Unser Büchertauschschrank: Drei Jahre später

Vor drei Jahren haben wir direkt vor unserem Zuhause einen Büchertauschschrank aufgestellt. Damals habe ich bereits darüber gebloggt. Unser Schränkchen konnte der Witterung des ersten Winters nur begrenzt trotzen und so mussten wir ihn nochmal erneuern. Auch darüber hatte ich berichtet. Nun sind nochmal zwei Jahre vergangen und ich will es nicht versäumen, wieder über unser Büchertauschschränkchen zu berichten.

Für den Korpus unseres Schränkchens haben wir damals einen alten Küchenschrank verwendet. Darauf haben wir ein Dach gebaut und alles schön gestrichen. Für einen Außeneinsatz sind die Pressspanplatten nicht ausgelegt und selbst mit der Farbe ist uns schon im ersten Winter die Feuchtigkeit ins Holz gedrungen. Damals haben wir nochmal kleine Füße unter den Schrank gebaut, denn von dort hat sich das Holz vollgesaugt und die Bücher in den unteren Ecken sind schimmelig geworden. Aber selbst mit einigen Verbesserungen war es nun nach insgesamt drei Jahren am Ende. Die Schrauben der Scharniere, die wir erneuert hatten, sind aus dem fauligen Holz heraus gebrochen und tatsächlich waren die Türen die Achillesferse, denn sie werden ja unzählige Male auf und zu gemacht. Zwischen den Türen hatten wir schon eine Gummidichtung angebracht, aber auch dort war der Schrank schon undicht und gerade an regnerischen Tagen hat man schon beim Herausnehmen der Bücher gemerkt, dass sie ein wenig feucht sind.

Nachdem unser Büchertauschschrank sehr beliebt ist, wirklich oft jemand davor steht und darüber auch viel getauscht wird, wollten wir ihn auf keinen Fall einfach ersatzlos abbauen. Wir haben überlegt ihn komplett neu aus massiveren Holz zu bauen, was aber doch nicht ganz billig ist, wenn man die Materialien dafür zusammen rechnet. Aber nochmal eine provisorische Lösung wollten wir auch nicht, denn dann hätten wir innerhalb kürzester Zeit wieder Arbeit und dann verteilt sich die Investition nur auf mehrere Jahre.

Dann hat meine bessere Hälfte ihren Joker gezogen und ihren Papa gefragt. Und dazu muss man wissen, dass er es wirklich drauf hat und zudem wahrscheinlich die beste Werkzeugausstattung im Keller hat, die sich jeder Heimwerker wünschen würde und damit auch sehr gut umgehen kann. Kurzum: Ein Bücherschrank vom Schwiegerpapi dürfte auch mehrere Naturkatastrophen überleben. Innerhalb von kurzer Zeit hat er uns dann auch das Schränkchen gebaut und zwar mit richtig wetterfesten Holzplatten, die sonst für Autoanhänger verwendet werden. Der Bruder von meiner Frau hat dann noch Scharniere beigesteuert, die richtig massiv sind und mit denen sich die Türen richtig weit öffnen lassen. Als es nun endlich etwas wärmer und sonniger wurde, haben wir das Schränkchen noch gestrichen und nun erstrahlt er in seinem alten neuen Glanz.

Als dann der Orkan Sabine angekündigt wurde, hatten wir Sorge, dass das Schränkchen vielleicht umkippen könnte, denn es ist ein wenig höher als der alte Schrank. Aber auch da gab es nochmal den Schwiegerpapiservice und er hat den Schrank auf das Müllhäuschen gedübelt und jetzt kann er auch nicht mehr kippen oder umfallen. Das ist jetzt schon die Premiumlösung, das muss man schon sagen.

Hier seht ihr, wie sich unser Büchertauschschrank über die Jahre verändert hat.

Unser Büchertauschschrank ist, wie schon weiter oben erwähnt, sehr beliebt und wird sehr oft angesteuert. Auch die Bücher die darin sind, wechseln ständig. Ladenhüter sortiere ich manchmal aus, aber insgesamt ist die Fluktuation, besonders vor und nach Urlaubszeiten, schon sehr hoch. In den drei Jahren hatten wir keinen Vandalismus oder irgendetwas in diese Richtung und gefühlt gehen alle sorgsam mit dem Schränkchen um. Ich habe auch nicht das Gefühl, das jemand Bücher abgreift, um sie zu verkaufen, wie ich das schon öfter von anderen Bücherschrankbetreibern gehört habe. Die Qualität der Bücher ist durchaus gut. Ich ziehe zwar höchst selten etwas aus dem Schrank, aber es ist doch immer mal wieder etwas dabei.

Ich freu mich sehr über unseren neuen Büchertauschschrank, vielen Dank an der Stelle nochmal an unseren lieben Schwiegerpapa für diesen wunderbaren und prächtigen Schrank, der nun ziemlich sicher sehr lange halten wird. Wer selbst überlegt einen Büchertauschschrank ins Leben zu rufen, den kann ich nur dazu ermuntern. Ich finde die Idee immernoch sehr genial und steuer eigentlich immer Büchertauschschränke an, wenn ich welche in meiner Umgebung finde. Wer gerne Bücher über einen öffentlichen Büchertauschschrank tauschen möchte, dem kann ich die Karte hier auf lesestunden.de mit knapp 4000 Schränken empfehlen. Oder auch die Android oder iOS App.

