Büchergilde Abobox

Aboboxen für Bücher gibt es schon ein paar Jahre und eine kurze Suche zeigt, dass das Angebot an Bücherboxen ganz schön groß ist. Ich hatte die Gelegenheit die aktuelle Büchergilde-Abobox zu testen und nachdem ich mir noch nie eine Bücherbox geholt habe, war ich neugierig, was da den Leser erwartet und wie es ist, so eine Überraschungsbox auszupacken. Nachdem die Büchergilde einige schöne Bücher im Angebot hat, war ich gespannt, was für ein Buch in meiner Box wohl zu finden ist.

Bücher Aboboxen haben alle das gleiche Konzept: Der Abonnent bekommt in festen Abständen eine Box mit einem Überraschungsbuch und einigen thematisch dazu passenden Beigaben zugesandt. Wie die gewählte Literatur, sind die Boxen höchst unterschiedlich und sind also jeden Monat aufs Neue eine Überraschung. Was so in den vergangenen Büchergilde-Boxen zu finden war, das könnt ihr euch hier anschauen. Die Büchergilde Abobox kommt alle drei Monate und kostet 39,90 Euro und kann jederzeit zum Monatsende gekündigt werden.

Ich bin ein sehr wählerischer Leser und sehr selektiv bei der Wahl meiner Lektüre. Aktuell habe ich eine Phase, wo ich etwas ziellos durch die Welt der Literatur stromere und da passt so eine Abobox sehr gut. Man weiß nicht, was einen erwartet, was aus meiner Sicht ein Vorteil und zugleich ein Nachteil ist. Wenn das Buch so gar nicht zusagt, dann war es ein Griff daneben, auf der anderen Seite kann man so auf ein richtig gutes Buch stoßen, das man sonst nie gelesen hätte.

Von der Büchergilde habe ich einige Bücher im Regal stehen und habe die Mitgliedschaft zuletzt vor ein paar Jahren ausprobiert. Ich hatte damals darüber auch gebloggt. Die Büchergilde gibt es schon seit fast hundert Jahren und hat sich auf die Veröffentlichung von schönen Büchern und Klassikern spezialisiert. Einige wirklich super Klassiker von B. Traven habe ich als Antiquariat von der Büchergilde, aber ich besitze auch einige sehr schöne Ausgaben, die erst in den letzten Jahren erschienen sind. Gleichzeitig ist das Angebot allerdings auch so, dass sich für mich dauerhaft eine Mitgliedschaft nicht lohnt und ich immer wieder pausiere, bis genug Bücher beisammen sind, um dort wieder ein Abonnement abzuschließen. Ich habe die Büchergilde immer im Blick und besonders bei den älteren Klassikern greife ich sehr gerne zu den Ausgaben der Büchergilde.

Die Box selbst kommt in schlichtem Schwarz, beklebt mit dem Büchergilde-Abo-Logo. Gut gepolstert habe ich schließlich folgendes Buch mit Beigaben darin gefunden.

Das Thema der Box ist also das Buch Von Mäusen und Menschen von John Steinbeck. Passend dazu gibt es einen Karabinerbecher, ein Kartenspiel und den klassischen Buchnerd-Juttebeutel. Natürlich darf das Büchergildemagazin nicht fehlen. In Summe also ein stimmig zusammengestelltes Paket das natürlich schon in Summe gut passt und auch irgendwie Lust auf das Buch macht.

Das Buch habe ich vor längerer Zeit gelesen, allerdings als schnödes dtv Taschenbuch, das nicht sonderlich schön ist. Über diese wirklich sehr prächtige und hochwertig gestaltete Ausgabe habe ich mich sehr gefreut. Das Buch ist wirklich schön, der lila Farbton sieht auf dem Leineneinband sehr hübsch aus und es liegt wertig in der Hand. Ich habe mich gefragt, wieso das Buch so dick ist, denn das dtv Taschenbuch kommt gerade einmal auf 127 Seiten. Wer das Buch durchblättert weiß wieso: Es sind zahlreiche Illustrationen von Philip Waechter eingefügt, die zum Stil und auch der Geschichte des Buches sehr gut passen. Was die Illustrationen der Büchergilde-Bücher angeht, bin ich hin- und hergerissen. Manche Bücher finde ich richtig schön, einige gefallen mir aber gar nicht, da ist der Zeichnenstil viel zu schlicht und modern. In diesem Buch passt es aber wirklich gut. Zu detaillierte Illustrationen würden der Geschichte zu viel Interpretation geben. Die Abstraktionsebene der hier gewählten Zeichnungen ist perfekt gewählt und transportiert die Atmosphäre in einem sehr ausgewogenem Maße. Auch das Vorsatzpapier ist sehr schön mit den Illustrationen versehen. Das ist also alles sehr solide und ordentlich umgesetzt.

