Buchblogs sind immer wieder ein Quell für gute Büchertipps und so bin ich auf Karins Blog auf das Buch Lieber Daddy-Long-Legs gestoßen. Fotografisch von Karin immer sehr gut in Szene gesetzt, hat die schicke Aufmachung des Buches mein Interesse geweckt. Der Königskinder Verlag, ein Imprint des Carlsen Verlags, mit der Zielsetzung schmucke Jugendbücher an den Leser zu bekommen, ist bei mir auf jeden Fall bisher nicht gerade im Fokus gewesen. Aber es zeigt sich doch, dass es lohnt immer mal wieder abseits der üblichen Pfade zu wandeln und so verbirgt sich dort eine sehr gelungene Neuauflage von einem Klassiker, der ursprünglich bereits 1912 veröffentlicht wurde. Mich hat der Klappentext ein wenig an Große Erwartungen von Dickens erinnert und so war meine Neugierde gleich doppelt geweckt.

Die Geschichte von dem Buch ist recht schnell erzählt: Die junge Waise Judy Abbott ist im Waisenhaus aufgewachsen und hat sich durch ihre literarischen Talente hervorgetan. Mit fast 18 Jahren ist sie schon zu groß für das Waisenhaus und bekommt von einem unbekannten Mäzen ein Studium an der Universität finanziert. Die einzige Bedingung: Sie muss regelmäßig Briefe an den ihr unbekannten Gönner schreiben, wobei dieser ihr nie antworten wird und wenn, ihr dann nur durch seinen Sekretär Informationen zukommen lässt. Nur die ersten Seiten sind im auktorialen Erzählstil verfasst und behandelt nur sehr kurz wie Judy von ihrem Glück erfährt. Der restliche Roman besteht ausschließlich aus Judys Briefen, die sie über den Zeitraum der vier Jahre ihres Studiums hinweg immer wieder verfasst.

Der lebhafte und einfache Stil der Briefe hat mir sehr gut gefallen und passt sehr gut zu einem jungen Mädchen, dass seine ersten Schritte in der großen weiten Welt macht. Besonders tiefgründig sind sie zwar nicht, aber sie haben doch einen guten Unterhaltungswert. Hat man einmal mit der Lektüre angefangen, dann ist es entspannend und unterhaltsam Judys Gedanken und Erlebnisse zu verfolgen und am Ende ist es wie ein Serienabend vor dem TV: Ab einem gewissen Punkt hört man nicht mehr auf zu lesen. Aufgelockert durch Skizzen und den vielen halb gefüllten Seiten, welche durch die Wechsel zwischen den Briefen entstehen, reicht ein Abend aus, um die 250 Seiten zu lesen. Ein perfektes Buch für zwischendurch, zum Abschalten und Entspannen.

Jean Webster war eine amerikanische Autorin und Journalistin, die sich primär Frauenthemen gewidmet hat. Liest man so ihre Biografie, dann fällt auf, dass sie in Daddy-Long-Legs Erfahrungen und Erlebnisse aus ihrer eigenen Zeit auf dem College eingearbeitet hat. Nach ihrem College-Abschluss ist sie nach New York gegangen um Schriftstellerin zu werden. Da verwundert es nicht, dass ihre Protagonistin ebenfalls das Ziel hat, schriftstellerisch tätig zu werden. Als Nichte von Mark Twain war Jean Webster auf jeden Fall in guter familiärer Gesellschaft.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall die wunderschöne Aufmachung von dem Buch. Es ist liebevoll gestaltet und alleine der Buchumschlag ist sehr gelungen. Aber auch der Buchdeckel ist mit einem schönen, dezenten Blumenmuster versehen, das auch im Inneren wieder aufgegriffen wird. Selbst der Titel auf dem Buchrücken ist schön eingefasst und optisch ist das Büchlein sehr schön anzusehen. Zudem ist es mit Illustrationen von Franz Regner angereichert, die zwar sehr einfach sind, aber zum Stil und dem Charakter von Judy sehr gut passen.

Mit der schönen Aufmachung, aber auch der Leichtigkeit, die dieser Klassiker besitzt, konnte diese Ausgabe bei mir sehr punkten. Scheinbar ist eine etwas aufwendigere und hochwertigere Herstellung eine Zielsetzung des Königskinder Verlages, was zu einigen Auszeichnungen geführt hat und auch eine gewisse Leserschaft angelockt hat. Offensichtlich waren es aber doch zu wenige Käufer und so wird der Verlag wohl kommendes Frühjahr sein letztes Programm vorlegen, wie ich hier gelesen haben. Wenn man einmal von Kochbüchern absieht, scheinen schöne Bücher wohl tatsächlich nicht sonderlich gefragt zu sein, was ich sehr schade finde, denn wie die Leser von meinem Blog hier wissen, liebe ich schöne und schmucke Bücher. Betrachte ich da die aktuelle Auswahl, dann ist sie definitiv zu klein.