Hier noch zwei Bilder von unserem alten Schrank, wie er ganz kaputt ist und zwei Fotos von unserem neuen Schränkchen, wie er noch in Arbeit ist.

Nutzt ihr Büchertauschschränke? Betreibt ihr selbst einen? Wie sind eure Erfahrung?

10 Kommentare

  1. Da meine Rezensionskinderbücher und Jugendbücher ins Kinderhospiz gehen oder zu der Kinder- und Jugendkrebsstation gebe ich oft Romane und Sachbücher in die Bücherschränke in Gießen. Und ab und zu ist da auch ein Buch drin, welches ich schon lange lesen wollte …. Ich finde es eine tolle Sache und nutze es gerne.

  2. Moin!

    …ein sehr schönes Ergebnis!!!

    Ich spiele schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, hier in unserer Gemeinde einen Büchertausch-Schrank zu etablieren. Bisher waren meine Gedanken und Ideen noch sehr unausgegoren…! Darum: Vielen Dank für die Anregung!

    Lieben Gruß
    Andreas

  3. Das sieht richtig toll aus! Habt ihr den auf eurem Grundstückszaun platziert? Ich spiele nämlich auch mit dem Gedanken so etwas zu platzieren, aber es gibt ja bestimmt irgendwelche rechtlichen Vorgaben, dass es nicht auf dem öffentlichen Gehweg etc. stehen darf…

  4. Hallo Tobi,
    was für ein wunderschöner Bücherschrank! Er war vorher schon schön, aber jetzt freue ich mich mit dir, dass er auch witterungsbeständig ist und allen lange eine Freude bereiten wird!
    In Bonn gibt es einige Bücherschränke von der Stadt. Immer, wenn ich an einem vorbeikomme, schaue ich auch rein, aber ich kann mich auch nicht daran erinnern, mal etwas mitgenommen zu haben. Reinstellen tue ich regelmäßig Romane, häufig auch noch ganz aktuelle, die mich nicht begeistern konnten und die auch im Freundes- und Familienkreis niemand lesen möchte. Die sind dann natürlich in so einem Bücherschrank schnell weg.

    LG
    Sandra

  5. Hallo Tobias,

    ich finde das richtig klasse.
    Ich lese ja schon ziemlich lange mit und fand es sehr spannend die Entwicklung mitzuverfolgen. Einfach eine tolle Sache, das würde ich auch sehr gerne machen, wenn wir ein eigenes Grundstück hätten. Leider hier so mitten in der Großstadt ist das nicht möglich, aber ich werde mir mal die Liste anschauen, wo es hier vielleicht bei uns auch so etwas gibt. Den einzigen Bücherttauschschrank, den ich mal gesehen habe war in Büsum. Das war glaube ich eine Telefonzelle, wenn ich mich nicht täusche. Fand ich auch klasse.

    Liebe Grüße
    Lagoona

  6. Der Büchertisch in unserem Vorort von Wiesbaden wurde wegen Vandalismus nach wenigen Monaten wieder entfernt. Das Bücheregal in der Kirche wurde wegen Desinteresse der Besucher wieder abgebaut. Ob das am Angebot oder dem fehlenden Interesse der Besucher lag, ist mir nicht bekannt.

  7. Huhu,

    selber einen betreiben geht bei uns leider nicht, auch wenn ich das gerne tun würde. Aber wir sind am Ende eines Privatweges – außer der Postbotin kommt hier schlicht niemand hin. Und der Parkplatz an der Straße ist nur gemietet. (Außerdem würde mein Vater vermutlich die Krise kriegen, wenn Menschen seinem Auto zu nahe kämen. Er sieht das zwar nur als Gebrauchsgegenstand und ist keiner von denen, die ihre Karre ständig polieren, aber Bücher mag er leider noch weniger. Von Menschen ganz zu schweigen.)

    Und jetzt, in Coronazeiten, kann ich leider nicht einmal zu meinem Stamm-Schrank. Der hängt leider bei uns im Rathaus, das jetzt schon seit fast vier Wochen dauergeschlossen hat. Normalerweise mag ich Bücherregale aber sehr gern und nutz sie häufig. Selbst meine Masterarbeit habe ich über sie geschrieben. (Sie bieten nämlich einen sehr guten Ort für Feldforschung im Sozialverhalten.) So langsam vermisse ich auch die Möglichkeit, einfach mal wieder nach neuen Büchern zu schauen. Nicht, weil mir der Lesestoff ausgeht. Einfach das Schmökern im Schrank selbst tut der Psyche gut. Da beneide ich dich sehr, dass du das jederzeit machen kannst.

    Liebe Grüße
    Taaya

  8. Hey,
    da habt Ihr ja jetzt ein richtiges „Schatzkästchen“ (und das im zweifachen Sinn..)! 🙂
    Ich habe auch schon mal überlegt, dass so ein Schränkchen an unserer Grundstücksgrenze eigentlich ganz cool wäre, aber dann fahre ich doch wieder zu dem Bücherschrank bei uns am Markt, der meistens gut aufgeräumt ist, aber in dem auch viel „Mist“ gelagert wird. Dennoch habe ich da das eine oder andere Mal schon gute Bücher für mich gefunden.
    Wenn ich Bücher aussortiere, gebe ich sie erst meiner Mama, die sie dann bei Nichtinteresse (von ihr oder sogar meinem Opa) die Bücher in den Bücherschrank bringt oder bei Fairkauf abgibt.
    Bücherschränke sind wirklich sehr sinnvoll und praktisch! Macht weiter so.

    LG,
    Rabi

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