewegungen, nie hektisch oder genervt, gelassen, sanft und gelassen, nicht die levantinische Verführerin, die sie zu sein schien, sondern ein solides Mädchen voller Warmherzigkeit, in vielerlei Hinsicht das normalste Mädchen, zu dem Ferguson sich je hingezogen fühlte, […]“

S.672

Paul Auster wurde 1947 in Newark geboren und hat schon zahlreiche Bücher veröffentlicht und ist eine feste Größe in der Welt der amerikanischen Literatur. Er hat auch Gedichte und Essays verfasst, als Übersetzer gearbeitet und einige Zeit in Frankreich gelebt. Liest man sich Austers Lebenslauf durch, so wird klar, dass dieser Roman sehr autobiographisch ist und er ungemein viel mit Archie gemein hat. Seine Leidenschaft für Sport, Filme, für Bücher, sein Geburtsort, dass die 50er und 60er Jahre auch die Zeit seiner Kindheit und Jugend war, dass auch er schwer von Dostojewskis Schuld und Sühne beeindruckt war, dass auch er auf der Columbia University studiert hat, Auster beschreibt sich als ebenso schüchtern wie sein Archie und es gibt noch viele weitere Parallelen. Betrachtet man, dass Auster dieses Buch mit knapp 70 Jahren veröffentlicht hat, dann ist es mehr als nur eine einfache Geschichte. Beim Lesen hat sich das Buch oft wie ein Rückblick, wie ein Rekapitulieren angefühlt und es lag auch immer ein Hauch von Schwermut über allem. Schon am Beginn einer schönen Phase in Archies Leben, wenn etwas gut läuft, hatte ich immer ein Gefühl von Vergänglichkeit, was wohl auch durch die zeitliche Raffung der Geschehnisse hervorgerufen wird. Archie wirkt oft an vielen Stellen viel zu reflektiert und klug für einen Jungen im Teenageralter.

Wer mehr zu den Hintergründen, über Paul Auster und diesen Roman erfahren möchte, dem kann ich auch eine hervorragende Arte Doku empfehlen, die ich mir natürlich gleich im Anschluss zu dem Buch angesehen habe (Achtung, die Doku enthält zahlreiche Spoiler, also erst nach der Lektüre anschauen). Darin wird noch einmal klar, dass Archie eine Figur ist, die sehr stark mit seinem Schöpfer verbunden ist. Und Auster erzählt darüber, wie er schreibt und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. So etwas finde ich immer sehr interessant. Man merkt auch, dass Auster ein eher melancholischer Mensch ist, etwas, dass ich in seinem Buch ganz stark gespürt habe.

Nachdem ich mir die Doku angesehen hatte, die Interviews mit ihm und auch seiner Frau, da wurde mir auch klar, warum mich das Buch nicht so richtig gepackt hat, wieso mir Archie und damit auch Auster nicht so nahe gekommen ist, wie das bei einem Werk dieses Ausmaßes sein sollte. Seine ganze Geisteshaltung, seine Denkweise, seine Art die Welt zu sehen und zu beschreiben, ist die eines Künstlers. Natürlich ist nun jedes Buch Kunst und natürlich bin ich in vielen Facetten dieser zugewandt. Aber ich bin auch ein Kind der Ratio und damit der verbundenen prosaischen, pragmatischen und unverwandten Sicht auf die Welt verhaftet, über die ein so richtiger Künstler wahrscheinlich nur den Kopf schütteln würde. Aber so what, das ist gut so, denn mit Büchern begegnet man den verschiedensten Menschen. Denen, in die man sich ab der ersten Zeile verliebt und eben auch die, die ein anderes Weltbild haben und das genieße ich doch auch bei jedem Buch.

Die Ausgabe selbst wurde von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten deutschen Bücher 2017 ausgezeichnet und natürlich hab ich mir die gebundene Ausgabe geholt. Aber so richtig kann ich die Entscheidung nicht nachvollziehen. Ich habe mir einen richtig schicken Prachtroman erwartet, aber ich finde die Buchgestaltung eher gewöhnlich und nicht besonders herausragend. Hier kann man also auch guten Gewissens zum Taschenbuch greifen, denn die Merkmale welche von der Jury der Stiftung Buchkunst gelobt werden, die findet man auch bei der Taschenbuchausgabe.