Fazit: Mir hat Lieber Daddy-Long-Legs sehr gut gefallen. Es hat mich sehr gut unterhalten, ist leichte Kost für einen Abend und für eine entspannte Lesesession zwischendurch perfekt geeignet. Die Geschichte ist sehr vorhersehbar, die Briefe nicht sonderlich tiefgründig, aber mit der Leichtigkeit und dem erfrischenden Stil von Judy hat es mich doch gefesselt. Die Aufmachung ist sehr gelungen und mit dem dezenten Blumenmuster, der schönen Farbwahl und den passenden Skizzen konnte es mich von der Buchgestaltung sehr begeistern. Seinen festen Platz in unserem Bücherregal ist auf jeden Fall sicher. Wer Jugendbücher mag, dem wird das Buch bestimmt gefallen und auch als Geschenk ist es perfekt geeignet.

Wertung in Sternen

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Über das Buch

Titel: Lieber Daddy-Long-Legs
Autor: Jean Webster
Verlag: Königskinder
Illustration: Franz Regner
Übersetzung: Ingo Herzke
Erschienen: 29. September 2017
Erstveröffentlichung: 1912
Seiten: 256 Seiten

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verfasst von Tobi

    9 Kommentare

  1. Leselaunen 18. November 2017 at 19:45 Antworten

    Ein Buch, dass ich unbedingt noch lesen mag. Sehr schöne Fotos von dir.

    Neri, Leselaunen

    • Tobi 20. November 2017 at 14:09 Antworten

      Liebe Neri,

      das noch hört sich so an, als würdest du das noch aufschieben? Aber glaub mir, das ist sehr schnell gelesen und sehr unterhaltsam, es gibt also keinen Grund es nicht ganz oben auf den SuB zu legen 😉

      Liebe Grüße und herzlichen Dank
      Tobi

  2. huebi 18. November 2017 at 21:10 Antworten

    Namd,

    Ist das jetzt nur Band 1 – sprich Daddy Langbein – oder ist da auch Band 2 – Lieber Feind – in deiner Verson?

    //Huebi

    • Tobi 20. November 2017 at 14:10 Antworten

      Hallo Huebi,

      das ist nur der erste Band. Ich hab gar nicht mitbekommen, dass es da auch noch weiter ging. Gibt es von der Fortsetzung auch eine schöne und empfehlenswerte Ausgabe?

      Herzliche Grüße
      Tobi

  3. Karin 18. November 2017 at 22:20 Antworten

    Vielen lieben Dank erst einmal für die Erwähnung! Das Kompliment mit „gut in Szene gesetzt“ kann ich aber nur zurückgeben.: ) Ich war auch sofort angetan von der sehr schönen Gestaltung, welche einem gar nicht so häufig bei Jugenbüchern begegnet.

    „Die Geschichte ist sehr vorhersehbar, die Briefe nicht sonderlich tiefgründig, aber mit der Leichtigkeit und dem erfrischenden Stil von Judy hat es mich doch gefesselt.“
    – Vorhersehbar ist die Geschichte tatsächlich ein wenig, aber ich finde die Briefe haben so eine unausgesprochene Tiefgründigkeit. Liest man sie nur, dann wirken sie natürlich sehr direkt und so, als sei bereits alles gesagt. Aber wenn man sich etwas mit dem Charakter der Protagonistin beschäftigt, dann finde ich kann man ganz schön herauslesen, wie sie sich selbst als Jugendliche weiterentwickelt und wie sie mit der ‚Aufgabe‘ umgeht, eine berufliche Laufbahn wählen zu müssen. : ) Bei der Leichtigkeit stimme ich dir aber auch zu, denn man kann das Buch, wie du sagst, wunderbar an einem Tag auslesen und es eignet sich perfekt für Zwischendurch.

    Liebe Grüße
    Karin

    • Tobi 20. November 2017 at 14:15 Antworten

      Liebe Karin,

      was schöne Bücher angeht, bist du ja auch immer gut dabei. Ich stöber immer sehr gerne auf Deinen Blog!

      Da hast du recht, die charakterliche Entwicklung von Judy wurde in den Briefen durchaus deutlich. Gerade die Unsicherheit in den ersten Briefen und die Anlaufschwierigkeiten, aber dann auch das zunehmende Selbstbewusstsein in den späteren Briefen ist deutlich zu spüren. Wobei das Vergnügen eher darin liegt diesen Entwicklungsprozess zu folgen, sowie ihren erfrischenden Berichten und weniger in den Erkenntnissen der Protagonistin. Was allerdings auch ok ist, denn gerade das trägt ja zur Leichtigkeit des Buches bei.

      Liebe Grüße und herzlichen Dank für Dein Feedback!!
      Tobi

  4. Petra Gust-Kazakos 22. November 2017 at 15:17 Antworten

    Das klingt ja auch nach einem hübsch eskapistischen Buch, lieber Tobi. Ich denke, das könnte mir auch gefallen …
    Liebe Grüße
    Petra

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