Seit ich vor knapp zwei Jahren auf die wunderschönen, von Robert Ingpen illustriert Bücher gestoßen bin, habe ich den Knesebeck Verlag fest auf dem Schirm. Der Zauberer von Oz konnte mich sehr begeistern und seitdem habe ich mir einige weitere Bücher aus der Reihe geholt. Auch dem Klassiker Nils Holgersson konnte ich nicht widerstehen und war damals sehr begeistert. Irgendwie habe ich dann aber das Programm vom Knesebeck Verlag aus den Augen verloren. Beim virtuellen Bücherbummeln bin ich dann auf diese Neuerscheinung von 20.000 Meilen unter dem Meer gestoßen. Zuerst habe ich gezögert, denn so richtig viel sieht man von dem Buch auf der Webseite ja nicht. Aber ausgehend von meiner Erfahrung mit den anderen Büchern war ich dann doch überzeugt. In diesem Beitrag will ich für euch das Buch ein wenig durchblättern und einen etwas besseren Eindruck davon geben. Dass dieses Buch wieder ein Schmuckstück ist, dass verraten schon die Fotos in dieser Rezension.

20.000 Meilen unter dem Meer habe ich schon vor einigen Jahren gelesen. Die Geschichte ist mir gut in Erinnerung geblieben, auch wenn mich die Lektüre damals nicht komplett geflashed hat. Professor Pierre Aronnax, sein Diener Conseil und den Harpunierer Ned Land verschlägt es auf ein eindrucksvolles Unterseeboot. Zusammen mit seinem Kapitän Nemo umrunden sie die Welt, legen insgesamt 20.000 Meilen zurück und erleben einige Abenteuer. Sozusagen eine richtige Sightseeingtour der Weltmeere mit allem, was man sich so wünscht. Versunkene Städte, dem Polarmeeren, Meeresungeheuern, Schiffwracks und natürlich der wunderschönen Fauna und Flora der Tiefsee. Ein ganz klassisches Abenteuer, wobei Jules Verne seine Nautlius richtig schön und detailreich ausgestaltet hat. Genau erläutert er die Funktionsweise des Schiffes und wie sich Nemo vollständig mit Hilfe des Meeres selbst versorgt und praktisch auf nichts verzichten muss. Man erfährt einiges über das Meer und seine Bewohner und kann dem Weg der Nautilus auf der Landkarte gut folgen.

Mich spricht die Geschichte und das Meer als Hauptmotiv sehr an. Man hat das Gefühl wirklich die Weltmeere zu erkunden und die Nautilus, mit ihrer Beschaffenheit, ihrer Ausstattung und ganzen Ausstrahlung hat etwas von einer kleinen Höhle, einem sicheren Baumhaus, einen Zufluchtsort, in dem einem so schnell nichts zustoßen kann. Aus dieser sicheren Warte ist es ein Vergnügen mit dem Professor die wunderschöne Unterwasserwelt zu erleben und auch einige Geheimnisse zu entdecken. Oder einfach etwas über den Golfstrom zu erfahren, über die Saragassosee, einem gigantischen „See“ inmitten des Meeres, in dem sich alles mögliche ansammelt, über die Perlenfischerei, über den Südpol und noch viele andere Ecken, die man manchmal ganz gut kennt, die oft aber auch neu sind. Beispielsweise wird dort ein Tier, ein Dugong beschrieben, der etwas von einer Sirene hat und das ich erst einmal für eine Erfindung von Verne gehalten habe. Aber den Dugong gibt es wirklich.

Der geheimnisvolle Mittelpunkt der Geschichte ist Kapitän Nemo, der mit der Menschheit gebrochen, aber trotzdem noch nicht mit ihr abgeschlossen hat. Sein Schicksal, aber insbesondere der Mensch, den Verne hier beschreibt und zum Leben erweckt, macht einen gewissen Reiz dieser Geschichte aus. Auch Ned Land, den Harpunierer finde ich als Figur sehr gelungen und authentisch.

Im Netz kann man nachlesen, dass Jules Verne mit Professor Aronnax sich selbst beschreibt, was ich mir gut vorstellen kann, und so ist er der Ich-Erzähler der sozusagen seine Notizen zu dem Abenteuer dem Leser präsentiert. Das Buch liest sich gut und hat einen angenehmen Lesefluss. Jules Verne verliert sich aber auch ganz gerne in Beschreibungen zu Fischen und zum Meer. Einerseits fand ich das sehr schön, denn es erschafft ein Bild vom Ozean, das sich echt anfühlt und man kann sich sehr gut vorstellen, wie man mit dem Professor vor dem großen Fenster sitzt und die Wunder des Meeres bestaunt. Das klare Wasser, die bunten Fische, die eindrucksvollen Gebirgsformationen unter Wasser, Vulkane, Wale, Eisberge, einfach alles hat Verne hier hinein gepackt. Ein Reiseveranstalter, der so eine Reise anbieten würde, der wäre die nächsten 1000 Jahre ausgebucht und ich wär definitiv mit dabei. Gleichzeitig wird aber die Geschichte dadurch auch stellenweise sehr langsam, der Spannungsbogen flacht ordentlich ab und das Buch erinnert eher an einen Reisebericht. Für mich ist das ein kleiner Minuspunkt, ich könnte mir vorstellen, dass es durchaus möglich gewesen wäre, etwas mehr Spannung hinein zu packen.

