Fantasy Romane sind immer ein sehr schöne Abwechslung und kommen bei mir immer wieder auf den Stapel ungelesener Bücher. Die Messlatte liegt bei mir mittlerweile recht hoch und so ist das Programm der Hobbit Presse vom Klett Cotta Verlag mein absoluter Favorit. Von Tad Williams bis Tolkien sind dort die großen Titel im Programm und so habe ich auch diesmal ein Buch aus diesem Hause gelesen. Das Lied des Blutes wird ziemlich groß beworben und hat durchweg sehr gute Bewertungen bekommen. Es ist der erste Band der Rabenschatten Trilogie und ob sich die Lektüre lohnt und der zweite und dritte Band bereits in meinem Regal stehen erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Das Lied des Blutes musste ziemlich lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher warten. Aber ich wollte warten, bis ich so richtig viel Lust auf Fantasy hatte, was bei mir zuverlässig von Zeit zu Zeit der Fall ist. Natürlich habe ich mir die gebundene Ausgabe geholt, auch wenn es mittlerweile eine günstigere broschierte Auflage gibt. Leider fehlt ein Lesebändchen und es hat nur eine Klebe- und keine Fadenbindung, aber ich mag die Klett-Cotta Hardcover Ausgaben immer sehr. Irgendwie haben sie eine so schöne dicke Form, sind farblich gut abgestimmt und locken immer mit sehr schicken Cover-Illustrationen.

Die Geschichte wird rückblickend von Vaelin Al Sorna, einem berühmten Kämpfer erzählt, der sich schon zu Beginn in Gefangenschaft befindet, um zu einem letzten Duell gebracht zu werden. Dem kaiserlichen Geschichtsschreiber schildert er ausgehend von seiner Jugend sein Leben. Wie er von seinem Vater, dem Kriegsherrn des Königs, in den sechsten Orden gebracht wird und dort bestehen muss. Einem Kloster, in dem Elite-Krieger für den Kampf für den Glauben mit recht kruden Mitteln ausgebildet werden. Der erste Band geht aber auch über diese Zeit hinaus und der Leser erfährt, wie Vaelin zu Ruhm und Glanz kommt und in die Situation gerät, mit der die Geschichte beginnt.

Schon nach wenigen Seiten war klar, dass man hier eine ganz klassische High Fantasy Geschichte geboten bekommt. Ryan wandelt auf sicheren Pfaden und als Leser wird einem eine Welt und Story geboten, die ausschließlich auf gut abgehangene Elemente basiert. Das ist auf der einen Seite sehr schön, denn das ist ja auch genau das, was man sich von einem Fantasy-Roman dieses Formates wünscht, gleichzeitig wäre die ein oder andere neue Idee schon ganz gut gewesen. Aber dafür ist das Genre auch schon zu stark abgegrast, ich glaube da ist es sehr schwer, etwas Neues aus dem Hut zu zaubern.

Ryan verwendet einige narrative Mittel, die einfach immer wieder gut funktionieren. Zu Beginn beispielsweise diese Schul-Uni-Situation. Die hat bei Harry Potter, bei der Sonea Reihe oder bei Rothfuss Kvothe schon hervorragend funktioniert, was auch klar ist, denn jeder kann sich in den Protagonisten sehr gut hineinversetzen und einfühlen, denn jeder hat diese Schul-Situation selbst schon erlebt. Man lernt Vaelin als Kind kennen und natürlich bedient Ryan damit auch die Bildungsromanschiene und dass diese ganze Selbstfindungsgeschichte beim Publikum gut ankommt, das dürfte mittlerweile beim letzten Verlag bzw. Autoren angekommen sein. Natürlich fehlen auch die fantasytypischen Kämpfe und auch eine nordisch geprägte Welt nicht. Zudem ist sein Protagonist Vaelin ein Jean Valjean, also praktisch ein unbesiegbarer Kämpfer, der mutig, stark, standfest und auch moralisch einwandfrei ist und so ziemlich jede Situation mit Bravour und Selbstsicherheit problemlos meistert. Damit bedient er, ähnlich wie beispielsweise Rothfuss mit Kvothe einen gewissen Narzismus, denn der Leser identifiziert sich ja zumeist mit der Hauptfigur. Der Wissensvorsprung, dass der Kontrahent nun gleich ordentlich einen auf die Mütze bekommt, ist ein Stilmittel, das dank dem Film und Fernsehen schon ordentlich durchgelutscht wurde.