Interessant finde ich auch, dass es gleich vier Übersetzer gebraucht hat, um das Buch ins Deutsche zu übersetzen. Die Antwort habe ich dann in der Rezension der FAZ gefunden: Es war wohl das Ziel das Buch in Deutschland zur gleichen Zeit zu veröffentlichen wie das Original und da hätte es wohl nicht ausgereicht, wenn nur sein Stammübersetzer Werner Schmitz daran gearbeitet hätte. Allerdings wurde, gemäß dem Artikel der FAZ nicht jedem Übersetzer eine Archie-Version gegeben, sondern sie haben je nach Kapazität gearbeitet.

Fazit: Austers umfangreicher Roman über die vier Variationen von Archie Fergusons Leben ist ein gelungenes Buch, das einen sehr persönlichen Blick auf die fünfziger und sechziger Jahre Amerikas gibt. Die verschiedenen Möglichkeiten eines Menschenlebens auszuführen ist eine ausgefallene und faszinierende Idee, die Auster hier hervorragend umgesetzt hat. Mit seinen teilweise außergewöhnlichen sprachlichen Mitteln und den detaillierten Blick auf seine zahlreichen und realistisch anmutenden Figuren konnte mich der Roman durchgängig sehr gut unterhalten. So richtig begeistern konnte er mich allerdings nicht. Dazu hat sich bei mir irgendwie keine intensive Verbindung zu seinem Protagonisten aufgebaut. Zudem waren mir zu wenig Sätze schön klangvoll und poetisch. Eine große Leistung ist dieses Buch aber auf jeden Fall und gerade die autobiographischen Züge des Romans geben ihm viel Authentizität und Tiefe. Ein Roman, dessen Lektüre sich auf jeden Fall lohnt und der in mir einige Gedanken und Gefühle geweckt hat.

Buchinformation: 4 3 2 1 • Paul Auster • Rowohlt Buchverlag • 1264 Seiten • ISBN 9783498000974

    11 Kommentare

  1. Markus Eggert 30. März 2019 at 21:41 Antworten

    Und wieder, ich glaube ich muss dieses Buch echt noch lesen, es reizt mich schon seit langem, danke das du mich noch einmal daran erinnert hast.

  2. Lucien Deprijck 30. März 2019 at 23:22 Antworten

    Ich bin ganz auf der Linie dieser Rezension. Mir hat das Buch durchaus gefallen, es hat sich gelohnt, es zu lesen, aber dennoch mischt sich auch ein wenig Enttäuschung in die Beurteilung. Das literarische Experiment (vier mögliche Leben nebeneinander bzw. durcheinander) ist interessant und verdient Respekt, ich würde es auch nicht als misslungen bezeichnen. Aber so richtig gelungen … ist es dann auch nicht. Frühere Bücher von Auster haben mir sämtlich besser gefallen. Es ist richtig, man muss immer wieder zurückblättern, um den Durchblick zu behalten, und es gibt unnötige Längen in der Beschreibung. Besonders die Studentenunruhen fand ich zu detailliert und ausführlich beschrieben, da wurde es zuweilen sogar langweilig. Auster ist aber als Autor jederzeit stark genug, um gut und auf hohem Niveau zu unterhalten. Die Aufmachung: ja, in der Tat, nicht wirklich preiswürdig. Aber wen juckt’s ? — es geht ja um den Inhalt.

    • Tobi 31. März 2019 at 21:27 Antworten

      Lieber Lucien,

      „4 3 2 1“ war mein erstes Buch von Auster, daher hat mir da der Vergleich gefehlt. Im Vorfeld wurde bei mir aber auch die Messlatte echt hoch gelegt, weil das Buch überall so hoch gelobt wurde und die Erwartung konnte es dann doch nicht erfüllen. Die Längen die du beschreibst, kann ich auch bestätigen. Ich fand diesen ersten Schuhgeschichte von Archie echt langatmig und die hätte es echt nicht gebraucht.

      Was die Aufmachung angeht, da war ich natürlich schon angespitzt, durch den Preis der Stiftung Buchkunst. Da habe ich einige wirklich schöne Bücher die ausgezeichnet wurden und um so überraschter war ich, dass dann diese Ausgabe doch so gewöhnlich war. Unterm Strich ist das nicht so schlimm, aber Du weißt ja, gegen ein schmuckes Buch habe ich natürlich nie etwas einzuwenden 😉

      Ich finde es interessant, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin. Ich hätte eher mit dem Gegenteil gerechnet.

      Liebe Grüße
      Tobi

      P.S.: Ich hoffe ja, dass Du wieder aktiv wirst. So ein Buch wie „Die Inseln, auf denen ich strande“, wieder so schick im Mare Verlag, da wär ich wieder dabei 😉

      • Lucien 3. April 2019 at 19:22 Antworten

        Lieber Tobi,

        ich bin sehr aktiv, nur hakt es leider ein wenig bei der Verlagsfindung. Aber irgendwann kommt wieder was, und ich hoffe, es findet dann gute Aufnahme, auch wenn es nicht bei mare ist.

        Viele Grüße,
        Lucien

        • Tobi 6. April 2019 at 10:26 Antworten

          Lieber Lucien,

          dann drücke ich Dir die Daumen und hoffe, dass Du bald erfolgreich bist. Also ich würd mich über etwas Neues von Dir sehr freuen! „Ein letzter Tag Unendlichkeit“ hab ich auch noch sehr gut in Erinnerung.

          Herzliche Grüße
          Tobi

  3. Cathryn 31. März 2019 at 15:12 Antworten

    Ich kann dem nur zustimmen. Als Fan von Austers Romanen war ich bei diesem hin- und hergerissen. Das Was-wäre-wenn-Konzept fand ich eine großartige Idee, habe in der Umsetzung aber auch viele Längen wahrgenommen, die sich bei einem einfachen Handlungsstrang vermutlich nicht eingeschlichen hätten, z. B. schier endlose Passagen, in denen nur ein Baseballspiel beschrieben wird. Und, ja, einen richtigen Bezug konnte ich zu dem Protagonisten (bzw. seinen diversen Ausführungen) ebenfalls nicht aufbauen, wobei ich nur zwei von Archies Versionen richtig glaubwürdig gezeichnet fand – ist aber vielleicht auch Empfindungssache. Der Schluss jedoch, hat mich dann trotz aller Kritik wieder voll gepackt, und damit quasi auch versöhnt.
    Vielen Dank jedenfalls für den Beitrag und die zusätzliche Recherche! Das mit den Übersetzern hatte ich mich tatsächlich auch schon gefragt.

    • Tobi 31. März 2019 at 21:31 Antworten

      Liebe Cathryn,

      also ich glaube ich muss doch noch mehr von Auster lesen. Bisher ist das ja mein erstes Buch von ihm und scheinbar gibt es von ihm noch Besseres. Die Baseballspiele gingen sogar noch, obwohl ich mit sowas nicht viel am Hut hab. Aber die Schuhgeschichten, die hat mir gar nicht gefallen, die hätte es nicht gebraucht. Überhaupt alle Romanentwürfe, die von ihm gebracht wurden.

      Ich fand schon alle vier Archies ganz gut gelungen, wobei bei mir das im Kopf dann schon ein ganz schöner Matsch war, ich glaube ich könnte sie nicht so isoliert bewerten. Das Ende fand ich aber auch ganz gut, da kann man nichts sagen. Wobei es aber die so deutliche Erklärung nicht unbedingt gebraucht hätte. Aber das Buch ist schon eine Runde Sache.

      Liebe Grüße
      Tobi

      • Cathryn 31. März 2019 at 21:43 Antworten

        Hallo Tobi,

        oh genau – die Schuhgeschichte! Die hatte ich schon fast wieder verdrängt :-D. Insgesamt hätte das Buch somit auch gut 300 Seiten kürzer sein können.
        Das Autobiografische, das Du oben erwähnt hast, ist übrigens typisch für Auster. Zahlreiche seiner Bücher handeln von Schriftstellern oder New York oder Schriftstellern in New York. Auch der Bezug zu Frankreich ist ein wiederkehrendes Element. In einer seiner Geschichten spielt er als Schriftsteller sogar selbst mit, was dem Ganzen etwas wunderbar Skurriles verleiht. (Das war die New York Triologie, glaube ich). Das macht dann eigentlich auch das aus, was ich an Austers Büchern so mag, zusammen mit diesen Crossing-the-forth-Wall-Momenten wie am Ende in 4321. Weiteres von ihm kann ich Dir da nur empfehlen.