Um aber ein etwas dickeres Buch zu bekommen, wurden richtig große Seitenränder über und unter dem Text eingefügt, so dass eine Seite nur zur Hälfte gefüllt ist. Um also von der Haptik ein etwas solideres Buch zu bekommen, wurde hier schon ganz schön gestreckt. Das Buch ist schön handlich und bekommt dadurch eine deutlich ansprechendere Optik, man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass man inhaltlich trotzdem ein kurzes Buch mit sehr überschaubarer Geschichte bekommt.

Sehr gut finde ich auch die Typographie, die sich wirklich hervorragend in die Gesamtgestaltung einfügt, besonders auch die Seitenzahlen und deren Farbe. Die Seitenzahlen wandern über das Buch hinweg von links nach rechts, ein sehr cooles Detail. Auch das Papier ist auffallend geschmeidig. Das eigentliche Highlight ist für mich aber die farbige Fadenheftung und die ist wirklich wunderbar. Das ist dieser Tage eine Seltenheit geworden, ein Buch mit Fadenbindung zu bekommen, selbst bei der Büchergilde ist das nicht bei jedem Buch der Fall. Aber in diesem Buch ist es sogar ein hellgrauer Faden und das muss ich sagen, das ist schon ein Genuss.

Die Geschichte selber habe ich als lesenswert in Erinnerung, fand sie gerade vom Stil her sehr gut geschrieben, es ist für mich aber eher ein kleines literarisches Schmankerl für zwischendurch. Von Steinbeck möchte ich auf jeden Fall noch mehr lesen und wer Lust hat, den Autoren kennenzulernen, der ist mit Von Mäusen und Menschen gut beraten. Diese Ausgabe von der Büchergilde ist definitiv die schönste von dem Buch, die es gibt.

Das Kartenspiel ist klassisch hübsch und gefällt mir gut. Mit dabei ist eine Anleitung für das Legen von Patiencen, was auch eine Figur in den Arbeiterbaracken in der Geschichte macht. Wer die älteren Windows Versionen kennt, wird Solitär sofort wieder erkennen. Die Idee finde ich insgesamt ganz nett. Der Becher ist okay, wirklich kann ich ihn nicht brauchen und ich vermute, er wird früher oder später an irgendeinem Rucksack der Kinder hängen.

Aber zurück zur zentralen Frage: Lohnt sich so eine Box? Das Buch kostet 28 Euro, bleiben also 11,90 Euro für die Beilagen und den Service, so eine Box zusammengestellt zu bekommen plus Versand. Das ist schon fair kalkuliert. Ich vermute, wenn man länger dabei ist, dann ist mal was dabei, was man gar nicht brauchen kann und einmal etwas, wo man sich richtig freut oder das für einen sehr nützlich ist. Am Ende fällt es in die Kategorie schöne Dinge und ist auch was für die Seele. Mit so einer Abobox beschenkt man sich am besten selbst, für das Glücksgefühl, ein Überraschungsgeschenk aufzumachen. Ich hab mich über meine Box sehr gefreut und es ist schon ein Vergnügen sie auszupacken. Preisbewusste Leser oder wer sehr wählerisch mit seiner Lektüre ist, für den ist das sicher nichts.

Ich finde auch den Takt sehr gut, alle drei Monate ist nicht zu oft und auch nicht zu selten. Und als Abonnent der Box kann man frei aus dem Sortiment einkaufen, so wie bei einer normalen Mitgliedschaft, was auch ein angenehmer Vorteil ist.

Fazit: Für mich war die Büchergilde Abobox schon ein Treffer. Das Buch ist wunderschön und bekommt seinen festen Platz im Regal. Die Beigaben sind ein nettes und stimmungsvolles Extra und das Auspacken einer solchen Box und der Überraschungseffekt machen schon Spaß. Ein schönes Buch wird hier geschmackvoll kredenzt, das Auge liest schließlich mit. Ich finde auch die Modalitäten der Büchergildebox ganz gut, alle drei Monate eine solche Box, das ist schon eine gute Idee. Man muss aber auch abwägen, ob man sich gerne überraschen lässt und es auch mag etwas Zufälliges lesen möchte. Zudem muss einem das Angebot der Büchergilde auch zusagen. Wenn beides Zutrifft, dann ist die Abobox schon ein guter Deal und eine klare Empfehlung.

7 Kommentare

  1. Hi Tobi,

    schön, dass Du das mal ausprobieren konntest – in der Tat war ich neugierig, was diese Box denn so bietet, aber 40€ wäre für mich kein Betrag, den ich mal so zum Spass ausgeben würde -> auf die Gefahr hin, dass mir der Inhalt gar nicht zusagen würde.