Nimmt man nun dieses ganze Paket an doch ziemlich alten und häufig genutzten Stilmitteln, paart es mit ordentlich Fantasy, dann kommt dabei ein Buch heraus, das wirklich schön spannend und unterhaltsam ist. Seine Beschreibungen haben etwas Filmisches und vor dem geistigen Auge ensteht ein ganz klares Bild. Kopfkino ist hier also definitiv Programm. Das Buch hat zudem ein gutes Tempo, es wird nie langweilig und stetig schreitet die Geschichte voran. Dabei fehlen dem Leser immer Informationen, die Vaelin Stück für Stück aufdeckt, was zusätzlich für eine gewisse Spannung sorgt. Enttäuscht war ich etwas von den dürftigen Beschreibungen seiner Welt, aber auch die der Charaktere, die häufig recht mager ausfällt. Das ist zwar auch wieder von Vorteil, denn die Phantasie kann frei schweifen, gleichzeitig haben die Landschaftsbilder, die ich beispielsweise von Osten Ard noch im Gedächtnis habe, schon eine sehr starke atmosphärische Dichte, die hier ein wenig fehlt. Aber ich habe einfach schon zu viele Reiseberichte und gelungene Beschreibungen von Natur, Fauna und Flora in Literaturform gehabt, so dass sie für mich einfach zu richtig gelungenen Büchern dazu gehören. Seine Welt hat er dadurch nur mäßig zum Leben erweckt. Da haben Autoren wie Tad Williams und natürlich Tolkien schon eine ganze Menge voraus.

Was in diesem Buch wirklich richtig gut gelungen ist, das ist die Action. Hier kommt man voll auf seine Kosten und verglichen mit dem Bewegtbild korreliert Das Lied des Blutes definitiv mit Actionfilmen. Hier gibt es zahlreiche Scharmützel, Schlachten, Kämpfe, Duelle, Blut spritzt und der Weg des Protagonisten ist gesäumt mit Leichen. Das ist wirklich sehr genial und zusammen mit dem Kopfkinoeffekt ist das sehr unterhaltsam.

Ganz anders hingegen die Charaktere und Dialoge, die sehr oft ziemlich eindimensional sind. Der Leser trifft hier auf einige Stereotypen und wirklich ans Herz ist mir keine der Figuren gewachsen. Auch nicht Vaelin, der von seinem Wesen und seiner Intelligenz nicht gerade der große Wurf ist. Hinsichtlich der Entscheidungen die er trifft bekommt er immer wieder die Kurve, aber er ist doch ein ziemlich roher Bursche. Aber auch das ist stimmig, denn er ist ja auch ein Schwertkämpfer. Die Dialoge konnten mich nicht fesseln. Die sind schon sehr flach, haben wenig Tiefe, wirken oft so richtig stereotyp und könnten aus einem beliebigen low-budget Film stammen. Die Sätze und Sprache entspricht dem Durchschnitt der derzeitigen Genre-Literatur und somit liest sich das Buch sehr angenehm und flüssig. Für entspannte Stunden am Abend ist es ideal und für seinen Umfang von knapp 800 Seiten hatte ich es dann doch ziemlich schnell ausgelesen.

Fazit: Der Auftakt der Rabenschatten Trilogie Das Lied des Blutes ist ein Buch, das wenig Neues bietet, aber mit seiner Action, einem hohen Tempo und einer beständigen Spannung besticht. Ryan versteht es im Kopf klare Bilder von den Szenen zu erzeugen und bietet eine gelungene Fantasy Welt, die den Leser zwar nicht überrascht aber gut unterhält. Die Charaktere wirken oft eindimensional, die Dialoge sind recht einfach geschnitzt und auch die Welt ist nicht so fein ausgestaltet, wie es bei anderen großen Fantasy-Autoren der Fall ist. Dennoch hat mir die Lektüre viel Spaß gemacht und für mich ist klar, dass ich die anderen beiden Bände auch noch lesen werde. Es ist eben ein richtiges Action-Buch und mit seinen ganzen Stilmitteln ist es darauf ausgelegt den Leser sehr gut zu unterhalten, was besonders am Anfang durchgängig gelingt. Wer High Fantasy mag, wer sich gerne von rasanten Kämpfen packen lässt und eine ganz klassische Geschichte aus diesem Genre zu schätzen weiß, dem kann ich das Buch sehr empfehlen.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Titel: Das Lied des Blutes: Rabenschatten 1
Autor: Anthony Ryan
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Übersetzung: Sara und Hannes Riffel
Erschienen: 23. September 2014
Seiten: 778 Seiten

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verfasst von Tobi

    1 Kommentar

  1. Simon Segur 23. Oktober 2017 at 16:24 Antworten

    Kann ich nur bestätigen – ich mochte die Trilogie. Zwar inhaltlich nichts Neues, dafür auf erfreulich gutem Niveau (sowohl sprachlich wie von der Fantasy-Atmo her). Mit Dank für die Rezi und ieben Grüßen!

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