Die Lektüre lädt auf jeden Fall dazu ein, etwas im Netz über das Buch, aber auch über die darin geschilderten Orte und Tiere zu suchen. So war nicht die Idee eines Unterseeboots revolutionär, was im Jahre 1870 wohl schon durchgekaut und bekannt war. Begeistert hat die moderne Beschaffenheit der Nautilus und natürlich Kapitän Nemo, der einfach ein sehr spannender Charakter ist und stellenweise ein wenig an Dumas Edmond Dantes erinnert. Was ich zudem interessant finde ist der Titel, der sich mit den 20.000 Meilen nicht auf die Tiefe bezieht, sondern auf die Wegstrecke, welche die Nautilus in der Geschichte, unter dem Meer, zurücklegt. 20.000 Meilen (französische Leuge) entsprechen 80.000 km. Die größte Tiefe im Buch beträgt 16 km, was auch schon ziemlich viel ist. Natürlich zuppelt und wuppelt da die Nautilus ordentlich und kommt an ihre Grenzen.

Richtig begeistern konnte mich die Aufmachung dieser Ausgabe. Den Illustrator William O’Connor kannte ich vorher nicht, aber alleine das Cover hat schon erahnen lassen, dass einen hier was sehr Hochwertiges erwartet. Die Webseite von William O’Connor zeigt Illustrationen, die voll meinen Geschmack treffen. Ich liebe diese Fantasy Illustrationen, wie sie auch auf deviantart.com zu finden sind und als Nerd, der Rollenspiele, Fantasy-Romane und RPG Games sehr gerne mag, fühlt man sich in dem Buch sofort heimisch.

Alle Zeichnungen haben etwas von Steampunk, einer Kunstrichtung, die Elemente aus dem viktorianischen Zeitalter mit moderner Technik kombinieren. Jules Vernes Romane sind neben H. G. Wells Geschichten auch der Ursprung dieser Stilrichtung in der Literatur und genau diese Stimmung wird hier hervorragend eingefangen. Als ich das Buch das erste Mal in Händen gehalten habe, gab es bei mir schon den Wow-Effekt. Es sieht einfach sehr gut aus, mit dem durchgängig blauen Farbton, der nahezu alle Bilder dominiert und richtig schön kontrastreich ist. Zahlreiche Illustrationen nehmen eine einzelne und manchmal auch die ganze Doppelseite ein. Der Professor, Kapitän Nemo und Ned Land werden schon sehr früh porträtiert und William O’Connor gelingt das richtig gut. Die Bilder passen einfach hervorragend zur Geschichte und wertet sie nochmal um ein gutes Stück auf. Die Stimmung, die Charaktere und die Szenen aus dem Buch bekommen so ein Gesicht und haben mit meiner Vorstellung sehr gut harmoniert.

Zwischen den Text finden sich dann zahlreiche Skizzen, mit Bleistift oder Kohle gezeichnet. Diese sind nicht so exakt und fein gemalt, wie die großen Abbildungen, fangen aber einzelne Situationen ein und geben dem Buch noch mehr Steampunk-Charakter. Gleichzeitig sind die Abbildungen aber nicht so zahlreich, dass sie den Leser in seiner Vorstellung und Phantasie begrenzen. Ich habe das Verhältnis aus Text und Illustrationen als sehr ausgewogen und meine Vorstellung in einem genau richtigem Maße angeregt empfunden. Einige haben informativen Charakter, wie eine Skizze vom Aufbau der Nautilus, der Tauchausrüstung oder Karten von den einzelnen Streckenabschnitten der Nautilus.

Fazit: Diese gelungene Ausgabe von 20.000 Meilen unter dem Meer erweckt einen alten Klassiker zu neuem Leben. Begleitet von den wunderschönen und ausdrucksstarken Illustrationen von William O’Connor erlebt der Leser, in der gemütlichen und beeindruckenden Nautilus, eine phantastische Reise durch alle Weltmeere. Verne lässt nichts aus und so verschlägt es den Leser in die Tiefsee, in versunkene Städte, in die Polarmeere und an viele andere faszinierende Orte in den Ozeanen dieser Welt. Ausführlich, manchmal auch zu detailreich, beschreibt Verne die Fauna, Flora und das Meer, was auf Kosten der Spannung und Geschwindigkeit geht. Mit Kapitän Nemo hingegen hat er einen faszinierenden Charakter erschaffen, der durchaus das Interesse des Lesers weckt. Ein sehr schönes Buch, das wie die anderen Bücher vom Knesebeck Verlag einen festen Platz in meinem Regal bekommen wird und ich nur empfehlen kann.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Titel: 20.000 Meilen unter dem Meer
Autor: Jules Verne
Verlag: Knesebeck Verlag
Illustration: William O’Connor
Übersetzung: Günter Jürgensmeier
Erschienen: 16. März 2017
Erstveröffentlichung: 1869 bis 1870
Seiten: 312 Seiten

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verfasst von Tobi

    5 Kommentare

  1. Kathrin 8. April 2017 at 20:54 Antworten

    Wieder einmal eine schicke Ausgabe, die du uns präsentierst – und die mir bislang gar nicht begegnet war.

    Ich persönlich zähle „20.000 Meilen unter dem Meer“ zu meinen Lieblingsbüchern und kam damals beim Lesen kaum aus dem Staunen heraus angesichts der Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt – und natürlich über den faszinierenden Nemo und seine Nautilus. Allerdings hatte ich das Buch damals auf Englisch gelesen und die Übersetzung las sich für mich persönlich (wie so oft) flüssiger und weniger steif/altbacken als deutsche Übersetzungen.

    Was mich bei dieser Ausgabe hier ein wenig irritiert, ist die Seitenanzahl. 312 Seiten erscheinen mir fast zu wenig, erst recht in Verbindung mit doppelseitigen Illustrationen. (Mein englische, nicht illustrierte Ausgabe hat ca.400 Seiten bei sehr kleiner Schrift. Un deutsche Versionen sind ja normalerweise etwas umfangreicher als englische Ausgaben aufgrund des komplizierten Satzbaus.) Weißt du, ob es da irgendwelche Kürzungen gab?

    • Tobi 10. April 2017 at 19:52 Antworten

      Liebe Kathrin,

      ich finde die Story und insbesondere das, was die Nautilus verströmt auch sehr faszinierend. Ich glaub das schlägt als junger Mensch nochmal wesentlich mehr ein. Ich mag das ja, wenn man diesen alten Klassikern auch etwas altbackenes anhaftet. Das hat schon etwas Stimmungsvolles.

      Ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen und auch länger in Erinnerung. Ich bin mir allerdings nicht sicher ob diese Fassung gekürzt ist oder nicht. Die Taschenbuchausgabe die ich habe umfasst ca. 500 Seiten. Allerdings enthält eine Seite in der Knesebeck-Ausgabe mehr als eine Taschenbuchseite fasst. Und im Vergleich kann ich nicht feststellen, dass etwas fehlt. Also wenn diese Ausgabe gekürzt ist, dann nur um sehr wenig Textstellen. Einen Hinweis findet man leider nirgends.

      Liebe Grüße
      Tobi

  2. Kelly 21. April 2017 at 15:47 Antworten

    Hallo,
    Wow diese Ilustrationen sind wirklich wunderbar! Danke für den Beitrag! Auf der anderen Seite liebe ich dieses Buch, abgesehen davon, dass es ein Klassiker ist, erinnert es mich an die Schultagen.
    Vor ein paar Wochen las ich es noch einmal, aber diesmal nicht als Hardcopy, aber nach einer langen Zeit des Lesens von Online-Rezensionen auf meinem Tolino. Es hat nicht den süßen Buchgeruch, aber ich kann dieses Buch überall mit mir nehmen 🙂
    l.g.

  3. Thomas Roth 21. Mai 2017 at 20:23 Antworten

    Hallo,
    in frühen Jahren gab es zur Konfirmation in den 70er Jahren entweder Karl May, Jules Verne oder ‚Die Sagen des klassischen Altertums‘.
    Diese habe ich immer noch im Regal (!), auch wenn ich zugeben muss, dass ich noch nicht viel darin gelesen habe.
    Anders Jule Verne, die billigen Taschenbuch-Ausgaben der 60er/70er Jahre waren ja nicht nur günstig (2,00 DM), sondern auch handlich und man konnte sie überall mit hinnehmen.
    Da regt mich diese Buch-Rezension mal wieder an, doch sehe ich beim Stöbern, dass der Anacoda-Verlag auch einzelne Werke herausgegeben hat,
    und zwar wesentlich günstiger und auch handlicher von der Größe her, als die hier besprochene Ausgabe.
    Vielleicht eine Möglichkeit die Winterzeit zu überbrücken und zwar handlich und günstig.
    MfG
    Thomas Roth

  4. Juliane / I AM JANE 9. Juni 2017 at 16:14 Antworten

    Wow – eine tolle Vorstellung und ein tolles Buch! ❤︎

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