    Interessant wäre zu wissen, ob Du Dich für ein langfristiges Abo entscheidest und wie die Folgepakete aussehen.

    Das Buch von John Steinbeck käme ganz sicher auf meinen Bücherstapel – dort liegt auch schon „Früchte des Zorns“, was ich auch noch nicht gelesen habe, die Tasse könnte ich gut gebrauchen, das Kartenspiel würde vermutlich in einer Schublande verschwinden (oder ich würde es meiner Tochter geben).

    Das Paket finde ich auch stimmig und nett zusammengestellt, wer Überraschungen liebt, für den ist das sicher was – bei Büchern bin ich jedoch auch ziemlich wählerisch, noch hinzu kommt, dass es mir in der Regel egal ist ob das Buch neu, vom Flohmarkt oder aus dem Bücherschrank ist – sofern der Zustand akzeptabel ist. Da muss ich schon etwas unbedingt jetzt sofort haben wollen, um die Möglichkeit es irgendwann im Bücherschrank finden zu können, zu verwerfen (wie z.B. die Bücher von Andy Weir). Insofern bin ich skeptisch, ob das Abo etwas für mich wäre – auf der anderen Seite bin ich ein neugieriger Mensch, aber die Neugier könnte befriedigt werden, wenn Du am Abo einfach dran bleibst ;-).

    1. Hallo Harald,

      ich bin ja mit meiner Buchwahl immer echt zimperlich. Und ich bin auch niemand, der gerne Nippes oder Kleinkram sammelt. Abonnieren werde ich die Box erstmal nicht, obwohl ich sagen muss, dass der Überraschungseffekt schon cool ist. Ich wollte auch mal schauen, was es noch für Boxen überhaupt so gibt, aber ich hab schon einen sehr speziellen Geschmack. Und 40 Euro ist halt in Summe schon viel, da gebe ich Dir absolut recht. Und wenn einem die Buchausstattung nicht so wichtig ist, dann ist es auch eher nichts. Also ich vermute, das ist eine Nische und wird auch eine bleiben.

      Liebe Grüße und vielen lieben Dank für Deinen Kommentar!
      Tobi

  2. Nachtrag: und für das „etwas unbedingt jetzt sofort haben wollen“ ist dieses Abo ja eigentlich auch eher schlecht geeignet … 😉

  3. Hallo Tobi,
    ein interessanter Beitrag. Das muss ich mir echt mal überlegen, könnte Spass machen. Wir sind schon lange bei der Büchergile und kaufen gerne die Quartalsbände. Oft sind es besonders schöne Editionen.
    Meine Familie ist fast so lange Mitglied in der Büchergilde, wie es sie gibt, 1924 gegündet. Meine Mutter ist als juneg Berliner Sekretärin wohl seit 1927 dabei. Jedenfalls hat sie damals schon Traven gelesen, etwa 1927 wie sie mir einmal erzählt hat. Leider sind die alten Ausgaben nicht erhalten geblieben. Dafür aber die Neu-Edition der Siebziger Jahre, die meisten habe ich in meinem Blog rezensiert.
    Schön, dass Du mal wieder auf die Büchergilde aufmerksam gemacht hast.

  4. So eine Abo-Box ist eher nichts für mich, da 39€ eine Menge Geld sind, falls man mit dem Buuch so gar nichts Anfangen kann. Wobei das Beispiel zeigt, dass das Ganze schon recht fair kalkuliert ist.
    Ich bin ein normales Mitgleid bei der Büchergilde und finde das Prinzip und die lange Tradition schon toll und auch fördernswert. Ich kann natürlich Leute verstehen, die sich nicht alle drei Monate zu einem Kauf zwingen lassen wollen, obwohl sie kein ansprehcndes Buch finden. Ich finde allerdings jedes Jahr mindesten 4 Bücher, die ich als kaufenswert erachte. Also passt.
    Kleiner Tipp; Man muss nicht alle drei Monate ein Buch kaufen, man kann auch 4 Bücher einmal im Jahr bestellen, dass passt dann meist besser, da man dann durch die Summe der Kaufpreise keine Versandkosten mehr bezahlt.

  5. Ich kann verstehen, wenn manche das Angebot der Abo-Box interessant finden.
    Ich persönlich mag nicht so gerne Überraschungen, schon gar nicht, wenn es um Bücher geht. Dann sind 40€ auch definitiv zuviel.

    Meine Schwester ist Mitglied der Büchergilde. Sie ist damit sehr zufrieden.
    Ich selbst entscheide lieber alleine und frei.

    Birgit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert