In meinem letzten Beitrag hatte ich bereits angekündigt, dass ich das ein oder andere Abenteuer-Spielbuch vorstellen möchte und mit Das Feuer des Mondes starte ich mit einem neueren Buch dieses Genres, wobei neuer etwas übertrieben ist, denn es erschien bereit vor fünf Jahren. Viele aktuelle Spielbücher sind aber Neuauflagen der populären Bücher aus den 80er Jahren und so war ich gespannt, wie wohl ein aktuelleres Werk sich liest. Was euch in diesem Buch für ein Abenteuer erwartet und ob es sich lohnt es zu lesen, das erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Über Joe Dever und seine wunderbaren Einsamer Wolf Bücher hatte ich bereits in der Vergangenheit einmal geschrieben. In den 80er Jahren gab es einen kurzen Trend zu Abenteuer-Spielbücher. Das sind Bücher, die nicht normal linear gelesen werden, sondern in Sektionen unterteilt sind. Der Leser schlüpft in die Rolle des Protagonisten, startet mit der ersten Sektion und hat dann die Möglichkeit sich zu entscheiden, wie die Geschichte weitergehen soll und was er selbst als Hauptfigur machen soll. Auf diese Weise liest jeder das Buch anders und erlebt ein ganz eigenes Abenteuer, wobei zumeist auch Regeln gelten, Kämpfe ausgewürfelt werden, Gegenstände gesammelt und auf einem Aktionsblatt vermerkt werden müssen. Spielbücher sind also, wie der Name sagt, Bücher, die gespielt werden und meist mit einem schönen Fantasy Setting aufwarten. Eine nerdige Angelegenheit, aber ich habe diese Bücher in meiner Kindheit und Jugend geliebt und wie ich dieser Tage feststelle, sind diese Bücher einfach immernoch sehr unterhaltsam und ein Vergnügen zu lesen.

Das Feuer des Mondes ist ebenfalls in einem Fantasy-Setting, in der Welt Anmar angesiedelt. Der Leser schlüpft in die Rolle eines Nachtwächters der Stadt Waldheim. Während eines nächtlichen Rundgangs wird man von einem Schattendiener angegriffen und gezeichnet und dann geht es natürlich sehr schnell und man wird von finsteren Mächten verfolgt und muss selbst ein Mittel gegen diese dunkle Bedrohung finden. Also alles sehr klassisch, aber von der Geschichte her unterhaltsam zu lesen

Auch bei diesem Spielbuch hat man wieder einen Bogen, in dem man seine Werte, Rucksackgegenstände, Lebensenergie usw. einträgt. Und es gibt zwei Karten, die man nach und nach aufdeckt. Sowohl den Bogen, als auch die Karten gibt es auch als Download, so dass man sich beides ausdrucken und dann frei bekritzeln kann.

Mir hat der aufgeräumte Aufbau des Buches sehr gut gefallen. Anstatt erstmal die Regeln durchzulesen, startet man direkt mit der Geschichte und erst nach und nach wird man aufgefordert sich die einzelnen Regelblöcke am Ende des Buches durchzulesen, wodurch das sozusagen on-the-fly geht und man hier einen sehr angenehmen Lesefluss hat. Die Spielmechaniken fand ich sehr gelungen, da merkt man einfach, dass Erfahrungen mit älteren Büchern gesammelt und der Aufbau optimiert wurde und es dürfte klar sein, dass die Autoren Fans des Genres sind (aber wie könnte es auch anders sein). Nach dem Tutorial, was mich ein bisschen an Videospiele erinnert hat, beginnt das Abenteuer so richtig und später kann man sich dann sogar für unterschiedliche Charakterentwicklungen entscheiden und auch das erinnert stark an Computerspiele. So kann man zwischen Krieger (Weg der Krallen) und Magier (Weg der Schwingen) wählen und hat dort dann auch nochmal unterschiedliche Pfade zur Auswahl. Wie gut die Skills am Anfang sind, wird dann nicht durch Zufall und Würfeln entschieden, sondern durch Rätsel. Das sind alles Elemente, die bei einem Gamernerd wie mir natürlich sofort ziehen. Sehr genial umgesetzt und auch vom Balancing kann sich da das ein oder andere Spiel eine Scheibe abschneiden. (Für Insider: Auf Fehler wie einen unbesiegbaren Zakhan Kimah stößt man in dem Buch nicht).

Das Buch ist in drei Bücher unterteilt. Buch 1 spielt in der Hauptstadt Waldheim, wo die Geschichte beginnt und endet. Buch 2 und 3 spielen in einem Dschungel bzw. einem Wald, die es nach und nach zu ergründen gilt. Mit Hilfe der Karten kann man sich orientieren und muss in diesen Gebieten einen Auftrag erfüllen, um die Story voran zu treiben. Insgesamt hat das Buch so drei mal 200 Abschnitte, was in Summe ganz schön viel ist und man ist doch ein bisschen beschäftigt. Für ein Einsamer Wolf Buch brauche ich in der Regel so einen Abend, für Das Feuer des Mondes habe ich dann in Summe drei Abende aufgewendet, wobei ich mir Zeit gelassen und das Buch auch genossen habe (wobei ich das auch bei Devers Bücher mache).