        Viele Grüße

        Cathryn

  4. Cora 2. April 2019 at 18:00 Antworten

    Lieber Tobi,

    ich muss das Buch wirklich noch lesen! Leider schreckt mich aber die Dicke – und der Umstand, dass ich es dann nicht mit mir herumtragen kann/will – doch etwas ab. Danke für die ausführliche Rezension und den Doku-Tipp. Die werde ich mir Morgenabend, wenn ich Zeit habe, auf jeden Fall anschauen!

    Liebe Grüße
    Cora

  5. Miss Booleana 9. April 2019 at 11:25 Antworten

    Hi Tobi,
    ich finde mich an einigen Stellen in deiner Rezension wieder. Austers Roman habe ich letztes Jahr gelesen, es war auch mein erster Auster und ich war im Großen und Ganzen sehr angetan. Die ellenlangen Aufzählungen und zahlreichen eingeschobenen Nebensätze waren auch mir stellenweise zuviel und zu ausufernd. Bei der Geschichte konnte ich durch einen Trick ganz gut mithalten. Bei größeren Ereignissen seines Lebens habe ich am Buch ein Klebe-Fähnchen-Dingsie (du weißt schon … die Dingsies eben) angebracht – für jedes Kapitel bzw. jede Archie-Version eine andere Farbe. So konnte ich direkt zurückblättern und mir in Erinnerung rufen, welcher Archie das ist. Man sah so auch ganz, welcher Archie wann „aufhört“ … was mich jedes Mal sehr getroffen hat. Allerdings brauchte ich die Methode nur am Anfang als die Leben der „Jungs“ bzw des Jungen noch sehr ähnlich verliefen, später ging es dann eigentlich ohne. Mit Archie selber bin ich allerdings auch nicht warm geworden. An Empathie mangelte es mir nicht, aber die jugendliche Sexgeilheit nahm mir irgendwann etwas überhand. Ja, es ist ein wichtiges Thema, insbesondere in dem Alter. Aber der Fokus darauf war mir zu stark.
    Bei der Ausgabe bin ich aber auch bei dir – ich empfand die deutsche Ausgabe als relativ schmucklos und habe mich für eine englische entschieden, die ich mit den ganzen Menschen(leben) auf dem Cover irgendwie passender fand. So oder so … ein ganz schöner Brocken „Leben“. Danke für das Teilen der Doku, wird geschaut.

    Viele Grüße

  6. Thorsten J. Pattberg 1. Juli 2019 at 6:37 Antworten

    Lieber Tobi,

    War im Netz über Deine Website Lesestunden.de gestolpert. Und schon war ich eine Stunde lang hier gefesselt. 😀

    Deine Rezension von Paul Austers 4 3 2 1 ist sehr gelungen. Und ehrlich. Besten Dank! Erinnert mich irgendwie an den Film ‚Mr Nobody‘, in welchem der Protagonist drei verschiedene ‚Lebenswege‘ beschreibt, jeweils mit einer anderen Lebenspartnerin. Eben, wie sich die kleinen Entscheidungen im Leben auf den gesamten Rest noch auswirken werden.

    Ich hätte fast meinen Verlag gebeten, Dir unbescheiden ein Rezensionsexemplar der Lehre vom Unterschied zu übersenden. Dann las ich aber, dass Du eigentlich fast nur Klassiker und die großen Verlagsproduktionen liest. Schade.

    Dann bleibe ich halt nur im Kommentarbereich, haha. Trotzdem alles Gute für Deinen schönen Blog, den ich verlinken und dem ich noch lange folgen werde.

    Beste Lesestunden wünscht Dir
    Mit verbindlicher Empfehlung
    Thorsten J. Pattberg, Autor der Lehre vom Unterschied

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