Mit der Wahl meiner Urlaubslektüre bin ich eigentlich immer etwas wählerisch. Dieses Jahr habe ich hingegen einfach ein paar Bücher von meinem aktuell recht übersichtlichen Stapel genommen und in die Strandtasche gepackt. Eines davon war ein Abenteuerroman von Jack London und es gibt nichts Besseres als das Meer und eine ordentliche Geschichte im kalten Alaska, um sich in der sommerlichen Hitze abzukühlen.

Von Jack London gibt es kaum ansehnliche Bücher oder schöne neue Ausgaben, was ich nicht verstehen kann, denn seine Romane sind sehr spannend und absolut lesenswert. Primär findet man alte Ausgaben, die sich an Jugendliche und Kinder richten. Nachdem es also egal ist, habe ich mich diesmal für eine alte in Leinen gebunden DDR-Ausgabe aus der Zone entschieden, die 1955 erschien und explizit nicht für den Verkauf in den Westen gedacht war. Zumindest steht das vorne fett drinnen. Tja, blöd gelaufen, jetzt ist das Buch hier in Bayern und wurde zudem noch von einem solchen gelesen. Eine ISBN hat das Buch noch nicht, denn die wurde in Deutschland erst Ende der 60er eingeführt. Irgendwie gefällt mir das kleine ranzige Buch trotzdem, mit seinem Leineneinband und den vergilbten Seiten.

Das Buch erzählt die Geschichte von Christoffer Bellew, der nach seinem Studium dem Boheme-Leben von San Francisco frönt und sich dort schlicht Kid Bellew nennt. Aufgrund der Sticheleien seines Onkels kein echter Mann zu sein und seiner aufkommenden Abenteuerlust, macht er sich auf nach Klondike, um sich dort zu beweisen und Zeuge des Goldrausches zu werden, dem er selbst jedoch nicht verfällt. Im hohen Norden erlebt Alaska-Kid dann natürlich zahlreiche Abenteuer. Der Leser begleitet ihn in die unberührte Natur Alaskas, auf seinen Weg hinauf nach Dawson und zum Yukon River. London erweckt die typische Stimmung dieser Zeit zum Leben und so wird man Zeuge von einem Run auf ein neu entdecktes Gebiet, in dem angeblich Gold zu finden ist, nimmt an spannenden Schlittenhunderennen teil und begleitet Alaska-Kid in den finsteren Spelunken beim Glücksspiel.

London hat eine angenehme Art zu schreiben und seine Bücher lesen sich sehr angenehm und flüssig. Alaska-Kids Erlebnisse sind durchgängig spannend und für mich ist klar, wieso London so erfolgreich war. Das ist leichte Kost aber eben mit viel Atmosphäre, immer einer schönen Story und eben eine richtige Portion Abenteuer. Ich hätte das ewig so weiter lesen können, denn besonders die weiterführenden Kapitel stellen in sich geschlossene Geschichten dar, die Alaska Kid erlebt und auch immer eine schöne Spannungskurve und Pointe haben. Das ist einfach sehr entspannend und unterhaltsam.

Wer also noch eine gute Lektüre für den Urlaub sucht, dem kann ich so ein schönes ranziges Low-Budget-Buch von Jack London nur empfehlen. Ich hab mir schon Lockruf des Goldes bestellt, auch wieder für einen echten Dumpingpreis. Der Hintergrund der Goldsuche in Klondike finde ich einfach perfekt, mit dem Blick auf die Wildnis und Einsamkeit, aber auch mit dem Treiben der Abenteurer damaliger Tage, die sich ganz schön geschunden haben, schwere Ausrüstungen durch die klirrende Kälte geschleppt haben und deren Leben in der unwirtlichen Region immer an einem seidenen Faden hingen.

Fazit: Mit Alaska-Kid bekommt man eine kurzweilige und sehr unterhaltsame Lektüre, die zur stimmungsvollen Zeit der Goldsuche am Klondike spielt und mit zahlreichen Abenteuern und spannenden Episoden aus Alaska-Kids Leben aufwartet. Mit der schlatzrigen Ausgabe aus den 50ern der DDR kann man eigentlich auch nichts falsch machen, denn das abgegriffene Buch verströmt seinen ganz eigenen Charme und kommt für weniger als zwei Euro ums Eck (Versandkosten schon inklusive). Ein absoluter Abenteuerromanlowbudgetlesetipp.

Buchinformation: Alaska-Kid • Jack London • Verlag Tribüne Berlin • 235 Seiten

    2 Kommentare

  1. Flo 9. Juni 2019 at 9:29 Antworten

    Witziges Timing.
    Ich hab‘ selbst erst gestern einen Beitrag zu Jack London geschrieben. Aber nicht zu Alaska-Kid, sondern zum Seewolf.

    Dass es keine wirklich schönen aktuellen Ausgaben gibt, das ist mir auch schon aufgefallen. Mord auf Bestellung bei Manesse vielleicht ausgenommen. Aber gut, immerhin gibt es von den Hauptwerken die Neuübersetzungen, das ist auch schon mal was.

    Das faszinierende bei Jack London ist ja auch immer, dass er sehr vieles so gut beschreiben kann, weil er es selbst gesehen hat. (In dem Fall war er einige Zeit in Alaska und kennt das Goldgräberleben.) Einfach ein toller Autor, den man nur empfehlen kann.

    Alaska-Kid steht schon länger irgendwo auf meiner Liste, aber ich glaube auch mangels einer halbwegs aktuellen Ausgabe ist es bisher auch dort geblieben. Ranzig mag ich normalerweise überhaupt nicht, aber dein Beitrag zeigt mir, dass ich vielleicht nochmal suchen sollte.

    • Tobi 9. Juni 2019 at 12:09 Antworten

      Lieber Flo,

      Londons Seewolf habe ich auch schon gelesen, das fand ich auch richtig gut. Aber Du scheinst ja ein richtiger Jack London Fan zu sein, Da sind ja eine ganze Menge an Rezensionen zu Londons Bücher auf Deinem Blog. „Die Reise mit der Snark“ habe ich auch schon gelesen, spätestens nach dem Buch war klar, dass London kein Stubenhocker war 😉

      Aber sehr schön, dass es noch mehr Jack London Leser da draußen gibt 😉

      Liebe Grüße und vielen Dank für Dein Kommentar
      Tobi

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