Was mir auch sehr gut gefallen hat, sind die vielen Mechaniken, die in dem Buch zu finden sind. Beispielsweise findet man einen Ring mit einer eingravierten Nummer und um den Ring dann an der richtigen Stelle zu nutzen, muss man zu dem aktuellen Abschnitt einfach diese Nummer addieren. Es gibt Rätsel, Zufallsereignisse, die Karten die begehbar sind und wie bei Videospielen kann man sich teleportieren, man kann handeln und gute neue Items finden usw. Also hier haben sich die Autoren ordentlich ausgetobt, aber alles schön ausbalanciert und so hat man einen angenehmen Charakterfortschritt, immer wieder Teilquests, die erfüllt werden müssen, kann ein wenig rätseln und folgt so Stück für Stück der Geschichte. Diese macht übrigens auch immer Anspielungen auf andere Spielbücher und auch auf Spiele wie Diablo, was dem Ganzen eine leichte humorvolle Note gibt, die durchaus passend ist.

Wobei ich ich ja bei Spielen, egal welcher Art, immer wenig Glück habe. Ich war praktisch immer pleite und konnte nie etwas bei einem Händler einkaufen und meine Menschlichkeit war immer so niedrig, dass ich kurz davor war selbst einer der finsteren Schattendiener zu werden. Aber ich hab dann doch immer irgendwie die Kurve gekriegt und das Buch dann als Rabenjäger beendet. Wer also das Buch auch gelesen hat, darf hier gerne kommentieren, wie er das Buch gespielt hat, da bin ich natürlich neugierig.

Von seiner sprachlichen Ausgestaltung ist das Buch eher einfach gelagert, aber was das angeht ist es genretypisch. Primär werden eben Situationen beschrieben und bei so einem Buch ist es wichtig, dass die Szenen schön dargestellt werden, was hier der Fall ist. Von den Inhalten, aber auch von den Sätzen her ist es auch für Jugendliche sehr gut geeignet. Wäre mir das Buch damals zu der Zeit in die Hände gefallen, in der ich Spielbücher das erste Mal verschlungen habe, wäre das Buch sicher ein großer Favorit gewesen. Aber auch jetzt als erwachsener Nerd ist es angenehm zu lesen.

Ganz klassisch wie bei den Vorbildern aus den 80ern, ist das Buch auch mit Illustrationen ausgestattet. Die kleinen Illustrationen und die Karten fand ich hübsch gezeichnet, auch der Bogen ist schön umgesetzt. Die großflächigen Illustrationen haben mir hingegen weniger gefallen, sie wirken vom Zeichenstil doch eher amateurhaft und können sich nicht im Ansatz mit beispielsweise den schönen Zeichnungen von Gary Chalk vergleichen, der die Einsamer Wolf Bücher aus den 80ern einfach wunderbar illustriert hat. Das Buch selbst ist ein klassisches Taschenbuch, was zu einem Abenteuer-Spielbuch wiederum ganz gut passt, weil man darin sehr gut blättern kann. Natürlich würde ich mir immer eine Prachtausgabe wünschen, aber das wäre dann sozusagen eine Nische in der Nische.

Fazit: Das Feuer des Mondes ist ein gelungenes Abenteuerspielbuch, mit einem angenehm ausgewogenen fairen Schwierigkeitslevel, einfallsreichen Spielmechaniken und einer nicht unbedingt ausgefallenen, aber unterhaltsamen Geschichte. Ich fand es einen Genuss, Abends das Buch zur Hand zu nehmen und die Welt von Anmar zu erkunden. Die Illustrationen hätten etwas prachtvoller ausfallen können, aber mit all seinen einzelnen Elementen bekommt der Leser hier ein rundes Spielbuch geboten, das sehr gut unterhält und das ich sehr empfehlen kann. Besonders wer noch nie ein Buch dieser Art gelesen hat und neugierig ist, oder wer einen jungen Menschen mit einem ausgefallenen Buch beschenken will, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.

Buchinformation: Das Feuer des Mondes • Christian und Florian Sußner • Mantikore-Verlag • 560 Seiten • ISBN 9783939212638

    3 Kommentare

  1. Huebi 24. März 2019 at 12:37 Antworten

    Moin,
    also das ist nichts für mich. Ich hab das mal vor ewigen Zeiten ausprobiert, das war aber dann recht einfach gemacht. Nach ein paar Absätzen kamen dann imer Fragen der Art „Möchtest du jetzt das tun, dann lies weiter auf 197“ „Oder magstdu jenes tun, dann lies weiter auf 79“. Das ständige rumblättern hat mich nur genervt.
    Und überhaupt ist sowas prädestiniert fürs Tablet oder den eReader 🙂 Da brauch ich neben dem Buch nicht noch mit Bleistift, Papier und Würfeln hantieren.

    //Huebi

  2. Harald Lapp 31. März 2019 at 11:30 Antworten

    Hi Tobi,

    in meiner Jugend habe ich die AD&D Bücher in der Bibliothek ausgeliehen und nur so verschlungen. Allerdings konnte man in den Büchern – wenn ich mich richtig erinnere – „sterben“, was manchmal ein wenig frustrierend war, da dann das Suchen nach dem Ausgangspunkt losging um doch noch den „richtigen“ Weg zu finden. Wie schaut es denn da mit „Das Feuer des Mondes aus“?

    Viele Grüsse,

    • Tobi 31. März 2019 at 21:35 Antworten

      Huhu Harald,

      die AD&D Bücher habe ich auch gelesen und auch noch im Schrank stehen. Die sind ja auch echt alt. Ja die waren echt frustrierend, daran kann ich mich auch noch erinnern, wobei das echt schon lange her ist. Bei diesem Spielbuch hab ich keine Stelle gefunden, wo man plötzlich stirbt. Und auch bei Joe Devers Bücher gibt es das nur ganz selten. Die sind eigentlich schon fair. Aber ich muss gestehen, bei einem plötzlichen Ableben, blättere ich dann auch schnell zurück. Mir fehlt dann einfach die Zeit, dass ich so ein Buch mehrmals durchlese und langweilig wird das dann auch.

      Liebe Grüße
      Tobi

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